Samstag, 29. Juli 2017

Birdlife-Sommerlager im Fanel, 24. bis 29. Juli 2017

Zum sechsten Mal in Folge hat die Natrix im Auftrag des Schweizer Vogelschutzes/Birdlife Schweiz Ende Juli am Südostufer des Neuenburgersees eine Beobachtungswoche für junge Naturbegeisterte aus der ganzen Deutschschweiz organisiert. 13 Kinder und Jugendliche beobachteten während sechs Tagen allerlei spannende Vogel- und andere Tierarten und machten draussen und drinnen tolle Spiele. Im Folgenden berichten die Teilnehmenden in Form eines Lagertagebuches von ihren Erlebnissen und Eindrücken - wir wünschen viel Lesespass!

Erster Tag - Montag, 24. Juli

Um 11 Uhr trafen wir uns am Bahnhof Ins. Danach fuhren wir ins Fanelhaus. Nachdem wir unsere Zimmer eingerichtet hatten, machten wir diverse Kennenlernspiele. Bevor wir zum Berner Turm marschierten, assen wir zu Mittag. Nachdem wir von vielen Vogelarten begrüsst worden waren, fuhren wir mit dem Velo in Richtung Damm. Vom Naturschutzzentrum La Sauge gingen wir zu Fuss auf den Damm. Auf dem Weg sahen wir eine Ringelnatter und viele verschiedene Vögel. Später sind wir nach Hause gegangen und haben zu Abend gegessen. Nach dem Essen haben wir uns nochmals auf Pirsch begeben. Die Möwen, die vor einem wunderschönen Regenbogen vorbeiflogen, erfüllten uns (und unsere Herzen) mit Freude (sooo kitschig!).

Die häufigste Grossmöwe der Schweiz vor ungewohnter Kulisse.
Foto: Levi.

Für den Bericht: Léo, Konstantin und Selina

Zweiter Tag - Dienstag, 25. Juli 

Nach einer kurzen Nacht kam uns Eric für die Morgenexkursion um 5 Uhr wecken. Wir fuhren bei leichtem Regen Richtung Gemshoger. Auf dem Weg kreuzte eine Schleiereule unsere Wege. Auf dem Gemshoger angekommen sahen wir Nachtreiher, Sandregepfeifer und Purpurreiher. Nach einem guten Frühstück gingen wir in Richtung Berner Turm. Auf dem Weg hörten wir eine Brandseeschwalbe und Levi konnte den Vogel auch ganz kurz sehen! Auf dem Berner Turm beobachteten wir, wie ein Flussseeschwalbenküken ins Wasser fiel und mehrere Runden um die Kolonie schwamm. Da es so fest regnete, spielten wir "Stadt-Land-Fluss". Nach dem Mittag entdeckten wir hinter dem Fanelhaus einen Limikolenteich. Darin sahen wir einen Temminckstrandläufer, Wald- und Bruchwasserläufer usw. 

Auch diesem Flussregenpfeifer gefiel es am neuen Limikolenteich.
Foto: Levi.

Danach gingen wir langsam zum Gemshoger. Auf dem Weg flog uns ein Baumfalke über den Kopf und wir beobachteten einen Fuchs auf Mäusejagd.

Reineke Fuchs auf der Suche nach einem kleinen Happen.
Foto: Levi.


Vom Turm aus beobachteten wir einen Kampfläufer aus verschiedenen Perspektiven (vom Dach, dem Treppengeländer und wie üblich vom Boden aus):

Waghalsig, waghalsiger, Sommerlager:
Wie kann man den Kampfläufer am besten sehen?

Als wir knapp zum Abendessen zurückkamen, tanzte uns ein wilder Höhlenbewohner namens Léo mit lauter Tanzmusik und Rasseln entgegen. So rief er uns zum Abendessen. Danach brachen wir zur Abendexkursion zum Berner Turm auf. Dort sahen wir Fluss- und Küstenseeschwalbe, Mauersegler etc. Leider windete es wieder einmal sehr stark, so dass wir nicht lange blieben. Zurück im Fanelhaus legten wir uns schlafen.

Für den Bericht: Andrea, Noémie und Jonas 

Dritter Tag - Mittwoch, 26. Juli 

Nach einer ziemlich erfolgreichen Morgenexkursion mit Nachtreiher, Zwergdommel und einigen Limikolenarten mussten wir schnell frühstücken, um rechtzeitig zur Führung von Nicolas Baiker in La Sauge zu sein. Auf dieser lernten wir viele uns meist unbekannte Wasserinsekten, Käfer etc. kennen, die wir danach in natura aus dem Teich fischen durften.

Kescher Marsch! Elias & Co. auf der Jagd nach Wassergetier.

Nicolas zeigte uns anschliessend noch die beiden grösseren Teiche im Naturschutzzentrum, wo wir Eisvogel, Ringelnatter und Kuhreiher zu Gesicht bekamen. 

Natrix natrix - unser Namenspatron mal ganz aus der Nähe.
Hier leider ein nicht mehr ganz so fittes Exemplar...
Foto: Levi.

Wir verweilten noch einige Zeit dort und stärkten uns mit mitgebrachtem Lunch, um nachher die lange Fahrt in die Krümmi auf uns nehmen zu können. Dabei kamen wir aber nicht allzu schnell voran, da wir z.B. von der Schleiereule in der Fruchtschüür oder einer Turteltaube aufgehalten wurden. Das Highlight unserer Tour war aber ein seit mehreren Wochen hier rastender Singvogel: der Schwarzstirnwürger. Lange Zeit waren zwei Individuen gemeldet, wir konnten jedoch nur einen entdecken. Nach diesem sehr erfolgreichen Ausflug tobte sich ein Teil noch beim Fussballspielen aus, bevor Ratatouille mit Polenta aufgetischt wurde. 

Karotten würfeln - was gibt es Schöneres?

Die letzte Exkursion des Tages führte uns auf den Berner Turm, wo nicht nur Vögel beobachtet werden konnten, neben Küstenseeschwalbe und Zwergdommel nämlich auch Wildschweine und zwei Biber. Nach diesem spannenden Tag begaben wir uns gut gelaunt zur Ruhe.

Für den Bericht: Leon und Bran

Vierter Tag - Donnerstag, 27. Juli

Nachdem heute alle Kinder ausgeschlafen hatten, frühstückten wir. Da gestern eine Schmarotzerraubmöwe auf dem Damm gesehen wurde, gingen wir hoffnungsvoll dorthin. Als wir ankamen, sahen wir Alpenstrandläufer und Flussuferläufer. Aber schon bald schrie Léo "Schmaro"! Die meisten von uns konnten diese seltene Vogelart sehen.

Aufregung pur bei fast allen: Wer findet die seltene Schmarotzerraubmöwe?

Wie gesagt: fast allen...

Auf dem Rückweg ein nächstes Highlight: Ein adulter Steinwälzer, der sich aber leider nur kurz blicken liess. Nach einer kurzen Pause spielten wir das den meisten bekannte Spiel "Stratege". Nach drei spannenden Runden gingen wir zurück zum Haus. Leider verliess uns an diesem Abend Jonas wegen Heimwehs. Wir beschlossen, einen kurzen Ausflug zum Limikolenteich hinter dem Haus zu machen. Danach ging es zur Fruchtschüür. Schon auf dem Hinweg erfreute uns eine singende Wachtel. Bei der Fruchtschüür konnten wir die Schleiereulen sitzend und jagend beobachten. Glücklich fuhren wir nach Hause und fielen erschöpft ins Bett.

Für den Bericht: Levi & Elias

Fünfter Tag - Freitag, 28. Juli 

Als wir um 5.30 Uhr aufstanden, regnete es in Strömen. Zuerst gingen wir zum Limikolenteich und beobachteten verschiedene Watvögel. Nachher fuhren wir mit dem Velo in Richtung Gemshoger. Auf dem Weg dorthin sahen wir vier Wildschweine, die den Weg überquerten. Beim Gemshoger angekommen liess der Regen langsam nach. Kurze Zeit später konnten wir eine Rohrweihe beobachten, die über das Schilf flog. Auf dem Rückweg liefen uns wiederum Wildschweine über den Weg, dieses Mal sieben Stück! Nachdem wir beim Haus angekommen waren, konnten wir noch ein bisschen schlafen. Aber schon bald darauf gab es Frühstück, das von den Mädchen vorbereitet wurde, damit sie am heutigen Bird-Race auch ganz sicher in derselben Gruppe sein würden. Nach dem leckeren Frühstück erledigten wir unsere Ämtli und bereiteten uns aufs Birdrace vor. Nach dem Start fingen wir alle eifrig an, Vogelarten akustisch oder visuell zu erfassen. Drei Stunden später kamen wir alle wieder zusammen und tauschten unsere Beobachtungen aus. Gewonnen hat die Mädchengruppe mit 72 verschiedenen Arten. Anschliessend assen wir zu Mittag. Es gab Salat und Aufschnitt. Nachdem wir die nächsten Ämtli abgehakt hatten, lernten wir dank Eric etwas mehr über Heuschrecken. Einige der Arten konnten wir auch fangen und deshalb aus der Nähe bestaunen. Zudem gingen uns eine kleine Zauneidechse und ein Laubfrosch in die Fänge.
Nach einem leckeren Zvieri ging es weiter mit der zweiten Runde "Stratege". Die heutigen drei Spiele dauerten deutlich länger als die gestern. Leo entzündete unterdessen ein Feuer und grillierte netterweise Pilze und Grillkäse, später auch noch in Folien gewickelte Kartoffeln und Schokoladebananen.

Chef de service Léo verteilt des spécialités régionales (oder so...).

Glückseligkeit.

Die Wartezeit zwischen den verschiedenen Griffgerichten vertrieben wir uns mit Ballspielen und einer Wasserschlacht. Deshalb mussten einige ihre Kleider wechseln. Als es dunkel wurde und das Feuer beinahe erloschen war, machten wir uns auf den Heimweg. Einige duschten noch ganz kurz, danach gingen alle bald ins Bett. Währenddessen backten unsere netten Leiter, Léo, Julia und Eric, noch Brownies! Mmmmhhhh...

Für den Bericht: Manuel, Noé & Alina

Sechster Tag - Samstag, 29. Juli

Heute blieb leider wenig Zeit fürs Beobachten (kurzer Ausflug zum Limikolenteich, wo eine Bekassine hinzugekommen war), weil wir das Haus auf Vordermann bringen mussten. Da alle kräftig anpackten, war das in relativ kurzer Zeit geschafft. Auf dem Weg zum Bahnhof machten wir bei der Fruchtschüür noch einen kurzen Stopp, um das Lager revue passieren zu lassen. Um 13 Uhr ging am Bahnhof Ins eine erlebnisreiche Woche zu Ende. Wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr!

Um viele schöne Beobachtungen und Erfahrungen reicher: die Teilnehmer 2017.

Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Julia Zahnd.

Sonntag, 16. Juli 2017

Neophyten-Einsatz im Naturschutzgebiet auf den Hegmatten, Winterthur

Eine zentrale Aufgabe bei der Pflege von Naturschutzgebieten ist die Bekämpfung invasiver Pflanzenarten, sogenannter Neophyten. In dem von der Natrix betreuten Naturschutzgebiet auf den Hegmatten am Ostrand Winterthurs ist insbesondere die Kanadische Goldrute ein Problem. Dieser Art rückt man am besten ab Mitte Juli zu Leibe, da sich dann die gelben Blüten auszubilden beginnen und es dann leichter fällt, die Pflanzen in der Vegetation zu finden. Zugleich haben sie sich aber noch nicht versamt und eine zusätzliche Ausbreitung über Samenabwurf kann damit unterbunden werden. 

Dennis besucht das Gebiet auf seinen Beobachtungsrundgängen im Gebiet Hegmatten regelmässig und so ist ihm vor einigen Tagen aufgefallen, dass man möglichst schnell eine erste Zupfaktion durchführen sollte, da die Goldruten in ihrer Entwicklung heuer etwas schneller sind als sonst. Deswegen trommelte er ein paar Nasen aus dem (erweiterten) Leiterteam zusammen, und während einiger heisser Mittags- und Nachmittagsstunden zupften sich Merlin, Eric, Dennis und Patrick fleissig durch das Gebiet. 
Dabei sahen wir nicht nur verschiedene Pflanzenarten, sondern auch das eine oder andere interessante Insekt. U.a. grüssten gleich mehrere der hübschen Moschusböcke mit ihren faszinierenden Fühlern:

Ein neugieriger Zeitgenosse:
der Moschusbock (Aromia moschata).

Aber auch apart gezeichnete Raupen kreuzten unsere Wege - darunter auch eine des Kleinen Nachtpfauenauges:

Sowohl als Larve als auch als
Schmetterling ein Hingucker: Saturnia pavonia.


Die Begegnungen mit diesen coolen Tierchen setzten einen netten Kontrapunkt zur Enttäuschung, dass wir erstmals seit längerer Zeit mehr Goldruten ausreissen mussten als im Vorjahr. Bis anhin schien der Bestand Jahr für Jahr zurückzugehen. Hoffen wir, dass dies nur ein letztes Aufbäumen darstellt, und wir die Art bald auf ein Minimum reduziert haben werden. Dafür zupfen und kämpfen wir weiter - eine zweite Zupfaktion für die Goldrutennachzügler ist für den Spätsommer anberaumt.

Die "Ausbeute" der heutigen Zupfaktion.

Bericht: Patrick Mächler.
Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 11. Juni 2017

Bei Karmingimpel & Co. im Urserental

Bereits früh am Morgen trafen wir uns am Hauptbahnhof in Zürich, um uns auf den Weg zum knallroten Karmingimpel zu begeben. In Andermatt machten wir einen Rundgang und beobachteten und lauschten einigen Vögeln. 

Die Natrix unterwegs im dünn besiedelten Urserental.

Jede Gruppe erhielt einen Zettel mit vier Vögeln, die wir im Laufe des Tages entdecken sollten. Mehlschwalben und eine Felsenschwalbe suchten an einer kleinen Pfütze lehmiges Nistmaterial. Mit moderner Technik wurde uns der Gesang des Objektes der Begierde vorgespielt (ganz leise natürlich, damit die Karmingimpel in der Gegend nicht das Gefühl haben, es sei ein fremder Fötzel in ein Revier eingedrungen!). Es dauerte tatsächlich nicht lange, da hörten wir so etwas in der Art und siehe da: Ein Karmingimpel kam herangeflogen, setzte sich auf einen kleinen Baum und gab uns eine Kostprobe seiner Gesangskünste. Das Männchen war zwar (noch) nicht rot, da es sich um einen letztjährigen Jungvogel handelte. Die Begeisterung war trotzdem sehr groß.

Tju-tju-tuuuu! Ein unausgefärbtes Karmingimpelmännchen schlägt seine eingängige Strophe und entzückt damit die versammelte Jungornithologenschar.

Mit dem Zug fuhren wir bequem auf den Nätschen. Trotz einer Höhe von mehr als 1800 Metern über Meer war es beachtlich warm hier oben. In der größten Hitze kämpften wir uns steil bergauf. Wir entdeckten ein knuffiges, junges Wintergoldhähnchen auf einem Ästlein sitzen, das seine Eltern rief. 

Der Preis für den putzigsten Vogel der Exkursion geht an...
... das junge flügge Wintergoldhähnchen!

Schweißüberströmt keuchten wir weiter den Berg hoch. An der Waldgrenze angekommen, gönnten wir uns eine wohlverdiente Mittagspause. Wir hofften sehnlichst auf einen Steinrötel, die Suche blieb leider erfolglos. An der Krete entdeckten wir einen Schneesperling, der da und dort nach Nahrung suchte. Mehrere Ringdrosseln pickten ebenfalls nach etwas Essbarem.

Langsam machten wir uns auf den Rückweg zur Bahnstation Nätschen und erfreuten uns unterwegs an mehreren Bluthänflingen, die auf einem Baum saßen, sowie an vielen Bergpiepern im Singflug. 

Weit und breit kein Steinrötel - aber immerhin ein paar Dreitausender. Au schöön!

In Andermatt gönnten wir uns in einem Restaurant ein von der Natrix spendiertes, erfrischendes Glace. Mit vielen bleibenden Erlebnissen machten wir uns bald darauf in einem heißen, überfüllten Zug auf den Heimweg.

Bericht: Alina & Elias.
Fotos: Elias.

Sonntag, 28. Mai 2017

Auffahrtslager in der Region Amden

Weil das Fanelhaus, wo das Frühlingslager der Natrix meistens stattfindet, schon früh ausgebucht war, entschieden sich die Leiter für ein Lager in Amden. Das Dorf thront über dem Walensee und liegt auf St. Galler Kantonsgebiet. Die Region ist für ihre Bergvögel bekannt. Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn es war fast immer sonnig und recht warm.

Erster Tag: Donnerstag, 25. Mai

Am Morgen trafen wir uns gespannt am HB und fuhren mit der S-Bahn nach Ziegelbrücke, von wo aus es mit dem Postauto nach Amden weiterging. Die Bushaltestelle war unmittelbar neben unserer Unterkunft, zu der indirekt auch ein Hallenbad gehört. Wir gingen kurz ins Haus, um unser Gepäck loszuwerden.

Ausblick aus unserer Unterkunft: Schweizer Bergidylle in Bullaugenoptik - wo sonst
gibt es Gebirgs- und Hochseefeeling gleichzeitig? ;-)
Foto: Patrick Mächler.

Bald darauf machten wir uns auf eine erste Erkundungswanderung. Wir marschierten bergauf durch den Wald, wo wir u.a. den Gesang eines Berglaubsängers hörten. Nach einer Mittagsrast gelang uns die Beobachtung eines Zitronengirlitz, der für einen Moment auf einer Baumspitze verweilte. Auf einem hohen Gipfel war eine Gruppe Gämsen zu sehen und Steinadler flogen ab und zu vorbei. Baumpieper waren überall zu hören und manchmal auch schön zu sehen. 

Omnipräsent: der Baumpieper und sein etwas monotoner Gesang.

Nach einer Weile zog es uns wieder talwärts. In kleinen Tümpeln beobachteten Bergmolche und zur Krönung der ersten Exkursion durften wir einen sitzenden Steinadler bewundern, der es sich auf einem Baum gemütlich gemacht hatte:  

Aquila arborea.

Zweiter Tag: Freitag, 26. Mai

Am Freitag fuhren wir mit dem ersten Bus des Tages nach Arvenbüel, eine Ansammlung von Häusern oberhalb von Amden. Wenige Minuten nach unserer Ankunft konnten wir eine  singende Klappergrasmücke beobachten. Danach wanderten wir durch den Wald bergwärts und entdeckten unterwegs ein Gartengrasmückennest, dessen Standort der Vogel schlauerweise durch seine Rufe verriet... Weiter oben konnten wir auch eine Ringdrossel schön beobachten. Wir machten uns auf die Suche nach Dreizehenspechten, aber hatten kein Glück. 

Typische Landschaft ob Amden SG (und ein μ Kamerahülle).

Danach verließen wir den Wald und fanden nach recht erfolglosem Beobachten einen Haufen Federn. Die Federn waren schwarz-weiß und es gab viele, woraus wir folgerten, dass es ein ziemlich großer Vogel gewesen sein muss. Da alle Federn unbeschädigt waren (da fein säuberlich ausgezupft), muss der Jäger ein Vogel gewesen sein (Säugetiere würden die Federn abbeißen). Nachdem Levi eine gebogene schwarze Feder gefunden hatte, war klar, dass wir es mit den Überresten eines Birkhahns zu tun hatten. Leider, so merkten einige Zyniker an, zählen Vögel nur dann für die Liste, wenn sie noch warm sind... 
Bald darauf waren wir erneut in einem Dreizehenspechthabitat. Dieses Mal fanden wir ein paar merkwürdige Baumhöhlen, aber wiederum keine Spechte. Immerhin war aus der Ferne kurz ein Birkhuhn zu hören.
Als wir zurück in Amden waren, spielten wir trotz der Hitze Fußball zu Land und später Wasserball im Pool.

Dritter Tag: Samstag, 27. Mai

Am Samstag standen wir um 3.00 Uhr am Morgen auf, um in einem interessanten Gebiet in hochmontan-subalpiner Höhenstufe (;-)) eine Morgenexkursion zu machen. Oft balzen dort Birkhühner - ein Schauspiel, bei dem die Männchen um die Weibchen tanzen und kämpfen. Da das Postauto um 3 Uhr früh noch nicht fährt, mussten wir die sechs Kilometer bergauf gehen. Etwa ab 4 Uhr waren die ersten Vogelstimmen zu hören. Hausrotschwanz, Heckenbraunelle und Kuckuck sangen schon lange, bevor es hell war.

Frühmorgendlicher Ausblick Richtung Glarner Alpen.

Als wir am Zielort ankamen, war es schon ziemlich hell und nach wenigen Minuten entdeckten wir einen einzelnen balzenden Birkhahn. Wir waren beeindruckt von der Stimmung, als die Sonne ihre ersten Strahlen auf die alpine Moorlandschaft warf, in der der Birkhahn drauflos kullerte. Wir hörten auch das leise Fauchen, das die Hähne beim Balzen machen. Nach ein Paar Minuten flogen mindestens vier weitere Birkhähne vorbei. Zwei von ihnen landeten auf zwei Baumkronen, ein typisches Verhalten dieser Art. 


Mystisch: ein Birkhahn kullert um die Gunst der Weibchen.

Birkhähne baumen gerne auf, wenn sie nicht gerade liebestoll in der Balzarena herumrennen.

Sehr zufrieden gingen wir in den Wald, um zu frühstücken und auf weitere Vögel zu warten. Nach wenigen Minuten hörten wir einen Specht. Wir beobachteten ihn kurz und bestimmten ihn als Dreizehenspecht. Einen Augenblick später kam er zurück und blieb etwa 30 Sekunden auf einem nahen toten Baum, so dass die üblichen Merkmale gut zu sehen waren. Was für eine schöne Überraschung! 
Nach dieser Entdeckung beobachteten wir ein schönes Gartenrotschwanz-Männchen und nahmen den Rückweg Richtung Amden unter die Füße. Auf dem Weg trafen wir die Natrixler, die nicht mitgekommen waren, und ruhten uns ein bisschen aus. Die ganz Tapferen brachten noch Energie auf, um die eine oder andere Bergvogelart abzulichten:

Immer voll dabei: Elias und Levi.
Foto: Patrick Mächler.

Während der Rast beobachteten wir zwei schöne Wespenbussarde (lokale oder durchziehende Vögel?). Danach gingen wir wieder zum Lager und holten etwas Schlaf nach resp. vor, denn wir alle hatten Lust, am Abend nochmals aufzubrechen und eine Nachtexkursion zu machen.

Nach etwas Schlaf und viel Wasserballspaß ging es am Abend mit dem Bus nach Arvenbüel. Wir wanderten wieder in die Höhe, um Arten, die in der Dämmerung aktiv sind, zu sehen. Auf dem Weg beobachteten wir zwei Steinböcke, eine berühmte Schweizer Bergart, sowie Zitronengirlitze, einen Kuckuck, Ringdrosseln und eine Klappergrasmücke. Als wir das eigentliche Ziel unserer Exkursion erreicht hatten, eine spannende Moorlandschaft, war es schon fast dunkel. Wir fanden einen Platz, wo wir gut sitzen konnten und warteten. Plötzlich hörten wir den knurrenden Balzruf der Waldschnepfe, und wenig später flog sie sogar über unsere Köpfe hinweg! Welch fantastische Beobachtung - und welch großes Glück dazu, denn hätten wir nur etwas weiter unten gestanden, wäre sie wohl unbemerkt an uns vorbeigeflogen. Nachdem sich unsere Aufregung gelegt hatte, hörten wir den Gesang zweier Raufußkäuze - ein unheimliches, aber auch schönes Geräusch. Unter einem beeindruckenden Sternenhimmel und bei sommerlich warmen Temperaturen wanderten wir um 22 Uhr los zurück Richtung Amden, wo wir kurz vor Mitternacht erschöpft, aber zufrieden ins Bett fielen.

Vierter Tag: Sonntag, 28. Mai

Am letzten Tag des Lagers mussten wir alle beim Aufräumen und Putzen helfen. Da wir schneller als erwartet fertig geputzt hatten, hatten die Leiter die Idee, ein Mini-Birdrace zu veranstalten. Wir bildeten zwei Gruppen und mussten so viele Arten wie möglich zählen. Die Gewinner hatten am Ende nur eine Art mehr als die Verlierer, ein knapper Ausgang! Nach diesem letzten Nervenkitzel machten wir uns auf den Heimweg und fuhren zurück nach Zürich.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Benjamin.

Sonntag, 9. April 2017

Fliegende Säugetiere - bei den Fledermäusen an der Museggmauer in Luzern

Nach dem Fledermaus-Vortrag an der GV war es endlich so weit, unsere theoretischen Kenntnisse ins Feld zu tragen und unsere einzigen fliegenden Säugetiere zu beobachten. Obwohl den meisten am nächsten Tag Schulunterrichten bevorstand, reisten 11 Natrixler am Sonntagabend in die Altstadt von Luzern. 

Nicht nur pittoresk, sondern auch artenreich:
die Museggmauer, das Ziel dieser Exkursion.

Als wir nach 15-minütigem Fussmarsch an der Museggmauer beim Männliturm ankamen, konnten wir dort viele Dohlen vorfinden, die in den zahlreichen Löchern der Mauer nisten. 

Beäugte uns kritisch: eine hübsche Dohle.

Daneben erfuhren wir etwas über den Lebensraum und weshalb sich genau hier besonders viele Fledermäuse tummeln. Zwischendurch kam immer wieder Begeisterung auf, wenn ein Gänsesäger, der ebenfalls in den Türmen brütet, angeflogen kam. Das war ein sehr spezieller Anblick, da die meisten diese Art eher auf dem Wasser erwarteten. Danach hiess es warten, bis es dunkel wird… 

Die Prognose, dass die Fledermäuse um 20.15 Uhr erscheinen würden, traf leider nicht ganz ein - die Verspätung hielt sich aber in Grenzen, zumal wir um 20.17 Uhr die erste Fledermaus entdecken konnten ;-). Trotz des Detektors konnte man sie nicht hören, doch wurden wir durch den typischen Schwirrflug auf sie aufmerksam. Ein Braunes Langohr! Kurz darauf folgten weitere und sie bekamen Gesellschaft vom Kleinen Abendsegler:

Ein Kleiner Abendsegler im rasanten Jagdflug über unseren Köpfen.

Diese konnten wir herrlich vor dem letzten Abendrot jagen sehen. Aus den zwei Fledermausdetektoren hörten wir nun plötzlich ununterbrochen Rufe. Anwesend waren Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse, welche die kleinsten Fledermäuse Europas sind, eine Rauhautfledermaus und einige Weissrandfledermäuse. 

Die winzige Mückenfledermaus teilt sich den Nachthimmel u.a. mit ihrer Schwesterart, der Zwergfledermaus, von der sie erst seit etwas mehr als zehn Jahren abgetrennt wird und nun Artstatus geniesst. 

Um 20.45 mussten wir uns zurück zum Bahnhof begeben, denn den Zug durften wir keinesfalls verpassen. Aufgrund einer Zugentgleisung eine Woche zuvor standen nach 21.20 Uhr Bauarbeiten an und der ganze Bahnhof wurde geschlossen. Auf dem Rückweg kam noch die letzte Fledermausart des Abends dazu, die Wasserfledermaus, die über der Reuss jagte. 
Zufrieden und müde ging es dann zurück nach Zürich und ab ins Bett.

Bericht und Fotos: Samuel Betschart.

Sonntag, 19. März 2017

Was singt denn da? - Stimmenexkursion im Wald bei Glattfelden

Vor der Exkursion hatten wir von Exkursionsleiter Eric den Auftrag bekommen, bei uns in der Nähe auf die Vogelstimmen in der Umgebung zu achten und zu überlegen, welche Stimmen wir problemlos erkennen und mit welchen wir Schwierigkeiten haben. 

Im Gebiet (einem Wald in der Nähe von Glattfelden) angekommen, versuchten wir herauszuhören, wie viele Vögel um uns herum sangen und welche Arten es waren. Das Ziel der Exkursion war es, die 20 häufigsten Gesänge und Rufe, die in einem Schweizer Mittellandwald zu hören sind, sicher ansprechen zu können. Das trockene, bewölkte Wetter war für eine Stimmenexkursion zwar nicht perfekt, doch haben wir trotzdem zahlreiche Vogelstimmen gehört, nämlich den Buchfinken, das Rotkehlchen, die Ringeltaube, den Bunt- und den Grünspecht, das Sommergoldhähnchen, die Kohlmeise, die Blaumeise, den Eichelhäher, die Amsel, die Singdrossel, die Misteldrossel, den Kleiber, die Mönchsgrasmücke, den Zilpzalp und den Zaunkönig. An spezielleren Arten hörten wir Rotdrossel und Kernbeisser – auf letzteren konnten wir sogar einen Blick erhaschen, als er über uns hinwegflog. Gekrönt wurde der Ausflug von der Beobachtung eines Mittelspechts.

Dank der Exkursion fühlen wir uns in der Bestimmung anhand des Gesanges oder Rufes jetzt definitiv sicherer. Der Frühling bietet nun viele Gelegenheiten, das Gelernte in einem nahe gelegenen Wald zu festigen!

Frischgebackene Stimmenexperten im Wald.
Foto: Merlin Hochreutener.

Bericht: David Kästli.

Sonntag, 26. Februar 2017

Winterexkursion an den Bodensee

Da die letzte Natrix-Exkursion an den Bodensee im vergangenen Dezember von Kälte und Nebel geprägt war, hofften wir darauf, dieses Mal bessere Bedingungen anzutreffen. Und die Hoffnung erfüllte sich: Der Himmel über dem Bodensee war blau, als wir an diesem Morgen im Kreuzlingen aus dem Zug stiegen. Darüber erfreute sich die ganze Schar, die rund zwanzig Leute zählte.Im Kreuzlinger Hafen bestiegen wir den Aussichtsturm, der einen vielversprechenden Blick auf die Wasservogel-Ruhezone und den See eröffnet. Von dort konnten wir nebst vielerlei interessanten Vogelarten wie Löffel- und Krickenten und Bekassinen die seit geraumer Zeit im Gebiet anwesenden Eisenten ausmachen. Da man in der Schweiz nicht täglich Eisenten sieht, nahmen wir uns Zeit, die Schönheit der drei anwesenden Individuen ausgiebig zu bestaunen. Leider waren die Enten für ansprechende Bilder zu weit weg und es reichte nur für einen Beleg:

Die putzig-hübschen Eisenten - wegen des Wellengangs war es schwierig,
alle drei aufs Bild zu bekommen...
Foto: Dennis Riederer.

Dann fuhren wir im Zug nach Altnau. Aber das Finden von Seetauchern gestaltete sich aufgrund des anhaltenden Windes der Wellen vor sich hertrieb, schwierig. Dennoch entdeckten wir einen weit entfernten Prachttaucher.

Weniger grau als letztes Mal, aber es zieht!
Die Natrixler am Strand bei Altnau.

Da Altnau als Beobachtungspunkt an diesem Tag nicht besonders ergiebig erschien, entschieden wir, des Ufers entlang nach Güttingen zu laufen. Bald aber legten wir Rast ein, denn es war Mittag und die Gruppe hatte Hunger. Brötchen essend suchten wir den See ab und entdeckten neben einem weiteren Prachttaucher einen aussergewöhnlich grossen Trupp dunkler Enten, der weit draussen auf dem See trieb. Von Zeit zu Zeit flügelte eine der Enten und liess unschwer den weissen Spiegel auf dem Flügel erkennen, der für Samtenten diagnostisch ist. 

"Wie erkenne ich, dass die kleinen schwarzen Punkte Samtenten sind?"
Unser aus Göttingen importierter Exkursionsleiter versucht Klärung zu schaffen.

Als alle gesättigt waren, war es Zeit für eine Reihe aufregender Spiele und die Inbetriebnahme der örtlichen Gigampfi ;-) 

Mittlerweile hatten sich die Wogen geglättet, wir hatten weite Sicht. Kurz vor Güttingen entdeckte Eric eine weitere Eisente. Die Vermutung liegt nahe, dass sie dem Grüppchen von Kreuzlingen entstammte und sich zwischenzeitlich nach Güttingen verschoben hatte. Ausserdem hatten wir beste Sicht auf ein paar Mittelsäger. Als wir dann vom Güttinger Hafen aus Ausschau hielten, war es erneut Eric, der ein Eisente erspähte. Es handelte sich jedoch um das gleiche Individuum, das wir schon eine halbe Stunde zuvor beobachtet hatten. Es schien, als bewegte sich die besagte Eisente im Gleichschritt mit uns in Richtung Osten.

Gegen den späteren Nachmittag nahmen wir nochmals den Zug und fuhren nach Romanshorn. Dort tummelte sich im durchschnittlich grossen Reiherenten-Trupp eine männliche Bergente. Im Hintergrund weilte ein Flussuferläufer auf einem Schiffssteg. 

Die Einfahrt der Friedrichshafener Fähre bringt Unruhe in den Ententrupp.
Wer findet die Bergente wieder?

Schliesslich begaben wir uns auf die Mole, die eine gute Sicht in die Egnacher Bucht bietet und für ein aufregendes Finale der heutigen Exkursion sorgte. Hier nämlich entdeckten wir diverse spannende Vogelarten wie einen weibchenfarbigen Zwersäger, vier Mittelsäger, eine Brandgans, einen Grossen Brachvogel, eine adulte Steppenmöwe, ungefähr zehn Singschwäne und darunter einen Zwergschwan. Dieser war zwar weit entfernt, durch den direkten Vergleich mit den Singschwänen aber eindeutig bestimmbar. Nachdem sich die überwiegende Mehrheit der Exkursionsteilnehmer verabschiedet und den Zug nach Zürich genommen hatte, fanden die wenigen Ostschweizer, die eine zusätzliche halbe Stunde am Ort verblieben, einen Ohrentaucher - gut versteckt in einem grossen Trupp Schwarzhalstaucher.

Egal, ob man den Ohrentaucher zu Gesicht bekam oder nicht: Wir alle blicken auf eine äusserst erfolgreiche Exkursion zurück und sind nach dieser letzten "Winterexkursion" gespannt, was der Frühling bringt...

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Jakob Hochuli.