Sonntag, 31. Oktober 2010

Arbeitseinsatz im Oerlinger Ried

Oerlinger Ried Natrix Power!!

Der traditionelle Arbeitseinsatz führte uns diesmal an einen spannenden Ort mit einigen Vögeln und vor allem... viel Action! Leider nahmen nur wenige Natrixler Teil, so machte sich das kleine Grüppchen Merlin, Fabian Kästli, Fabian Ducry und David unter der Leitung von Marco Sacchi - ehemaliger Natrixleiter und Gründungsmitglied - vom Verein Naturnetz (www.verein-naturnetz.ch) ins Oerlinger Ried auf.

Los geht's!

Die Aufgabe des Tages bestand darin, einen Teich freizumähen, um diesen wieder für Wasservögel wie viele rastende Limikolen freizumachen. Und nicht wie vor ein paar Jahren, als wir mit Sägissen das Schilf unter Wasser mähten, stand uns diesmal modernste Technik zur Verfügung: Motorsensen! Fast wie Astronauten eingekleidet, machten wir uns deshalb ins Knie- bis Hüft-tiefe Wasser (je nach Körpergrösse ;-) und gaben dem Schilf wortwörtlich den Rest...


Merlin 1, Schilf 0!

Das ganze Schilfgut musste aber natürlich auch an Land gezogen werden und dann aus dem Ried abtransportiert werden - und hier stellte sich Fabian Kästli als leidenschaftlicher Raupenfahrzeug-Pilot heraus. Alle durften mal das lustige Gefährt ohne Steuerrad durchs Ried kurven und lernten bald, wie man mit drei Hebeln (linke Raupe, rechte Raupe, Gas) einen Mini-Panzer steuern kann.


Panzerfahrer des Tages: Fabian Kästli!

Nach einer Stunde fanden wir heraus, für wen wir diese Arbeit eigentlich machen, ein junger Alpenstrandläufer flog bald um den Teich und landete - zu unserer Überraschung - nicht weit von uns am Boden. Mit der Zeit fanden wir heraus, dass wir ja die ganze Zeit an diesem Vogel vorbeigefahren sind, ohne es zu merken. Und Merlin bewies dann vollends, dass es sich um einen handzahmen Vogel handelte: Immer noch in Fischerstiefeln robbte er durch den triefenden Schlamm, bis er den Vogel auf einen (!) Meter mit der Kompaktkamera bildfüllend fotografieren konnte...

Von so einem Foto träumen viele mit teurer Ausrüstung... Merlin macht's mit der Kompaktkamera - woo-hoo! (Foto: Merlin Hochreutner)

Nach einer feinen Zvieri-Pause und einem bereits anstrengenden Morgen lud uns Marco zu einem grossen Zmittag im Restaurant ein - dort wollten wir's wissen und bestellten gleich eine Schlachtplatte für drei Personen, die wir zu fünft kaum zur Hälfte essen konnten... Trotz übervollem Bauch ging es aber am Nachmittag nochmals voll zur Sache und wir konnten den Teich komplett von Schilf befreien. Der grosse Haufen am Rand des Rieds zeugt von unserer grossen Motivation trotz kleiner Gruppe! Und als Fazit kann man sagen: Alle, die nicht dabei waren, haben ziemlich viel Action verpasst und haben beim nächsten Arbeitseinsatz sicher die Gelegenheit, dies nachzuholen!

Einen herzlichen Dank möchten wir an Marco Sacchi richten, für die Organisation des coolen Arbeitseinsatzes und den super-feinen Znüni & Zmittag!

Oerlinger Ried bei Andelfingen (ZH) - nach unserem Einsatz.

Dieser Schilfberg wartet jetzt auf die Abholung durch die Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich!

Samstag, 9. Oktober 2010

Spontanexkursion ins Neeracher Ried

Da es die meisten Natrix-Mitglieder schon am ersten Herbstferientag in wärmere Gefilde gezogen zu haben schien und sich mit Nico und Patrick dem Jüngeren nur zwei tapfere Detektive für die Haselmaussuche anmeldeten, mussten wir etwas umdisponieren und führten deswegen an Stelle der besagten Nussjagd eine Spontanexkursion ins Neeracher Ried durch.

Nico, Dennis, Eric und Patrick der Ältere mussten vorerst ohne die Gesellschaft Patricks des Jüngeren auskommen, da dieser die Abfahrt unserer S-Bahn um einige Sekunden verpasste und die Gruppe erst später im Neeracher Ried vervollständigte. Zu viert machten wir uns also auf Entdeckungstour ins Neeracher Ried, über dem termingerecht zum Anfang des Monats Oktober eine zähe Hochnebeldecke hing.

Wenigstens ornithologisch graute es uns nicht.

Der beobachterischen Freude tat die graue Suppe allerdings keinen Abbruch, konnten wir doch vor den Beobachtungsverstecken (neudeutsch "Hides") Kormorane beim Gefiedertrocknen, Krickenten und den schneeweissen Silberreiher bei der Nahrungssuche und Bekassinen sowie eine der eher ungern gesehenen Rostgänse beim süssen Nichtstun observieren. Dass die Höhe der Sehschlitze in den Hides nach dem Patentrezept der Royal Society for the Protection of Birds aus dem Vereinigten Königreich für das Beobachten mit Fernrohren als eher suboptimal bezeichnet werden muss, ist ein altbekanntes Problem. Nico wusste es aber schlau und mittels der sehr gäbigen Bank einfach zu umgehen:

Nico beim konzentrierten Beobachten im Hide am Flachteich

Zwischenzeitlich konnten wir immer wieder den durchdringenden Ruf des Eisvogels vernehmen, bekamen ihn aber leider nie zu Gesicht.
Da der Blick aus dem zweiten, "hinteren" Hide auf die mittlerweile ausgetrocknete Riedwiese keine überwältigenden Beobachtungen mehr zeitigte, entschieden wir uns, die Ausstellung im Zentrum etwas anzuschauen und darauf einen Rundgang um den zentralen Teil des Flachmoores unter die Füsse zu nehmen. Mittlerweile waren auch Patrick mitsamt Vater eingetroffen und zu sechst verliessen wir das Zentrum.

Schon wenige Meter vom Ausgang entfernt nahmen allerlei Klein- und Zugvögel unsere Aufmerksamkeit in Anspruch: auf einer Birke waren Distelfinken zu sehen, kleine Gruppen von Staren streiften herum und plötzlich sahen wir einen grossen Schwarm mittelgrosser Vögel, die relativ gemächlich an uns vorbeizogen. Ein Blick durchs Fernglas brachte sofort Klarheit: wir hatten es mit ca. 200 Ringeltauben zu tun, ein nicht untypischer Anblick im späteren Herbst. Viele der Ringeltauben im Norden und Osten Europas sind Zugvögel und durchqueren unser Land im Oktober und November auf dem Weg in ihre Überwinterungsgebiete in West- und Südeuropa. Bei genauerem Hinsehen machte Eric dann auch noch zwei Kiebitze aus, die scheinbar in lockerem Verbund mit den Ringeltauben zogen.

Der weitere Rundgang wartete mit keinen weiteren Besonderheiten auf, ein singendes Rotkehlchen und die lokalen Rotmilan stellten die einzigen nennenswerten Beobachtungen dar. Deswegen marschierte die unmotorisierte Fraktion Richtung Niederglatt und machte sich mit Bus und Zug auf den Heimweg Richtung Zürich.

Bericht und Fotos: Patrick Mächler

Samstag, 18. September 2010

Beringungsstation Aegelsee, 18. September 2010

Heute galt es früh aufzustehen, denn die Vogelberinger am Aegelsee – einem der besten Beobachtungsgebiete des Thurgaus –beginnen bereits gegen 10 Uhr, ihre Netze abzubauen. Aber da sich die Natrixler das Frühaufstehen bekanntlich gewohnt sind, trafen wir bereits gegen sieben Uhr in Islikon ein. Dabei waren neben eingefleischten Natrixlern wie Patrick, Dennis, Simon, Kasmir und mir zu unserer Freude auch wieder mal einige junger Mitglieder, nämlich Tibor, Patrick und Flurin. Während noch ein geheimnisvoller Dunst über dem Wasser des Aegelsees lag, begrüsste uns Walter Schmid, einer der Beringer, und führte uns liebevoll ins Beringergeschäft ein.

Beringer Walter Schmid erklärt Spannendes rund um Beringung und Vogelzug. Merlin und Tibor strahlen um die Wette, während sich Rotkehlchen, Kasimir und Jakob im Lustig-aus-der-Wäsche-Gucken üben ;-).

Wir erfuhren zum Beispiel, welchem Zweck die Beringung dient, welche Daten der Beringer von einem gefangenen Vogel erfasst, welche Arten man wann fängt, und eine Vielzahl an anderen interessanten Sachen. Wir wurden den Netzstellungen entlang durch das Gebiet geführt, wobei uns Walter Schmid erklärte, dass man in regelmässigen Abständen die montierten Netzte kontrollieren und, falls sich ein Vogel darin verfangen hat, ihn mit grosser Sorgfalt daraus herauslösen muss, denn eine Verletzung des Fänglings will natürlich absolut vermieden werden!

Ein weiteres Rotkehlchen hat sich im Netz verfangen
und wird fachmännisch aus seiner misslichen Lage befreit.

Wir sahen, wie der Vogel in ein Stoffsäckchen gelegt und mit ins „Beringer-Häuschen“ genommen wird, wo alle möglichen Daten erfasst werden.

Im Beringerwagen: Walter Schmid erzählt Wissenswertes
über die Bestimmung des Teichrohsängers.

Manchen Vögel passt das Beringen gar nicht - der beherzte Hieb der jungen Amsel brachte aber eher Belustigung als Schmerz.

Beim Beringen blies Walter Schmid auf den Bauch eines Rotkehlchens, wodurch man sein Fettpolster betrachten und daraus ablesen konnte, wie es mit dem „Fitnesszustand“ des Vogels steht. Damit konnten wir Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken einmal aus nächster Nähe betrachten, während einige von uns sogar einen Vogel losfliegen lassen durften.

Eine weibliche Mönchsgrasmücke zeigt sich von ihrer besten Seite.

Für den Beringer sei es immer wieder ein Highlight, einen Vogel zu fangen, der bereits beringt ist, erzählte uns Walter Schmid. So hätten sie einmal einen Bruchwasserläufer gefangen, der nur gerade zwei Tage zuvor in Schweden beringt worden sei! Da gerieten auch wir ins Staunen... Wenn der Vogel dann mit einem kleinen, sehr leichten Ring versehen ist, geht man mit ihm hinaus und überlässt ihm die Fortsetzung seiner geheimnisvollen Reise ins Überwinterungsgebiet bzw. Brutgebiet.

Als wir uns gegen 10 Uhr von Walter Schmid verabschiedet und uns für seine Führung bedankt hatten, konnten wir noch Flussuferläufer, einen Baumfalken, einen Sperber, Krick- sowie Löffelenten entdecken. Auf einer kleinen Wiese spielten wir in der Gruppe das „Rotmilan-Spiel“, das uns zum Abschluss einige lustige Momente brachte. Später trennte sich die Gruppe, und Dennis, Kasimir, Simon, Merlin und Jakob machten noch einen Abstecher an den Bodensee, während der andere Teil der Gruppe den Heimweg antrat. Als Höhepunkt kann man wohl die juvenile Schmarotzerraubmöwe bezeichnen, die wir abends in Romanshorn entdeckten.

Für den Bericht: Jakob Hochuli
Fotos: Patrick Mächler

Samstag, 28. August 2010

Exkursion ins Kaltbrunnerried, 28. August 2010

Um 09:15 traf sich eine kleine Gruppe mit David, Tobias und Dennis in Zürich am Treffpunkt, die die S-Bahn Richtung Uznach nahmen. In Uznach stiessen wir dann auch auf die Appenzeller Fraktion (Jakob, Kasimir, Nikolai, Merlin). Im Gegensatz zum letzten Jahr wurden wir nicht mit schönem Wetter beglückt, sondern mit strömendem Regen, was wir aber bezüglich der erhofften Zugstauwetterlage nicht so eng sahen. Im Kaltbrunnerried wurden wir auch gleich von einem schönen Rohrweihenmännchen und einem Grossen Brachvogel begrüsst, und im Windschutzstreifen zeigten sich mehrere Trauer- und Grauschnäpper.

Regen? Und wenn schon - die Rohweihe trägt's mit Fassung!
Foto Jakob Hochuli


Auf dem Beobachtungsturm trafen wir noch auf Simon, und es dauerte nicht lange, bis wir das erste Blaukehlchen entdecken konnten. Nicht nur Blaukehlchen, sondern auch verschiedene Limiarten wie Grünschenkel, Waldwasserläufer und Bekassine machten sich nicht rar. Nach einiger Zeit zeigte sich noch ein Tüpfelsumpfhuhn, eine zweite Rohrweihe und maximal 5 Blaukehlchen. Nachdem alles entdeckt worden war, vertrieben wir uns die Zeit mit einem Bestimmungstext-Ratespiel mit dem Svensson, da wir wegen des langen stark anhaltenden Regens nicht mehr bis zum Zweierseeli gehen wollten.

Auf dem Retourweg zum Bahnhof suchten wir den Windschutzstreifen noch nach Waldohreulen ab, aber ausser vielen Trauer- und Grauschnäppern und einem Schwarzkehlchenmännchen (au schön! ;-)) konnten wir dort nichts entdecken. Die Appenzeller Fraktion machte noch einen kleinen “Trip“ ins Jonadelta, ausser einem Flussuferläufer und Zwergmöwen konnten sie aber dort nichts Neues zur Tagesliste hinzufügen.

Für den Bericht: Dennis Riederer

Samstag, 29. Mai 2010

Grundkursabschlussexkursion ins Neeracherried

An der letzten Grunkursexkursion besuchten wir das Neeracherried, den zwischenzeitlichen Arbeitsort von Jonas. Schon als wir aus dem Bus stiegen, sahen wir die ersten Rotmilane am Himmel kreisen, unter ihnen der berühmte Rotmilan mit den kaputten Flügeln. Da sich die Hochulis (mit dem Auto unterwegs) verspäteten, mussten wir uns gedulden, bis uns Jonas vom Gebiet und seinen Bewohnern erzählen konnte. Später im Besucherzentrum veranschaulichte er seine Geschichten über die Vögel mit ausgestopften Exemplaren. Besonders imponiert haben der riesige Rotmilan (den man auch wie ein Segelflugzeug schiessen könnte;)) und die kleine Bekassine mit ihrem speziellen Schnabel.



Nach den spannenden Ausführungen von Jonas, wollten wir aber doch endlich Vögel beobachten und machten uns auf den Weg in Richtung Hides. Einige Meter vom Besucherzentrum entfernt, hatte es schon den ersten Höhepunkt: Ein Bachstelzennest direkt unter dem Steg.
Kiebitze, Lachmöwenjunge und Weisstörche präsentierten sich schön nahe bei den Hides. Später machte ein Rotfussfalkenpaar, welches sogar die eingefleischten Natrixler mitriss, den Morgen perfekt.
Als Abschluss des Grundkurses grillierten wir im nahe gelegenen Wald.

Hoffentlich machen unsere Nachwuchsornis weiter und kommen bald auf eine Exkursion mit den Grossen. :)


Geschrieben von Eric Christen

Montag, 17. Mai 2010

Auffahrtslager im Wallis, 13.-16. Mai 2010

Tag 1, 13. Mai 2010

Dennis, Joris, Fabian, David und Simon fanden sich bereits am Abend des 12.5. in Leuk ein.

Aufgrund des eher schlechten Wetters konnten sie vom Camping Torrent aus, dem traditionellen Campingplatz unseres Auffahrtslagers, in der folgenden Nacht keine singende Zwergohreule vernehmen. Aber am nächsten Morgen wurden sie im Leukerfeld zu ihrer Freude nur so von tollen Arten überschüttet! Beim ersten Halt, nämlich nahe des Golfzentrums, sang in den Weiden und Büschen ein Orpheusspötter. Von der Strasse aus entdeckten sie kurze Zeit später einen Brachpieper, der sich nach einem Überflug auf dem Golfplatzgelände beobachten liess. Auf einem der vielen Kieshaufen, ca. 200 Meter weiter, sass exponiert eine Kurzzehenlerche. Da sich Kurzzehenlerchen ja bekanntlich selten so frei zeigen, war die Freude am Vogel besonders gross. Nebenbei entdeckten die artenhungrigen Natrixler am selben Ort zwei Ortolane. Nun gings weiter zu den Teichen, wo als einzige nennenswerte Art ein Kuhreiher beobachtet werden konnte. Mit der Zeit verbesserten sich auch die meteorologischen Verhältnisse, und die fünf Beobachter entschieden sich dafür, mit dem Velo nach Turtmann zu fahren und dort nach der Singammer zu suchen, die hier vor zwei Wochen in den Büschen bei einer Autobahnbaustelle entdeckt worden war. Obwohl intensivste Suche betrieben wurde, war der mysteriöse Vogel nicht auffindbar.

Etwa zur gleichen Zeit, ca. 11 Uhr vormittags, kam der Rest der Lagerteilnehmer, nämlich Leiter Dominic und die Gaiser Fraktion mit Merlin, Kasimir, Melchior und mir in Leuk an. Bereits per Telefon hatten wir von den Beobachtungen der anderen erfahren und waren ganz kribbelig. In Eile luden wir das Gepäck auf dem Campingplatz ab und machten uns Richtung Leukerfeld auf. Nach vielen Braunkehlchen bekam Dominic ein Telefon von David, der sich mit seiner Gruppe nach dem Abstecher nach Turtmann bei der Kläranlage unterhalb der Felsensteppe eingefunden hatte: Schlangenadler über Felsensteppe! So effizient wie möglich suchten wir von den Teichen aus die Felsensteppe nach dem Vogel ab. Und dann sahen wir ihn! Nachdem er sich zuerst nur aus grosser Entfernung beobachten liess, kam er uns immer näher, bis er gerade über uns vor dem nun blauen Himmel in der Luft stehen blieb. Er liess sich gut fotografieren und kreiste dann wieder weiter gen Felsensteppe.

Bei den Teichen konnten wir ausser einer Menge Ornis keine spannenden Arten mehr ausmachen. Dafür sahen wir nun, dass über der Felsensteppe nicht nur ein, sondern zwei Schlangenadler kreisten! Als wir nach dieser Feststellung zu den dahinter gelegenen Feldern gingen, sahen wir den Kuhreiher auch noch – mit ein paar Graureihern im hohen Gras. Nachdem Dominic zunächt einen „komischen“ Steinschmätzer entdeckt hatte, der sich beim genaueren Hinsehen dann trotzdem als „normaler“ Steinschmätzer herausstellte, machten wir uns Richtung Kläranlage auf, um uns dem Rest der Lagergruppe anzuschliessen. Sie erzählten uns, sie hätten auf den Feldern noch eine Weihe beobachten können, die verdächtig nach einer Steppenweihe aussah. Nach einer genauen Fotoanalyse hätte der Vogel dann aber als Wiesenweihe bestimmt werden können.

Nachdem wir ein wenig „herumvegetierten“ und das Wetter langsam wieder zum Regnerischen mutierte, musste uns David Richtung Zürich verlassen. Auf der Brücke, die über die Rhone führte, suchten wir die vielen Rauchschwalben nach Rötelschwalben ab – leider ohne zu reüssieren. Anschliessend fuhren wir zurück zum Camping, machten Ordnung und nahmen eine Zwischenverpflegung ein. Etwas später beschlossen wir, dem ergiebigen Gebiet noch einen abendlichen Besuch abzustatten und schwangen uns erneut auf die Räder. Vom Beobachtungshügel konnten wir einen Rallenreiher beobachten, der dem Uferrand entlang einer Beute auflauerte. Zudem entdeckte Simon auf der Kuhweide einen rastenden Ortolan. Ein paar wenige von uns sahen während ca. 4 Sekunden einen vorbeifligenden Fischadler, der jedoch just hinter den vielen Bäumen verschwand und danach nicht mehr aufzufinden war. Und aus kurzer Distanz sang lautstark ein Feldschwirl. Jedoch war er sowohl heute als auch die folgenden Tage längst nicht der einzige Feldschwirl im Gebiet. Weil es langsam Abend wurde und uns, verursacht durch den Nieselregen, ein Gefühl der Kälte überkam, kehrten wir später wieder zum Zeltplatz zurück. Nun stiess Jonas zu uns, und gemeinsam nahmen wir die „Abendverpflegung“ mit Käse, Brot etc. ein. Nach einem überaus artenreichen Beobachtungstag verkrochen wir uns im Schlafsack.

Tag 2, 14. Mai 2010

Wir beschlossen, an diesem Tag früh auf den Beinen zu sein, um im regnerischen Morgen ähnlich viele Vogelarten zu sehen wie am Vortag. Am gleichen Ort sang wieder ein Orpheusspötter. Zudem beglückten uns mindestens drei Brachpieper, die sich auf einer Kiesplattform gut beobachten liessen. In der Baumreihe, die den Golplatz abgrenzte, sassen zwei Purpurreiher. Auf dem Weg zu den Teichen konnten wir danach eine Wachtel feststellen (Weil wir diese Art während des ganzen Aufenthalts im Wallis sehr oft hörten, werden die anderen Beobachtungen dieser Art im weiteren Verlauf des Berichtes nicht mehr erwähnt). Auf den Kieshaufen zeigten sich wie am Vortag zwei Ortolane. Nachdem ein Teil der Gruppe zum Campingplatz zurückgekehrt war, um diejenigen, welche den frühen Morgen lieber im Zelt verbrachten, aus dem Schlaf zu rütteln, und um im Dorf einkaufen zu gehen, begaben sich Jonas, Joris, Simon und ich auf den Beobachtungshügel und konnten während den nächsten zwei Stunden ein Vielzahl von Arten beobachten. Darunter befanden sich Arten wie Seidenreiher, Purpurreiher, Schilfrohrsänger, Drosselrohrsänger, Schafstelze zwei Flussuferläufer, eine weibliche Rohrweihe sowie ein Kuckuck. Die besten Arten waren jedoch ein Brachpieper, der sich auf einem Baum mitten der Teiche niedergelassen hatte, ein Fischadler, der die Wasserflächen mehrmals im Tiefflug überquerte und das wahrscheinlich gleiche Individuum darstellte, das schon am Vorabend hier gesehen werden konnte, eine weibliche Wiesenweihe und ein Kurzzehenlerche, die auf einem dahinter gelegenen Acker herumstreunte. Auf dem Rückweg konnten wir weiter vorne bei den Teichen für eine kurze Zeit erneut eine Wiesenweihe beobachten, die der Felsensteppe entlangzog. Als sich die beiden Gruppen auf dem Campingplatz wieder vereinten, wurde gekocht. Chefkoch und Leiter Dominic schöpfte aus dem Vollen und zauberte in der Mittagssonne für seine Leute einen wahren Festschmaus hervor. Die exzellenten Gnocchi füllten unsere Mägen gänzlich und verursachten einige lustige Momente, da wir ja nicht gerade eine Luxusküche zur Verfügung hatten und auf andere Mittel ausweichen mussten... Den halben Nachmittag verbrachten wir dann entweder schlafend, Schlangenadler suchend oder fotografierend auf dem Campingplatz.

Unter anderem beobachteten wir einen Steinadler, der auf einem der durch die Felsensteppe führenden Wanderwege herumstolzierte. Später fällten wir den Entschluss, Richtung Turtmann nach Vögeln zu suchen und teilten uns in zwei Gruppen auf: Während die eine zwischen Leuk und Turtmann keine nennenswerten Arten ausmachen konnte, zeigte sich der anderen in einem Windschutzstreifen ein männlicher Rotfussfalke. Wenig später trafen die beiden Gruppen beim Fluplatz Turtmann wieder zusammen. Die andere Gruppe konnte, bevor die andere beim Treffpunkt eingetroffen war, auf dem leicht überschwemmten Feld noch einen Sandregenpfeifer beobachten. Eine halbe Stunde später entdeckte Jonas in einer kleinen Schafweide auf wenige Meter einen Kuhreiher. In kürzester Zeit wimmelte es nur so von Objektiven – dadurch dass der Himmel bewölkt war, waren die Lichtverhältnisse jedoch nicht optimal. Der Kuhreiher aber bot uns auf wenige Meter eine sehenswerte Flugshow und zog all unsere Aufmerksamkeit auf sich. Der Rotfussfalke liess sich - nun von uns allen - nochmals beobachten, und an der gleichen Stelle konnten wir auch einen Wendehals vernehmen. Auf einem geteerten Strässchen nahe den Leuker Teichen entdeckten die abenteuerlustigen Natrixler für einmal keine Vögel, sondern eine riesige, verlockende Pfütze! Und sie liessen sie nicht unversehrt. Vor allem Jonas und Fabian hatten ihren Spass: Während Jonas mehr oder weniger ohne gravierenden Schaden davonkam, erlitt Fabian bei der Durchfahrt mit dem Velo durch die tiefe Pfütze einen schwerwiegenden Sturz. Obwohl ihm darauf heiter zumute war, war er von Kopf bis Fuss nass, und sein Velo musste er im Untergrund der Pfütze suchen...

Nachdem wir ausgiebig gelacht hatten, widmeten wir uns den Teichen. Hier konnten wir einen adulten Nachtreiher und einen Schilfrohrsänger ausmachen. Nachdem wie danach ausser den genannten zwei Arten nichts mehr entdecken konnten, suchten wir den Zeltplatz auf. Ich sah beim Industriegelände noch einen Kleinspecht. Nachdem wir gegessen hatten und die Nacht über uns kam, ging es in den Schlafsack. Aber vorerst entstand noch einmal Unruhe. Der Grund? Jonas und Simon spielten den Gesang der in den Vorjahren hier eigentlich immer gehörten Zwergohreule ab – und beide Male glaubten alle, welche noch nicht schliefen, es sei sie nun aber wirklich gewesen. Doch wenige Minuten später sang die Eule wirklich. Jedoch hörten sie bedauerlicherweise nur Jonas, Dominic und Fabian – ausgerechnet die drei, die die anderen zuvor reingelegt hatten (-:

Tag 3, 15. Mai 2010

Am Morgen konnten ein paar von uns vom Campingplatz aus einen singenden Pirol vernehmen. Diesen Tag aber widmeten wir uns der Felsensteppe, insbesondere der Waldbrandfläche. Während der Velofahrt hinauf Richtung Brentjong beobachteten wir unter anderem Zippammern, Neuntöter, Gartenrotschwänze und unzählige Berglaubsänger. Schnaufend bei den Sattelitenschüsseln angekommen, suchten wir die Waldbrandfläche von unten her nach Steinröteln ab, ohne Erfolg. Nachdem wir die Velos abgeschlossen hatten, machten wir uns Richtung Waldbrandfläche auf. Schon früh sang auf kurze Distanz ein mehr oder weniger fotogener Gartenrotschwanz. Auch eine Zippammer liess sich gut fotografieren. Weiter oben hörte Dennis als Einziger eine Heidelerche. Zudem liessen sich ein Zitonengirlitz im Fernrohr einstellen und zwei Steinadler beobachten. Nachdem wir das Gefühl hatten, die Waldbrandfläche ausgekostet zu haben, hatten wir vor, mit dem Velo zur Hohen Brücke zu fahren. In Brentjong konnten wir zunächst mindestens drei Neuntöter beobachten. Später, als wir mit den Rädern bei der Hohen Brücke angelangt waren, sah Joris gerade einen Mauerläufer um die Ecke der eindrücklich hohen Felswände davonfliegen. Leider war dies für heute die einzige Beobachtung dieser Art. Später beobachteten wir hier einen tief vorbei fliegenden Wespenbussarden und erneut einen Steinadler. Wie immer waren auch einige Kolkraben zugegen. Als der Spätnachmittag Einzug hielt, nahmen wir die Abfahrt nach Leuk auf uns. Als die Fahrtregeln, die danach trotzdem nicht von allen einwandfrei einhgehalten wurden, besprochen waren, stürzten wir uns mit unseren Drahteseln ins Tal.

Im malerischen Leuk gönnten sich diejenigen, die noch vor der Schliessung des Dorflädchens angekommen waren, eine erfrischende Glace.

Abends auf dem Campingplatz stand uns wieder einmal eine Mahlzeit à la Gaskocher bevor. Gravättchen standen auf dem Speiseplan. Wieder waren sie hervorragend zubereitet und liessen das Wasser auf unseren Zungen zergehen. Nach dem Essen vergnügten sich insbesondere die drei Hochulis damit, die Spatzen zu fotografieren. Jedoch wie gewohnt nicht mit eigenen Apparaten, sondern mit den langen Objektiven der älteren Natrixler. Natürlich wurden sie mit misstrauischen Blicken von den anderen Campern konfrontiert, im Sinne von „Sind das deine?“ oder „Von wem habt ihr die?“ Nachdem auch alles abgewaschen war, verliess uns Jonas frühzeitig in Richtung Zürich, und wir gingen in der Dämmerung zur Kläranlage, wo wir in den Vorjahren praktisch immer Ziegenmelker hören hatten können. Obwohl Mitbeobachter und Nicht-Narixler Christian B. dabei war, sang zu unserer Enttäuschung für einmal halt kein Ziegenmelker. Nach einer langen Suche gaben wir auf und radelten zurück zum Campingplatz. Wieder war ein ereignisreicher Tag vergangen.

Tag 4, 16. Mai 2010

Für den sowohl vierten als auch letzten Tag unseres Auffahrtslagers im Wallis waren keine Beobachtungen im Leukerfeld und in der Umgebung geplant. Nach dem feinen Frühstück mit Nutellabrot etc. beschlossen wir nach einem Hin und Her, dass Dennis und Dominic noch einen Besuch in der Préverenges abstatten werden und der Rest der Gruppe mit dem Zug nach Hause fahren würde. Und eben diejengen, für die ein Besuch in der Préverenges aus schulischen und anderen Gründen nicht mehr drin lag, war der Verzicht auf die Reise an den Genfersee im Nachhinein nicht bereuenswert. Im Gegenteil, der Verzicht lohnte sich. In Bern nämlich erreichte einige unserer Handys ein sms, nach dem in Schmerikon SG an der Aabachmündung zwei Sumpfläufer weilten. Und wenig später nochmal eines: Rötelschwalbe in Jona-Stampf! So bildeten diese zwei tollen Raritäten einen schönen Abschluss unseres Auffahrtslagers 2010, denn diejenigen, die in Zürich auf die S-Bahn nach Schmerikon und Jona umgestiegen waren, bekamen beide Arten noch zu Gesicht! Später trafen dann auch noch Dennis und Dominic – mit einer schönen Beobachtung eines Kiebitzregenpfeifers im Gepäck - am Untersee ein. Damit war ein tolles, arten- und ereignisreiches und wie immer sehr lustiges Auffahrtslager zu Ende.

Für den Bericht: Jakob Hochuli

Samstag, 24. April 2010

Anstatt eines Birdraces, 24. April 2010

Da das Natrix-Birdrace aufgrund einer sehr geringen Teilnehmerzahl abgesagt werden musste, einigten sich die Angemeldeten auf eine spontane Exkursion. Und die Frage nach dem Wohin erübrigte sich dank David, der zwei Tage zuvor in Wallbach, Kanton Aargau, einen Iberienzilpzalp entdeckt hatte – Erstnachweis für die Schweiz! Die Gaiser Fraktion mit Kasimir, Merlin und mir stieg schon um 5.50 Uhr in Gais in den Zug. Entgegen der Vereinbarung stieg Dennis in Winterthur nicht zu, wofür er den Wecker verantwortlich machte.
In Wallbach angekommen machten wir uns voller Erwartung Richtung ARA auf. Hier sang nun der Ausnahmegast und trug uns aufdringlich aber wunderschön seine Strophen vor. Natürlich durften zum „Ausländer“ auch ein paar Witze à la Ch. Mörgeli nicht fehlen. Nachdem wir uns ausgiebig über den Sänger, der sich zwischendurch exponiert zum Anschauen zur Verfügung stellte, gefreut hatten, kam dann auch Dennis gelaufen. Auf der gleichen Lichtung konnten wir danach aus kürzester Distanz zwei Trauerschnäpper-Männchen beobachten, die sangen und sich für ein Fotoshooting präsentierten.

Erhält eine befristete Aufenthaltsbewilligung: der Iberienzilpzalp von Wallbach, Erstnachweis für die Schweiz

Auch ein singender Waldbaumläufer und ein Sommergoldhähnchen konnten wir im gleichen Gebiet feststellen.
Am Nachmittag verliessen wir das Gebiet mit dem Vorhaben, der Linthebene noch einen Besuch abzustatten. Bei den Teichen südlich der Linth nahe Benken zeigte sich in der Spätnachmittagssonne ein immaturer Nachtreiher. Anschliessend gingen wir ins Kaltbrunnerried, wo wir ausser einer kreischenden Wasserralle bei Sonnenuntergang keine nennenswerten Arten mehr ausmachen konnten. So brachen wir glücklich, mit dem Wissen einen Erstnachweis beobachtet zu haben, nach Hause auf.

Bericht und Foto: Jakob Hochuli