Posts mit dem Label Schnee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schnee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. August 2018

Auf der Suche nach Schweizer Spezialitäten: Heuschrecken im Toggenburg

Es ist hinlänglich bekannt, dass Heuschrecken hauptsächlich bei sonniger und warmer Witterung aktiv sind. Doch als die 18-köpfige Gruppe am Samstagmorgen des 26. Augusts auf dem 2’262 Meter hohen Chäserrugg ankam, wurde sie von Temperaturen um die Nullgradgrenze, dichtem Nebel und vereisten Bergblumen empfangen. 

Hart im Nehmen und für jede Eventualität vorbereitet:
die unerschrockenen Natrixler!
Foto: Ruben Lippuner.

Die harschen Bedingungen taten der guten Laune aber keinen Abbruch. Bedacht nahm man den steilen Abstieg hinunter zum Sattel in Angriff, als sich plötzlich Fenster im Nebel auftaten. Ein Steinadler zischte entschlossen gradlinig auf Augenhöhe vorbei, derweil stolze alte Steinböcke durch die Felswand oberhalb des Weges stiegen.


Die Steinböcke liessen sich weder vom schlechten Wetter
noch von den Natrixlern aus der Ruhe bringen.

Bald hatte man den steilsten Abschnitt hinter sich gelassen. Der Weg führte über die hügelige Kalklandschaft und war beidseits von spätblühenden Bergblumen wie der Grossköpfigen Gämswurz, dem tödlich giftigen Blauen Eisenhut und dem Grauen Alpendost gesäumt. Ab dem Sattel ging es dann steil aufwärts zum Gipfel des Gamserruggs, dem östlichen Nachbarn des Chäserruggs. 

Allmählich zeigte sich nun auch die Sonne immer öfter und schien endlich auf die ausgedehnten Bergwiesen, die wir ja heute genauer anschauen wollten. Darin leben nämlich interessante Heuschreckenarten, darunter die Schweizer Goldschrecke, eine gegen Ende der 1980er-Jahre durch Bruno Keist entdeckte Art, die weltweit ausschliesslich auf den beiden Erhebungen Chäser- und Gamserrugg vorkommt. Ergo ist sie hier sogenannt endemisch. Nach einer Stärkung zur Mittagszeit machten sich die ersten Gwundernasen mit Fangbecher auf die Suche nach den umwitterten Insekten, während eine Rohrweihe hoch über uns gen Süden flog. Dem Ruf Leandros, man solle eiligst herbeikommen, folgte die ganze Schar. Stolz präsentierte er seinen Fund, nämlich ein Weibchen der Schweizer Goldschrecke. 

Ein wahrer Tönder:
das Weibchen der Schweizer Goldschrecke.

Kurz darauf wurde auch ein Männchen entdeckt, das deutlich kleiner als das Weibchen ist. Die Schweizer Goldschrecke teilt ihren Lebensraum mit dem Bunten Grashüpfer und der Alpinen Gebirgsschrecke. Auch diese beide Arten waren zahlreich vertreten und liessen sich ausgiebig betrachten. 


Aus dem Leben der Orthoptera.
Foto: Ruben Lippuner.

Nach einigen Erklärungen des Leiters zur aussergewöhnlichen Lebensweise der Heuschrecken machte man sich auf den Abstieg hinunter zur Gamsalp. Den reifen Heidelbeeren am Wegrand konnte man sich dabei nicht verwehren, so verlockend dunkelblau leuchteten sie. Bei der Bergstation der Gamsalp gönnten sich einige sogar einen ausgiebigen Verdauungsschlaf. Dann war es aber Zeit, mit der Sesselbahn ins Tal zu fahren, hinunter nach Wildhaus. Von da ging es mit dem Postauto nach Buchs und dann – von den grossen Temperaturunterschieden sichtlich ermüdet - nach Hause. 


Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Jakob Hochuli.

Sonntag, 18. März 2018

Spechtexkursion in Frauenfeld

Am Morgen trafen wir uns am Zürich HB und fuhren mit dem Zug nach Frauenfeld, von wo aus wir mit dem Bus zur Rohrerbrücke fuhren. Dort ausgestiegen packten wir unsere Feldstecher aus und liefen auf dem Damm der Thur entlang. 

Wir waren noch nicht weit gegangen, als wir kurz einen Kleinspecht rufen hörten. Wenig später flogen ein Buntspecht und überraschenderweise einige Bekassinen über unsere Köpfe hinweg. 

Da ist was im Busch – Marsch, halt!

Als plötzlich ein weiterer Specht vorbeiflog, sagten einige, es sei ein Mittelspecht, was mit dem Fernrohr bestätigt werden konnte. Der Vogel zeigte sich sehr schön und lange und sein farbiges Gefieder konnte von allen bewundert werden. 

Dann gingen wir weiter durch den Wald, als Merlin plötzlich rief, dass ein Trupp Goldregenpfeifer durchgeflogen sei. Einige konnten sie sehen, aber leider nicht alle, da das Sichtfeld durch die Baumwipfel ziemlich eingeschränkt war. Als wir weitergingen, hörten wir noch von weit weg einen Grünspecht rufen. 

Die Gruppe im Winter-Frühlingswald...

Auf den Feldern hielten wir leider vergeblich Ausschau nach den überwinternden Raubwürgern. Parallel dazu machten wir ein Storchen-Fangis auf einem Bein hüpfend, da die Kreuzung nicht so gross war. Auf dem Weiterweg konnten wir singende Goldammern, einen Rotmilan auf der Strasse und erneut eine Bekassine beobachten. 

Nach dem Zmittag gingen wir weiter zu den Feldern, auf denen die Goldregenpfeifer hätten gelandet sein können. Leider fanden wir sie nicht mehr, dafür einige Kiebitze und eine Rotdrossel. Als wir uns auf den Rückweg machen wollten, hörten wir noch einen Schwarzspecht, der unsere Mittelland-Spechtliste des Tages bis auf den selteneren Grauspecht komplettierte. 

Bei der Bushaltestelle machte Merlins Selbstauslöser noch ein Gruppenfoto von uns und dann kam auch schon der Bus und wir fuhren wieder zurück zum Treffpunkt. Mit dem fehlenden Grauspecht haben wir den Flachland-Spechte-Slam zwar knapp verpasst. Mit Goldregenpfeifern und Rotdrossel haben wir aber auch zwei überraschende Arten entdecken können!

Zufriedene Gesichter trotz Eiseskälte. :-)

Bericht: Ruben Lippuner.
Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 4. Februar 2018

OCHA 2018 – Team Natrix

Nachdem es letztes Jahr leider nur knapp nicht geklappt hatte, war dieses Jahr Zeit für die erste Teilnahme einer Natrixdelegation am sogenannten OCHA. Mit von der Partie waren Julia, Benjamin und Merlin. Der Name OCHA kommt von L'Oiseau-Course d'Hiver d'Altitude und es handelt sich um ein Birdrace mit modifizierten Regeln. Es wird von unseren welschen Freunden der Groupe des Jeunes de Nos Oiseaux organisiert und findet im Winter statt. Man darf nur Arten auf einer Höhe von mehr als 1'000 Metern über Meer zählen, die man sich mit eigener Muskelkraft erarbeitet hat – ÖV ist also nicht erlaubt! Des Weiteren steht im Reglement, dass man am Abend vor dem Rennen ein Fondue essen muss, damit am nächsten Tag auch allen Teams das Essen gleich schwer aufliegt und somit gleiche Voraussetzungen herrschen. :-)

Wir trafen uns am Abend des 3. Februars in Madulain im Oberengadin, wo unser erstes OCHA stattfinden sollten. Kaum waren wir aus dem Zug gestiegen, machte ein Bartgeier klar, dass wir auch wirklich in den Bergen sind. Er drehte einige Runden über uns und flog dann das Tal aufwärts davon – dies alles, ohne einmal mit den Flügeln zu schlagen… Eine majestätische und beeindruckende Erscheinung.

Danach stand das obligate Fondue auf dem Programm. Hier müssen wir aber noch etwas üben. Wir haben nämlich das Maizena vergessen und deshalb gab es ein etwas komisches Käse-Flüssigkeitsgemisch, das extrem lange Fäden zog. Dies sorgte aber für Belustigung.
 
 
Auch wenn es kein Vorzeigefondue war, schmeckte es uns dennoch hervorragend und wir gingen gut gesättigt und relativ früh zu Bett, natürlich nicht, ohne zuvor noch Glace zum Dessert gegessen zu haben.

Am nächsten Tag ging es früh los. Im Tal sahen respektive hörten wir schon die ersten Meisen, Buntspecht und Finken. Danach wanderten wir mit Schneeschuhen die Hänge hoch. Leider sahen wir keine der von uns erhofften Arten wie Hühner oder Schneesperling, dafür aber Steinböcke und Gämsen. Und auch der Pulverschnee glitzerte prächtig bei strahlendem Sonnenschein. So wurden wir immerhin in dieser Hinsicht belohnt.
 
Wetter top, Vögel... nun ja! ;-)
Foto: Julia Zahnd.

Nach einigen Stunden Schneeschuhwandern ohne neue Arten stiegen wir wieder ins Tal herab. Plötzlich über- bzw. unterflogen uns zwei Bartgeier und wir konnten von oben auf die Rücken dieser riesigen Vögel gucken. Im Tal versuchten wir noch die letzten Arten herauszuschütteln, bevor wir auf den Bus mussten. Kurz vor Schluss konnten wir mit der Amsel noch unsere letzte und 18. Art feststellen. Wir haben uns wohl selten so sehr über eine Amsel gefreut… ;-)

Wie das Gruppenfoto unten zeigt, hatten wir viel Spass am OCHA und wir werden auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein!
 
Zufriedene OCHA-isten im Wintermärchenland.
Foto: Julia Zahnd.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 15. Januar 2017

Durch den Schnee am Greifensee

Der Winter hat die Schweiz fest im Griff - man braucht daher zurzeit nicht weit* zu gehen, um spannende Wintergäste aus dem Norden zu finden. Wie gut, dass als erste Exkursion im neuen Jahr eine Winterwanderung um das Südostende des Greifensees auf dem Programm stand! 
(* Das galt heute zumindest für unsere Zürcher Mitglieder...)

Zum Start unserer Exkursion gab Dennis den 14 Teilnehmern an der Schifflände Maur einen Beobachtungsauftrag für die heutige Wanderung: Zu zweit oder zu viert sollten wir bestimmte Arten finden, die am Greifensee zurzeit angetroffen werden können. Denjenigen, die die jeweiligen Zielarten zuerst ausfindig machen konnten, winkte ein (vorerst noch unbekannter) Preis. Davon angespornt versuchten wir sogleich, unsere Aufgaben schnellstmöglich "abzuarbeiten". Zielarten wie Sturmmöwe oder Teichhuhn waren - kaum überraschend -  schnell gefunden, aber als Elias nach etwa zehn Minuten Beobachtungszeit lakonisch meinte, dass auf der Spitze eines Baumes am See gleich bei der Schifflände  "noch ein Raubwürger sitze" - ebenfalls eine Zielart - war unser Erstaunen groß. In einem eher ungewöhnlichen Habitat lugte die einzige winterharte Würgerart hin und wieder etwas skeptisch zu uns hinunter.
 
Perfekt getarnt: schwarz-grau-weißer Vogel in schwarz-grauer Umgebung...
Foto: Alina.

Nach einigen Minuten entschied er sich, das Weite zu suchen. Er flog ab und geradeaus über den See, wobei wir seine Flugweise und seine Flügelzeichnung gut sehen konnten:

Auf zu neuen Ufern, oder: Der Raubwürger macht sich vom Acker.
Foto: Levi.

Nach dieser Überraschung setzten wir uns in Bewegung und wanderten in südöstlicher Richtung nach Egg. Am See konnten wir in kleinen Buchten Kolbenenten, Zwerg- und erstaunlich zutrauliche Schwarzhalstaucher (mind. fünf an der Zahl) beobachten, während über unseren Köpfen Erlenzeisige ihre typischen Rufe erklingen ließen. 

Die Vegetationslücken bieten die Möglichkeit,
die Seefläche nach spannenden Wintergästen abzusuchen.

Nachdem wir unsere Wanderung nach einem der Beobachtungsstopps fortgesetzt hatten, rief plötzlich jemand laut "Roordomle flüügt!" Aufgeregt blickten wir umher und einigen war es vergönnt, einen Blick auf diesen braunen und meist gut im Schilf versteckten Reiher erhaschen zu können, der dem Schilfsaum entlang Richtung Riediker Ried davonflog.

Während einige artig in die Kamera lächeln, suchen andere die nächste Überraschung...
Foto: Elias.

Als wir nach nicht ganz zweistündigem Spaziergang die Badi Egg erreichten, brummte vielen der Magen und so entschieden wir uns zu einer frühen Mittagspause. Als vorgezogenen Dessert gab es gleich zu Beginn der Rast einen relativ ufernahen Ohrentaucher zu bewundern. 

Ein äußerst aktiver (sprich hungriger) Ohrentaucher bei Egg.
Foto: Elias.

Auch Eisvogel, Löffel- und Schnatterente sowie Wasserralle gaben sich die Ehre. Nach dem Mittagspicknick waren wir zwar nicht mehr hungrig, dafür froren ein paar (allen voran die Leiter, diese Weicheier ;-)). Höchste Zeit also für ein Ohrentaucher-Fisch-Fangis (auch bekannt als Kettenfangis)! 

Wieder gut aufgewärmt und (zumindest zwischenzeitlich) bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir zum Beobachtungsturm im Riediker Ried. Gleich nach unserer Ankunft entdeckte Dennis über der Seemitte einen Habicht, der von Krähen gehasst wurde und bei seinem Versuch, diese lästigen Zeitgenossen loszuwerden, immer näher auf uns zuflog und zuletzt in einem kahlen Baum nicht allzu weit von uns entfernt landete. Wir konnten ihn ausführlich im Fernrohr betrachten - kein alltäglicher Anblick! Eine Bekassine, die in der alten Projektfläche umherflog, kam vor lauter Aufregung nur wenig Aufmerksamkeit ab.

Ob wir hier vielleicht eine Rohrdommel übersehen haben?
Die alte Projektfläche im Rieder Ried im Winterkleid.
Foto: Elias.

Der Seerundweg führte uns weiter via Riedikon Richtung ARA Uster, wo uns Beobachtungen von Schellente und Eisvogel gelangen. Am Endziel unserer Exkursion, der Schifflände Niederuster, war es definitiv wieder Zeit für Aufwärmaktivitäten. Nach einer leckeren heißen Schoggi oder wahlweise Ovi tobten wir uns nochmals in einem Kettenfangis aus:

Achtung, der Ketten-Ohrentaucher kommt herangetaucht!

Die Fotografen in unseren Reihen machten die Kälte derweil bei einer Fotosession mit einem kooperativen Graureiher vergessen:

Paparazzi an der Arbeit... 
Foto: Eric Christen.
Das Sujet aus der Nähe.
Foto: Levi.

Nach vier Uhr bestiegen wir schließlich den Bus und fuhren nach Uster, wo Dennis für die drei besten Entdeckungen von Zielarten je eine leckere Lindt-Schokolade verteilte. Im wohlig warmen Zug reisten wir heimwärts Richtung Zürich, Wetzikon und die Ost- oder Innerschweiz.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Patrick Mächler.

Samstag, 28. Februar 2015

Bei Bartgeier, Schneefink und Alpenbraunelle auf der Gemmi


Nachdem wir im Vorjahr die Bartgeier-Exkursion auf den Gemmipass absagen mussten, schien uns Petrus heuer besser gesinnt: Für das Wallis war bestes Wetter angesagt und wir machten uns guten Mutes früh auf den langen Weg. Die erste Überraschung des Tages bereitete uns ein adulter Bartgeier, den wir bei einer Felswand auf der Fahrt von Leuk nach Leukerbad beobachten konnten! Er kreiste majestätisch über dem Wald und entlockte uns so manchen Schrei der Begeisterung; diese konnten den Buschauffeur (der den Bartgeier wahrscheinlich Tag für Tag auf dieser Strecke sieht) nicht dazu bringen, den Bus anzuhalten. 
Die zweite Überraschung war das Wetter, denn als wir um 11.30 Uhr oben auf dem Pass ankamen, mussten wir feststellen, dass heute trotz guter Prognose nicht die besten Beobachtungsbedingungen herrschten: Es war sehr windig und vor allem hielt sich hier oben im Kessel ein zäher Nebel. Nichtsdestotrotz stiegen wir motiviert den kurzen Weg zum Grat hoch. Nachdem Jonas uns mit den Sicherheitsregeln vertraut gemacht hatte, ging es zu den bereits zahlreich anwesenden Fotografen. Zwischen deren Füssen spazierten seelenruhig die ersten Besonderheiten des Gemmipasses herum: Viele Schneespatzen und einige wenige Alpenbraunellen! Wir konnten es alle kaum fassen, wie zutraulich diese hochalpinen Vögel hier waren – es herrschten ja richtig „helgoländische Verhältnisse“!

Sie liebt die Kamera, und die Kamera liebt sie:
eine fotogene Alpenbraunelle.
Trotz der genialen Beobachtungen mussten wir uns schnell eingestehen, dass mit dem Wind und der fehlenden Sonne die Verhältnisse ziemlich garstig waren. Aus diesem Grund begab sich eine Kindergruppe mit einem Leiter wieder nach unten, um sich mit Fangis, etc. aufzuwärmen. Genau in diesem Moment gelang uns die erste Beobachtung eines Bartgeiers vom Gemmipass aus: Er flog tief über unsere Köpfe über den Grat und verschwand nach kurzer Zeit im Nebel.

Ein gigantisch-majestätischer Anblick:
ein Bartgeier überfliegt den Grat.
Nach einiger Zeit waren auch die Hartgesottenen ziemlich durchgefroren und wir entschieden uns für einen Restaurantbesuch. Nachdem sich die meisten wieder genügend aufgewärmt hatten, nahmen sie wieder Stellung auf dem Grat – und wurden belohnt: Zweimal in kurzer Zeit liess sich ein adulter Bartgeier wunderschön und extrem nah beobachten! Für die kleine Tichu-Gruppe, die noch im Restaurant weilte, kam jede Benachrichtigung dieser genialen Beobachtung zu spät. Dies sollte nämlich die letzte Beobachtung sein, die uns heute glücken sollte.

Natrixler, hart im Nehmen...
... und sehr hart im Nehmen:
Kein Problem, auf Schnee und Eis zu sitzen!
Brrr: Eine Natrix-Leiter im Schnee.
Glücklich, erschöpft und vor allem steifgefroren machten wir uns um 16.30 Uhr auf den langen Rückweg. Es war ein toller Ausflug, die nächste Bartgeierexkursion wird aber hoffentlich bei stahlblauem Himmel stattfinden! :-)

Bericht: Eric Christen.
Fotos: Jonas Landolt. 

Sonntag, 22. Juni 2014

Bergvögel im Urserental

Das Urserental UR ist vielen Ornithologen ein Begriff wegen eines roten Finks des Karmingimpels. Aber auch die steilen Bergflanken rund um den Furkapass sind ornithologisch spannend, zumal Steinadler, Schneehühner, Schneefink und andere Hochgebirgsarten vorkommen. Aber jetzt mal der Reihe nach.

Wunderschön: die Landschaft um den Furkapass.
Foto: Patrick Mächler.
Kaum waren wir in Andermatt aus dem Zug ausgestiegen, vernahmen wir schon einen auffälligen Gesang. Es war das einmalige "dut dudut duduuuuduuu" (oder so...) des Karmingimpels, der in der von Ferienvillas bedrohten Ebene brütet. Diese einzige „Rosengimpel“-Art Mitteleuropas überwintert in Indien, brütet spät und selten bei uns und hat in den letzten 20 Jahren ihre Verbreitung weit nach Westeuropa vergrössert.

Der Karmingimpel auf dem Laufsteg.
Foto: Meo Sauter.
Das Habitat des Karmingimpels.
Foto: Meo Sauter.
Der Beweis: 2 Busse pro Tag!
Foto: Patrick Mächler.
Weiter ging die Reise oberhalb des Talbodens, wo wir auf Braunkehlchen, Felsenschwalbe und Steinschmätzer trafen. Nach diesen tollen Beobachtungen nahmen wir eine der beiden Busverbindungen auf den Furkapass. Doch bevor wir uns im Massenlager des Hotel Tiefenbachs in die Nächtigungsphase stürzten, machten wir noch einen kurzen Spaziergang hinter das Haus und, siehe da, ein prächtiger Steinrötel präsentierte sich in der Abendsonne. Eine Art, die zuvor kaum jemand von uns so schön hatte beobachten können.  

Der wunderschöne Steinrötel.
Foto: Meo Sauter.
Nach dieser Beobachtung machten wir uns auf in Richtung Esssaal und konnten bei Suppe, Polenta und Pastetli den Tag Revue passieren lassen. Dabei kroch unvermittelt eine haarige Raupe über Meos Shirt - Herkunft unbekannt.  

Meo mit Raupe im Esssaal.  
Foto: Patrick Mächler.
"GRINGGGGGGGG..." schallte der Wecker schon um 5 Uhr früh und holte uns alle aus den Träumen. Ein Blick aus dem Fenster weckte aber alle rasch auf, das wunderschöne Bergpanorama hinterlegt mit orange schimmernden Wolken sah besser aus als jeder Picasso. 

Morgenstimmung zum Ersten...
Foto: Meo Sauter.
... und zum Zweiten - prächtig!
Foto: Patrick Mächler.
Der Aufstieg in Richtung Albert-Heim Hütte war steil und anstrengend entschädigt wurden wir aber durch tolle Beobachtungen der hochalpinen Arten Schneefink und Alpenbraunelle sowie den zaghaften Rufen eines Alpenschneehuhns. Vor der Hütte auf 2543 m.ü.M. genossen wir dann ein wohlverdientes Znüni.
 
Noah - hoch konzentriert.
Foto: Meo Sauter.
Gruppenfoto während des Aufstiegs.
Foto: Patrick Mächler.
Nicht zuletzt konnten die Teilnehmenden dank geologisch-geomorphologischer Erläuterungen zur Entstehung von Moränen, Schwemmkegeln und Rundhöckern ihr Wissen erweitern. Gian-Luis hat sich diesen erweiterten Horizont ebenfalls zu Herzen genommen und fleissig Bergkristalle in allen möglichen Formen (und Grössen!) gesammelt.

Aussicht von der Albert-Heim-Hütte.
Foto: Patrick Mächler.
Nach einem rutschigen Abstieg über ein grosses Schneefeld erreichten wir schon bald wieder den Talgrund unterwegs mit spannenden Beobachtungen von Fichtenkreuzschnäbeln und Klappergrasmücke.

Marschbereit!
Foto: Meo Sauter.

Bericht: Dominic Martin.

Samstag, 20. April 2013

Dritte Grundkursexkursion: Zürcher Innenstadt

Dem Grundkurs 2013 ist das Wetterglück einfach nicht hold: Hätte die Grundkursexkursion zum Lebensraum Siedlung an diesem 20. April zwei Stunden früher begonnen, hätten sich die fünf Teilnehmer und die drei Leiter Jakob, Merlin und Patrick im Schneegestöber auf die Suche nach Wanderfalke & Co. machen müssen. Da es aber zu Tagesbeginn etwas wärmer geworden war, begleitete uns auf der Exkursion glücklicherweise "nur" Nieselregen und keine Schneeflocken...

Nach der Begrüssung beim Kiosk Bürkliplatz erfuhren die Teilnehmer, dass sie der Stadtpolizei Zürich bei der Suche nach schwarz-grauen Räubern helfen müssen. Ein Phantombild und ein noch unvollständiges Signalement wurde den Teilnehmern ausgehändigt, damit sie mehr Informationen über den Namen, das Aussehen und den Aufenthaltsort der Räuber in Erfahrung bringen und schriftlich festhalten können. Mit diesem Auftrag machten wir uns auf, die Zürcher Innenstadt etwas näher auf ihre befiederten Bewohner zu untersuchen. Als wir uns dem Grossmünster näherten, hörten wir plötzlich seltsam metallische Rufe und zwischen den Giebeln der Altstadt sahen wir schwarze Gestalten vorbeifliegen... Wer das wohl sein könnte? Einige Meter näher beim Münster und nach einem Blick durch Merlins und Jakobs Fernrohre herrschte Gewissheit: Die gesuchten Räuber sind schon aufgestöbert! Wie uns Merlin verriet, heissen die klugen Kerle, die gerne mal beim McDonalds ein paar Pommes frites und andere Essensabfälle stibitzen, Dohlen. Er erzählte uns nicht nur, wie wir sie erkennen und bestimmen können, sondern auch, wie ihre Kinderstube aussieht. Dohlen sind Gebäudebrüter, die unter anderem unter dem Dach des Grossmünsters und anderer Gebäude ihre Jungen grossziehen. Wie andere Arten profitieren sie also direkt und indirekt vom Menschen und seinen Siedlungen. Allerdings finden die Zürcher Dohlen in der ausgeräumten Stadt oft zu wenig Futter für ihre Kleinen.

Merlin und Gian-Luis referieren über die Bestimmung der Dohle.
Nach dieser erfolgreichen Räubersuche konnten wir das Signalement auf dem Blatt vervollständigen. Weiter ging es auf dem Platz vor dem Grossmünster, wo Jakob über die Stadttaube berichtete, die einst ein Bewohner von Felsschluchten war und dann irgendwann bemerkte, dass Menschen jede Menge künstlicher Felsschluchten erschaffen, worauf sie  unsere Städte zu besiedeln begann. Hier vermischte sie sich mit freifliegenden Brieftauben, weshalb die Stadttaube heute in unendlichen Farbvariationen auftritt. An Anschauungsexemplaren mangelte es nicht, vor einer Tür mit schwarzen Silhouetten etwa lief ein bunter Haufen Strassentauben laut gurrend durcheinander.

Die Silhouetten an der Tür interessierten uns natürlich und wir wollten sie etwas näher unter die Lupe nehmen. Schnell fanden die Teilnehmer heraus, dass es sich um die Silhouette einer Schwalbe, eines Falken und eines Seglers handeln musste. Gemeinsam beschrieben wir, wie sich die Flugbilder dieser drei Luftakrobaten unterscheiden, damit wir die Arten auch bestimmen können, wenn die Lichtverhältnisse mal nicht so gut sind und wir einen Vogel im Gegenlicht bestimmen wollen.

Rauchschwalbe, Turmfalke und Mauersegler -
die Grundkürsler wissen, wer hier wer ist!


Bei dieser Trockenübung musste es aber nicht bleiben: Nachdem Patrick und Jakob einiges über Alpen- und Mauersegler erzählt hatten, wie etwa, dass sie die ersten zwei Jahre ihres Lebens nach dem Ausfliegen nur in der Luft verbringen, und zum Schlafen in höhere Luftschichten fliegen und dabei eine Hirnhälfte schlafen und die andere den Vogel im Autopilotenmodus weiterfliegen lassen, entdeckten wir am Himmel pfeilschnelle Vögel, die die Teilnehmer sofort als Mauer- und Alpensegler bestimmten. Besonders die Alpensegler flogen auch ihre Brutplätze am Münster an und zeigten beim An- und Abflug nicht nur ihre schneeweissen Bäuche und Kehlen, die sie vom Mauersegler unterscheiden, sondern liessen auch ihren typischen Triller hören. 

Langsam wurde uns kalt - zwar war es wie eingangs erwähnt etwas milder geworden, aber frühlingshaft waren die Temperaturen deswegen noch lange nicht. Um wieder etwas wärmer zu bekommen, spielten wir ein "Falkenfangis", bei dem sich sowohl Jäger wie auch Gejagte ordentlich ins Zeug mussten, wie das Foto unten zeigt:

Ein Doppelfalke macht im spätwinterlichen Zürich Jagd auf Beute.
Trotz mehrerer Durchgänge froren wir immer noch ein wenig - es war aber auch schweinekalt! Gut, hatten wir Aerobictrainer Merlin Hochreutener dabei, der kurzerhand eine ornithologisch inspirierte Aufwärmübung aus dem Ärmel schüttelte. 

Wenigstens ein klein bisschen aufgewärmt begaben wir uns nun zum Gymnasium Hohe Promenade ob dem Bahnhof Stadelhofen. Hier arbeitete ein Vogel für einmal sehr schön mit uns zusammen: Während Jakob die Bestimmung der Mönchsgrasmücke erläuterte, begann ein Männchen dieser Art gleich neben ihm aus voller Kehle singen. An dieser Zusammenarbeit hätten sich Hausrotschwanz, Wanderfalke und Gartenbaumläufer gerne ein Beispiel nehmen können, denn weder vor noch nach der Präsentation dieser Vögel durch Merlin und Patrick wollten sich uns diese Kulturfolger zeigen... 
Während dem Hausrotschwanz wie schon der Stadttaube die Schluchten der Stadt wie die Felsen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes vorkamen, und er deshalb sein Vorkommen so weit ausdehnen konnte, dass er heute der am weitesten verbreitete (nicht aber der häufigste!) Brutvogel der Schweiz ist, lockten den Wanderfalken nicht nur die Aussicht auf Brutplätze an Kehrichtverbrennungsanlagen oder auf Türmen, sondern auch ein reich gedeckter Tisch in die Städte: Die hier häufigen Strassentauben sind für den Wanderfalken ein gefundenes Fressen, das er in einer Kombination von List und Schnelligkeit erbeutet. Wanderfalken kreisen nämlich gerne in grosser Höhe und stürzen sich in grosser Geschwindigkeit hinunter, wenn sie unter sich einen Schwarm leckerer Strassentauben entdecken. Sein nichtsahnendes Opfer tötet er meist schon durch die blosse Wucht des Aufpralls. 
Als unauffälligen Bewohner von Gärten und Parks lernten wir den weiss-braunen Gartenbaumläufer kennen, der zwar wie der Kleiber gerne senkrecht die Bäume emporklettert, anders als dieser aber nicht wieder kopfüber hinuntermarschiert.

Nach diesen Ausführungen galt es im Spiel "wahr oder falsch", das auf der Exkursion erlernte Wissen unter Beweis zu stellen. Die Teilnehmer sowie Merlin standen sich drei und drei gegenüber und mussten in Sekundenschnelle entscheiden, ob die Aussagen, die Patrick vorlas, wahr oder falsch waren. Waren sie richtig, also real, jagten die Wanderfalken auf der einen Seite ihre Gegenüber, die Strassentauben. Waren sie hingegen falsch, stand die Welt Kopf, und so mussten die Strassentauben wie in einer verkehrten Welt die Wanderfalken jagen. Die Teilnehmer wussten die schwierigen Fragen (fast) immer richtig zu beantworten, und so kam es nie vor, dass der Gejagte dem Jäger direkt in die Fänge flog.

Nach dieser actionreichen Schluss"prüfung" mussten wir schon wieder den Rückmarsch zum Bürkliplatz antreten, wo die Teilnehmer von ihren Eltern in Empfang genommen wurden. Trotz schlechten Wetters machte uns Leitern die Exkursion Spass, wir hoffen aber dennoch inständig, dass das Wetter auf der nächsten Exkursion, auf welcher wir die Vogelwelt am und um den Katzensee erkunden, etwas besser sein wird...

Bilder: Jakob Hochuli
Bericht: Patrick Mächler.