Posts mit dem Label Ziegenmelker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ziegenmelker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. Mai 2018

Auffahrtslager in Leuk, 10.–14. Mai 2018

Erster Tag – 10. Mai
Mit viel Vorfreude trafen wir uns um 8.40 am Zürcher HB und fuhren nach Visp. Dort holten wir unsere Velos ab und nahmen in zwei Gruppen den Zug nach Leuk. Auf dem Campingplatz wurden wir  von zwei Bienenfressern, einem Gartenrotschwanz und später auch noch von einem Wiedehopf herzlich begrüsst. Nachdem wir unsere Zelte aufgestellt hatten, fuhren wir direkt zur Bienenfresser-Kolonie. Auf dem Weg dorthin begegneten wir vielen, wunderschönen Smaragdeidechsen:
 
Egal vor welchem Hintergrund, die Smaragdeidechsen beeindrucken auf dem Boden...
Foto: Andrea Wüst.
... und im Astwerk.
Foto: Elias.

Als wir bei der Kolonie angekommen waren und den Bienenfressern eine Weile zugeschaut hatten, hörten wir noch einen Wendehals, leider sahen wir ihn nicht. Nach ungefähr 10 Schlangenadlern, die sich als Schwarzmilane entpuppten, machten wir eine Runde um die Felder. Wir sahen verschiedene Schafstelzen, Bluthänflinge, Steinschmätzer und eine Feldlerche im Singflug. 

Auch ohne Rot hübsch anzusehen: der Bluthänfling.
Foto: Levi.

Ab und an kamen auch Entomologen auf ihre Rechnung:

Eine kecke Feldgrille.
Foto: Elias.

Ruben, Konstantin und Merlin, die vorhin zu Alice gefahren waren, um unseren Znacht vorzubereiten, riefen uns an und sagten, dass wir um 17.50 Uhr beim Zeltplatz sein sollten. 

Kohldampfend: Die Natrixler warten auf halbvegane Spaghetti cinque pi.
Foto: Ruben Lippuner.

Zum Znacht gab es Spaghetti Cinque Pi, doch da der Rahm den beschwerlichen Weg ins Wallis nicht geschafft hatte, war die Hälfte der Sauce mit Reismilch gemacht worden. Merlin hat diese Herausforderung aber bravourös gemeistert und so war die leckere Reismilch-Cinque-Pi-Sauce zuerst weg. Nach ausgiebigem Ping-Pong-Spielen fuhren wir um circa 21 Uhr los, um den Ziegenmelker zu suchen.
 
Hört jemand ein "Trrrrrrrrrrrrrrrrrr....?
Foto: Ruben Lippuner.

Leider konnten wir ihn weder hören noch sehen. Zurück auf dem Zeltplatz schliefen alle friedlich ein.

Tagesbericht: Noémie & Alina.

Zweiter Tag – 11. Mai

Den zweiten Tag starteten wir um 4.45 Uhr. Bevor wir in die Waldbrandfläche gingen, assen wir etwas Brot. Mit dem Velo und dem Bus fuhren wir in die Waldbrandfläche. 

Wie fast immer gilt: "Im Frühtau zu Berge" ist ein Garant für einmalige Stimmungen.
Foto: Ruben Lippuner.
Blick in die Waldbrandfläche –
15 Jahre nach dem grossen Brand.
Foto: Levi.

Dort suchten wir sofort typische Vögel für dieses Gebiet. Schon nach kurzer Zeit konnten wir Neuntöter, Zippammer und einen Steinrötel beobachten. 

Zipp!
Ein männlicher Steinrötel in seiner ganzen Pracht.
Beide Fotos: Elias.

Erstaunt waren wir auch über die grosse Dichte an Berglaubsängern. Nach dem wir ein Stück hochgelaufen waren, assen wir noch einmal Zmorgen, dieses Mal richtig. Wir beschlossen, dass wir früh zurückgehen wollen, um vom Zeltplatz ziehende Greifvögel zu beobachten. Auf dem Rückweg kamen noch Arten wie Steinhuhn (rufend), Wiedehopf, Heidelerche und Wendehals dazu. Nach dieser gelungenen Morgenexkursion spielten wir auf dem Campingplatz einige Runden Tischtennis. 

Seit jeher die bevorzugte Sportart der Natrixler: Pinp-Pong!
Foto: Ruben Lippuner.

Plötzlich hiess es, dass ein Schlangenadler weit weg vor der Waldbrandfläche fliege. Als er landete, konnten alle den seltenen Greifvogel beobachten. Während einige nun ebenfalls Greifvögel suchten, spielten die anderen nochmals Tischtennis. Die nächsten Greifvögel, die etwas Aufregung auslösten, waren zwei adulte Bartgeier. Sie liessen sich relativ lange beobachten. Kaum wollten einige wieder Tischtennis spielen (wir wurden regelrecht vom Rundlauf-Fieber gepackt!), kam der nächste Alarm: Eine Weihe kreiste über unseren Köpfen! Zuerst wussten wir nicht sicher, welche Art es war. Nachdem wir aber die Bilder nochmals angeschaut hatten, erwies sich der Vogel als Wiesenweihe:
 
Foto: Elias.

Am späteren Nachmittag stiegen wir nochmals aufs Velo, um zu einer Brätelstelle zu radeln. Es gab Vegi-Plätzli, Gemüsespiesse und Kartoffeln. Einige hatten noch nicht genug vom Tischtennisspiel, deshalb wurde ein Tisch kurzerhand zum Tischtennistisch umfunktioniert. Andere vertrieben sich die Wartezeit mit dem «cup song». 

In Form von Schoko-Bananen-Schiffchen gab es sogar einen Dessert!
Foto: Merlin Hochreutener.

Nach dem leckeren Abschluss gingen wir zurück auf den Campingplatz. Dort packten wir unsere Sachen, um ein letztes mal in die Waldbrandfläche zu gehen. Als es eindunkelte, hörten wir den ersehnten Ziegenmelker! Auch er ist eine typische Art für Leuk. Ungefähr zehn Prozent des Schweizer Bestandes lebt in dieser Region. Zusammen mit einer anderen Beobachtergruppe lauschten wir seinem Gesang. Danach gingen wir auf den letzten Bus und kamen spät auf dem Zeltplatz an. Alle gingen nach dem Duschen zufrieden und müde ins Bett. 

Tagesbericht: Levi.

Dritter Tag – 12. Mai

Einige Frühaufsteher machten sich um 5.15 Uhr auf den Weg ins Leukerfeld. Dort konnten sie die Bienenfresser an der Brutwand beobachten, die Morgenstimmung geniessen und einen Nachtreiher beim Sonnenbad entdecken:
 
An den Teichen im Leukerfeld.
Foto: Ruben Lippuner.
Auf der Suche nach Ruhe und innerem Frieden
war wohl auch dieser Nachtreiher. Er konnte ja nicht ahnen,
dass die Natrixler schon so früh auf den Beinen sind!
Foto: Elias.

Auf dem Rückweg wurden sie dann mit der seit einiger Zeit im Gebiet anwesenden Sumpfohreule belohnt:

Spitzt die Öhrchen – eine Sumpfohreule im schönsten Licht!
So schön sieht man sie in der Schweiz selten.
Foto: Andrea Wüst.

Für den Rest der Gruppe begann der Tag ungefähr um 7.00 Uhr. Wir fuhren mit dem Velo an den Bahnhof. Mit dem Zug gelangten wir nach Sion/Sitten, von wo aus es mit dem Bus weiterging. Wir stiegen aus, als wir in der Nähe der Felswand bei Chamoson waren. Nachdem wir durch die Rebberge gelaufen waren, standen wir unterhalb der Felswand, an der die einzige Blaumerle im Wallis brütet. Wir beobachteten die schroffe Steilwand und hielten Ausschau, bis wir plötzlich eine Blaumerle sahen! Einige konnten sie beobachten, ehe sie wieder verschwand. Wir suchten und suchten, doch der Vogel blieb verschollen. Und so sah nur knapp die Hälfte diesen wunderhübschen Vogel, den Elias weit oben in der Felswand entdeckt hatte. 

Steil, steiler, Chamoson. Die Natrix beim einzigen
(bekannten) Brutstandort der Blaumerle im Wallis.
Foto: Ruben Lippuner.

Als wir dann einen Wanderfalken mit einer Taube, die tot in seinen Krallen war, sahen, beobachteten wir, wie sich ein Mäusebussard auf den Wanderfalken stürzte. Zum Glück kam ein männlicher Wanderfalke dem Weibchen zu Hilfe und verjagte den Mäusebussard. Nach diesen Beobachtungen stiegen wir wieder in den Bus und fuhren danach mit dem Zug nach Montreux am Genfersee. 

Einige nutzten die Fahrt für ein wohlverdientes Mittagsschläfchen.
Foto: Ruben Lippuner.

Am See teilten wir uns in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe wollte in Préverenges die gemeldeten Sumpfseeschwalben und den Steinwälzer twitchen, die andere in die Grangettes, um selber etwas entdecken. Als meine Gruppe ankam, fuhren wir ein Stück mit dem Bus und den Rest liefen wir bis zum Genfersee. Wir beobachteten viele Vögel, darunter auch seltene (Sumpfohreule und Steinwälzer!). 

Arenia interpres wälzte sich im Prachtkleid durch die Landschaft
und lief Merlin direkt vor die Kamera.

Nach einer Weile wollten wir gehen, doch unser Leiter Merlin machte noch 200 Fotos von einem Buchfinken. Wenigstens eines davon war auch scharf ;-):

Ein patenter Papa: Buchfink auf Nahrungssuche für die Jungmannschaft.
Foto: Merlin Hochreutener.

Nach einer weiteren Bus- und Zugreise trafen wir bald die andere Hälfte der Gruppe, die die seit langem in den Grangettes anwesende Eisente neben drei Eiderenten und hübschen Schwarzhalstauchern gesehen hatten. Von letzteren hatten sie uns auch ein paar Belege mitgebracht:

Verbreitert das immense Artenspektrum dieses Lagers noch weiter:
ein Schwarzhalstaucher in Schwarz-Rot-Gold.
Foto: Elias.

Zurück in Leuk fuhren wir mit unseren Velos, die wir am Morgen abgestellt hatten, zurück auf den Campingplatz. Dort spielten wir zur Abwechslung mal Frisbee, da der Wind so stark blies. Bald assen wir leckeren Risotto mit Salat und nach dem Abendessen spielten wir wieder Ping-Pong, bis ein SBA eintrudelte, dass 6 Individuen der sehr seltenen Lachseeschwalbe soeben in den Grangettes (wo eine Gruppe heute war!) beobachtet worden sei. Von dieser Neuigkeit etwas aufgewühlt putzten wir unsere Zähne und gingen in unsere Zelte.
 
Tagesbericht: Lara. 

Vierter Tag – 13. Mai 

Die Mehrheit der Gruppe hatte sich gestern entschieden, heute Morgen um 03.45 aufzustehen, um die Lachseeschwalben zu twitchen. Das mitgebrachte Frühstück assen wir im Zug Richtung Villeneuve, wo wir kurz vor Sonnenaufgang ankamen. Wir hetzten schnell in Richtung Turm, wo wir einen Kolben- x Stockenten-Hybrid entdeckten. Da wir die Lachseeschwalben vom Turm aus nicht sahen, versuchten wir unser Glück von Chez Bonnet aus. Doch auch von dort konnten wir sie trotz intensiver Suche nicht finden. Die einzigen beiden nennenswerten Arten waren Habicht und die Eisente. Darum liefen wir weiter zum Damm. Dort verteidigte ein Schwan sein Nest, indem er nach uns schnappte, als wir vorbeigingen.

AnSel 1, Höckerschwan 0!
Foto: Elias.

Da es viel zu fest stürmte, um den See einigermassen deckend abzusuchen, hielten wir es nicht länger vorne auf dem Damm aus und machten uns auf den Rückweg. Als wir nochmals im Chez Bonnet vorbeischauten, konnten wir unter den vielen Lachmöwen mindestens zwei Schwarzkopfmöwen entdecken. Beim Spaziergang zurück an den Bahnhof sahen wir einen männlichen Rotfussfalken wegfliegen. Auf der Rückreise nach Leuk mussten sich einige dem Schlaf ergeben (kein Wunder, wenn man so früh in den Tag startet :-)):
 
Foto: Ruben Lippuner.

In Leuk trafen wir die übrigen Natrixler, die unterdessen die Felder abgesucht und die Bienenfresserkolonie besucht hatten. Dann hiess es Zelteabbauen, Packen und noch eine letzte Runde Tischtennisspielen, währenddessen nochmals einige Bienenfresser durchflogen.
 
Wehmut kommt hoch: Wir müssen an die Heimkehr denken...
Foto: Ruben.

Schon war der Moment gekommen, in dem wir uns von dem schönen Ort verabschieden mussten. Mit dem Zug brachten wir unsere Velos nach Visp, wo wir sie verschickten. Wir assen wir noch ein Glacé und durften dann im für uns reservierten Erstklasswagen zurück nach Zürich fahren. 

Ein erstklassiger Abschluss eines genialen Lagers!
Foto: Merlin Hochreutener.

Uns fiel es sehr schwer, uns von der grossartigen Gruppe zu trennen, mit der wir so viele schöne Momente erlebt hatten.

Tagesbericht: Leon, Andrea & Selina.

Sonntag, 17. Mai 2015

Auffahrtslager im Wallis, 14. - 17. Mai 2015

Erster Tag – Donnerstag, 14. Mai

Um 08:30 Uhr trafen wir uns am Bahnhof Zürich, um unser Gepäck in Dominics Auto zu laden. Dann traten wir unsere Reise ins Wallis an. Das Spezielle an dieser Reise: Die SBB hat für unsere Gruppe einen Erstklasswaggon reserviert. So reiste die Natrix gemütlich und weich gepolstert ins Wallis.

Die Natrix rüstet auf - 1. Klasse!
In Visp holten wir unsere Velos ab und fuhren dann weiter zum Zeltplatz, wo Dominic uns schon erwartete, und bauten unsere Zelte auf. Während des Zeltaufbauens unterbrachen uns noch zwei Wiedehopfe bei der Arbeit – eine sehr schöne Beobachtung.

Natrixler beim Aufbauen der Zeltlandschaft.
Wie geht das mit dem Aufblasen einer Schlafmatte schon wieder? Lieber zuschauen als helfen... Helfen scheint ein Fremdwort zu sein ;-)
Als sämtliche Zelte aufgebaut waren, fuhren wir ins Leukerfeld. Auf dem Weg beglückten uns ein warnendes Pärchen Schwarzkehlchen, ein Neuntöterweibchen und zwei Bluthänflinge. Doch die Hauptattraktion sollte erst noch kommen. Seit ein paar Jahren existiert bei einem alten renaturierten Seitenkanal der Rohne eine Bienenfresserkolonie. Noch bevor wir ankamen, machten schon die ersten dieser bunt gefärbten Vögel mit ihren typischen Flugrufen auf sich aufmerksam. Wir beobachteten ihre Luftspiele auf der Jagd nach Libellen und anderen Insekten eine Weile, bevor wir zur eigentlichen Kolonie weiterfuhren. Dort wurde ein neues Hide errichtet, von wo aus sich die Bienenfresser und zahlreiche andere Vögel ungestört beobachten lassen.

Ein Bienenfresser an der Bruthöhle.
Foto: Linus.
Wir fotografierten die Bienenfresser und konnten auch noch einen Nachtreiher im zweiten Kalenderjahr entdecken. Kurz vor Abfahrt mussten wir nochmals kurz konzentriert beobachten, um einen relativ weit entfernt kreisenden Bussard zu bestimmen. Nach kurzer Zeit stand die Bestimmung fest: ein Wespenbussard.

Zurück beim Zeltplatz hüpften wir auf dem Trampolin (alte Erinnerungen an Sur En und Claudio wurden wach… :-D) und spielten Pingpong, bis Dominic das Essen brachte, welches er freundlicherweise bei Alice (Freundin von Jonas, Stand Mai 2015 ;-)) zu Hause zubereiten konnte. Es gab Gnocchi mit Tomatensauce und zum Dessert Vanille- und Schokoladenmousse mit Pfirsichen.

Dooooooomiiiiiiii, wann kommt das Essen???
Nach dem Abendessen teilte sich die Gruppe auf. Die einen blieben bei den Zelten, wo während der fortschreitenden Dämmerung gegen die vierzig Bienenfresser auf einer Telefonleitung sassen. Die andere Gruppe ging nochmals zu den Teichen. Valentin (ein Bebbi Babbler und ehemaliger Natrix-Fremdgänger, Milan scheint es ihm nun gleich zu tun ;-)) informierte uns nämlich, dass er dort am späteren Nachmittag einen adulten Kuhreiher im Prachtkleid habe beobachten können. Etwas später gesellte sich ein Nachtreiher zum Kuhreiher und etwas später noch ein zweiter Nachtreiher. Die Krönung bildeten schliesslich ein Grau- und ein Seidenreiher – so konnten vier Reiherarten im selben Fernrohrbild betrachtet werden. Ein nicht alltäglicher Anblick.

Vier Reiherarten auf einem Foto.
Zurück beim Zeltplatz ging es nach einigen Wettrennen mit Sontje, die scheinbar noch immer überschüssige Energie hatte, und Zähneputzen zufrieden ins Bett – genauer gesagt in die Schlafsäcke in den Zelten.

Dummerweise erst, als der letzte Zeltreissverschluss geschlossen war, überflog uns beim letzten Licht noch ein Rotfussfalkenmännchen. Jedoch bekamen nur Dominic und Merlin diesen hübschen Falken zu Gesicht…

Auf dem Weg zur Toilette stolperte ein Natrixler um Mitternacht beinahe noch über einen Igel. Dieser kugelte sich zu einem Stachelknäuel zusammen und hielt uns vorerst noch vom Schlafen ab.

Der stachlige Kerl zog alle Aufmerksamkeit auf sich.
Einige konnten auch noch ganz kurz das monotone „tüüt“ der Zwergohreule hören. Danach hiess es dann wirklich „Schlaf guet“ und ein sehr warmer Tag ging zu Ende.

Text: Milan und Linus


Zweiter Tag – Freitag, 15. Mai

Um 08:00 Uhr sind wir im Regen aufgestanden. Wir frühstückten, zogen unsere Regensachen an und fuhren mit der Hoffnung, dass Petrus uns etwas Seltenes vom Himmel regnete, los ins Leukerfeld. Die ersten erwähnenswerten Beobachtungen waren Steinschmätzer, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Distelfink und Turmfalke. Dann fuhren wir weiter und stellten unsere Velos bei einer kleinen Hütte ab. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Die erste ging direkt zu den Teichen, die zweite machte noch einen kleinen Abstecher zur Rhone, wo sie nebst Nachtigallengesang noch zwei Flussuferläufer ausfindig machte. Bei den Teichen und den Feldern rundum warteten Feldlerchen, Steinschmätzer, drei verschiedene Unterarten der Schafstelze (flava, cinereocapilla und thunbergi), Schwarzkehlchen und der Kuhreiher vom Vorabend auf uns.

Natrixler trotzen dem Regen.
Wegen des immer heftiger werdenden Regens brachen wir die Exkursion ab und radelten zurück zu unseren Zelten, wo wir völlig durchnässt ankamen. Den gesamten Nachmittag verbrachten wir im Schlafsack in den Zelten, wo wir uns entweder mit Büchern oder interessanten Gesprächen die Zeit vertrieben. Nicht schlecht staunten wir, als anstelle des „tropf-tropf-tropf-tropf“ plötzlich ein anderes Geräusch einsetzte. Es war jenes von Schneeflocken, die ganz sanft auf den Aussenzelten landeten. Am Tag zuvor gefühlte 30°C und nun Schnee – und das Mitte Mai! Fürs Abendessen mussten sich nochmals alle aus ihren Schlafsäcken kämpfen.

Geschickt, geschickt, dieser Vito! ;-)
Doch wer die Schritte durch Nass und Schnee zu den überdachten Tischen auf sich nahm, wurde mit einem feinen Risotto belohnt, der wiederum in Alices Küche zubereitet worden war – vielen Dank! Die gutmütigen Zeltplatzbesitzer waren ab unserer Wetterfestigkeit beeindruckt und bereiteten extra für uns eine exklusive und ausserordentlich feine Aprikosenwähe zu. Ebenfalls vielen Dank für das Dessert!

Der Beweis - Schnee bis weit hinab ins Tal!
Nach dem Essen schlüpften alle wieder in ihre Schlafsäcke und legten sich schlafen. Mit einem eigenen Zelt stiess unbemerkt noch Stefan, der Mitbewohner der WG von Dominic und Jonas, dazu. Neidisch auf Stefans Superzelt kam spätabends dann auch wieder Samuel angereist, der den Tag durch arbeiten musste und in Leuk von seinem undichten und durchnässten Zelt in freundlichster Manier empfangen wurde… Zum Glück war am nächsten Tag auch schon wieder früh Tagwache, sodass die Nacht im durchnässten Schlafsack relativ schnell durchgemacht war… ;-)

Text: Sontje und Gian Luis


Dritter Tag – Samstag, 16. Mai

Um 05:30 Uhr wurden wir geweckt. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir zum Bahnhof. Dort erwarteten uns schon Jonas und seine Begleitung Alice. Gemeinsam nahmen wir den Bus bis an die Grenze der Waldbrandfläche. Dort angekommen wurden wir zuerst einmal von Berglaubsänger und Gartenrotschwanz begrüsst, die in der von Schnee überhauchten Landschaft ihren Gesangskünsten freien Lauf liessen.

Gartenrotschwanz und Berglaubsänger in Kombination mit Schnee?
Wie kurios... Die Natrixler auf Vogelpirsch.
Dort, wo Jonas in der Woche zuvor ein prächtiges Steinhuhn beobachten konnte, war diesmal leider keine Spur von dieser Art. Umso mehr erfreuten uns dafür Steinrötel, Kuckuck, Wiedehopf und Zippammer.

Äusserst fotogen, diese Zippammer.
Gartenrotschwanz, Heidelerche, Kuckuck und Steinrötel - ein tolles Quartett!
Im Laufe des Vormittags fand dann auch Eric den Weg ins Wallis und gesellte sich zu uns, was insbesondere Sontje sehr erfreute.

Prächtig, der Blick ins Wallis.
Auf dem Weg in Richtung Brentjong konnten wir flüchtig einen grösseren Schatten ausmachen. Der Blick an den Himmel klärte die Ursache: Ein prrrächtiger Schlangenadler zog über unsere Köpfe hinweg. Bei unserer Mittagsraststelle war nicht nur Platz für ein Gruppenfoto vorhanden, sondern auch noch Schnee für eine Schneeballschlacht. Die Schlacht zu unterbrechen wussten nur ein Bartgeier, drei Wespenbussarde, eine Rohrweihe und ein Wanderfalke. Auch die Zaunammer, die sich dann aber immer wieder als Goldammer herausstellte, sorgte für Aufregung. Als mit der Zeit sämtlicher Schnee aufgebraucht bzw. von der wieder erstarkten Sonne weggeschmolzen war, liefen wir zurück ins Tal, wo wir es uns beim Zeltplatz gemütlich machten und die Sonnenstrahlen genossen.

Gruppenfoto - Natrix pur!
Gold-, Zaun- oder doch Goldammer ...?
Foto: Linus.
Trampolin und Pingpongtisch sorgten für ausreichend Unterhaltung. Insbesondere Eric zeigte schnell, wer hier das Sagen hatte und führte allen vor, wie man mit Pingpongball und -schläger umzugehen hat. Auch der neu dazugekommene Dennis wusste da nichts entgegenzusetzten…

Angriff Eric - Verteidigung Dominic - Punkt Eric...
Die unentwegten Lukas, Enrico, Samuel, Milan und Linus fuhren nochmals ins Leukerfeld, wo Wanderfalke gesehen und Wachtel sowie Sumpfrohrsänger gehört werden konnten. Damit wir unsere Gaskocher nicht vergeblich gepackt hatten, setzten wir diese für das letzte Abendessen dieses Auffahrtslagers doch noch in Betrieb und konnten in einer gemütlichen Runde Couscous mit Tomatensauce kochen und essen. Zum Dessert gab es Schokoladen- und Vanillecrème. Doch mit dem Abendessen ging dieser Tag noch lange nicht zu Ende, sondern kam gerade erst zu seinem Höhepunkt: Die Region Leuk ist eine der wenigen Schweizer Destinationen, wo der Ziegenmelker regelmässig und relativ einfach beobachtet respektive gehört werden kann. In der Dämmerung konnten wir sehr schön die Umrisse eines sitzenden Individuums beobachten und uns dessen schnurrenden Gesang einprägen.

Text: Lukas


Vierter Tag – Sonntag, 17. Mai

Wegen der späten vorabendlichen Exkursion herrschte bis acht Uhr Schlafstimmung. Merlin machte diese Stimmung allerdings zunichte, als er nach einem frühmorgendlichen Egotrip zur Hohen Brücke zurück zu den Zelten kam und alle Teilnehmenden aus ihren Schlafsäcken schüttelte.

Die berüchtigt berühmte Hohe Brücke. Doch an diesem Morgen sollte der Mauerläufer nicht anzutreffen sein.
Nach einem deftigen Morgenessen – zahlreiche Nutella-Schokoladenmäuler lassen grüssen – ging es noch ein letztes Mal ins Leukerfeld. Wir konnten uns von den Bienenfressern verabschieden. Ein kurzes Hallo und Tschüss entlockten uns ein Mandarinentenmännchen und eine Wachtel. Danach hiess es, die Zelte abzubrechen und die Sachen zu packen. Dies gestaltete sich etwas mühsam, da die Temperaturen wieder Höchstwerte erreichten und deshalb einige lieber wie ein lampiges Salatblatt in der Wiese herumlagen anstatt mitanzupacken… Nichtsdestotrotz war schliesslich wieder sämtliches Gepäck in Dominics Auto verstaut und die Heimreise über Visp, wo wir unsere Velos aufgaben, und Bern nach Zürich konnte angetreten werden. Einige Jungornithologen, die ihr Durchhaltevermögen beweisen wollten, beendeten das verlängerte Auffahrtsweekend auf der Röstifarm in Schinznach Dorf, wo seit einigen Tagen der von unserem Präsidenten entdeckte Schlagschwirl lautstark seine „swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi- swi-swi- swi-swi“ Strophe vortrug. Mit diesem Twitch ging auch für die letzten Natrixler ein äusserst erfolgreiches Auffahrtslager zu Ende.

Das Pünktchen auf dem "i" dieses Wochenende: Der von Jonas entdeckte Schlagschwirl.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.