Sonntag, 12. Juni 2016

Pflegeeinsatz auf den Hegmatten

An diesem Arbeitseinsatz waren wir wohl die kleinste Gruppe seit langem: Gerade mal drei waren wir. 

Auf den Hegmatten angekommen begonnen wir unverzüglich mit der Arbeit. Es ging darum, invasive Goldruten auszurupfen, um das Verdrängen von einheimischen Arten zu verhindern. Dank guter Pflege in den letzten Jahren konnten wir nur sehr wenige Goldruten vorfinden und waren auch schnell fertig. 
 
Die Goldrutenhaufen werden immer kleiner - ein toller Erfolg!
Foto: Dennis Riederer.

Während der Arbeit konnte man einen Sumpfrohrsänger und eine Gartengrasmücke hören. Wir schauten noch beim Toggenburgerweiher vorbei, doch konnten wir nichts Aussergewöhnliches entdecken. Da es nichts mehr zu tun gab, machten wir uns mit dem Bus auf den Heimweg.

Bericht: Flurin.

Sonntag, 22. Mai 2016

Abenteuer StadtNatur

Die Natrix wurde von Stefan Heller angefragt, ob sie nicht eine Exkursion am Anlass "Abenteuer StadtNatur" anbieten wolle. Unter diesem Namen fanden etliche Exkursionen, die der Natur gewidmet sind, in und um Zürich statt. Mit dem Ziel, der Bevölkerung zu zeigen, dass sich Stadt und Natur nicht zwingend ausschliessen müssen, organisierte die Natrix in Höngg eine Schwalbenexkursion.
In Höngg hat sich um die Garage Zwicky in den letzten Jahren eine Mehlschwalbenkolonie angesiedelt - dank künstlichen Nisthilfen, die an vielen Häusern angebracht sind. Da sich die Schwalben hier weitestgehend an den Menschen gewöhnt haben, bieten sie ideale Beobachtungsmöglichkeiten. Während zweieinhalb Stunden bestaunten die 14 Teilnehmer die Flugkünstler und erfuhren in vier Posten viel über Bestimmung, Brutbiologie, Zugverhalten und Gefährdung und Förderung der Mehlschwalbe.
Dank des idealen Wetters und den interessierten Teilnehmern war die Exkursion ein voller Erfolg.

Bericht: Eric Christen.

Sonntag, 8. Mai 2016

Auffahrtslager in der Westschweiz, 5. bis 8. Mai 2016

Traditionellerweise führt die Jugendgruppe Natrix jeweils über Auffahrt ein Beobachtungslager durch – so auch dieses Jahr. Im Frühling jedes Schaltjahrs wird der Wasserstand am Genfersee um 90 Zentimeter statt den üblichen 60 Zentimetern abgesenkt. Dadurch zeigten sich bei den Naturschutzgebieten Grangettes und Préverenges riesige Schlickflächen, die gerne von Limikolen als Rastmöglichkeit genutzt werden. Da wir diese günstigen Beobachtungsbedingungen nutzen wollten, verbrachten wir dieses Jahr die ersten zwei Tage des Auffahrtslagers am Genfersee. Am dritten Tag ging es dann weiter ins legendäre Fanel, wo wir traditionell jedes Frühjahr zu Gast sind. Wir wünschen viel Lesespass!

Erster Tag - Donnerstag, 5. Mai 

Um 9 Uhr stiegen wir in den Zug Richtung Morges. Unterwegs stießen dann noch Linus und Flurin zu uns. In Morges angekommen nahmen wir den Bus in Richtung Préverenges. Auf der Île de Préverenges, einer künstlichen Kiesinsel im Genfersee, konnten wir unter anderem Temminckstrandläufer, Flussuferläufer, Grünschenkel und Flussregenpfeifer beobachten. 

Aktives...
... und weniger aktives Beobachten in Préverenges.

Von da aus ging es mit dem Bus nach Renens, wo wir den Zug nach Villeneuve nahmen. Von dort aus mussten wir dreiviertel Stunden zum Campingplatz laufen, sehr zum Missfallen einiger Teilnehmer. Auf dem Campingplatz waren unsere Zelte zu unserem Erstaunen schon aufgestellt. Nach dem Einrichten der Zelte gingen wir alle auf den Damm, wo wir Arten wie Brandgans, Seidenreiher und Eiderente beobachteten.
Nach der Rückkehr gab es im Restaurant Abendessen, welches aus Salat und Spaghetti bestand. Nachdem wir dieses deliziöse Mahl zu uns genommen haben, haben wir zwei Gruppen gebildet. Die einen gingen mit Nikolai, der während des Essens eingetroffen war, „Guetsli-Birden“ auf dem Damm (für jede Grasmücke gab es ein Guetsli), während die anderen nach Chez Bonnet gingen, wo allerdings nichts Spannendes zu beobachten war. Als wegen der Dunkelheit allmählich nichts mehr zu sehen war, verabschiedeten wir uns von Nikolai, der wieder zurück in seine WG in Lausanne fuhr, und legten uns schlafen. Die Nacht sollte ziemlich kalt werden. Wer einen warmen Schlafsack dabei hatte, war also im Vorteil…

Le crépuscule tombe sur les Grangettes.

Text: Lukas & Linus

Zweiter Tag - Freitag, 6. Mai

Nach dem Frühstück suchten wir die Felder in der Nähe des Campingplatzes ab, bekamen aber leider nichts Spezielles zu Gesicht. Alsbald gingen wir zum Damm. Auf dem Weg hörten wir ein Schwarzkehlchen und einen Drosselrohrsänger. Vorne angekommen waren da die klassischen Wasservögel wie Flussseeschwalben, Mittelmeermöwe und Haubentaucher. Etwas überraschend sahen wir eine Schellente, die bei uns eigentlich vor allem ein Wintergast ist. Ein Teil unserer Gruppe war zurückgeblieben und benachrichtigte uns per Telefon über einen möglichen Iberienzilpzalp. Im Affentempo eilten alle zu der Stelle, wo uns der kleine Singvogel seinen Gesang vortrug. Dennis nahm den Gesang mit seinem Aufnahmegerät auf. Es stellte sich mit der Zeit aber heraus, dass es sich „nur“ um einen Zilpzalp mit Mischgesang handelte, da er nie den astreinen Gesang des Iberienzilpzalps zeigte. Nach dieser interessanten Beobachtung und von der starken Sonne etwas ermüdet, gingen wir zum Campingplatz zurück und spielten Pingpong oder ruhten uns aus. 

Sleep, eat, go birding... and play ping pong!

Nach vielen rasanten Runden Pingpong, erholsamem Schlaf und sonstigem lustigem Zeitvertreib gingen wir gegen Abend wieder ins Feld. Die einen gingen nach Chez Bonnet, während die anderen vom Damm aus nach Raritäten suchten. In Chez Bonnet war ausser Schafstelze, Seidenreiher und Knäkente kaum etwas zu sehen. Allerdings trafen wir auf Mathieu, der uns Fotos von einem unbestimmten, nach Bairdstrandläufer aussehenden Strandläufer zeigte. Nach minutenlangem Suchen flog der Vogel dann plötzlich wieder vom nicht einsehbaren Bereich hinter dem Schilf hervor und stocherte etwa 200 Meter entfernt nach Nahrung. Die Bestimmung des mysteriösen und möglicherweise aus Nordamerika stammenden Strandläufers war ein scheinbar unmögliches Unterfangen – das Einzige, was wir tun konnten, war viele Fotos vom Vogel anzufertigen. Nach etwa einer halben Stunde Beobachtungszeit flog der Vogel allerdings wieder davon.
Nach dieser wirklich außergewöhnlichen Beobachtung gingen wir ins Restaurant, wo uns eine feine Rösti zum Znacht erwartete. Wir aßen ziemlich schnell, wollten wir doch danach wieder den Strandläufer suchen gehen. Wir eilten mit Fernrohr und Fotoausrüstung zum Beobachtungsturm, wo wir allerdings nicht fündig wurden. Dafür kreuzte zu unserer Überraschung ein Biber auf, der im Wasser eine Runde drehte und sich ausgezeichnet beobachten ließ.
Der Strandläufer entzog sich an diesem Abend weiterhin einer sicheren Bestimmung, wir vermuten aber immer noch den Bairdstrandläufer, was übrigens ein Erstnachweis für die Schweiz wäre! Die besten Ornithologen aus der Schweiz und ganz Europa sowie einige aus den USA befassen sich nun mit der Bestimmung des Vogels anhand der Fotos. Wir sind gespannt, zu welchem Urteil sie gelangen...

Text: Leon, Levi & Benjamin

Dritter Tag - Samstag, 7. Mai

In aller Hergottsfrühe klingelte der Wecker und alle standen auf, da wir den mysteriösen Strandläufer natürlich unbedingt nochmals sehen und auf keinen Fall verpassen wollten. Trotz intensiver Suche konnten wir ihn aber nicht mehr finden. Auf dem Rückweg zum Zmorgenbuffet sahen Levi und Merlin, die sich etwas länger Zeit gelassen hatten, eine Zitronenstelze, die von Mathieu entdeckt worden war. Alle anderen waren schon beim Frühstück. Bis diese wieder nach Chez Bonnet zurückgerannt waren, war die Zitronenstelze allerdings schon wieder verschwunden und so konnten nur zwei von uns einen Blick von dieser sehr seltenen Art erhaschen. Zurück beim Campingplatz konnten wir dann endlich unser verdientes Frühstück essen – waren wir doch schon seit 5.00 Uhr und damit vier Stunden auf den Beinen. Nach dem Frühstück packten wir alle sieben Sachen und machten uns auf den anstrengenden Weg vom Campingplatz nach Villeneuve. Von dort fuhren wir mit dem Zug via Lausanne, Yverdon und Neuchâtel nach Ins, wo wir unsere Velos abholten und dann sogleich weiter in Richtung Fanel radelten. Auf dem Weg vom Bahnhof Ins zum Fanelhaus konnten wir mitten in einem Rapsfeld (!) eine schöne männliche Pfuhlschnepfe im Prachtkleid beobachten. 

Verdient definitiv das Natrixprädikat "özzig":
der Rastplatz der Pfuhlschnepfe mitten in einem Rapsfeld!
Foto: Patrick Mächler.

Am Morgen hatten wir noch gefroren, aber nun war es so heiß, dass uns nichts Anderes übrig blieb, als im Schatten zu pausieren. Flurin und Merlin flickten unter grosser Anstrengung Flurins Velo, während die anderen auf den Berner Turm gingen. Viel gab es aber nicht zu sehen. Die Meldung einer Zwergseeschwalbe im Chablais de Cudrefin veranlasste uns zum baldigen Aufbruch. Flurins Velo war zwar auf dem Hinterrad wieder fit, nun gesellte sich zum Loch am Hinterrad aber auch noch ein Loch am Vorderreifen dazu. So musste Flurin mit Merlins Gepäckträger vorlieb nehmen. Im Chablais de Cudrefin präsentierte sich die Zwergseeschwalbe schön auf den Pfosten der ersten Reihe sitzend.

Eine unglaublich putzige Zwergseeschwalbe (trotz des Schilfs davor).
Foto: Patrick Mächler.

Weiter gab es noch Mittelsäger, Zwergmöwe, Steppenmöwe und Trauerseeschwalbe zu bewundern. Leider konnten wir weder die Präriemöwe, die am Donnerstag das letzte Mal gesehen wurde (2. Nachweis für die Schweiz), noch eine erhoffte Weissflügelseeschwalbe beobachten. 

Steppen- statt Präriemöwe: eine eher spätes Exemplar im zweiten Kalenderjahr.
Foto: Patrick Mächler.

Auf dem Rückweg sahen wir (im wunderschönen Sonnenuntergangslicht) dafür noch eine Wanderratte, die sich an einem toten Fisch verköstigte und sich von unseren Blicken nicht stören ließ. Beim Schilf präsentierten sich zwei Bartmeisen sehr schön. 

Romantiker mussten bei diesem Anblick nur den Duft von verwesendem Fisch sowie das Geschmatze und Genage der Wanderratte im Hintergrund ausblenden, und schon war das Leben perfekt ;-)
Foto: Patrick Mächler.

Alle hatten einen Bärenhunger und konnten den Risotto gar nicht erwarten. Patrick verabschiedete sich wieder von uns, der für einen Tag mit uns unterwegs gewesen war. Im Fanelhaus gab es schließlich nach etwa einer halben Stunde den heißersehnten Risotto. Alle stürzten sich sofort darauf. Zum Glück wurde genügend gekocht, so dass auch wirklich alle Mägen adäquat versorgt werden konnten. Danach gingen wir schlafen, was uns nach diesem langen und heissen Tag wirklich nicht schwerfiel ;-)

Text: Flurin

Vierter Tag – Sonntag, 8. Mai

Die unentwegten Frühaufsteher Benjamin, Lukas, Ruben, Linus und Leon hatten keine Probleme, als der Wecker um 4.45 Uhr in der Früh klingelte. Die anderen schon eher. Während Flurin, Levi, Elias, Alina und Merlin eine Stunde später folgten, nahm der Rest mit dem warmen und kuschligen Bett vorlieb… ;-)
Im Chablais de Cudrefin waren in der Früh unter anderem zwei Kuhreiher zu beobachten. Ebenfalls speziell war ein Trupp von mindestens 80 Trauerseeschwalben. Nebst den üblichen Arten wie zum Beispiel Rohrschwirl gab es nichts Neues mehr zu sehen. Als die Mägen der Frühaufsteher langsam zu knurren begannen, war es an der Zeit, zurückzugehen. Im Fanelhaus waren die andern gerade erst aufgestanden. So mussten die Frühaufsteher den Zopf in den Ofen schieben. Als der Tisch gedeckt und alle Schlafmützen geweckt waren, war auch der Zopf soweit und wir konnten zmörgelen. Frisch gebackener und noch warmer Zopf, Schweizer Blütenhonig und Milch mit Cornflakes – was will man mehr? 
Danach kam der etwas anstrengendere Teil, das Putzen und Packen. Dieser Prozess sollte dieses Jahr länger dauern als auch schon… Ob die heißen Temperaturen, die einige anstatt vom Putzen abhielten und stattdessen wie lampige Salatblätter im Gras rumliegen ließen, oder der mangelnde Schlaf die Ursache waren, konnte nicht abschliessen eruiert werden. Fakt ist: Es gibt noch Luft nach oben! ;-)
Nach dem obligatorischen Gruppenfoto schwangen wir uns auf die Sättel, um zurück zum Bahnhof Ins zu radeln. Bei der Fruchtschüür, wo wir im Schatten und im Stroh unseren Zmittag aßen, konnten wir noch drei schöne Neuntöter, eine aus voller Kehle singende Dorngrasmücke, einen Steinschmätzer sowie mehrere Grauammern beobachten. Danach ging es weiter nach Ins, wo wir unsere Velos am Bahnhof wieder nach Hause zurückschickten, bevor wir selber in den Zug einstiegen und nach Hause fuhren.

Freuen sich schon auf eine Neuauflage im kommenden Jahr:
die Teilnehmer des Auffahrtslagers 2016 beim Fanelhaus.

Zu Ende ging ein tolles und erfolgreiches Lager, bei dem 137 Vogelarten sowie ein möglicher Bairdstrandläufer beobachtet werden konnten. Die nächste Woche hatten wohl alle ein Schlafmanko aufzuholen. Leon, Ruben, Levi und Merlin machten am Abend noch einen leider erfolglosen Ausflug ins aargauische Mühlau, wo am Mittag noch zwei Rotflügelbrachschwalben anwesend waren. Gerade die beiden Appenzeller waren deshalb erst gegen 23.00 Uhr zu Hause…

Text: Merlin

Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 24. April 2016

Zugvögel am Flachsee

"Ein Blick in die Chronik der Jugendgruppe Natrix hat Erschreckendes zu Tage gefördert: Die letzte Exkursion an den Flachsee liegt sage und schreibe acht Jahre zurück! Höchste Zeit also, diesem guten und nahe gelegenen Gebiet wieder einmal einen Besuch abzustatten." So lauteten die vielversprechenden Zeilen in der Exkursionseinladung.

So traf sich eine motivierte 9-köpfige Gruppe für diese Exkursion. Kaum am Flachsee angekommen und losmarschiert, konnten wir einen adulten Nachtreiher im Flug entdecken. Einmal gelandet war er allerdings schwierig zu beobachten, da er sich inmitten eines grossen belaubten Baumes niederliess und grösstenteils von Blättern verdeckt war.

Wer entdeckt den Nachtreiher?

Danach gingen wir weiter zum Hide. Von den vielen Limikolen, die eine Woche vorher noch gemeldet worden waren, konnten wir nur noch einen Bruchteil sehen, aber immerhin sechs Bruchwasser-, einen Flussuferläufer und zwei Grünschenkel. Aus dem Schilf verkündeten Drosselrohrsänger und Rohrschwirl ihre Ankunft aus dem südlichen Winterquartier.
Beim Beobachtungshügel legten wir unseren zweiten Beobachtungsstopp ein. Dort sorgten die imposanten Balzflüge der Kiebitze für Spektakel. Daneben gaukelte eine Rohrweihe übers Schilf und ein Graureiher posierte auf einem nahe gelegenen Busch für alle Fotografen unter uns. Eine Rohrammer tat es ihm gleich und lustige "quäk"-Rufe machten uns auf Nachtreiher Nummer 2 und 3 aufmerksam. Ebenfalls zu erwähnen sind die vielen Schwalben (Mehl-, Rauch- und Uferschwalben), die nahe der Wasseroberfläche nach Nahrung suchten.

Graureiher und...

...Rohrammer sorgten für knipsende Kameras.

Als spätestens nach dem Mittagessen individuelle Gespräche interessanter als die Vögel wurden, beschlossen wir, noch zur nahe gelegenen Stillen Reuss zu gehen. Dort wurde ein Tag zuvor nämlich ein Kleines Sumpfhuhn beobachtet. Unsere Suche war aber leider nicht von Erfolg gekrönt. Dafür konnten wir noch eine Handvoll Weissstörche, sechs Kiebitze und zwölf Grünschenkel begutachten. Als Highlight zeigte sich auch noch die Sonne. Vorher mussten wir im Dunst des Nebels und teilweise bei Nieselregen doch etwas schlottern...

Schliesslich war es auch schon wieder Zeit, zurück zur Bushaltestelle zu marschieren. Zu Ende ging eine "durchschnittliche" Exkursion. Der Flachsee hat sich auch schon von der ergiebigeren Seite gezeigt. Aber mit unseren aktiven und motivierten Mitgliedern steigen halt auch die Ansprüche :-).

Bericht und Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 13. März 2016

NDS: Raritätensuche in der Region Krümmi

Nach fünf Jahren war es wieder einmal Zeit für ein sogenanntes NDS (Abkürzung für neudeutsch Natrix Dynamic System). Erst am Tag davor wählten wir unser Beobachtungsziel. Die Entscheidung fiel aufs Berner und Freiburger Seeland. 
Um 7.45 Uhr warteten 15 topmotivierte Natrixler am Treffpunkt in Zürich. Da bei der Wahl des Beobachtungsortes eines NDS-Anlasses das Auftreten seltener Arten eine entscheidende Rolle spielt, waren die Erwartungen hoch. Mit dem Zug ging es dann über Bern nach Müntschemier. Dort angekommen trübte der starke Wind etwas unsere Hoffnung, viele spannende Arten zu sehen.

Vom Bahnhof machten wir uns auf Richtung Obermoos. Dort suchten wir die Felder ab und es vergingen keine fünf Minuten, bis ein "Sumpfohreule!" die Stille der konzentrierten Beobachter durchbrach. Auf etwa 600 Meter Distanz konnten alle Natrixler die seltene Eule, welche von zwei Rabenkrähen verfolgt wurde, für etwa eine halbe Minute beobachten, ehe sie in einem Graben Zuflucht suchte. Für die meisten war es das erste Mal überhaupt, dass sie eine Sumpfohreule beobachten konnten - für alle ohne Zweifel das erste Highlight des Tages!

Nicht alle mögen sie - die Natrixler aber definitiv: eine der im Grossen Moos überwinternden Sumpfohreulen beim Versuch, eine lästige Rabenkrähe loszuwerden.

Der Krümmi entlang liefen wir in den unteren Bereich des Obermooses. Unterwegs waren elf Rehe, darunter drei Rehböcke, die aufregendste Beobachtung. 

Die Rehe im Grossen Moos zeigen ein anderes Verhalten als die meisten Artgenossen in den übrigen Teilen des Landes. Sie leben die meiste Zeit in der offenen Feldflur, weit weg vom Schutz des Waldes.

Unten angekommen verbrachten wir einige Minuten mit der Hoffnung, dass die Sumpfohreule erneut auftaucht. Leider blieb sie für den Rest des Tages verborgen. Immerhin zeigte sich ein Kornweihenweibchen im typischen Jagdflug:

Im eleganten Suchflug: Frau Kornweihe.

Als alle ihr Znüni gegessen hatten, setzen wir unseren Weg Richtung Hinteres Horn fort. In der Höhe entdecken wir einen Kiebitztrupp. Diesen inspizierten wir genau, da sich in dieser Jahreszeit gerne auch andere Limikolen daruntermischen. Das Absuchen war von Erfolg gekrönt: Vier Kampfläufer sowie ein seltener Goldregenpfeifer drehten mit den Kiebitzen eine Runde und landeten an einem kleinen Weiher. Die Limikolen waren zwar weit weg gelandet, aber trotzdem konnte jeder durchs Fernrohr den Goldregenpfeifer bewundern. 

Immerhin ein Indiz, dass der Frühling unterwegs ist: ein Goldregenpfeifer unter Kiebitzen.

Wer gerade an die richtige Stelle schaute, hatte zudem das Glück, einen Feldhase zu sehen, der sich aber sogleich wieder im hohen Gras versteckte. Nach diesen äusserst erfolgreichen Stunden suchten wir einen windgeschützten Schuppen auf, um uns unser wohlverdientes Mittagessen schmecken zu lassen. 

Endlich etwas Ruhe vorm Wind - und endlich was Ordentliches zu essen!

Einige besonders harte Natrixler liessen sich von dem stärker werdenden Wind nicht aufhalten und suchten um den Schuppen das Gelände ab. Ausser ruffreudigen Goldammern gab es jedoch nicht viel zu sehen.

An einem Kanal entlang gingen weiter zur Krümmi, bis uns ein toter Graureiher im Kanal aufhielt. Da es auch mehrere Federsammler unter uns gibt, war das Interesse an dem Kadaver gross. Es sah schon etwas seltsam aus, als Samuel den Kadaver des mächtigen Vogel an den Weg schleppte:

Ganz ohne Berührungsängste auf Tuchfühlung mit Herrn/Frau Graureiher (Gott hab ihn selig): unser Sämi.
Foto: Flurin. 

Dort konnte sich jeder ein persönliches Feder-Souvenir ergattern. Als der Graureiher wieder der Natur überlassen wurde, sahen wir einige lebendige Artgenossen und drei Silberreiher darunter. 
Am Weiher der Krümmi machten über 70 Pfeifenten mit Rufen auf sich aufmerksam. Darunter entdeckten wir auch zwei Löffelenten. Zufrieden konnten wir langsam unsere Route Richtung Bahnhof Müntschemier fortsetzten und uns dort in den warmen Zug setzen. Damit fand dieser fantastische Tag, der uns bestimmt noch einige Zeit in Erinnerung bleiben wird, aller Müdigkeit zum Trotz einen gemütlichen Abschluss.

Bericht und Bilder ohne Vermerk des Fotografen: Samuel Betschart.

Sonntag, 7. Februar 2016

Generalversammlung 2016

Mit dem Zug fuhren wir von Zürich nach Winterthur, wo uns Patrick mit seinem Göttibuben abholte. Im Versammlungsort (ein Gruppenraum hinter dem Bahnhof) angekommen, starteten wir sofort mit dem offiziellen Teil der Generalversammlung (im Folgenden: GV). Als erstes bestätigten wir das Protokoll der letztjährigen GV und verschafften uns einen Überblick über die Finanzen. Jonas und Eva verlassen dieses Jahr die Natrix, weshalb wir sie mit Geschenken und einigen Bildern verabschiedeten, mit denen wir einige gemeinsame Erinnerungen noch einmal hochleben lassen konnten. Danke für euren Einsatz!

Jonas und Eva mit ihrem Abschiedsgeschenk.

Neu in den Vorstand wählten wir Samuel; neuer Präsident wurde Merlin. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden im Amt bestätigt.

Darauf legten wir eine kurze Pause mit allerlei Köstlichkeiten ein, die fleissige Bäcker und Bäckerinnen aus unseren Reihen zubereitet hatten. Nach der Pause war Zeit, um mitgebrachte Fotos zu zeigen.

Rubinkehlchen - Was für ein hübsches Kerlchen...

Jonas war vier Monate in Ghana gewesen und hielt uns über seine Forschungsarbeit und über die Vogelwelt in diesem Land einen sehr interessanten Vortrag.

Wo sind wir denn da? Jonas erzählt von seiner Zeit in Ghana.

Mit Spannung erwarteten wir das von Merlin vorbereitete Quiz, welches einige Knacknüsse bereithielt. Es gab sogar etwas zu gewinnen – eine Velolampe, die man ohne Batterien, dafür mit Ankurbeln zum Leuchten bringt. Danach hatten wir noch etwas Zeit für einige spannende Zeitlupen-Videos fliegender Vögel. Irgendwann mussten wir dann doch noch auf den Zug und nach Hause. Anders als man es von einer GV erwarten würde, war der Nachmittag kurzweilig und lehrreich.

Gruppenfoto.

Bericht: Flurin
Fotos: Merlin.

Samstag, 23. Januar 2016

Jungornithologentreffen und Mitarbeitertagung Vogelwarte Sempach

Dieses Jahr fand das Jungornithologentreffen und die Tagung der Vogelwarte Sempach am 23./24. Januar statt. Wir trafen uns früh am Morgen am Hauptbahnhof Zürich und stiegen in den Zug und später noch in den Bus. Ab der Bushaltestelle marschierten wir zur Vogelwarte, wo uns Martin Spiess bereits erwartete. Viele andere Jungornithologen waren schon vor uns eingetroffen und viele der Gesichter kamen uns sehr bekannt vor. Nachdem alle angekommen waren, ging es mit einem spannenden Vortrag über die Kartierung von Vögeln für den neuen Brutvogelatlas los. Mit viel Fachwissen informierte uns Martin Spiess über dieses Thema. 

Nach dem Vortrag durften auch wir mal zur Abwechslung uns nach vorne stellen und etwas erzählen: Jeder konnte seine zehn besten Bilder des letzten Jahres zeigen. Im Anschluss an diese Fotoserie zeigte Martin Spiess auch Fotos, und zwar für das sogenannte «Mystery-Bird-Quiz». Mehrere Natrixler und Natrixlerinnen erreichten mehr als 30 Punkte (von 45)! Nach so einem interessanten Morgen ist man natürlich erschöpft, und so hatte die Vogelwarte für eine Stärkung vorgesorgt: Es wurden Käsekuchen, Bananen, Äpfel und Schöggeli aufgetischt.

Gruppenfoto

Nun hatten wir genug Kraft, um fünf Minuten spazieren zu gehen und so von der Vogelwarte zur Festhalle in Sempach zu wechseln. In diesem riesigen Saal, der bereits mit interessierten Zuhörern gefüllt war, folgten weitere Vorträge zu verschiedenen Themen, die uns sehr packten. Leider mussten wir nach einigen Vorträgen wieder nach Zürich zurückkehren. Es war ein spannender Tag, an dem wir viel erfahren und gelernt haben. :-)

Bericht: Leon
Foto: Nikolai Orgland.