Samstag, 27. Juli 2013

SVS-Sommerlager im Grossen Moos, 22. - 27. Juli 2013

Ende Juli fand am Nordostufer des Neuenburgersees in der Region der bekannten Naturschutzgebiete Fanel und Chablais de Cudrefin unter der Regie der Jugendgruppe Natrix das Sommerlager des Schweizerischen Vogelschutzes statt. 12 Teilnehmer lernten während sechs Tagen allerlei Spannendes über Vögel und andere Tiere, machten draussen wie drinnen unterschiedliche Spiele und genehmigten sich bei Temperaturen um 30 Grad immer mal wieder ein kühlendes Bad im nahen See. Im Folgenden berichten die Teilnehmer in Form eines Lagertagebuches von ihren Erlebnissen und Eindrücken - wir wünschen den Lagerteilnehmern, ihren Eltern und anderen Interessierten viel Lesespass!

Erster Tag - 22. Juli
Als alle Teilnehmer heil den Weg nach Ins geschafft hatten und alle Velos am Bahnhof abgeholt worden waren, konnte es endlich losgehen. Auf dem Weg zum Fanelhaus konnten wir Mäusebussard, Schwarzmilan sowie einige Schafstelzen beobachten. Im Fanelhaus nahmen wir dann sogleich die Zimmer in Beschlag und verpflegten uns anschliessend im Esszimmer bei Brot, Schokolade, Butter, Käse und Äpfeln. Die anschliessende Exkursion, die dem Erkunden des Fanel diente, führte uns auf den Berner Turm. Allerdings musste vorzeitig abgebrochen werden, wollte sich doch niemand einen Sonnenstich einfangen… Unter dem schattenspendenden Baum war es bedeutend angenehmer und nach einem Kennenlernen-Spiel (Training des Kurzzeit-/Langzeitgedächtnis inklusive ;-)) waren auch alle Teilnehmer miteinander und den Hasenbratenvorlieben eines bestimmten Teilnehmers vertraut. Dank der Spielidee von Andrea und Selina konnten wir bei grosser Hitze ein eher ruhiges, aber nicht minder lustiges Spiel spielen: das Eichhörnchen-Eichelhäher-Spiel. Nach einigen Partien Fussball und „interessanten“ Gesprächen zweier „Clash of Cleans“ (Online-Game)-Suchtis tönte es auch schon aus der Küche: „Essen fertig!“. Bei sämigem Kartoffelstock, mit Tofu gespicktem Couscous, würzigem Grillkäse, Gemüse und Salat konnten alle schlemmen und ihre Mägen füllen. Nachher ging es, als alle Zähne geputzt und alle Ämtchen erledigt waren, auch schon ins kuschlig weiche Bett.

Zweiter Tag - 23. Juli

Die Tagwache für die wenigsten Teilnehmenden war um 04:10 Uhr mit einem zweistündigen Aufenthalt auf dem Damm. An der Szenerie war wahrlich nichts auszusetzen - der Sonnenaufgang war wieder einmal ein echtes Spektakel:

Impressionen vom Sonnenaufgang, den die frühen Vögel auf dem Damm sehen durften.
Alle Fotos: Meo Sauter.
Daneben machten aber auch die Vögel von sich reden, konnte sich die ornithologische Ausbeute doch sehen lassen: Eine Küstenseeschwalbe, ein Steinwälzer sowie mehrere singende Zilpzalpe konnten ausgemacht werden. Zudem sang unweit aus einem Kornfeld eine Wachtel. Als auch die drei unentwegten Frühaufsteher (Meo, Nico und Merlin) wieder im Fanelhaus eingetrudelt waren, konnten sich alle bei einem ausgiebigen Frühstück Energiereserven für den beginnenden, sehr heissen Tag anessen. Wiederum angekommen auf dem Damm – diesmal allerdings mit der ganzen Gruppe – begrüsste uns eine Bartmeisenfamilie mit ihren typischen „pscheng“-Rufen. Plötzlich sprang Eric auf und verkündete, die Küstenseeschwalbe wieder entdeckt zu haben.

Adrett - die wohl schon seit längerem im Chablais de Cudrefin anwesende Küstenseeschwalbe gewährte auch den Lagerteilnehmern eine Audienz. Sie war aber nicht allein...
Foto: Merlin Hochreutener.

... denn kurz darauf bestimmte er sogar noch eine zweite! Neben diesen beiden Gästen erregte aber noch ein weiterer ornithologischer Leckerbissen aus dem Norden unsere Aufmerksamkeit: Nicht weit vom Damm weg schwamm ein Mittelsägerweibchen mit ihren beiden wenige Tage alten Küken! Brutnachweise dieser Art sind in der Schweiz eine Seltenheit. Leider sollten die Jungen die nächste Woche nicht mehr erleben, sie fielen wohl Beutegreifern zum Opfer.

Beleg eines seltenen Ereignisses: ein Brutnachweis des Mittelsägers.
Foto: Merlin Hochreutener.
Beim Fotografieren huschte eine Ringelnatter an unseren Füssen vorbei. Erschrecken und Erstaunen machten sich breit, denn nicht alle Tage sieht man dieses Reptil, welches der (nämlich der tollsten ;-)) Jugendgruppe der Schweiz ihren Namen leiht. Die Ringelnatter heisst auf Lateinisch „Natrix natrix“.

Als wir uns mit unserem mitgebrachten Lunch gestärkt hatten, brachen wir der Hitze wegen auf in Richtung Strandbad Cudrefin. Bei erfrischendem Bad und gechilltem Bräunen verbrachten wir den Nachmittag. Als die Temperaturen etwas abgekühlt hatten, führten uns die Leiter auf den Gemshoger. Schon in der Lagune konnten wir vier Nachtreiher in allen möglichen Alterskleidern ausmachen, nämlich zwei Individuen im ersten Kalenderjahr, eines im zweiten und eines, welches schon adult war. Auf den beiden Vogelinseln, der Berner und der Neuenburger Insel, konnten wir insgesamt sechs Limikolenarten (Watvögel) feststellen: Es waren dies der altbekannte Steinwälzer, drei Sichelstrandläufer, drei Alpenstrandläufer, ein Bruchwasserläufer, ein Kampfläufer und mehrere Dutzend Grosse Brachvögel. Vor dem Abendprogramm verwöhnte uns Patrick mit Spaghetti Bolognese respektive Napoli für die in Überzahl stehenden Vegetarier und viel Salat. Ins Bett ging es jedoch erst nach einem Block über den Vogelzug mit Patrick. Dabei konnte auch ein sehr schöner Dachs beobachtet werden, der nicht weit von der Gruppe in hohem Tempo das Feld hinter dem Fanelhaus querte.

Dritter Tag - 24. Juli

Eigentlich wollten einige der eher älteren Teilnehmer frühmorgens auf den Damm, jedoch konnte Merlin nicht wachgerüttelt und Eric wegen des Regens nicht motiviert werden, und so schloss sich auch der nicht demotivierbare Meo der Mehrheit an und schlüpfte wieder ins warme Bett :-).

Nach dem Frühstück, bestehend aus verschiedenen Müeslis, Bröter (oder doch Brote oder Brotlaibe? ;-P), Konfitüre und Milch inklusive Zubehör (Ovomaltine), gingen wir ins SVS-Naturschutzzentrum La Sauge. Dort hatten wir die Gelegenheit, den Beringern Carl Antonio Balzari und François Turrian über die Schultern zu schauen. Die folgenden Bilder zeigen einige Vogelarten, die an diesem Morgen ins Netz gingen und vom Beringerteam vermessen und beringt wurden:
Farbenfroher Shootingstar: ein Grünfink.
Foto: Meo Sauter.


Einige Teilnehmer waren von den Vögeln so begeistert, dass sie ihnen fast etwas zu sehr auf die Pelle rückten, aber zum Glück wusste sich das Amselmännchen zu wehren:
"Weg da!" wird sich die Amsel zu recht gedacht haben...
Foto: Meo Sauter.
Ein häufiges, deswegen aber nicht minder beliebtes Fotosujet waren Mönchsgrasmücken, zu dieser Jahreszeit wohl v.a. lokale Brutvögel.
Foto: Eric Christen.

Auch die unscheinbarere Verwandte gab es zu bestaunen: eine Gartengrasmücke.
Foto: Meo Sauter.
Das Highlight war ein junger Eisvogel. Anja lag beim Gewichtschätzen am nächsten und war somit die Glückliche, welche den prächtigen Kerl in der Hand halten und freilassen durfte. 

Ein letztes Foto vor dem...
... Abflug!
Beide Fotos: Meo Sauter.
Beim anschliessenden Entdeckunsrundgang durch La Sauge zog beim Hide (Beobachtungshütte) Nummer zwei am Ufer des Grand Étang ein diesjähriger, äusserst fotogener Nachtreiher, welcher von Merlin im Stile Patrick Doninis abgelichtet werden konnte, die Blicke aller Teilnehmenden auf sich. 

Voller Körpereinsatz für den Nachtreiher!
Foto: Eric Christen.
Die Verrenkungen zahlten sich aus, gelang Merlin doch folgender Schnappschuss:

Hier gelüstet es wohl jemand nach einer leckeren Kaulquappe... Ein diesjähriger Nachtreiher am Grand Etang des SVS-Naturschutzzentrums La Sauge.
Foto: Merlin Hochreutener.

Nach dem Lunch teilte sich die Gruppe in zwei: Die einen düsten in die Badi, die anderen fuhren ins Chablais de Cudrefin und anschliessend zum Gemshoger. Die Beobachtungen umfassten zwar nicht viele neue Arten, aber doch eine Küstenseeschwalbe, einen Steinwälzer sowie einen Dunklen Wasserläufer. Am frühen Abend verwöhnte uns Patrick einmal mehr, nämlich mit exzellentem Risotto und Salat. Danach folgte der von Eric gestaltete Eulen-Abend mit dem Ziel, in der Krümmi einen sehr seltenen Kauz zu beobachten (Name dieser seltenen Eulenarte ist den Teilnehmern bekannt ;-)) und in der Früchtschür Schleiereulen beobachten zu können. Leider spielten der seltene Kauz nicht, und die Schleiereule nur halb mit (nur Merlin konnte sie kurz „überhinfliegend“ beobachten), und somit wurde in der Nacht wieder das Fanelhaus aufgesucht. Immerhin konnten alle den Gesang der Wachtel und die Rufe der vielen Schafstelzen vernehmen.

Vierter Tag - 25. Juli 

Als um 07:30 Uhr alle Teilnehmer aus den Betten geholt wurden, hatten einige schon einen dreistündigen Aufenthalt auf dem Gemshoger hinter sich gebracht. Höhepunkte waren ein Rotschenkel, eine Eiderente und ein adultes Zwergdommelmännchen, welches sich prächtig im nah gelegenen Schilf präsentierte. 

Die Sonne über dem Fanel - die Frühaufsteher wurden auch mit einer unvergesslichen Morgenstimmung belohnt.
Foto: Patrick Mächler.

Während des Morgenessens konnten aus dem Fenster noch Turteltaube und Kernbeisser der Lagerliste hinzugefügt werden. Weil heute das Thermometer laut Wetterprognose auf mehr als 30 Grad klettern sollte, gingen wir am Morgen auf Heuschreckenpirsch, um die noch kühleren Stunden auszunutzen. Die Temperaturen pendeltn sich aber jetzt schon auf einen neuen Höchststand ein und so ging es relativ schnell ins Bad. Trotzdem konnten wir mit Kurzflügeliger Schwertschrecke und Westlicher Dornschrecke zwei eher resp. sehr seltene Arten beobachten. 

Die Westliche Dornschrecke kommt in der Schweiz nur im Drei-Seen-Land und in der Region Genf vor - in diesem Habitat scheint es ihr zu gefallen.
Foto: Eric Christen.

Den restlichen Tag verbrachten wir im See. Im erfrischenden Bad und bei Spielen auf dem Floss  konnten wir der quälerischen Hitze entgehen. Angemerkt sei, dass Jakob und Eric einen fremden Mann, auch Brummbär genannt, insgesamt viermal vom Floss vertreiben konnten (natürlich nur zum Spass). Gegen Abend ging es dann mit Sonnenbrand einiger Teilnehmenden zu Gschwellti nach Hause. Der Tag fand mit einigen Partien Fussball und einer Fledermaus-Exkursion ohne Fledermausbeobachtungen und einer feinen Schokoladencreme ein tolles Ende ;-).

Andreas am Ball - die Spannung steigt.
Foto: Merlin Hochreutener.


Fünfter Tag - 25. Juli
Tagwache war um 07:30 Uhr. Heute gingen wir nicht früh Vögel beobachten, sondern assen gemütlich Frühstück. Um 09:30 Uhr starteten wir mit einem Birdrace. Alle Teilnehmer wurden in vier Gruppen unterteilt, mit dem Ziel, innert vier Stunden möglichst viele Vogelarten nachzuweisen. Jede Vogelart musste von allen Gruppenmitgliedern gesehen oder zumindest gehört werden. Kurz vor Ende trafen auch die letzten Teams ein – im Vergleich zum letzten Jahr kam niemand mit Verspätung zurück zum Fanelhaus, denn dabei hätte pro Minute Verspätung eine Art Abzug als Strafe gedroht. Jedes Team konnte zwischen fünfzig und siebzig Vogelarten entdecken und bestimmen. Um 13:45 Uhr fuhren wir los in Richtung Badi. Wir freuten uns, dass wir endlich schwimmen gehen konnten, denn es war sehr heiss. Am Abend fuhren wir gemütlich, aber auch etwas traurig, da dies der letzte Lagertag war, nach Hause. Zum Essen gab es Polenta und Ratatouille. Nach einer weiteren Partie Fussball liessen wir den Abend - und irgendwie auch schon das diesjährige Lager - mit Guetzli, Jassen und "Radio ABCDRS 3" ausklingen. Das obligate Gruppenfoto im Abendlicht auf unserem "Fussballfeld" vergassen wird dabei aber nicht:

Die Teilnehmer und die drei Leiter vor dem Fanelhaus - Lächeln nicht vergessen ;-)
Foto: Merlin Hochreutener.

Sechster und letzter Tag - 26. Juli
Für heute stand nichts Aussergewöhnliches mehr auf dem Programm. So musste nach dem Morgenessen gepackt und die Schlafzimmer staubgesaugt werden. Aber auch dieser eher unbeliebte Lagerteil liess sich speditiv erledigen (sogar die Kaugummi-Sünder zeigten Einsicht…) und somit war das Gepäck auch schon verladebereit. Dank Anjas Zeichentalent hatten wir auch einen der schönsten Tagebucheinträge. Heute sollte der heisseste Tag des ganzen Lagers werden, weshalb sich alle freuten, als es plötzlich für zehn Minuten stark regnete. Der Regen bewirkte aber genau das Gegenteil. So stieg die Luftfeuchtigkeit ins Unermessliche, und dies bei gleichbleibender Temperatur – ein richtiges Tropengefühl kam auf. Nach nur vier Minuten Fussmarsch (ohne Gepäck wohlgemerkt) zum Berner Turm als letzte Exkursion waren alle schon so lahm, dass die wenigsten Teilnehmenden noch Energie hatten, die Lagune und die Inseln nach unseren befiederten Freunden abzusuchen. Alle bevorzugten einen Aufenthalt im mit 30 (?) Grad noch kühlen Schatten... Nachher hiess es Abschied von Patrick zu nehmen, der das Haus fertig putzte, und wir machten uns mit Jakob ohne Gepäck auf zum Bahnhof Ins. Dort wurden das Gepäck von Eric aus dem Auto geholt und einige Eltern schon in Empfang genommen.

Zu Ende ging ein Lager mit vielen schönen Beobachtungen (exakt 111 verschiedene Vogelarten konnten wir beobachten!) und mehreren neu kennengelernten Gspänli. Vielen Dank für die kompetente Lagerleitung an Jakob, Eric und Patrick. Bis zum nächsten Jahr!

Bericht: alle Teilnehmer des SVS-Sommerlagers.

Sonntag, 23. Juni 2013

Arbeitseinsatz auf den Hegmatten

Juni ist Goldrutenzeit und somit auch Arbeitseinsatzzeit. Die Goldrute ist eine invasive Pflanzenart aus Nordamerika, die besonders in Schilfgebieten die einheimische Flora verdrängt. In unserem Gebiet,  den Hegmatten, versuchen wir möglichst alle Goldruten zu entfernen, was uns auch gut gelingt: Dieses Jahr gab es schon viel weniger als letztes Jahr.
Normalerweise beginnen sie im Juni zu blühen (was schlecht ist, da es dann eigentlich schon zu spät ist, sie auszurupfen). Dieses Jahr waren aber viele noch mickrig klein aufgrund des extrem nassen Frühlings und somit mehr oder weniger einfach zu entfernen.
Eine motivierte Gruppe (u. a. mit den zwei Ehrenmitgliedern David und Diana) traf sich in Winterthur. Das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite, es regnete. Um zu arbeiten, war es aber ideal: Selten haben wir bei einem Arbeitseinsatz im Sommer so wenig geschwitzt.

Andrea im Schilf.

Vögel zeigten sich nicht allzu viele, wir wurden aber den ganzen Tag durch drei nimmermüde Sänger namens Gartengrasmücke, Feldlerche und Goldammer begleitet, was das Arbeiten durchaus angenehm machte. Für den Höhepunkt des Tages sorgte für einmal kein Vogel, sondern ein Insekt. Selina fand eine eben erst geschlüpfte Gestreifte Quelljungfer.

Eine frisch geschlüpfte Gestreifte Quelljungfer.  

Die glänzenden und frisch wirkenden Flügel zeigen an, dass sie erst gerade geschlüpft sein muss. Sogar unser Libellenkenner Jonas war etwas überrascht, diese Art in unserem Gebiet festzustellen, da Quelljungfern, wie der Name schon sagt, eher an stärker fliessenden Gewässern vorkommen.
Trotz der Libellen und der Vögel waren wir am Schluss des Tages alle froh, dass die Goldruten zum grössten Teil ausgerupft auf einem Haufen abholbereit lagen und wir in den verdienten Feierabend konnten. Der Einsatz war ein voller Erfolg: Zum einen kamen viele (sogar die Sarganserinnen Selina und Andrea nahmen den weiten Weg auf sich und verzichteten sogar auf Bartgeier im Calfeisental:D), zum andern konnten wir das Gebiet einmal mehr von Goldruten befreien. Hoffen wir, dass in ein paar Jahren gar keine mehr da sind!

Bericht und Fotos: Eric Christen.

Sonntag, 16. Juni 2013

Exkursion ins Küsnachter Tobel

Um 08:45 Uhr versammelten sich am Bellevue sieben motivierte Kinder, zwei Leiter und ein nicht minder motivierter Vater (von Marco und Katja). Das Ziel der heutigen Exkursion war das Küsnachter Tobel, wo unsere Zielart, die Wasseramsel, in Massen vorkommt. Gleich beim Waldeingang hörten wir schon unsere erste Bergstelze, eine Art, die wie die Wasseramsel in der Nähe von Bächen und Flüssen brütet. Viele konnten den schön gelb gefärbten Vogel auch im Feldstecher beobachten, da er aber kaum still sitzen wollte, reichte es nicht, um ihn im Fernrohr zu bewundern. Die erste Wasseramsel flitzte auch schon in ihrem typisch schwirrenden Flug durch, es war zum Glück bei weitem nicht die letzte. Im Wald angekommen, schrien junge Kohlmeisen um die Wette. Sie sind durch ihr matter gefärbtes Gefieder gut von den Altvögeln zu unterscheiden. Kurz darauf traf der Weg wieder auf den Bach und wir machten an einer flachen Stelle einen Halt. Fabian verteilte Köcher und Becher, damit wir im Bach in Wasseramselmanier Nahrung, vor allem Wasserinsekten, aufspüren konnten. Die Suche war ein voller Erfolg: Schon nach kurzer Zeit tummelten sich etliche Krebschen, Köcherfliegenlarven und sogar einige Blutegel in den Gläsern.

Die Kinder und Fabian beim Fangen von Wasserinsekten.

Die Köcherfliegen erhalten ihren Namen von einem besonderen Schutzmechanismus in der Larvenzeit: Mit Steinchen und Sand bauen sie sich einen Köcher, um sich vor den gierigen Wasseramselmäulern zu retten.

Ein Köcher einer Köcherfliegenlarve.

Nachdem alle ihre Füsse gewaschen und wieder gewärmt hatten, ging es weiter. Immer wieder zeigten sich Wasseramseln, viele liessen sich auch gut beobachten, da sie durch den regen Freizeitbetrieb im Wald kaum mehr scheu sind. Bei einem Wasserfall, einem geschätzten Brutort von Wasseramseln, erzählte uns Fabian viel Spannendes über ihre Ökologie.

Fabian referiert über die Wasseramsel.

Beim Alexanderstein, einem Findling aus der Eiszeit, nahmen wir unser Mittagessen ein und tobten uns aus. Da wir noch genügend Zeit hatten, entschlossen sich Fabian und Eric, noch einen Abstecher zum Schübelweiher zu machen. Dort konnten wir viele Libellen, junge Blässhühner und Teichrohrsänger beobachten. Auch die Botaniker kamen nicht zu kurz: Sibirische Schwertlilien und Witwenblumen konnten aus nächster Nähe bewundert werden.
Danach war es schon Zeit, nach Hause zu gehen. Die fünf Stunden vergingen wie im Flug mit den vielen tollen Beobachtungen, die wir machen konnten.

Bericht und Fotos: Eric Christen.

Sonntag, 26. Mai 2013

Fünfte und letzte Grundkursexkursion: Abschluss im Neeracher Ried

Traditionell führte uns die letzte Grundkursexkusion ins Neeracherried, eines der besten und letzten Naturschutzgebiete im Kanton Zürich. Heute waren auch alle Eltern herzlich eingeladen, um miterleben zu können, was zu Hause immer voller Freude erzählt wurde. ;-)

Schon aus dem Bus konnten wir einen Weissstorchenhorst mit drei Jungen sehen. Der Weissstorch – einst verfolgt und ausgerottet - ist heutzutage wieder relativ häufig in der Schweiz zu beobachten. Auf der Aussichtsplattform des Naturschutzzentrums erklärte Dominic Wissenswertes vom Neeracherried. Es ist nur ein kleiner Rest eines riesigen Sumpfgebietes, das sich früher über die ganze Ebene erstreckt hatte. Ein kleines Juwel inmitten von eintönigen Raps- und anderen Feldern. Kein Wunder tummeln sich hier diverse verschiedene Vögel. Ein grosses Problem ist, dass das Schutzgebiet von zwei stark befahrenen Hauptstrassen in drei Teile zerschnitten ist. Vor allem für Amphibien wie Frösche und Kröten stellen diese ein beinahe unüberwindbares Hindernis dar. Aber wenn der Kanton Zürich sein Versprechen hält, dann wird in ein bis zwei Jahrzehnten eine Umfahrungsstrasse gebaut und die beiden Hauptstrassen aufgelöst. Dies liegt jedoch noch in weiter Ferne, leider… 

Nach dieser Einführung wurden noch einige in diesem Gebiet beobachtbare Vogelarten vorgestellt. So zum Beispiel der Kiebitz. Wegen ihm sind überall auf den Sumpfwiesen Schottische Hochlandrinder anzutreffen. Der Kiebitz baut sein Nest am Boden und benötigt kurzes Gras, damit er einen guten Überblick hat und Gefahren möglichst schnell erkennen kann. Wenn aber zum Beispiel ein Fuchs das Nest erspäht hat, stellen sich die Altvögel lahm,um den Prädatoren vom Nest abzulenken. Die Lachmöwen, so häufig sie auch überall zu sehen sind, haben ein Problem: Sie finden zu wenig Nistplätze um ihre Jungen gross zu ziehen. Im Neeracherried brüten etwa dreissig Paare. Wegen des buchstäblich ins Wasser gefallenen Frühlings sind die Jungen noch nicht geschlüpft. Dafür konnten wir aber die Eier bebrütenden Altvögel sehen.

Lachmöwe.
Die Bekassine mit ihrem etwa 7cm langen Schnabel hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um an die tief im Schlick versteckten Würmer zu gelangen. Ganz vorne am Schnabel hat sie ein kleines Gelenk. Wenn dann ihr Schnabel in der Erde steckt, kann sie dieses Glied nutzen und nur den vordersten Teil öffnen.

Bekassinenschnabel aus Holz.
Beim Flachteich konnten wir zudem noch einen Grünschenkel und ein Kiebitzpaar beobachten. Letztere hielten sich meist gut versteckt in der Wiese auf.

Sontje auf Kiebitzsuche.
Auch dem Wildbienenhotel statteten wir einen Besuch ab und konnten uns so die verschiedenen Stadien der Metamorphose vom Ei zur ausgewachsenen Biene am Original einprägen. Beim Rückweg zeigte uns Dominic noch ein Bachstelzennest.
 
Bachstelzennest...
... und die Hälfte eines stolzen Elternpaares.
Nur wenige Zentimeter unter dem Holzsteg, der durch das Riet führt, zog ein Paar seine fünf Jungen auf. Der entzückende Anblick der aneinander gekuschelten, jungen Bachstelzen liess manche noch so harte Herzen erweichen ;-)… 

Im Vortragssaal stand dann noch der Abschluss des Grundkurses mit einem Vogelquiz auf dem Programm. Ganz konzentriert – man sah schon Rauch über einigen Köpfen aufsteigen – wurde Vogel um Vogel bestimmt. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, denn alle haben eine sehr gute Punktzahl erreicht. Als Belohnung bekam jeder Grundkursabsolvent das Natrix T-Shirt mit einem Kiebitz drauf – aus Bio-Baumwolle natürlich…

Quiz.
Wer wollte, konnte sich nach offiziellem Schluss der Exkursion beim einen oder anderen Posten des Frühlingsfestes vergnügen. Manch einer versuchte noch sein Glück beim Dart oder beim Tastspiel. Gegen Nachmittag trotteten wir dann langsam wieder zur Bushaltestelle und fuhren zurück in die Stadt.

Wir gratulieren allen Teilnehmern zum bestandenen Grundkurs 2013. Wir hatten viel Freude und Spass mit euch während den Exkursionen und hoffen, dass das eine oder andere Gesicht wieder mal mitkommt.

Bericht und Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 12. Mai 2013

Auffahrtslager im Fanel

Erster Tag: 9. Mai

Schon als alle Teilnehmer beim Treffpunkt in Zürich versammelt standen, war klar, dass dieses Natrixlager in die Geschichte eingehen würde. Nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch der tiefe Altersdurchschnitt stellten zwei neue Rekorde dar. Langsam machten wir uns mit vier Fahrrädern auf zum Perron, wo sich unsere Befürchtungen bezüglich Platzverhältnisse bewahrheiteten: Weil schon mehrere Kinderwagen und Velos im Velowagen gestapelt waren, mussten wir auf Nachbarwaggons ausweichen. Trotz dieser kleinen Prozedur konnte bis Bern gesessen werden. Die wenigen bösen Blicke, die Meo auf sich zog, weil er für alle Platz reservierte, waren es wert ;-).
In Ins angekommen wurde die Gruppe in zwei kleinere aufgeteilt: Diejenigen, welche die Polarmöwe noch nicht gesehen hatten, radelten zu ihr und konnte sie mit einigen Dutzend Mittelmeermöwen auf einem Feld
super beobachten. Die zweite Gruppe machte sich direkt auf den Weg in Richtung Fanelhaus. Auf dem Weg liess sich ein Drosselrohrsänger beim Birkenhofweiher akustisch feststellen. Bei der Fruchtschür war zwar keine Schleiereule anwesend, dafür aber mehrere Neuntöter, eine Grauammer und eine Dorngrasmücke.

Graue Ammer in grüner Umgebung.
Foto: Meo Sauter.
Beim Fanelhaus deponierten wir unser Gepäck, bezogen die Zimmer und assen schliesslich unseren Lunch, mit dem ein offensichtlich sehr grosser Hunger gestillt werden musste:

Hammmm! Flurin beisst beherzt in einen Chavrouxkäse. Manche glaubten in
dieser unkonventionellen Art des Käsekonsums den Einfluss eines älteren Natrixlers zu erkennen...
Foto: Patrick Mächler.
Danach ging es direkt weiter zum Berner Turm, wo wir zwar mit 60 Arten viele verschiedene, aber trotzdem nichts sehr Seltenes sahen. So entschieden wir uns, den Beobachtungsturm zu verlassen und stattdessen dem Chablais-Damm einen Besuch abzustatten. Hier ging dann die Post ab: Von Steppenmöwe, Trauerbachstelze und einem überfliegenden Rotfussfalken wurden wir gleich bei Ankunft begrüsst. Auf der kleinen Sandbank fast zuvorderst tummelten sich Sandregenpfeifer, Flussuferläufer, Temminckstrandläufer und ein Steinwälzer im Prachtkleid.

Dieser hübsche Temminckstrandläufer liess sich auf
wenige Meter ausgezeichnet beobachten.
Foto: Meo Sauter.
Während des Eindunkelns überflogen uns zudem 13 Zwergmöwen sowie zwei Schwarzkopfmöwen. Weil aber unsere Magen immer stärker zu knurren begannen, machten wir uns gemütlich auf den Rückweg. Bei der kleinen Beobachtungsplattform, von welcher aus man die Grêves überblicken kann, sass nur etwa 15 Meter entfernt auf einem abgestorbenen Baum ein männlicher Rotfussfalke. Dieses ornithologische Highlight rundete den gelungenen ersten Tag ab.

Ein grimmiger Rotfussfalkenherr beäugte uns kritisch von seinem Aussichtsposten.
Im Fanelhaus angekommen stand schon das Essen bereit. Im Gegensatz zum letzten Jahr mussten die Spaghetti nicht in Scheiben geschnitten gegessen werden, sondern konnten ganz normal mit der Gabel aufgewickelt werden (vergleiche Blogbericht des Fanellagers 2012 ;-D). Als alle wohl gespeist waren und abgewaschen worden war, warteten auch schon die warmen Betten auf uns.

Jakob beim Abwasch - die Haare haben's wohl bitter nötig ;-)
Foto: Jonas Landolt.

Zweiter Tag: 10. Mai

Um 05:00 klingelte der Wecker das erste Mal. Aber weil es aus allen Kübeln schüttete, machten sich nicht alle die Mühe, aufzustehen, sondern schliefen getrost weiter. Sie sollten es nicht bereuen, denn auf dem Damm konnte neben den vielen Regentropfen nichts beobachtet werden. Das einzige Erwähnenswerte war vielleicht, dass fast allen Teilnehmern beinahe die Finger erfroren, so eine Saukälte herrschte draussen... Jemand fror zudem auch an den Füssen, aber man sollte seine Schuhe über Nacht ja auch nicht vor der Haustüre im Regen stehen lassen... ;-) Die Schuhe waren mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm :-/. Zurück im Fanelhaus konnten wir dann unser erstes Frühstück einnehmen: Brot mit Butter, Gonfi und Nutella, Müesli und Ovomaltine. Nach diesem einfachen, aber nährhaften Frühstück ging die grössere Gruppe ins Giritzimoos und die restlichen drei nach La Sauge. Die Abfahrt verzögerte sich allerdings um einige Stunden, weil es sich eine Weinbergschnecke in Jakobs Schuh gemütlich gemacht hatte (auch dieses Paar Wanderschuhe hatte die Nacht im Freien verbracht). Man hörte nur noch ein Knacken - die arme Schnecke - und seitdem wurden jene Schuhe zur Belustigung aller nur noch mit einigem Zögern und mindestens vier Paar Socken getragen ;-P...

Eine kleine Schnecke sorgte für so viel Aufruhr...
Foto: Patrick Mächler.
Irgendwann konnten wir dann aber trotzdem noch starten :-). In La Sauge liess sich das Eisvogelbrutpaar auf wenige Meter schön beobachten. Die Giritzimoos-Gruppe konnte ausser einigen verspäteten Steinschmätzern, zwei Regenbrachvögeln, einigen herumtollenden Feldhasen und einem gschpässigem Singvogel, der nicht auf Artniveau bestimmt werden konnte, auch nichts Aufsehenerregendes feststellen. Pech hatten allerdings alle, die am Vortag nicht zur Polarmöwe gefahren waren, denn zum Verhängnis aller, die sie noch nie gesehen hatten, konnte sie während des ganzen restlichen Lagers und so auch an diesem Tag nicht mehr beobachtet werden. Aber jänu, in einigen Jahrzehnten wird sich sicherlich wieder ein Individuum in die Schweiz verirren... Beim Rückweg stiess dann auch noch Jonas zu uns. Damit wir am nächsten Morgen wieder in der Früh den Damm besuchen konnten, gab es bereits um 18:00 Uhr Abendessen. Diesmal standen zwei verschiedene Risotti auf der Speisekarte. Wer wollte, konnte nach dem Dessert ins Bett gehen oder in der Hoffnung, ein seltenes Sumpfhuhn erlauschen zu können, noch in der Dämmerung auf den Berner Turm. Nun, die Hoffnungen wurden nicht erfüllt und schon bald kehrten alle, wobei aber immerhin zwei singende Waldkäuze und ein mit „kiuwit“ antwortendes Weibchen gehört wurden, wieder zurück, um nach Auswendiglernen des Svenssons unter die warmen Decken zu schlüpfen.

Interessierte Lagerteilnehmer beim Betrachten
der Farbtafeln im Svensson
.
Foto: Meo Sauter.

Dritter Tag: 11. Mai

Wieder ertönte der Wecker um 05:00. Heute allerdings waren es nicht die Handys, welche uns aus den Federn holten, sondern Jonas mit seinem legendären Lied: "Hansli staahnd uuf" :-)
Auf dem Damm konnten wir leider nichts Spezielles sehen, dafür aber auf der Rückfahrt bei der Strafanstalt Witzwil. Dort entdeckte Jonas eine Sumpfohreule. Auch jene, die ausgeschlafen hatten, radelten mit vollem Karacho zu den anderen und schlussendlich konnten alle Natrixler die Sumpfohreule beobachten. Diese Art stellte den Höhepunkt der vier Tage dar. Fit und munter von dieser tollen Beobachtung beglückt frühstückten wir im Anschluss. Es gab dasselbe wie gestern, wobei allerdings zusätzlich zum normalen Brot zwei frische und noch warme Aufbackzöpfe zum Verspeisen bereit standen. Mjamm :-). Danach bildeten sich vier Gruppen. Zur Auswahl stand Folgendes:

1. Gemshoger und danach Damm
2. Gemshoger und danach Krümmi
3. Giritzimoos
4. Krümmi

Auf dem Gemshoger verpassten wir leider um fünf Minuten fünf Stelzenläufer, dafür aber konnten wir sehr viele Libellenlarven im Schilf sehen. Einige waren noch richtige Larven, andere schon am Schlüpfen und auch viele schon flugfähig. Vom Gemshoger aus konnten wir neu für unsere Lagerliste eine Zwergdommel beobachten. Über dem Schilf gaukelte eine Rohrweihe, am Himmel kreiste ein Wespenbussard und auf der Insel tummelten sich unter den vielen Kormoranen und Mittelmeermöwen auch fünf Rotschenkel. Beim Rückweg zeigte sich wie schon am ersten Abend ein Rotfussfalkemännchen von seiner besten Seite – ohne Linus wären wir glatt an ihm vorbeigelaufen… In der Krümmi konnte die zweite Gruppe noch eine männliche Wiesenweihe beobachten. Ausserdem sass mitten in einem Acker eine spezielle Schafstelze der Mischform "superciliaris“. 


Unterartstatus hat sie nicht, aber hübsch anzusehen ist sie allemal: Belegfoto der "superciliaris"-Schafstelze in der Nähe der Krümmi.
Foto: Eric Christen.
Die Giritzimoos-Gruppe konnte ausserdem eine singende Wachtel ausmachen. Auch diese Art war neu für die Lagerliste. Am Abend gab es wieder früh Essen, damit wir die restliche Zeit bis zum Dunkelwerden vor dem Fanelhaus „Fussball“ – besser gesagt Dreckball – spielen konnten. Doch plötzlich wurden wir gestört… Ein junges Wildschweinchen überquerte unser Spielfeld. Es schien erblindet zu sein und hatte seine Mutter verloren...

Konzentriertes Fotografieren trifft auf belustigtes Telefonieren :-)
Die Natrix auf Wildschweinepirsch
Nach diesem Unterbruch wurde das Fussballspiel wieder aufgenommen und als alle müde waren, ging es diesmal etwas später ins Bett.

Voller Einsatz beim Fussballspielen
Die strahlenden Sieger

Vierter Tag: 12. Mai

Heute durften alle ausschlafen. Nur die topmotivierten Meo, Patrick und Eric gingen noch einmal auf den Damm. Erwähnenswert war allerdings nur ein ziemlich fotogener Sanderling. Nach dem Morgenessen stand Putzen auf dem Programm. Von unten bis oben musste alles gründlich gereinigt werden. Zum Glück beteiligten sich alle und so war schnell alles „piccobello“ und abgabebereit.

"Müssen wir jetzt wirklich schon nach Hause gehen?"
Für die Heimreise bildeten sich eine frühe und späte Gruppe. Die spätere hatte noch genügend Zeit, um auf dem Berner Turm nochmals die letzten Vögel zu beobachten. Dabei entdeckte Dominic eine Riesenrarität: einen Zwergschnäpper. Allerdings konnte er diesen nur für wenige Sekunden beobachten und war sich nicht zu 100% sicher. Mit der Hoffnung, den Vogel nochmals erblicken zu können, standen wir alle mit Kamera, Fernrohr und Feldstecher bewaffnet vor dem Heckenstreifen. Aber leider, leider wollte sich diese Rarität nicht nochmals zeigen und somit ging auch die zweite Gruppe via Strafanstalt, wo der Fanelhausschlüssel abgegeben werden musste, in Richtung Bahnhof Ins. Wieder zu Hause wird dieses Lager wohl allen Teilnehmern noch einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Die glückliche Gruppe beim Abschlussfoto.
 Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Samstag, 4. Mai 2013

Vierte Grundkursexkursion: Katzensee

Nicht sehr motiviert standen um 08:00 Uhr sechs Teilnehmer des Grundkurses bei der Busendhaltestelle Holzerhurd – schon wieder Regen… Mit Regenhosen und  Regenjacken bekleidet marschierten wir dennoch los in Richtung Katzensee. Noch auf dem Weg konnten wir mit Rabenkrähe, Star, Buchfink und Amsel die ersten Arten repetieren.

Überblick Katzensee - Ein kleines Juwel inmitten intensiver Landwirtschaft. In näherer Umgebung war vor einem Jahr ein Halsbandschnäppermännchen anwesend.
Kaum beim See angekommen machte sich auch schon ein Vogel lautstark aus dem Schilf bemerkbar –  ein rhythmisch kratzender Gesang. Bei genauerem Hinhören stellten wir fest,  dass es sich um einen Schilfrohrsänger handelte! Mit dieser Art hatten selbst die Leiter nicht gerechnet… Der Schilfrohrsänger brütet bei uns nur sehr selten in der Westschweiz, als Durchzügler tritt er aber fast überall im Mittelland auf. Nach diesem ersten Highlight ging es weiter dem See entlang – es hatte inzwischen zu regnen aufgehört  – wo wir noch einen zweiten singenden Schilfrohrsänger vernehmen konnten. Aber wo blieb die der eigentlich zu erwartende Rohrsänger? Erst etwas später konnten wir den häufigeren Teichrohrsänger, welcher am Katzensee auch brütet, hören. Für das ungeübte Ohr sind Schilf- und Teichrohrsänger am Gesang eher schwierig zu unterscheiden. Der Schilfrohrsänger singt schneller und klingt ähnlich wie Schleifpapier auf Holz. Der Teichrohrsänger singt etwas langsamer und weniger monoton – in der Insidersprache wird er auch Schilf-DJ genannt ;-).
Schon wollten wir wieder zurückgehen, als uns Simon noch eine Dorngrasmücke aus einem Busch hervorzauberte. Sie liess sich sehr schön im gleichen Bild mit einigen Braunkehlchen betrachten. Auch diese beiden Arten waren nur Durchzügler.
In einer Birke konnten wir auf dem Weg zur Badi noch zwei Feldsperlinge beim Nestbau beobachten und uns gleich die Merkmale einprägen. Der Feldsperling hat im Gegensatz zum Haussperling eine rein braune Kopfplatte und auf beiden Wangen je einen schwarzen Punkt.

 
Der Feldsperling - ein typischer Kulturlandvogel. Zu erkennen an der vollständig braunen Kopfplatte und dem schwarzen Wangenfleck.
Aber wo blieben unsere Greifvögel? Auch nach einigen Minuten Himmel absuchen konnten wir nur zwei Kolkraben (diese Art brütet inzwischen schon am Katzensee!) entdecken, bis auf einmal Gian Luis rief, dass über der Hochspannungsleitung ein rüttelnder Turmfalke zu beobachten sei. Rütteln ist ein typisches Verhalten für Turmfalken. Sie bleiben manchmal über eine Minute flatternd in der Luft stehen und suchen mit ihren guten Augen eine Beute, auf welche sie dann plötzlich im Sturzflug hinabstürzen.
Endlich bei der Badi angekommen standen die ersten Spiele für heute auf dem Programm. Zwei Runden „Turmfalkenfangis“ und dann noch eine Runde „Habichtjunge füttern“, bei dem das Ziel war, möglichst viele Gummibärli ins eigene Nest zu bringen.

Die Natrix beim Fangis Spielen...
... und beim anschliessenden Gummibärli geniessen - aber Achtung, im Hintergrund ist ein Habicht im Anmarsch ;-)
Am Schluss trugen Fabian und Merlin noch etwas über Greifvögel vor (dank Jonas‘ Präparierkünsten konnten wir Mäusebussard und Turmfalke haut-/federnah betrachten), bis wir dann müde, aber mit vielen neuen Erkenntnissen, zurück zur Bushaltestelle trotteten. Glücklicherweise hatte sich das Wetter doch noch zum Guten entwickelt, so dass die Exkursion im Gegensatz zum letzten Jahr nicht vollständig ins Wasser fiel…

Bericht und Fotos: Merlin Hochreutener.

Samstag, 20. April 2013

Dritte Grundkursexkursion: Zürcher Innenstadt

Dem Grundkurs 2013 ist das Wetterglück einfach nicht hold: Hätte die Grundkursexkursion zum Lebensraum Siedlung an diesem 20. April zwei Stunden früher begonnen, hätten sich die fünf Teilnehmer und die drei Leiter Jakob, Merlin und Patrick im Schneegestöber auf die Suche nach Wanderfalke & Co. machen müssen. Da es aber zu Tagesbeginn etwas wärmer geworden war, begleitete uns auf der Exkursion glücklicherweise "nur" Nieselregen und keine Schneeflocken...

Nach der Begrüssung beim Kiosk Bürkliplatz erfuhren die Teilnehmer, dass sie der Stadtpolizei Zürich bei der Suche nach schwarz-grauen Räubern helfen müssen. Ein Phantombild und ein noch unvollständiges Signalement wurde den Teilnehmern ausgehändigt, damit sie mehr Informationen über den Namen, das Aussehen und den Aufenthaltsort der Räuber in Erfahrung bringen und schriftlich festhalten können. Mit diesem Auftrag machten wir uns auf, die Zürcher Innenstadt etwas näher auf ihre befiederten Bewohner zu untersuchen. Als wir uns dem Grossmünster näherten, hörten wir plötzlich seltsam metallische Rufe und zwischen den Giebeln der Altstadt sahen wir schwarze Gestalten vorbeifliegen... Wer das wohl sein könnte? Einige Meter näher beim Münster und nach einem Blick durch Merlins und Jakobs Fernrohre herrschte Gewissheit: Die gesuchten Räuber sind schon aufgestöbert! Wie uns Merlin verriet, heissen die klugen Kerle, die gerne mal beim McDonalds ein paar Pommes frites und andere Essensabfälle stibitzen, Dohlen. Er erzählte uns nicht nur, wie wir sie erkennen und bestimmen können, sondern auch, wie ihre Kinderstube aussieht. Dohlen sind Gebäudebrüter, die unter anderem unter dem Dach des Grossmünsters und anderer Gebäude ihre Jungen grossziehen. Wie andere Arten profitieren sie also direkt und indirekt vom Menschen und seinen Siedlungen. Allerdings finden die Zürcher Dohlen in der ausgeräumten Stadt oft zu wenig Futter für ihre Kleinen.

Merlin und Gian-Luis referieren über die Bestimmung der Dohle.
Nach dieser erfolgreichen Räubersuche konnten wir das Signalement auf dem Blatt vervollständigen. Weiter ging es auf dem Platz vor dem Grossmünster, wo Jakob über die Stadttaube berichtete, die einst ein Bewohner von Felsschluchten war und dann irgendwann bemerkte, dass Menschen jede Menge künstlicher Felsschluchten erschaffen, worauf sie  unsere Städte zu besiedeln begann. Hier vermischte sie sich mit freifliegenden Brieftauben, weshalb die Stadttaube heute in unendlichen Farbvariationen auftritt. An Anschauungsexemplaren mangelte es nicht, vor einer Tür mit schwarzen Silhouetten etwa lief ein bunter Haufen Strassentauben laut gurrend durcheinander.

Die Silhouetten an der Tür interessierten uns natürlich und wir wollten sie etwas näher unter die Lupe nehmen. Schnell fanden die Teilnehmer heraus, dass es sich um die Silhouette einer Schwalbe, eines Falken und eines Seglers handeln musste. Gemeinsam beschrieben wir, wie sich die Flugbilder dieser drei Luftakrobaten unterscheiden, damit wir die Arten auch bestimmen können, wenn die Lichtverhältnisse mal nicht so gut sind und wir einen Vogel im Gegenlicht bestimmen wollen.

Rauchschwalbe, Turmfalke und Mauersegler -
die Grundkürsler wissen, wer hier wer ist!


Bei dieser Trockenübung musste es aber nicht bleiben: Nachdem Patrick und Jakob einiges über Alpen- und Mauersegler erzählt hatten, wie etwa, dass sie die ersten zwei Jahre ihres Lebens nach dem Ausfliegen nur in der Luft verbringen, und zum Schlafen in höhere Luftschichten fliegen und dabei eine Hirnhälfte schlafen und die andere den Vogel im Autopilotenmodus weiterfliegen lassen, entdeckten wir am Himmel pfeilschnelle Vögel, die die Teilnehmer sofort als Mauer- und Alpensegler bestimmten. Besonders die Alpensegler flogen auch ihre Brutplätze am Münster an und zeigten beim An- und Abflug nicht nur ihre schneeweissen Bäuche und Kehlen, die sie vom Mauersegler unterscheiden, sondern liessen auch ihren typischen Triller hören. 

Langsam wurde uns kalt - zwar war es wie eingangs erwähnt etwas milder geworden, aber frühlingshaft waren die Temperaturen deswegen noch lange nicht. Um wieder etwas wärmer zu bekommen, spielten wir ein "Falkenfangis", bei dem sich sowohl Jäger wie auch Gejagte ordentlich ins Zeug mussten, wie das Foto unten zeigt:

Ein Doppelfalke macht im spätwinterlichen Zürich Jagd auf Beute.
Trotz mehrerer Durchgänge froren wir immer noch ein wenig - es war aber auch schweinekalt! Gut, hatten wir Aerobictrainer Merlin Hochreutener dabei, der kurzerhand eine ornithologisch inspirierte Aufwärmübung aus dem Ärmel schüttelte. 

Wenigstens ein klein bisschen aufgewärmt begaben wir uns nun zum Gymnasium Hohe Promenade ob dem Bahnhof Stadelhofen. Hier arbeitete ein Vogel für einmal sehr schön mit uns zusammen: Während Jakob die Bestimmung der Mönchsgrasmücke erläuterte, begann ein Männchen dieser Art gleich neben ihm aus voller Kehle singen. An dieser Zusammenarbeit hätten sich Hausrotschwanz, Wanderfalke und Gartenbaumläufer gerne ein Beispiel nehmen können, denn weder vor noch nach der Präsentation dieser Vögel durch Merlin und Patrick wollten sich uns diese Kulturfolger zeigen... 
Während dem Hausrotschwanz wie schon der Stadttaube die Schluchten der Stadt wie die Felsen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes vorkamen, und er deshalb sein Vorkommen so weit ausdehnen konnte, dass er heute der am weitesten verbreitete (nicht aber der häufigste!) Brutvogel der Schweiz ist, lockten den Wanderfalken nicht nur die Aussicht auf Brutplätze an Kehrichtverbrennungsanlagen oder auf Türmen, sondern auch ein reich gedeckter Tisch in die Städte: Die hier häufigen Strassentauben sind für den Wanderfalken ein gefundenes Fressen, das er in einer Kombination von List und Schnelligkeit erbeutet. Wanderfalken kreisen nämlich gerne in grosser Höhe und stürzen sich in grosser Geschwindigkeit hinunter, wenn sie unter sich einen Schwarm leckerer Strassentauben entdecken. Sein nichtsahnendes Opfer tötet er meist schon durch die blosse Wucht des Aufpralls. 
Als unauffälligen Bewohner von Gärten und Parks lernten wir den weiss-braunen Gartenbaumläufer kennen, der zwar wie der Kleiber gerne senkrecht die Bäume emporklettert, anders als dieser aber nicht wieder kopfüber hinuntermarschiert.

Nach diesen Ausführungen galt es im Spiel "wahr oder falsch", das auf der Exkursion erlernte Wissen unter Beweis zu stellen. Die Teilnehmer sowie Merlin standen sich drei und drei gegenüber und mussten in Sekundenschnelle entscheiden, ob die Aussagen, die Patrick vorlas, wahr oder falsch waren. Waren sie richtig, also real, jagten die Wanderfalken auf der einen Seite ihre Gegenüber, die Strassentauben. Waren sie hingegen falsch, stand die Welt Kopf, und so mussten die Strassentauben wie in einer verkehrten Welt die Wanderfalken jagen. Die Teilnehmer wussten die schwierigen Fragen (fast) immer richtig zu beantworten, und so kam es nie vor, dass der Gejagte dem Jäger direkt in die Fänge flog.

Nach dieser actionreichen Schluss"prüfung" mussten wir schon wieder den Rückmarsch zum Bürkliplatz antreten, wo die Teilnehmer von ihren Eltern in Empfang genommen wurden. Trotz schlechten Wetters machte uns Leitern die Exkursion Spass, wir hoffen aber dennoch inständig, dass das Wetter auf der nächsten Exkursion, auf welcher wir die Vogelwelt am und um den Katzensee erkunden, etwas besser sein wird...

Bilder: Jakob Hochuli
Bericht: Patrick Mächler.