Sonntag, 26. Februar 2017

Winterexkursion an den Bodensee

Da die letzte Natrix-Exkursion an den Bodensee im vergangenen Dezember von Kälte und Nebel geprägt war, hofften wir darauf, dieses Mal bessere Bedingungen anzutreffen. Und die Hoffnung erfüllte sich: Der Himmel über dem Bodensee war blau, als wir an diesem Morgen im Kreuzlingen aus dem Zug stiegen. Darüber erfreute sich die ganze Schar, die rund zwanzig Leute zählte.Im Kreuzlinger Hafen bestiegen wir den Aussichtsturm, der einen vielversprechenden Blick auf die Wasservogel-Ruhezone und den See eröffnet. Von dort konnten wir nebst vielerlei interessanten Vogelarten wie Löffel- und Krickenten und Bekassinen die seit geraumer Zeit im Gebiet anwesenden Eisenten ausmachen. Da man in der Schweiz nicht täglich Eisenten sieht, nahmen wir uns Zeit, die Schönheit der drei anwesenden Individuen ausgiebig zu bestaunen. Leider waren die Enten für ansprechende Bilder zu weit weg und es reichte nur für einen Beleg:

Die putzig-hübschen Eisenten - wegen des Wellengangs war es schwierig,
alle drei aufs Bild zu bekommen...
Foto: Dennis Riederer.

Dann fuhren wir im Zug nach Altnau. Aber das Finden von Seetauchern gestaltete sich aufgrund des anhaltenden Windes der Wellen vor sich hertrieb, schwierig. Dennoch entdeckten wir einen weit entfernten Prachttaucher.

Weniger grau als letztes Mal, aber es zieht!
Die Natrixler am Strand bei Altnau.

Da Altnau als Beobachtungspunkt an diesem Tag nicht besonders ergiebig erschien, entschieden wir, des Ufers entlang nach Güttingen zu laufen. Bald aber legten wir Rast ein, denn es war Mittag und die Gruppe hatte Hunger. Brötchen essend suchten wir den See ab und entdeckten neben einem weiteren Prachttaucher einen aussergewöhnlich grossen Trupp dunkler Enten, der weit draussen auf dem See trieb. Von Zeit zu Zeit flügelte eine der Enten und liess unschwer den weissen Spiegel auf dem Flügel erkennen, der für Samtenten diagnostisch ist. 

"Wie erkenne ich, dass die kleinen schwarzen Punkte Samtenten sind?"
Unser aus Göttingen importierter Exkursionsleiter versucht Klärung zu schaffen.

Als alle gesättigt waren, war es Zeit für eine Reihe aufregender Spiele und die Inbetriebnahme der örtlichen Gigampfi ;-) 

Mittlerweile hatten sich die Wogen geglättet, wir hatten weite Sicht. Kurz vor Güttingen entdeckte Eric eine weitere Eisente. Die Vermutung liegt nahe, dass sie dem Grüppchen von Kreuzlingen entstammte und sich zwischenzeitlich nach Güttingen verschoben hatte. Ausserdem hatten wir beste Sicht auf ein paar Mittelsäger. Als wir dann vom Güttinger Hafen aus Ausschau hielten, war es erneut Eric, der ein Eisente erspähte. Es handelte sich jedoch um das gleiche Individuum, das wir schon eine halbe Stunde zuvor beobachtet hatten. Es schien, als bewegte sich die besagte Eisente im Gleichschritt mit uns in Richtung Osten.

Gegen den späteren Nachmittag nahmen wir nochmals den Zug und fuhren nach Romanshorn. Dort tummelte sich im durchschnittlich grossen Reiherenten-Trupp eine männliche Bergente. Im Hintergrund weilte ein Flussuferläufer auf einem Schiffssteg. 

Die Einfahrt der Friedrichshafener Fähre bringt Unruhe in den Ententrupp.
Wer findet die Bergente wieder?

Schliesslich begaben wir uns auf die Mole, die eine gute Sicht in die Egnacher Bucht bietet und für ein aufregendes Finale der heutigen Exkursion sorgte. Hier nämlich entdeckten wir diverse spannende Vogelarten wie einen weibchenfarbigen Zwersäger, vier Mittelsäger, eine Brandgans, einen Grossen Brachvogel, eine adulte Steppenmöwe, ungefähr zehn Singschwäne und darunter einen Zwergschwan. Dieser war zwar weit entfernt, durch den direkten Vergleich mit den Singschwänen aber eindeutig bestimmbar. Nachdem sich die überwiegende Mehrheit der Exkursionsteilnehmer verabschiedet und den Zug nach Zürich genommen hatte, fanden die wenigen Ostschweizer, die eine zusätzliche halbe Stunde am Ort verblieben, einen Ohrentaucher - gut versteckt in einem grossen Trupp Schwarzhalstaucher.

Egal, ob man den Ohrentaucher zu Gesicht bekam oder nicht: Wir alle blicken auf eine äusserst erfolgreiche Exkursion zurück und sind nach dieser letzten "Winterexkursion" gespannt, was der Frühling bringt...

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Jakob Hochuli.

Samstag, 28. Januar 2017

Jungornitreffen in Sempach

Früh am Samstagmorgen machte sich eine Gruppe Natrixler auf den Weg nach Sempach, um am alljährlichen Jungornitreffen teilzunehmen. Um 8.45 Uhr erreichten wir das rote Bürogebäude der Vogelwarte Sempach, wo der Anlass stattfand. Auch dieses Jahr waren noch einmal mehr Jungornis zugegen als letztes Jahr, das Treffen wird allmählich zu einer gernbesuchten Tradition!
Zuerst konnten alle, die sich trauten, ihre zehn schönsten Fotos des Jahres zeigen: Wir bewunderten Vogelbilder aus allen Ecken der Erde. Danach hielt Marcel Burckhardt einen anregenden Vortrag über Vogelfotografie. Nun wissen wir alle, worauf wir beim Knipsen achten müssen! Zuletzt rätselten wir über Federn, Schädel, Fotos und Verbreitungskarten im toll zusammengestellten Quiz von Martin Spiess. Einige der Natrixler konnten sich sogar bei den Preisen bedienen, da sie in den Top 10 waren. Gratulation!
Das von Marcel geschossene Gruppenfoto möchten wir euch auf keinen Fall vorenthalten:

Wer findet die Natrixler?
© M. Burckhardt, Vogelwarte Sempach.

Bericht: Eric Christen.

Sonntag, 15. Januar 2017

Durch den Schnee am Greifensee

Der Winter hat die Schweiz fest im Griff - man braucht daher zurzeit nicht weit* zu gehen, um spannende Wintergäste aus dem Norden zu finden. Wie gut, dass als erste Exkursion im neuen Jahr eine Winterwanderung um das Südostende des Greifensees auf dem Programm stand! 
(* Das galt heute zumindest für unsere Zürcher Mitglieder...)

Zum Start unserer Exkursion gab Dennis den 14 Teilnehmern an der Schifflände Maur einen Beobachtungsauftrag für die heutige Wanderung: Zu zweit oder zu viert sollten wir bestimmte Arten finden, die am Greifensee zurzeit angetroffen werden können. Denjenigen, die die jeweiligen Zielarten zuerst ausfindig machen konnten, winkte ein (vorerst noch unbekannter) Preis. Davon angespornt versuchten wir sogleich, unsere Aufgaben schnellstmöglich "abzuarbeiten". Zielarten wie Sturmmöwe oder Teichhuhn waren - kaum überraschend -  schnell gefunden, aber als Elias nach etwa zehn Minuten Beobachtungszeit lakonisch meinte, dass auf der Spitze eines Baumes am See gleich bei der Schifflände  "noch ein Raubwürger sitze" - ebenfalls eine Zielart - war unser Erstaunen groß. In einem eher ungewöhnlichen Habitat lugte die einzige winterharte Würgerart hin und wieder etwas skeptisch zu uns hinunter.
 
Perfekt getarnt: schwarz-grau-weißer Vogel in schwarz-grauer Umgebung...
Foto: Alina.

Nach einigen Minuten entschied er sich, das Weite zu suchen. Er flog ab und geradeaus über den See, wobei wir seine Flugweise und seine Flügelzeichnung gut sehen konnten:

Auf zu neuen Ufern, oder: Der Raubwürger macht sich vom Acker.
Foto: Levi.

Nach dieser Überraschung setzten wir uns in Bewegung und wanderten in südöstlicher Richtung nach Egg. Am See konnten wir in kleinen Buchten Kolbenenten, Zwerg- und erstaunlich zutrauliche Schwarzhalstaucher (mind. fünf an der Zahl) beobachten, während über unseren Köpfen Erlenzeisige ihre typischen Rufe erklingen ließen. 

Die Vegetationslücken bieten die Möglichkeit,
die Seefläche nach spannenden Wintergästen abzusuchen.

Nachdem wir unsere Wanderung nach einem der Beobachtungsstopps fortgesetzt hatten, rief plötzlich jemand laut "Roordomle flüügt!" Aufgeregt blickten wir umher und einigen war es vergönnt, einen Blick auf diesen braunen und meist gut im Schilf versteckten Reiher erhaschen zu können, der dem Schilfsaum entlang Richtung Riediker Ried davonflog.

Während einige artig in die Kamera lächeln, suchen andere die nächste Überraschung...
Foto: Elias.

Als wir nach nicht ganz zweistündigem Spaziergang die Badi Egg erreichten, brummte vielen der Magen und so entschieden wir uns zu einer frühen Mittagspause. Als vorgezogenen Dessert gab es gleich zu Beginn der Rast einen relativ ufernahen Ohrentaucher zu bewundern. 

Ein äußerst aktiver (sprich hungriger) Ohrentaucher bei Egg.
Foto: Elias.

Auch Eisvogel, Löffel- und Schnatterente sowie Wasserralle gaben sich die Ehre. Nach dem Mittagspicknick waren wir zwar nicht mehr hungrig, dafür froren ein paar (allen voran die Leiter, diese Weicheier ;-)). Höchste Zeit also für ein Ohrentaucher-Fisch-Fangis (auch bekannt als Kettenfangis)! 

Wieder gut aufgewärmt und (zumindest zwischenzeitlich) bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir zum Beobachtungsturm im Riediker Ried. Gleich nach unserer Ankunft entdeckte Dennis über der Seemitte einen Habicht, der von Krähen gehasst wurde und bei seinem Versuch, diese lästigen Zeitgenossen loszuwerden, immer näher auf uns zuflog und zuletzt in einem kahlen Baum nicht allzu weit von uns entfernt landete. Wir konnten ihn ausführlich im Fernrohr betrachten - kein alltäglicher Anblick! Eine Bekassine, die in der alten Projektfläche umherflog, kam vor lauter Aufregung nur wenig Aufmerksamkeit ab.

Ob wir hier vielleicht eine Rohrdommel übersehen haben?
Die alte Projektfläche im Rieder Ried im Winterkleid.
Foto: Elias.

Der Seerundweg führte uns weiter via Riedikon Richtung ARA Uster, wo uns Beobachtungen von Schellente und Eisvogel gelangen. Am Endziel unserer Exkursion, der Schifflände Niederuster, war es definitiv wieder Zeit für Aufwärmaktivitäten. Nach einer leckeren heißen Schoggi oder wahlweise Ovi tobten wir uns nochmals in einem Kettenfangis aus:

Achtung, der Ketten-Ohrentaucher kommt herangetaucht!

Die Fotografen in unseren Reihen machten die Kälte derweil bei einer Fotosession mit einem kooperativen Graureiher vergessen:

Paparazzi an der Arbeit... 
Foto: Eric Christen.
Das Sujet aus der Nähe.
Foto: Levi.

Nach vier Uhr bestiegen wir schließlich den Bus und fuhren nach Uster, wo Dennis für die drei besten Entdeckungen von Zielarten je eine leckere Lindt-Schokolade verteilte. Im wohlig warmen Zug reisten wir heimwärts Richtung Zürich, Wetzikon und die Ost- oder Innerschweiz.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Patrick Mächler.

Montag, 12. Dezember 2016

Wintergäste am Bodensee

Bei schönstem Wetter fuhren wir mit dem Zug von Zürich via Kreuzlingen nach Triboltingen. Dort wurden wir durch erste Regentropfen begrüsst. Diese konnten unsere gute Laune aber nicht verderben. Wir spazierten zum Ermatinger Becken. Kaum beim Steg angekommen, hörten wir bereits die Singschwäne und beobachteten sie mit Hilfe des Fernrohrs. Der schon länger im Gebiet anwesende Dunkler Wasserläufer stocherte mit seinem Schnabel nach Würmchen:

Normalerweise bevorzugt diese Art im Winter südlichere Gefilde,
aber dieser Dunkle Wasserläufer (vorne links) ist hart im Nehmen.

Mehrere Grosse Brachvögel erholten sich im seichten Wasser. Etwas später entdeckten wir im Wasser ein Mittelsägerweibchen, das gemütlich herumschwamm. Auch Krick- und Schnatterenten zeigten sich uns. 

Farbtupfer im Wintergrau: die Natrixler auf Vogelsuche.

Krickenten in Eile. Im Hintergrund die Pappeln
des Reichenauer Dammes.
Foto: Samuel Betschart.

Plötzlich rief Dennis: „Ein Zwergschwan!“ Alle freuten sich darüber. Auf dem Rückweg entdeckten wir auf der Bahnleitung zwei Hohltauben in der Gesellschaft vieler Türkentauben:

Foto: Samuel Betschart.

In Triboltingen bestiegen wir den Zug nach Altnau, wo wir Richtung See schlenderten. Wir kamen gerade rechtzeitig am Ufer an, um noch einen Blick auf einen vorbeifliegenden Trupp von acht Samtenten zu erhaschen.

Die Samtenten sind zwar schnell unterwegs, aber Kenner
sehen das diagnostische weisse Flügelfeld sofort.

Vom Steg aus suchten wir die Wasseroberfläche ab. 

Auf der längsten Pier am Schwäbischen Meer.

Wir fanden u.a. einige Prachttaucher, die leider schnell wieder verschwanden. Viele Schellenten tauchten am Seeboden nach Nahrung. Eine Handvoll Pfeifenten zeigte sich und eine Sturmmöwe hielt nach Futter Ausschau. Gabriel, Levi und Elias starteten ihre "Vogelflug-Challenge". Ziel dabei war, möglichst schöne Flugbilder von Vögeln einzufangen. Aber auch die Vögel im Wasser waren beliebte Sujets:

Scheue Prachttaucher...
... kooperativere Pfeifenten ... 



... und Herr und Frau Schellente kamen uns vor die Linse.

Unsere nächste Destination war Arbon, wohin wir ebenfalls mit dem Zug gelangten. Wiederum wanderten wir vom Bahnhof zum See, wo die einen eine Bergente zu Gesicht bekamen. Sie entschwand aber sehr schnell in einen Trupp Reiher- und Tafelenten. Wir liefen dem See entlang. Auf einem Pfosten präsentierte sich eine Steppenmöwe.
 
Eine Steppenmöwe in adulter Pracht.

Eine Rostgans schwamm zwischen den Bötchen herum. Ein hübsches Kolbenentenpaar drehte seine Runden. Etwas später sichteten wir eine Gruppe von etwa zwei Dutzend Schwarzhalstauchern, in der sich auch zwei Ohrentaucher versteckten. 

Wer findet den seltenen Ohrentaucher auf diesem Bild?
Foto: Samuel Betschart.

Die letzte Etappe unserer Exkursion brachte uns nach Rorschach. Hier konnten wir keine seltene Vogelart mehr sichten. Zurück am Bahnhof begrüsste uns eine nette Ansage mit den Worten: „Der Zug nach Weinfelden erhält voraussichtlich 15 Minuten Abgangsverspätung. Wir finden momentan kein Fahrpersonal.“ Trotzdem kamen wir pünktlich in Zürich an.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Elias.

Samstag, 5. November 2016

Zu Besuch im Naturhistorischen Museum Bern

Am Samstag, 5. November, stand ein aussergewöhnlicher Anlass auf dem Natrix-Programm: der Besuch des Naturhistorischen Museums in Bern!
Nach der Zugfahrt nach Bern spazierten wir am Bundeshaus vorbei zum Naturhistorischen Museum, wo wir von unserem Starreferenten Manuel Schweizer, dem Kurator der Wirbeltierabteilung, herzlich empfangen wurden. Zuerst erklärte er uns am Beispiel des Grossschnabelrohrsängers, wie tote Vögel den lebenden Vögeln helfen können. Danach fuhren wir mit dem Lift in den Keller, wo wir schnell durch die alarmgeschützte Tür das kalte Reich der toten Tiere betreten durften. Dort erklärte Manuel Schweizer uns den Unterschied zwischen den Raubmöwen, und dass eine der gezeigten Raubmöwen eine Schmarotzerraubmöwe mit aufgeklebten Falkenraubmöwen-Schwanzfedern sei! Dieser merkwürdige Umstand rührt daher, dass man früher noch nicht zwischen den beiden Arten unterschied und man die Falkenraubmöwe für das Prachtkleid und die Schmarotzerraubmöwe für das Schlichtkleid der sogenannten "Kleinen Raubmöwe" hielt. Uns wurden weitere spannende präparierte Exemplare gezeigt, wie zum Beispiel ein Balg der ausgestorbenen Laysan-Ralle. Auch das  wunderbar schillernde Balzkleid eines Paradiesvogels mit gespreiztem Nacken- und Brustgefieder durften wir bewundern. Danach sahen wir uns verschiedene Eulenbälge an, darunter Uhu, Schneeeule und die verschiedenen Morphen des Waldkauzes. Nachdem wir uns kurz den Affen gewidmet hatten, durften wir weitere Arten wünschen und so sahen wir noch Weisskopfseeadler, verschiedenste Limikolen, Schneekranich, Bartgeier, „balzende“ Grosstrappen und diverse Seeschwalben. 

Exotische Vögel à gogo.
Foto: Merlin Hochreutener.

Anschliessend ging es einen Stock höher ins „Eier-Archiv“. Dort konnten wir ein seltenes Elefantenvogel-Ei bewundern, das einen Wert von ungefähr 100'000 Franken haben soll. Auch die kleinen, roten Eier von Seidensängern, wunderschön gemusterte Ammern-Eier und zum Schluss die birnenförmigen Lummeneier durften wir bestaunen. Danach mussten wir schon wieder los die Zeit unter der Erde war wie im Flug vorbeigegangen! Im Regen gingen wir zum Historischen Museum und fuhren von dort mit dem Tram zum Bahnhof. Dort geleiteten uns drei Alphörner zum Zug. Im Zug fanden wir unsere reservierten Plätze leider besetzt vor, da irgendein Spitzbub die Reservierungen heruntergerissen hatte... Deshalb mussten wir im Gang nach Zürich fahren, doch der Gedanke an all die Schätze im Keller des Naturhistorischen Museums in Bern versüsste uns die Heimfahrt.

Wir danken Manuel Schweizer für einen unglaublich interessanten Tag im Untergrund!

Bericht: Ruben.

Sonntag, 2. Oktober 2016

EuroBirdwatch und Arbeitseinsatz auf den Hegmatten

Auch dieses Jahr stationierten wir uns für den EuroBirdwatch-Anlass wieder auf "unserem Territorium" auf den Hegmatten bei Winterthur. Nebenbei trugen wir auch dies hat schon fast Tradition im Naturschutzgebiet Schnittgut zusammen. Christian (ein Aushilfsnatrixler ;-)) und Dennis fanden sich um sieben Uhr in der Früh am Beobachtungspunkt ein. Leider wurden wir vom strömenden Regen überrascht, was das Notieren der Zugvögel auf dem bald völlig durchnässten Formular sehr erschwerte. Bis Eric und sein Gefolge um 9 Uhr im Gebiet ankamen, konnten wir während der Regenpausen immerhin eine durchziehende Beutelmeise und 11 Hohltauben notieren super Arten fürs Perimeter! ;-P 

Die Jungmannschaft bestehend aus Leon, Lukas und Levi war vom Zugvögelzählen wohl nicht so angetan und marschierte gleich zur Arbeit ins Naturschutzgebiet. Leider war das Schnittgut in diesem Jahr stark durchnässt und das Rechen war dementsprechend sehr anstrengend. Etwas später wurde Christian dann durch unser feldornithologisches Ass namens Simon ersetzt und auch Patrick und Flurin gesellten sich zur Unterstützung zu uns. Wie schon im Vorjahr assistierte Flurin Dennis beim Erfassen der Zugvögel. Da der Regen allmählich nachliess, war dies nicht mehr ganz so ein mühseliges Unterfangen wie noch im Morgengrauen. Neben lokalen Raritäten wie Wanderfalke, Heidelerche und Mittelmeermöwe konnten auch immer wieder kleinere und grössere Trupps von Buchfinken und Staren beobachtet werden. 

Nach der Mittagspause ging es nicht lange, bis die Arbeiten wieder unterbrochen werden mussten, denn Dennis konnte akustisch einen möglichen Spornpieper feststellen! Sekunden später kam der Anruf von Simon, der etwa 100 Meter weiter vorne mit den anderen am Rechen war: "Habt ihr den grossen tschilpenden Pieper auch gesehen, der eben mit einem Wiesenpieper Richtung Süden geflogen ist?!" Wir liessen alles stehen und liegen und begannen mit der Suche nach dieser sibirischen Pieperart. Leider konnten wir ihn trotz ca. einstündiger Suche nicht mehr finden und der Vogel blieb unbestätigt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hatte er sich ins hohe Gras zurückgezogen. So gingen wir zurück ins Naturschutzgebiet bzw. zum Stand und widmeten uns wieder der harten Arbeit ;-) 

Bis 15 Uhr konnten wir zwei verspätete Wespenbussarde, zwei Silberreiher und mehrere Hohltauben ausmachen. Bald darauf addierten Flurin und Dennis die Zahlen und meldeten das Gesamttotal dem SVS. Insgesamt konnten wir 2'113 Vögel in 56 verschiedenen Arten beobachten. Häufigste Art war der Star mit 1'225 Ind., gefolgt vom Buchfink mit 182 Ind. (letztes Jahr 2'602 Ind.!) und von der Ringeltaube mit 105 Ind. Resultate von anderen Zählposten in der Schweiz findet ihr hier.

Wir freuen uns schon auf die Neuauflage im kommenden Jahr!

Bericht: Dennis Riederer.

Sonntag, 18. September 2016

Limikolenfestival am Obersee

Trotz Regens fanden sich vierzehn Natrixler für die Limikolenexkursion am Zürichsee am HB ein. Mit der S-Bahn fuhren wir nach Rapperswil, wo sich seit zwei Wochen zwei zutrauliche Steinwälzer unter die Passanten mischen. Leider waren sie zu diesem Zeitpunkt nirgends anzutreffen. Beim Absuchen des Zürichsees konnte Dennis immerhin eine junge Zwergmöwe ausmachen, die ihre Dreiecksflügelzeichnung allen Teilnehmern schön präsentierte. Ihre typische Flugweise konnten wir gut studieren.
Weiter ging es nach Jona-Stampf, wo wir uns auf die Suche nach Limikolen machten. Da am Vortag unter anderem Kiebitzregenpfeifer, Knutt und ein Bienenfresser gesichtet worden waren, waren die Erwartungen hoch. Auf dem Weg am Fluss entlang sahen wir  am Fluss bereits einige Arten wie Flussuferläufer, Gartengrasmücke oder eine Gebirgsstelze, die wir auf kurze Distanz beim Verzehr eines grossen Insekts bestaunten. 

Hamm!

Als die Meldung kam, dass eine Raubseeschwalbe an der Mündung raste, erhöhten wir unser Tempo, um diese imposante und seltene Seeschwalbe noch zu Gesicht bekommen. Im Gebiet angekommen sahen wir leider nur noch einen Ruderer, der viel zu nahe am Delta vorbeipassierte und so Möwen und vermutlich auch die Raubseeschwalbe aufscheuchte... Immerhin die Limikolen waren uns geblieben: Neben Alpenstrandläufern waren auch Zwergstrandläufer, Sandregenpfeifer und eine überfliegende Bekassine anwesend:

Ein hübscher, diesjähriger Alpenstrandläufer.

Hält mal wieder inne: ein Sandregenpfeifer.

Einige Alpenstrandläufer und der junge Sandregenpfeifer liessen sich mit etwas Geduld auf wenige Zentimeter beobachten und konnten von allen genaustens studiert und fotografiert werden:

Natrixler auf der Lauer und ein von ihnen
wenig beeindruckter Alpenstrandläufer.

Nach zwei Stunden besuchten wir unser letztes Ziel an diesem Tag, das Kaltbrunner Ried bei Uznach. Dort teilten wir uns in zwei Gruppen auf, die den kleinen sowie den grossen Turm besuchten. Auf dem kleinen Turm gelangen leider keine speziellen Beobachtungen. Auch auf dem grossen Turm war die Lage übersichtlich. Ein Alpenstrandläufer, ein Seidenreiher sowie Silber- und Graureiher waren auf der kleinen Wasserfläche anzutreffen. Plötzlich huschte ein schön ausgefärbtes Blaukehlchen aus dem Schilf und liess sich ausgiebig beobachten:

Heimlich, aber für uns nicht heimlich genug:
ein sich unbemerkt wähnendes Blaukehlchen.

Auch die Gruppe vom kleinen Turm gesellte sich auf den grossen Turm. Rohrammern, Schwarzkehlchen und Braunkehlchen waren die letzten Hingucker. Als wir auf dem Rückweg noch eine Pause bei der Hütte einlegten, fingen wir noch je ein Schiefkopfschreckenmännchen und -weibchen. So konnten wir gut die farblichen Unterschiede dieser grossen Heuschrecke anschauen. 

Ruspolia nitidula.

Zufrieden traten wir unsere Rückreise nach Zürich an. Wann es uns wohl das nächste Mal an den Obersee verschlagen wird?

Bericht und Fotos: Samuel Betschart.