Posts mit dem Label Heuschrecken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Heuschrecken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. August 2018

Auf der Suche nach Schweizer Spezialitäten: Heuschrecken im Toggenburg

Es ist hinlänglich bekannt, dass Heuschrecken hauptsächlich bei sonniger und warmer Witterung aktiv sind. Doch als die 18-köpfige Gruppe am Samstagmorgen des 26. Augusts auf dem 2’262 Meter hohen Chäserrugg ankam, wurde sie von Temperaturen um die Nullgradgrenze, dichtem Nebel und vereisten Bergblumen empfangen. 

Hart im Nehmen und für jede Eventualität vorbereitet:
die unerschrockenen Natrixler!
Foto: Ruben Lippuner.

Die harschen Bedingungen taten der guten Laune aber keinen Abbruch. Bedacht nahm man den steilen Abstieg hinunter zum Sattel in Angriff, als sich plötzlich Fenster im Nebel auftaten. Ein Steinadler zischte entschlossen gradlinig auf Augenhöhe vorbei, derweil stolze alte Steinböcke durch die Felswand oberhalb des Weges stiegen.


Die Steinböcke liessen sich weder vom schlechten Wetter
noch von den Natrixlern aus der Ruhe bringen.

Bald hatte man den steilsten Abschnitt hinter sich gelassen. Der Weg führte über die hügelige Kalklandschaft und war beidseits von spätblühenden Bergblumen wie der Grossköpfigen Gämswurz, dem tödlich giftigen Blauen Eisenhut und dem Grauen Alpendost gesäumt. Ab dem Sattel ging es dann steil aufwärts zum Gipfel des Gamserruggs, dem östlichen Nachbarn des Chäserruggs. 

Allmählich zeigte sich nun auch die Sonne immer öfter und schien endlich auf die ausgedehnten Bergwiesen, die wir ja heute genauer anschauen wollten. Darin leben nämlich interessante Heuschreckenarten, darunter die Schweizer Goldschrecke, eine gegen Ende der 1980er-Jahre durch Bruno Keist entdeckte Art, die weltweit ausschliesslich auf den beiden Erhebungen Chäser- und Gamserrugg vorkommt. Ergo ist sie hier sogenannt endemisch. Nach einer Stärkung zur Mittagszeit machten sich die ersten Gwundernasen mit Fangbecher auf die Suche nach den umwitterten Insekten, während eine Rohrweihe hoch über uns gen Süden flog. Dem Ruf Leandros, man solle eiligst herbeikommen, folgte die ganze Schar. Stolz präsentierte er seinen Fund, nämlich ein Weibchen der Schweizer Goldschrecke. 

Ein wahrer Tönder:
das Weibchen der Schweizer Goldschrecke.

Kurz darauf wurde auch ein Männchen entdeckt, das deutlich kleiner als das Weibchen ist. Die Schweizer Goldschrecke teilt ihren Lebensraum mit dem Bunten Grashüpfer und der Alpinen Gebirgsschrecke. Auch diese beide Arten waren zahlreich vertreten und liessen sich ausgiebig betrachten. 


Aus dem Leben der Orthoptera.
Foto: Ruben Lippuner.

Nach einigen Erklärungen des Leiters zur aussergewöhnlichen Lebensweise der Heuschrecken machte man sich auf den Abstieg hinunter zur Gamsalp. Den reifen Heidelbeeren am Wegrand konnte man sich dabei nicht verwehren, so verlockend dunkelblau leuchteten sie. Bei der Bergstation der Gamsalp gönnten sich einige sogar einen ausgiebigen Verdauungsschlaf. Dann war es aber Zeit, mit der Sesselbahn ins Tal zu fahren, hinunter nach Wildhaus. Von da ging es mit dem Postauto nach Buchs und dann – von den grossen Temperaturunterschieden sichtlich ermüdet - nach Hause. 


Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Jakob Hochuli.

Sonntag, 24. August 2014

Heuschreckenexkursion im Schaffhauser Randen

Heuer war uns und den Heuschrecken Petrus zumindest ein bisschen besser gesinnt als letztes Jahr: Wir mussten die Exkursion nicht absagen, sie wird aber als kälteste und regnerischste Heuschreckenexkursion in die Natrixgeschichte eingehen. Dies tat der Begeisterung der Kinder und der meisten Leiter (die des Schreiberlings ausgenommen) hingegen keinen Abruch - mit Florin Rutschmann hatten wir ja auch den Heuschreckenexperten der Schweiz als Leiter dabei. Zuerst mussten wir von Hemmental ein Stück hochwandern, bis wir zu den ergiebigen Wiesen weiter oben gelangten. Unterwegs kamen auch die Vogelfreunde nicht zu kurz: Ein eigenartiges Miauen über dem Wald wurde zu einer kleinen ornithologischen Knacknuss ("Mäuse", ein Rotmilan oder gar ein "Wespeler"?). Auf der Lichtung angekommen zeigte sich dann, dass es sich tatsächlich um drei lokale (?) Wespenbussarde handelte, die lautstark ihren wehmütigen Ruf äusserten.

Ein Teil der Gruppe - endlich im guten Gebiet angelangt.
Bei der ersten guten Wiese rüsteten Jonas und Florin uns ein erstes Mal mit den Waffen eines "Orthopterologen" aus - sprich mit "Dösli" und Becherlupen.

Waffenarsenal eines "Orthopterologen".
Wegen der herrschenden Kälte und der Feuchte der Wiese war es ein Kinderspiel (im wahrsten Sinne des Wortes), die Heuschrecken zu fangen. Als wir dann die vielen gefüllten Becher vor Florin aufreihten, konnte er uns mit anschaulichen Beispielen zeigen, wie man die einheimischen Schrecken und ihre Geschlechter bestimmen kann. 

Die Schrecke mit dem auffälligen Strich und der gemüsegrünen Färbung:
Die Lauchschrecke.
"Und was isch das?"
Nachdem Florin so bereits in wenigen Minuten etliche kleine Heuschreckenexperten ausgebildet hatte, waren wir  nach dem Mittagessen für die "gute Wiese" gewappnet. Er versprach uns Spezialitäten wie Feldgrashüpfer und Alpenstrauchschrecke.
Auf dem Weg dorthin verabschiedete sich die Sonne einmal mehr und die Bise verstärkte sich, was das folgende Bild illustrieren soll:

Selbst hartgesottenen Natrixlern wurde es langsam etwas frisch.
Als wir am besagten Ort ankamen, nieselte es sogar leicht (d. h. eigentlich ziemlich schlechteste Wetterbedingungen für eine erfolgreiche Heugümperexkursion). Umso erstaunlicher war es, dass wir sämtliche Arten fanden. Den Feldgrashüpfer hielt AnSe (wer war es?) nach kurzer Zeit in den Händen, etwas später fanden wir etliche Kurzflügeldornschrecken (eine schwierig zu beobachtende und bestimmende Schrecke, die im Randengebiet hingegen häufig ist).

Alles Kurzflügeldornschrecken (sehr variabel in der Färbung)!
Zum Schluss der Exkursion statteten wir dem Thema von Florins Abschlussarbeit einen Besuch ab. Er untersuchte die Lebensraumansprüche der Alpenstrauchschrecke im Schaffhausen Randen. Ihr Vorkommen an diesem Ort ist insofern speziell, da sie sonst in der Schweiz nur in den (Vor-)Alpen anzutreffen ist. In der Nachmittagssonne zirpten die Alpenstrauchschrecken fleissig und mit viel Glück konnten Florin und Eric ein Männchen und Weibchen in den Brennesselnstauden des Hanges einfangen.

Belegfoto der sehr "wummigen" Alpenstrauchschrecke (Männchen).
So haben wir trotz des miserablen Wetters (die Fotos mit dem vielen Sonnenschein geben einen trügerischen Eindruck wieder!) alle Arten gesehen, die wir uns als Ziel gesteckt hatten. Zudem konnten wir unsere Stimmenkenntnis mit den Rufen von Wespenbussarden und dem ersten menschlichen Kolkraben (danke, Gian-Luis!) weiter ausbauen. 

Bericht und Fotos: Eric Christen.

Sonntag, 26. August 2012

Heuschrecken-Exkursion Kiesgrube Weiach

Auf Bucheli kann man sich doch nicht verlassen... Als wir bei schlechter Wetterprognose beschlossen haben, das Neeracherried aufzusuchen waren wohl alle etwas überrascht, als uns die Sonne am Samstagmorgen ins Gesicht schien. Regel Nummer eins bei Insekten-Exkursionen ist nämlich, dass es sich nur lohnt wenn es warm und sonnig ist. Deshalb haben wir kurzentschlossen in Bülach entschieden, doch nach Weiach in die Kiesgrube zu fahren!

Kiesgrube Rüteren bei Weiach - ein super Heuschrecken-Habitat!

Und das Wetter hat uns nicht enttäuscht, sondern eher eine gute Bräune verpasst. Bereits am Bahnhof Zweidlen hörten wir die ersten Heuschrecken singen bzw. stridulieren, so nennt man den Gesang der Heuschrecken. Eine Suche am Bahndamm zauberte gleich die ersten beiden Arten hervor: Rote Keulenschrecke und Zweifarbige Beissschrecke. Die erste war ganz einfach zu erkennen an ihren keulenförmigen, schwarz-weissen Fühlerspitzen, während die grün-braune Beissschrecke gut versteckt in höheren Stauden unsere genauen Augen herausforderte. Ein leises Zirpen aus den Hecken verriet uns die Anwesenheit der Gewöhnlichen Strauchschrecken.

Etwas Entlastung von der Sonne (man bemerke das ferne Natrix-T-Shirt!)

Nach einer kurzer Wanderung durch einen Wald voll mit alten Bäumen und Spechthöhlen strahlte uns die Sonne schonungslos entgegen. Unter den ersten Sonnenstrahlen flogen ein paar rote Flügel mit einem schwarzen Rand davon, in der Mitte eine Rotflügelige Ödlandschrecke, eine seltene Art in der Nordschweiz. Unser Abstieg ins karge Kiesgruben-Habitat brachte gleich die nächste Ödlandschrecken-Art: Die Blauflügelige Sandschrecke, Heuschrecke Nummer 5. Diese ist ein so guter Flieger, dass wir die ersten mit dem Schmetterlingsnetz fangen mussten, um sie etwas detailierter anzuschauen.

Blauflügellige Sandschrecke

Rund um einen künstlichen Teich fanden wir nicht nur weitere Heuschrecken wie Lauchschrecke, Brauner und Nachtigall-Grashüpfer, sondern auch einige Libellen wie die Grosse Königslibelle, die eine Heidelibelle schnappte, Grosse Blaupfeile und Becher-Azurjungfern. Ein paar kleine, blaue Schmetterlinge um uns entpuppten sich als Idas-Bläulinge.

Auch dieser Grasfrosch hüpfte durch die Kiesgrube

Nach einer Zmittagspause besuchten wir den spannendsten Teil und vor unseren Füssen sprangen die Heuschrecken in alle Himmelsrichtungen. Eine winzige Langfühler-Dornschrecke hatte Jakob mit kundigen Augen entdeckt, gefolgt von ein paar Westlichen Beissschrecken. Im höheren Gras machten wir uns dann auf die Suche nach einer seltenen Heuschrecke, der Gemeinen Sichelschrecke, die sich nicht nur gut versteckt, sondern auch noch ziemlich weit fliegen kann, was besonders Meo erfahren musste... ;-)

Meo im Kampf mit der Sichelschrecke ;-)

Im Schatten eines Büschchens schauten wir uns einige Blauflügelige Ödlandschrecken mit ihren blau-schwarzen Flügeln an und Jakob entdeckte je eine Kleine Goldschrecke und einen Heidegrashüpfer - die Arten 13 und 14. Ein Gemeiner Grashüpfer und ein schöner Schmetterling namens Goldene Acht ergänzten die farbene Insektenpracht. Mit fortgeschrittener Zeit machten wir uns langsam auf den Rückweg und hörten noch die letzten Heuschrecken - Grosses Heupferd und Waldgrille - um die Heuschrecken-Exkursion mit 17 Arten abzuschliessen. Eine aussergewöhnlich hohe Zahl für den Kanton Zürich!

Bericht & Fotos: David Marques.

Samstag, 28. Juli 2012

SVS-Sommerlager im Grossen Moos, 23. - 28. Juli 2012

Ende Juli fand am Nordostufer des Neuenburgersees in der Region der bekannten Naturschutzgebiete Fanel und Chablais de Cudrefin unter der Regie der Jugendgruppe Natrix das Sommerlager des Schweizerischen Vogelschutzes statt. 13 Teilnehmer lernten während sechs Tagen allerlei Spannendes über Vögel und andere Tiere, machten draussen wie drinnen unterschiedliche Spiele und genehmigten sich bei Temperaturen um 30 Grad immer mal wieder ein kühlendes Bad im nahen See. Im folgenden berichten die Teilnehmer in Form eines Lagertagebuches von ihren Erlebnissen und Eindrücken - wir wünschen den Lagerteilnehmern, ihren Eltern und anderen Interessierten viel Lesespass!

Erster Tag - 23. Juli
Nach einer anfänglich gemütlichen Zugreise erwischten wir in Bern den Zug nach Ins nur gerade knapp, weil die Ostschweizerfraktion aufgrund einer Stellwerkstörung verspätet ankam. Infolge der knappen Umsteigezeit der Ostschweizer war erst im Zugwaggon genügend Zeit vorhanden, um alle Teilnehmer ordentlich zu begrüssen. In Ins angekommen mussten wir zuerst unsere Velos am Schalter abholen, die wir einige Tage zuvor von den SBB hatten verschicken lassen. Mit den Drahteseln nahmen wir den Weg ins Fanelhaus in Angriff. Die einzige bemerkenswerte Beobachtung unterwegs war die eines Baumfalken, der auf der Suche nach Nahrung in relativ grosser Höhe an uns vorbeizischte. Nach kurzer Rast und Mittagessen in unserem Lagerhaus ging es sogleich auf die Suche nach den ersten gefiederten Freunden, den Vögeln. Auf dem Berner Turm konnten wir uns einen ersten Überblick über das Gebiet verschaffen. Auf dem See tummelten sich viele Vögel, darunter etwa 300 Kormorane, über welche uns Dominic viel Wissenswertes vortrug, ein Eisvogel, viele Mittelmeermöwen, junge Haubentaucher, junge Blässhühner und diverse weitere tolle Dinge. Nach dem "Kennenlernspiel", bei dem u.a. Meo und Merlin (alias Emo und Miril) neue Namen bekamen, oder die Bekassine plötzlich zur Pekassine wurde, kannten wir uns schon etwas besser und wussten auch, wer wie alt ist und wer welche Hobbies hat. Die kurze Velofahrt zu einem weiteren Beobachtungspunkt, dem Gemshoger, brachte viel Staub mit sich, weshalb es im Anschluss in einigen Fernrohren beim Fokussieren gefährlich zu knirschen begann. Tolle Beobachtungen waren u.a. ein weiterer Baumfalke, dieses Mal mit einer Libelle in den Fängen, drei junge Höckerschwäne und die Rohrammer, welche sich sehr schön auf einem Schilfhalm präsentierte. Dann ging es zurück ins Fanelhaus, wobei einige noch zurückblieben, um einige Heuschrecken wie die Lauchschrecke, die Schiefkopfschrecke und die Grosse Goldschrecke unter die Lupe zu nehmen. Nach schmackhaftem Menu und Polentawasser (Dominic sei an dieser Stelle für seine Polenta-Wasser-Mischkünste gedankt! ;-)) ging es zum Spielen. Dabei war vor allem ABC-DRS3 hoch im Kurs. Nach kurzem und kurzweiligen Gute-Nacht-Geschichte-Vorlesen ging es ab in den Schlafsack.

Zweiter Tag - 24. Juli
Am Morgen weckte uns der Alarm und zeigte uns so, dass wir uns auf die Socken hinunter zum Frühstück machen sollten. Nach dem morgendlichen Genuss absolvierten wir eine kleine Velotour zum Chablais de Cudrefin, dem Hotspot der Region Grosses Moos. Als wir die Drahtesel abgestellt hatten, entschieden wir uns, den Weg durch den Wald zu nehmen. Unterwegs konnten wir u.a. Kernbeisser, Fitisse, eine Turteltaube und vier Schwarzkehlchen beobachten. Danach marschierten wir auf die Mole hinaus, wo wir uns eine zweistündige Rast gönnten. Zwar sahen wir keine Raritäten, aber ein Teichhuhn, 23 Grosse Brachvögel, zwei Schwarzkopfmöwen, einen Bruchwasserläufer, einen durchziehenden Trupp Graugänse, einen Flussuferläufer und viele Schiffe, welche einigen unartigen Teilnehmern mit den grossen Wellen das Planschen vermasselten.

Beim Beobachten und "Göötsche" auf der Mole.
Durch lautstarke Proteste der Spaziergänger merkten wir, dass unsere Rucksäcke mitten auf dem Weg herumlagen und somit den Spaziergängern das Wandern erschwerten ;-). Also brachen wir bald danach auf und suchten uns eine bessere Sitz- und Schwimmgelegenheit im Strandbad von Cudrefin. Die zwei Kilometer fühlten sich auf den harten Satteln und bei der sengenden Hitze wie eine halbe Ewigkeit an. Also brauchten wir dringend ein kühles Bad im Neuenburgersee. Die Schlammschlacht und das Herumtoben im Wasser raubte uns alle Kräfte, so dass wir ein leckeres Eis bitter nötig hatten. Als dann Dominic mit zwei Kartonschachteln bepackt aus dem nahen Denner zurückkam, bekam auch der letzte Teilnehmer den wohlverdienten Lohn in Form eines Wasserglacés. Wir brachen bald darauf auf, um im Fanelhaus das Abendessen, "Gschwellti", zu verspeisen und im Anschluss auf die Amphibienexkursion zu gehen. Dennis, Dominic und Patrick hatten uns Laubfrösche versprochen, die wir aber leider nicht sahen, dafür erblickten wir im Scheinwerferlicht einige Wasserfrösche. Ebenfalls spannend waren die Fledermäuse, deren Echolot wir mit Hilfe eines kleinen Geräts hören und teilweise sogar orten konnten. Mit dieser Ausbeute und zwei Dutzend Mückenstiche kehrten wir im Dunkeln ins Fanelhaus zurück.

Dritter Tag - 25. Juli
Heute gingen wir nach früher Tagwache ins La Sauge. Dort wurden wir von Carl'Antonio Balzari begrüsst. Er führte uns in die Praktiken der Vogelberingung ein.

Mit einer Nachtigal in der Hand erklärt uns Carl'Antonio Balzari
Wissenswertes über die Vogelberingung.
Danach konnten wir auch schon die ersten beringten Vögel freilassen. Darunter waren auch zwei Eisvögel, welche sich auf unserer Hand scheinbar sehr wohl fühlten, bevor sie sich aus dem Staub machten.

Lisa und die Nachtigal.
Die Farbenpracht des Eisvogels schauen wir uns nochmals
ganz genau an, denn gleich wird er frei gelassen...
Nanu, öz, die fliegen ja gar nicht weg! Die Eisvögel brauchten eine Weile
um zu begreifen, dass sie losfliegen können.
Autogramme gibt's später - Superstar Kohlmeise sowie (v.l.n.r.)
Anika, Marion und Anna am Beringungstisch, wo die Vögel vermessen und gewogen werden.
Das Beringen war für alle Teilnehmer ein Erlebnis, denn nur wenige hatten zuvor einen Vogel so nahe betrachten können. In den Beobachtungshütten konnten wir einen Temminckstrandläufer beobachten. Dazu gesellten sich sechs Zwergtaucher, wovon vier nur wenige Tage alt waren. Nachdem wir die La Sauge für ausgekostet erklärt hatten, beschlossen wir unseren Mittagslunch zu essen. Auf dem Nachmittagsprogramm stand für einmal nicht die Vogelbeobachtung, sondern "Heuschrecklen". Dafür war extra der Heuschreckenexperte Dominik Hagist eingeladen worden. Bewaffnet mit Becherlupen und Fangnetzen fuhren zu einem guten Gebiet für Heuschrecken und andere Insekten. Nach genauerem Untersuchen der gefangenen Tierchen bemerkten wir, dass es nicht einfach "Heugümper" gibt, sondern viele verschiedene Arten wie den Sumpfgrashüpfer, die Grosse Goldschrecke, die Kurzflügelige Schwertschrecke, usw.

Unser Heuschreckenexperte Dominik Hagist bestimmt die Heugümper,
welche die Teilnehmer in Becherlupen herbeitragen.
Obschon es sehr heiss war und wir während der zweiten Hälfte der Exkursion kaum mehr schattenspendende Baumkronen über uns hatten, gingen die zwei Stunden mit Dominik Hagist im Flug vorbei. Der ornithologische Höhepunkt der Exkursion war ein rufender Kleinspecht - eine Erstbeobachtung fürs Lager.

Den Rückweg absolvierten wir ohne Rast, abgesehen von einer kurzen Glacépause. Im Anschluss an das schmackhafte Abendessen (zu dem allerdings gewisse Berner bemerkten "neeyy, Ttomaate ässe mier ned!") gingen wir auf eine Biberexkursion. Zuerst verglichen wir unseren Tagesablauf mit dem eines Bibers und stellten fest, dass die Tagesabläufe genau umgekehrt sind - der Biber wird erst in der Dämmerung so richtig wach und schwimmt und knabbert am liebsten dann, wenn wir im Bett liegen. Nach einem Spiel, bei dem es den "Superbiber" zu krönen galt, begannen wir um 21 Uhr, im Kanal nach dem Pflanzenfresser zu suchen. Und siehe da, sofort entdeckten wir von Auge etwas Kleines, das im Wasser eine V-förmige Welle zog - der Kopf eines Bibers! Als wir den süssen Nager auch noch im Fernrohr betrachten konnten, waren sogar die Leiter baff, denn damit hatten sie nun wirklich nicht gerechnet! Auch für die ornithologisch Interessierten war der Tisch reich gedeckt, ein Rallenreiher präsentierte sich - wenn auch sehr weit weg - wunderschön auf einem Ast. Mit diesen Eindrücken kehrten wir vor der Dämmerung ins Fanelhaus zurück und freuten uns auf einen feinen Dessert. Ausserdem musste ja auch dieser Blogbericht noch geschrieben werden. Dabei achteten wir darauf, dass er möglichst laaang wird, damit Dominic auch viel Arbeit beim Abtippen hat. 
(Anmerkung der Redaktion: die Tagebuchverwaltung übernahm Patrick, in diesem Sinne und an dieser Stelle herzlichen Dank für den laaangen Beitrag... Die Hand ist noch dran).

Vierter Tag - 26. Juli
Für einmal war die Tagwache um 9 Uhr, wir konnten also lange ausschlafen, was aber nach einer Nacht mit viel Geschnarche und Kakerlakenattacken im Mädchenzimmer auch nötig war ;-) Nach dem Frühstück ging es auf den Gemshoger, wo wir den Rallenreiher des Vortages nicht mehr beobachten konnten. Dafür konnten wir eine Bartmeise, zwei Flussuferläufer, einen Bruchwasserläufer und die üblichen Verdächtigen feststellen. Nach dem Mittagessen im Fanelhaus ging es wieder ins Strandbad von Cudrefin, wo wir uns planschend vergnügen konnten. Nach Glacé, "Chrömle" und der Rückkehr ins Fanelhaus gab es Znacht in Form eines Spaghettiplausches, und es stand Fussball auf der Kuhweide sowie ein Rätselvogelquiz auf dem Programm. Beim Quiz konnten alle ihr Wissen und das bisher Gelernte prüfen.

Wer braucht schon einen Profirasen -
Fussball auf der Kuhweide macht genau so viel Spass
(zumindest, wenn keine Kuh im Weg steht..)!
Ausserdem ist zu erwähnen, dass Yanik heute seinen 12. Geburtstag feiert. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und viele schöne Erlebnisse in der Natur.

Geburtstagskind mit Geburtstagskuchen I - alles Gute, Yanik!

Fünfter Tag - 27. Juli
Heute versuchte uns Dominic mit der Aussicht auf Schoggimüesli aus den Federn zu locken, wirklich verlockend war das Aufstehen aber trotzdem nicht. Beim Frühstück wurde es dann aber doch spannend, da Patrick die Gruppeneinteilung fürs Birdrace verlas, wobei ihn alle Kinder mit grossen Augen anstarrten. Nach der Besammlung der Gruppen waren wir für das Birdrace bereit, bei dem es galt, innert drei Stunden (und keiner Minute mehr) möglichst viele Vogelarten festzustellen. Die vier Gruppen beanspruchten den Gemshoger, das Chablais de Cudrefin und die La Sauge, in der Hoffnung, in den verschiedenen Gebieten ein breites Spektrum an Arten anzutreffen. Am Bemerkenswertesten waren sechs Brandseeschwalben, die auf den Pfosten im Chablais de Cudrefin ruhten. Aber auch in La Sauge gab es mit Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Knäkenten, Eisvogel und Grossen Brachvögeln einiges zu sehen. Vom Gemshoger liessen sich Turteltaube, Silberreiher, Sichelstrandläufer, Alpenstrandläufer, Bekassinen, Wasserralle, Bartmeisen und Weidenmeise erspähen oder zumindest hören. Plötzlich neigten sich die drei Stunden dem Ende zu, und die Gruppen mussten sich beeilen, bei Zeiten wieder zurück beim Fanelhaus zu sein. Zwei Gruppen schafften dies nicht und wurden mit Punkteabzug bestraft. Nach dem Verspeisen der Resten des Znachts vom Vortag ging es zum dritten Mal ab ins Kühle Nass im Strandbad Cudrefin.
Ausserdem müssen wir an dieser Stelle unbedingt den Geburtstag von Basile erwähnen, der heute seinen 14. Geburtstag feiert. Wir wünschen auch ihm für die Zukunft alles gute und viele schöne Beobachtungen :-)!

Geburtstagskind mit Geburtstagskuchen II - alles Gute, Basile!

Sechster Tag - 28. Juli
Heute heisst es leider schon Abschiednehmen vom Fanelhaus und dem Neuenburgersee, denn das SVS-Sommerlager 2012 geht zu Ende. Nachdem alle ihre sieben Sachen gepackt und die Zimmer geputzt hatten, ging es mit den Fahrrädern nach Ins, wo gewisse Teilnehmer schon von ihren Eltern erwartet wurden. Die übrigen reisten mit Dennis nach Bern, wo zumindest einmal die Berner Teilnehmer von ihren Eltern und Familie in Empfang genommen wurden. Die Ostschweizer reisten mit Dennis weiter nach Zürich und Winterthur.
Uns hat das Lager sehr viel Spass gemacht und wir freuen uns schon auf eine Neuauflage im kommenden Sommer. In diesem Sinne: eine gute Zeit und hoffentlich bis nächstes Jahr!

Zufriedene Teilnehmer und Leiter des SVS-Sommerlagers 2012.

Für den Bericht: alle Teilnehmer und Leiter des Lagers
Bilder: Dominic Martin