Samstag, 3. September 2016

Die Natrix am Birdrace 2016

Heuer war die Jugendgruppe Natrix wiederum mit drei Teams (zwei Jugendteams und ein Seniorenteam) am Birdrace vertreten, bei dem dieses Mal für den Schutz des Waldrapps in Marokko gesammelt wurde. Nebst Nervenkitzel bietet das Rennen auch immer wieder unvergessliche Momente. Die untenstehenden Kurzberichte vermitteln einen Eindruck des Wechselbades der Gefühle, das die diesjährigen Natrixvertreter erlebten. Viel Spass bei der Lektüre!

Team 1: Ostschweizer Fraktion
Andrea, Selina, Levi & Merlin Hochreutener
Route: Gais Altstätten Rheindelta

Unser Birdrace startete am Freitagabend beim Hirschberg, wo nebst dem Waldkauz, der uns das erste Kreuz bescherte, mehrere Glühwürmchen den Weg wiesen. Am nächsten Morgen standen wir um vier Uhr auf. Von Müesli gestärkt fuhren wir wieder zum Hirschberg, um die häufigeren Waldarten abzuhaken. Etwas später, während der erfolglosen Suche nach einer Wasseramsel, sahen wir unser diesjähriges Birdrace-Highlight, eine Waldschnepfe, die über unsere Köpfe flog. In Altstätten statteten wir zwei Waldohreulen einen Besuch ab. Sonst war die Region aber wie leergefegt und so gingen wir mit knapp 70 Arten ins Rheindelta. Nebst vielen Enten (u.a. Pfeif-, Knäk- und Löffelenten) sahen wir auch Seidenreiher und Limikolen wie Austernfischer, Fluss-, Sandregenpfeifer, Steinwälzer, Sichel-, Alpen- und  Zwergstrandläufer

"Ein Austernfischer auf 13 Uhr!"

Ein Bruchwasserläufer verblieb leider auf der rechten Seite des Rheins, wo die Arten fürs Birdrace nicht gezählt werden dürfen.

Romantik mitten im Birdrace-Trubel ;-)

Ein Blaukehlchen bei letztem Licht bescherte uns das letzte und 97. Kreuz auf der Liste. Auf der Heimfahrt kamen wir nochmals richtig ins Schwitzen: Die Barrieren waren schon unten, der Zug schien verloren doch Merlin hatte den genialen Plan, bei einer Tiefgarage unten durchzufahren, so dass wir es doch noch auf den Zug schafften. Wir hatten uns zwar als Ziel 100 Arten gesetzt, sind aber auch mit 97 zufrieden, denn Altstätten hatte uns wirklich im Stich gelassen...

Bericht: Levi
Fotos: Merlin Hochreutener.

Team 2: Natrix Interkantonal

Flurin, Leon, Lukas & Ruben 
Route: Chablais de Cudrefin Felder Ins Krümmi Staatsmoos Felder Ins Chablais de Cudrefin 

Wir trafen uns am Freitagabend am Bahnhof Ins. Mit den Fahrrädern suchten wir im Seeland nach Eulen. Zuerst fanden wir eine Waldohreule und bei der Ferme de la Sauge, wo wir logierten, noch einen Waldkauz und eine Schleiereule. Wir konnten also zufrieden ins Bett gehen. Am Morgen standen wir früh auf und begaben uns auf den Damm. Es ging gut voran und wir machten uns bald auf den Weg zu den Feldern. Ein Zwischenhalt bei der Fruchtschüür wurde mit Grauammer und Dorngrasmücke belohnt. Wir fuhren weiter Richtung ,,Bir länge Stude’’, Krümmi und schliesslich Staatsmoos. Nach dem Mittag wurde es sehr heiss und auch die neuen Arten wurden rarer. Schliesslich begaben wir uns wieder auf den Damm. Das Highlight stellte ein Schwarzstorch im Chablais de Cudrefin dar. Die letzte Art des Tages war ein Waldwasserläufer, der kurz vor neun zu hören war. Mit insgesamt 109 Arten konnten wir zufrieden sein.

Bericht: Flurin.

Team 3: Natrix – Kraweel, kraweel!
Dennis Riederer, Simon Stricker, Eric Christen & Patrick Mächler
Route: Region Linthebene – Obersee – Flughafen Zürich – Neeracher Ried – Klingnauer Stausee

Schutzpatron Loriot und sein knirschender Ledermantel verhalfen uns zu einem guten Start ins Birdrace: Um 21.05 Uhr hörten wir irgendwo im Nirgendwo die Rufe eines Uhus. Glücklicherweise hatte er in der letzten Zeit weder auf Waldkauz noch Waldohreule übermässigen Appetit, so dass wir auch diese beiden Nachtjäger bald darauf feststellen konnten. Etwas ins Stocken geriet der Kreuzchenfluss am darauffolgenden Morgen auf dem Rickenpass: Zahlreiche im subalpinen Raum häufig vorkommende Arten wie Weidenmeise, Fichtenkreuzschnabel und Schwarzspecht wollten partout nicht kooperieren. 

Vögel waren hier leider Mangelware immerhin gab es ungewohnte Ausblicke auf den Zürichsee.

Nach einer rasanten Abfahrt in die Linthebene hellten sich die Gemüter im Kaltbrunner Ried aber langsam wieder etwas auf, als sich u.a. Blaukehlchen, Tüpfelsumpfhuhn, Schwarzstorch und Zistensänger sehen oder hören liessen. Über Jona (Kleinvögel, Alpen- und Zwergstrandläufer, Sandregenpfeifer) und Rapperswil ging es in den Frauenwinkel, wo in Form von Schwarzhalstaucher und Eiderente wichtige Arten hinzukamen. Im Zürcher Unterland machte sich v.a. der Besuch des Neeracher Rieds bezahlt, wo wir mit Flussregenpfeifern und Dunklen Wasserläufern Arten sahen, die am Klingnauer Stausee fehlen sollten. Dieser wartete aber – sieht man vom mässigen Greifvogelzug einmal ab – insgesamt mit guten Arten auf (u.a. Weissbartseeschwalbe, Fischadler, Sichelstrandläufer und viele weitere Limikolen). Den fulminanten Schlusspunkt des Races setzte eine immature Raubmöwe, die relativ tief von Osten nach Westen zog, sich aber leider nicht auf Artniveau bestimmen liess. Mit 118 Arten (resp. 119, wenn die in der Schweiz fest als Brutvogel etablierte Rostgans endlich fürs Birdrace gezählt werden dürfte…) erreichten wir das gesteckte Ziel nicht ganz. An einer optimierten Route für das folgende Jahr wird aber schon gefeilt…

Bericht und Foto: Patrick Mächler.

Sonntag, 28. August 2016

Heuschreckenexkursion in Weiach

In einer kleinen Gruppe machten wir uns an diesem heissen Spätsommertag auf den Weg in die Weiacher Kiesgrube, um uns den Heuschrecken zu widmen. Auf dem Weg vom Bahnhof Zweidlen in die Kiesgrube vernahmen wir bereits Allerweltsarten wie den Gemeinen Grashüpfer, den Nachtigall-Grashüpfer und die Gewöhnliche Strauchschrecke. Zudem zirpten am Bahndamm Westliche Beissschrecken - eine nur lokal häufige Art. Am meisten Freude hatten wir ehrlich gesagt aber an den Sonnenblumenköpfen:

Lustig oder gruselig? Sonnenblumen in Zweidlen.

Bereits am Anfang der Kiesgrube konnten wir die ersten Ödlandschrecken entdecken. Am Boden sind sie mit ihrer gräulichen Färbung bestens getarnt, erst beim Auffliegen kommen ihre wunderschön gefärbten Hinterflügel zum Vorschein. Sowohl die Rotflüglige als auch die Blauflüglige Ödlandschrecke sind in der Weiacher Kiesgrube häufig, im ganzen Kanton hingegen selten. Nach dem Mittagessen sind wir im Zentrum des spannenden Teils angelangt und können die dritte Schrecke mit farbigen Hinterflügeln bewundern: die Italienische Schönschrecke. Besonders die Weibchen können sehr stattliche Ausmasse erreichen.

Ein Weibchen der Italienischen Schönschrecke.

Weitere besondere Arten waren Heidegrashüpfer und Zweifarbige Beissschrecke. Die wärmebedürftige Sichelschrecke findet in der Kiesgrube ebenfalls ideale Bedingungen:

Die sehr flugtüchtige und hübsche Sichelschrecke.

Für die Heuschrecken war es ideales Wetter - brütend heiss - für uns dagegen etwas zu warm. Als wir auf dem Rückweg an einem Brunnen vorbeikamen, gab es für alle die wohlverdiente Abkühlung. Auf das nächste "Hoigümperle"!

Bericht und Fotos: Eric Christen.

Samstag, 30. Juli 2016

BirdLife-Sommerlager im Fanel, 25. bis 30. Juli 2016

Ende Juli fand am Nordostufer des Neuenburgersees in der Region der bekannten Naturschutzgebiete Fanel und Chablais de Cudrefin unter der Regie der Jugendgruppe Natrix das Sommerlager von BirdLife Schweiz statt. 12 Teilnehmer lernten während sechs Tagen allerlei Spannendes über Vögel und andere Tiere, machten draussen wie drinnen unterschiedliche Spiele und genehmigten sich bei Temperaturen um 30 Grad immer mal wieder ein kühlendes Bad im Neuenburgersee. Im Folgenden berichten die Teilnehmenden in Form eines Lagertagebuches von ihren Erlebnissen und Eindrücken - wir wünschen viel Lesespass! 

Erster Tag - Montag, 25. Juli

Wir trafen uns um 11 Uhr in Ins und fuhren mit dem Velo zum Fanelhaus, wo wir zu Mittag assen. Entgegen allen Erwartungen machten wir dann nicht dasselbe Kennenlernspiel wie die letzten zwei Jahre, sondern ein ganz neues. Dabei unterbrachen uns zwei Regenbrachvögel, die über unsere Köpfe flogen und mit ihren trillernden Rufen lautstark auf sich aufmerksam machten. Danach führte uns ein erster Beobachtungstrip zum Gemshoger, wo wir unter anderem zwei Alpenstrandläufer, viele Grosse Brachvögel, Nilgans, Nachtreiher und ein junges Teichhuhn beobachten konnten.

Einer von zwei Wespenbussarden, die wir auf dem Weg vom Gemshoger zum Damm beobachten konnten.
Foto: Elias.

Danach fuhren wir zum La Sauge, wo wir unsere Velos abstellten. Abgesehen von einem spektakulären und Stuntmen-mässigen Velosturz verlief die Velofahrt eher ruhig. Zum Glück gab es "nur" Schürfwunden, die im Verlauf des Lagers wieder einigermassen verheilen sollten. Auf dem Damm konnten wir Seidenreiher, zwei Flussuferläufer sowie eine Ringelnatter - die Namensgeberin der Jugendgruppe Natrix (die Ringelnatter heisst auf lateinisch Natrix natrix) - beobachten.

Konzentriertes Beobachten: Wer sucht, der findet!
Foto: Elias.
Der bis auf Schnabel und Beine schneeweisse Seidenreiher.
Foto: Elias.

Nebst diesen lebendigen Tieren konnten wir auch einige Relikte von Tieren entdecken, die schon bessere Zeiten gesehen hatten. Am toten Höckerschwan ohne Kopf, den wir bereits im Frühling im Fanel gesehen hatten, war inzwischen kein Fleisch mehr dran und was übrig geblieben war, war ein Skelett. Auch von den Fischen waren nur noch Gräten übrig. Zwei toten jungen Mittelmeermöwen hat die enorme Hitze wohl etwas mehr zugesetzt als uns. Vögel können allerdings auch nicht schwitzen wie wir Menschen. Da es wirklich sehr heiss war, entschieden wir, zurück zum Fanelhaus zu fahren, wo wir uns im wohltemperierten Fanelhaus abkühlen konnten. Als alle wieder mit Wasser versorgt waren, trafen sich einige hinter dem Fanelhaus zum Fussballspiel. Die Erkenntnis dieses Fussballspiels war, dass die drei Leiter den neun Youngsters definitiv nicht das Wasser reichen können. Danach gab es Znacht und anschliessend einen Spielabend mit Ligretto, Jass, Montagsmaler und vielem mehr...

Nachdem wir als Dreierteam nun eine Stunde neben diesem Blatt sassen, schrieb Merlin den Bericht. Frei nach dem Motto "Team = toll, ein anderer machts" ;-). 

Text: Andrea, Levi, Hermes & Merlin

Zweiter Tag - Dienstag, 26. Juli

Heute gab es eine Morgenexkursion, die uns auf den Damm führte. Wir standen kurz vor 5 Uhr auf.

Idyllischer Sonnenaufgang.
Foto: Elias.

Auf dem Damm bemerkten wir, dass wir nicht die einzigen waren, die schon in dieser Früh aktiv waren. Auch Flussuferläufer und Seidenreiher waren anzutreffen. Nach dem Frühstück ging es direkt auf den Bernerturm. Mehrere Zwergdommeln flogen über das Schilf. Auch Bartmeisen entdeckten wir. Als wir vom Bernerturm zurückkamen, hatte Carla das Spiel "Stratego" vorbereitet. Nach ausführlicher Erklärung starteten wir das Spiel. Weil das Spiel so lustig war, spielten wir es gleich zweimal. Nach dem Zmittag gingen wir in die Badi. Bevor wir den Sprung ins erfrischende Wasser wagten, spielten wir noch einige Partien Fussball, um uns die Erfrischung zu verdienen. Nach langem Baden und Spielen wie "Schweinchen in der Mitte" mit dem Wasserball, fuhren wir zurück zum Fanelhaus - allerdings nicht bevor wir noch alle eine Glace bekamen. Die Glückspilze - oder die Verfressensten (ist Ansichtssache ;-)) - bekamen sogar zwei.

Schnell nach Hause, bevor es zu regnen beginnt...

Kaum zu Hause angekommen, fielen schon die ersten Regentropfen nieder. Gerade noch Glück gehabt!  

Text: Selina, Elias & Samuel
 

Dritter Tag - Mittwoch, 27. Juli 

Die heutige Morgenexkursion führte auf den Gemshoger, wo Sichelstrandläufer und Biber beobachtet werden konnten. Nach dem tollen Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung La Sauge. Wir teilten uns in die Stratego-Gruppen auf. Unsere Gruppe machte sich zuerst auf den Weg zum grossen Teich, wo einige Zwergtaucher beim Brüten beobachtet werden konnten.

Der winzige Zwergtaucher auf seinem Nest. Noch winziger war das eintägige Küken, das zwischendurch immer mal wieder den Kopf aus dem Gefieder des brütenden Elternteils streckte.

Auf dem Weg zum Eisvogelteich sahen wir auch einige Ringelnattern.

Hammmmmm! Eine der vielen schönen Ringelnattern.
Foto: Andrea.
Der bildhübsche Eisvogel mit Beute.
Foto: Andrea.
Auch den leuchtend orangen Bauch zeigte er uns.
Foto: Andrea.
Untermieter im Eisvogelhide... Ein Bachstelzennest mit Jungen. Die Eltern schienen die vielen Menschen nicht zu stören.
Foto: Samuel.

Nach eindrücklichen Beobachtungen von Eisvögeln im Eisvogel-Hide machten wir uns auf den Weg, um mitzuerleben, wie Vögel beringt werden. Carl'Antonio Balzari zeigte uns allerlei spannende Dinge an den Vögeln wie z. B. die Mauser.

Kohlmeise, ...
Foto: Elias.
... junge Blaumeise mit dem Beringer François...
Foto: Elias.
... und ein junger Haussperling. Wer hat die Vögel jemals so nah zu Gesicht bekommen?
Foto: Elias.

Danach fuhren wir zum Fanelhaus zurück, um uns unser Mittagsessen einzuverleiben. Gestärkt fuhren wir in die Badi nach Cudrefin. Dort spielten wir Fussball und badeten. Nach Kartoffelstock, Vegischnitzel und Gemüse zum Znacht ging es zum Bernerturm für eine freiwillige Fledermausexkursion. Da die Morgenexkursionen so ihre Spuren hinterliessen, konnte gerade mal eine Seele für diesen Programmpunkt motiviert werden. Dafür lohnte es sich umso mehr. Auf dem Scherbenweg in Richtung Berner Turm konnten Samuel und Merlin unzählige Fledermäuse (es dürften um die 50 Individuen gewesen sein) beobachten. Dank eines Bat-Detektors, der Ultraschall verstärkt und in tiefere Frequenzen übersetzt, konnten die Fledermäuse, die sich dank Echoortung in der Dunkelheit zurechtfinden, auch gehört werden.

Text: Lukas K. & Linus


Vierter Tag - Donnerstag, 28. Juli

Heute fand die dritte Morgenexkursion um 5 Uhr statt, die auf den Gemshoger führte. Die Sonne liess auf sich warten, doch als sie endlich zu sehen war, konnten wir Sichelstrandläufer, mehrere Nachtreiher und weitere Wasservögel wie Grünschenkel beobachten. Auch Fuchs und Biber sahen wir.

Konzentriertes Beobachten auf dem Gemshoger...

Erst danach konnten wir mit den im Fanelhaus gebliebenen Teilnehmern zmörgelen. Danach tobten wir uns bei einigen Runden "Stratego" aus. Kurz darauf assen wir zu Mittag. Am frühen Nachmittag führte uns Eric in die Welt der Heuschrecken ein und liess uns noch welche suchen und bestimmen, so weit wie möglich.

Welche Heugümper wir wohl finden?
Foto: Elias.
Nicht nur Heugümper wurden gefunden, sondern auch diese Wespenspinne (Argiope bruennichi). Die kleine Spinne ist das Männchen und die grosse das Weibchen.

Es war sehr heiss und wir kamen schnell ins Schwitzen.

Die Hitze scheint Spuren zu hinterlassen... Merlin auf der Suche nach Schatten. ;-)
Foto: Lukas K.

So ging ein Teil der Gruppe auch heute wieder im Neuenburgersee baden. Nachdem wir eine Weile dort verbracht hatten, fuhren wir zurück und um 21 Uhr ging es nach dem Abendessen auf den Berner Turm, wo wir Biber beobachten wollten. Leider bekamen wir diesen nicht zu Gesicht, als Trost aber dafür drei Purpurreiher und eine Zwergdommel. Es war ein anstrengender Tag und wir werden bestimmt gut schlafen.
 

Text: Leon & Lukas H.

Fünfter Tag - Freitag, 29. Juli

Heute fand die Morgenexkursion bei der Fruchtschüür statt. Sie begann wie gewöhnlich um 5 Uhr. Als wir bei der Fruchtschüür ankamen, sahen wir schon die erste Schleiereule. Allerdings war dieser Anblick nur einem Teil der Gruppe vergöntt. Zusammen rannten wir um die nächste Ecke. Dieses Mal hatten wir Glück und alle konnten jetzt sogar zwei Schleiereulen beobachten. Auch andere Tiere sahen wir, wie zum Beispiel Turmfalken und Grauammern. Nach dem Morgenessen fing um neun Uhr das kleine Birdrace an. Während drei Stunden versuchten drei Teams, so viele Vogelarten wie möglich zu entdecken und zu bestimmen. Das Siegerteam konnte sage und schreibe 61 Vogelarten innert drei Stunden notieren.

Nicht nur Vögel wurden während des Birdraces entdeckt... Ein Team konnte dieses Paarungsrad der Libelle beobachten.
Foto: Lukas H.

Danach ging es ein letztes Mal zum Strandbad Cudrefin. Dort tobten wir uns, da es das letzte Mal war, umso mehr beim Fussballspiel und Baden aus. Schliesslich ging es zurück zum Fanelhaus, wo wir Gschwellti mit einer Auswahl an verschiedensten Käsesorten assen. Lukas und Linus machten noch mit kulinarischen Exkursen - sprich einer Gewürzchallenge - von sich reden. Löffelweise assen sie Pfeffer, Curry, Chili und Muskatnuss. Glücklicherweise schienen ihre Mägen davon keinen Schaden zu nehmen und sie konnten alles in sich behalten...

Text: Alina & Maximilian

Sechster Tag - Samstag, 30. Juli

Bei der heutigen Frühexkursion waren alle für das Aufstehen zu müde, was aber nach 5 Tagen Lager auch verständlich ist... So zottelte Merlin alleine zum Gemshoger, wo er abgesehen von einem Rotschenkel keine neue Art, dafür aber altbekannte wie Zwergdommel, Nachtreiher und Sichelstrandläufer beobachten konnte.

Prächtige Morgenstimmung am letzten Tag.

Nach dem Zmorgen mit feinem frischen Zopf hiess es dann "Aufräumen und Putzen". Dank gutem Einsatz von allen konnte auch dieser Teil speditiv erledigt werden. Danach radelten wir zum Bahnhof Ins, wo das Lager endete. Auf dem Weg zum Bahnhof assen wir bei der Fruchtschüür Zmittag, wobei zwei Glückspilze eine Dorngrasmücke beobachten konnten.

Wir erlebten eine tolle Woche miteinander und freuen uns aufs nächste Jahr!

Text: Merlin

Zufriedene Gesichter nach dem Lager.
Man könnte sogar sagen, sehr zufriedene... ;-)

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 19. Juni 2016

Aller guten Dinge sind drei: (wieder mal) am Neuenburgersee (anstatt in Andermatt oder Boltigen)

Eigentlich hätte uns die letzte Exkursion vor den Sommerferien ins Freiburgerland zu Gänsegeier, Ringdrossel und Zippammer führen sollen. Weil der dafür eingeplante Merlin aber einen Preis bei "Schweizer Jugend forscht" gewann und im Juni nach Amerika reisen durfte, mussten wir umdisponieren. Die geringen Geierzahlen ließen es aber wenig attraktiv erscheinen, an unserem ursprünglichen Reiseziel Boltigen festzuhalten. Stattdessen sollte es ins Urserental bei Andermatt gehen, wo neben den typischen Bergvögeln auch immer wieder Karmingimpel anzutreffen sind. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Die ganze Woche schon regnete es im ganzen Land in Strömen und in den Zentralschweizer Bergen war für Sonntag noch keine Besserung in Sicht. Deswegen entschieden wir kurzfristig, zum dritten Mal in diesem Jahr an den Neuenburgersee in die Gebiete Chablais de Cudrefin und Fanel zu reisen.

Für einmal ging es ohne Velos in den Westen - wer früh aus den Federn kommt, kann sich von einem (nur drei Mal pro Tag zwischen Ins und Cudrefin verkehrenden) Bus nach La Sauge kutschieren lassen. Von dort aus marschierten wir zuerst auf den Chablaisdamm. Leider hatte der erwähnte Starkregen den Pegel des Neuenburgersees stark ansteigen lassen, und von den wertvollen Schlickflächen war daher nichts mehr zu sehen. Ganz recht war das wohl einem Pärchen Mittelsäger, das seine Nahrung tauchend sucht und daher nicht auf tiefen Wasserstand angewiesen sind. Vielleicht handelt es sich bei den zweien um Übersommerer, vielleicht aber auch um (erfolglose) Brutvögel: Wie so häufig wurden auch heuer wieder Mittelsäger mit Pulli, also Dunenjungen, im Gebiet beobachtet. Zumindest einige der Jungen sind aber wieder einmal den gefräßigen Mittelmeermöwen, die zu hunderten im Fanel brüten, zum Opfer gefallen... (vgl. Meldung M. Ehrengruber, 10. Mai, ornitho.ch).

Keine Eltern mehr? Ein Pärchen Mittelsäger im Chablais de Cudrefin.
Foto: Alina.

Ansonsten war es ruhig im Gebiet. Auch das Absuchen der auf den Pfosten ruhenden Seeschwalben und Möwen förderte keine Überraschung zu Tage. So erfreuten wir uns der Beobachtungen lokaler Brutvogelarten, die bei der Aufzucht ihres Nachwuchses wohl etwas mehr Glück gehabt haben, als wir es für die Mittelsäger annehmen müssen...

Eine junge Rohrammer.
Foto: Elias.

Bald kehrten wir Richtung La Sauge zurück, wo wir zuerst einmal ausführlich zu Mittag aßen. Im Zentrum führten wir uns die Ausstellung über Biodiversität im Stadtraum zu Gemüte und nahmen an einem Wettbewerb teil, bei dem ein Swarovski-Feldstecher der Topklasse lockte... Danach entdeckten wir von den verschlungenen Pfaden und von den Beobachtungshütten im Gebiet aus allerlei Spannendes:

Dicke Brummer wie den Seefrosch...
Foto: Elias.
... blau-orange Juwelen wie diesen (männlichen) Eisvogel...
Foto: Alina.
... trillernde Federbällchen wie den Zwergtaucher...
Foto: Elias.
... und last, but definitely not least: einen wunderhübschen Rallenreiher!
Foto: Alina.

Der Rallenreiher hielt sich meistens im hohen Gras versteckt, wo er Wasserinsekten und Fröschen nachstellte. Ab und an ließ er sich aber doch blicken und versetzte damit einige (wenn auch nicht jeden...) in Begeisterungsstürme. Nach einer Weile machten wir uns auf Richtung Fanel, wo wir uns noch den einen oder anderen Brutvogel erhofften. Begrüßt wurden wir natürlich wie immer von den Rufen der Kormorane und Mittelmeermöwen, die im Fanel die größten Kolonien im ganzen Land haben. Eine Mittelmeermöwe erkundete, wer weiß, vielleicht auch schon mal einen möglichen neuen Brutplatz, nämlich den von Menschen selten besuchten Neuenburger Turm:

Schließlich gibt es auf den Inseln kaum mehr Platz...
Foto: Elias.

Beim Kanal entdeckten wir drei immature Nachtreiher, die stoisch auf Bülten und Ästen ruhten und somit zur genauen Altersbestimmung einluden. Während wir ein Exemplar sicher als diesjähriges und ein anderes als letztjähriges Individuum ansprechen konnten, zeigte das dritte uneindeutige Merkmale. So oder so stellt sich die Frage, woher so früh (Mitte Juni) ein diesjähriges Individuum kommen mag. Da der Nachtreiher ein sehr heimlicher Brutvogel ist, kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass dieser junge Kerl vielleicht hier in der Nähe erbrütet und großgezogen wurde. Er kann aber natürlich auch aus südlicheren oder östlicheren Gefilden stammen, wo die Art zu den regelmäßigen Brutvögeln zählt.

Vom Pavillon aus sahen wir drei Silberreiher (wovon einer im Prachtkleid war, ein nicht alltäglicher Anblick!) und einen an uns vorbeizielenden Baumfalken auf Fluginsektenjagd. Aus dem Schilf hörten wir Rohrschwirl und Bartmeise. Etwas Geduld zahlt sich auf dem Pavillon meistens auf, denn früher oder später offenbaren viele heimliche Schilfbewohner durch Rufe ihre Anwesenheit. Mehrfach vernahmen wir dann auch eine Wasserralle, die energisch aus dem Dickicht quietschte. Alles Andere als energisch-vital war hingegen dieser Höckerschwan gleich unterhalb des Pavillons:

La mort du cygne - für einmal außerhalb des Opernhauses...
Foto: Elias.

Bald machte sich etwas Sommerlochlangeweile breit: Die Durchzugsaison ist definitiv vorbei, die Brutvögel markierten ihre Reviere auch schon mit mehr Elan und wenn dann zu allem Überdruss auch noch der Wasserstand so hoch ist, dass nur noch der begraste Teil der Neuenburger- und der Bernerinsel sichtbar ist, dürstet es den verwöhnten Hobbyornithologen bald mal nach etwas mehr Abwechslung. Die sollten wir aber bald bekommen: Plötzlich rief Ruben laut "Zwergdommel!" und zeigte mit der Hand an, wo der seltene Reiher zu sehen war. Alle konnten den hübschen Vogel dabei beobachten, wie er tief über dem Schilf eine Runde flog und anschließend im Röhricht verschwand. Wenig später ließ sich die Art, womöglich sogar dasselbe Individuum, nochmals blicken, wenn auch - wie so oft im Fanel - wieder nur für einige Sekunden im Flug.

Nach dieser Beobachtung und einer Grobschätzung der anwesenden Kormorane und Mittelmeermöwen machten wir uns allmählich auf den Rückweg zur La Sauge, wo wir die Exkursion mit Glacés in der Auberge ausklingen ließen. Auf der eineinhalbstündigen Rückreise nach Bern verkürzte sich ein Teil der Gruppe die Fahrt, indem sie Nicolas einen spanischen Namen verpasste, der - so der allgemeine Konsens - besser zu seinem südländischen Äußeren passt ;-) Um 19 Uhr ging am Treffpunkt ein (wenn auch nicht übermäßig aufregender, so doch wenigstens) kurzweiliger Ausflug zu Ende. 

Wer hier bald neue Geschichten aus dem Großen Moos lesen möchte, kann sich freuen: In ca. einem Monat zieht es einige Natrixler im Rahmen des SVS-Sommerlagers schon wieder in die Grande Cariçae...

Bericht: Patrick Mächler.