Sonntag, 2. März 2014

Exkursion nach Rapperswil und Generalversammlung


Die alljährliche Generalversammlung wurde dieses Jahr speziell mit einer kleinen Exkursion nach Rapperswil, einem ornithologisch ausgezeichnetem Gebiet am Zürcher Obersee, kombiniert. Dort gab es in den Tagen zuvor immer wieder spannende Arten wie beispielsweise Mantelmöwe und Trauerente zu sehen. Aber nicht nur wegen dieser Raritäten lohnt sich eine Exkursion nach Rapperswil. Auch die ganzjährig anwesenden Eiderenten, spannende Grossmöwen und immer mögliche Entdeckungen laden zu einem Besuch des Seedamms ein. Nach intensivem Birding stand die offizielle GV auf dem Programm, welche dieses Jahr in der warmen Orni-WG von Dominic und Jonas abgehalten wurde.

Gut gelaunt kamen rekordverdächtig viele Teilnehmer pünktlich um 10:00 Uhr in Rapperswil an und marschierten geradewegs Richtung Hafen, wo in den Vortagen oftmals nicht nur häufige Mittelmeer-, sondern auch rare Steppen- und Silbermöwen beobachtet werden konnten.

Die erste Besonderheit im Rapperswiler Hafen: eine junge Silbermöwe.
Dort angekommen kamen wir voll auf unsere Kosten: Zwei Steppenmöwen weilten im Hafengelände und konnten eingehend studiert werden. Nicht nur ein dreijähriges, in Polen beringtes Individuum zog faszinierte Blicke auf sich, sondern auch ein fast ausgewachsenes Exemplar im vierten Winter:

Eine vom zwei Steppenmöwen im Hafen - abseits des Bodensees noch immer ein eher seltener Anblick!
Nach kurzer Repetition zur Bestimmung des Alters der beiden Tiere ging's in Richtung Schloss, von wo aus man sich dank der erhöhten Position einen perfekten Überblick über das ganze umliegende Gebiet verschaffen kann. Auf dem Weg dorthin entdeckte Eric die weibchenfarbige Trauerente, welche zwischen der Insel Ufenau und dem Seedamm intensiv nach Nahrung tauchte. Trauerenten überwintern alljährlich in der Schweiz, doch immer in geringen Zahlen. Als auch der Letzte die quirlige Meeresente gesehen hatte, beschränkten wir uns auf die Suche nach fünf Bergenten, die sich laut Meldungen in den Vortagen in der Bucht tummeln sollten.

Wo wohl die Bergenten stecken?
Foto: Jonas Landolt.


Trotz intensiver Suche gelang uns keine aussergewöhnliche Beobachtung, denn auch die am Vortag gesichtete Schwarzkopfmöwe liess sich nicht blicken. Sodann vernahmen wir Rufe eines Kernbeissers und einiger Dohlen, welche sich im Schlossareal ihr Brutrevier streitig machten. Trotz wolkenverhangenem Himmel blieben wir vom Regen verschont und konnten die Suche getrost in Richtung Seedamm fortsetzen. Plötzlich machten wir einen Schwarm von circa 120 Kiebitzen anhand ihrer breiten Handflügeln hoch über uns aus. Sie flogen rasch „überhin“ (Patricks Lieblingswort) Richtung Osten, ohne ihre unverkennbaren, melodischen Rufe von sich zu geben. Nach vielen „wow, krass!"-Rufen zogen wir auf dem Holzsteg weiter bis zur Kiesinsel in der Hoffnung, dort auf die überwinternde Mantelmöwe zu stossen. Und prompt erblickten wir die grösste Möwe der Schweiz neben der berühmt berüchtigten Geiermöwe – eine vorjährige Steppenmöwe mit einer extremen Schnabelverformung, welche einem Geier stark ähnelt. Des Weiteren bestand unsere Ausbeute aus einem Paar Spiessenten, einem Silberreiher, einem männlichen Mittelsäger, 13 Eiderenten und gleich vielen überfliegenden Grossen Brachvögeln, in der Insider-Natrixsprache „GBs“ genannt. Am Ende des Stegs angelangt begrüsste uns ein „gschpässiger“ Ostschweizer Vogel lauthals und verkündete, es seien einige Goldregenpfeifer im Nuolener Ried gesichtet worden. Diese Neuigkeit nährte unsere Hoffnungen, doch noch eine Rarität selbst zu entdecken (wir sind alle natürlich immer aufs Verlängern der doch so ausschlaggebenden Self-found-Liste bedacht ;-)), und ermunterte uns, einen riesigen, im Frauenwinkel rastenden Trupp Kiebitze genau zu durchkämmen. Erstaunlicherweise klickte es exakt 242-mal aus Dennis' Richtung. Solch enorme Ansammlungen von Kiebitzen kommen im Binnenland ausschliesslich zu den Zugzeiten vor und stellen eine Besonderheit dar. Leider nützte aber auch akribisches Absuchen mit vereinten Kräften nichts und der aufkommende Hunger musste mit Lunch an einer Wärme spendenden Feuerstelle gestillt werden. Nun, Erics Nerven wurden wegen eines strangen Passanten-Aufhalters aufs Gröbste strapaziert und mussten durch frühzeitiges Aufbrechen vor dem Zerreissen gerettet werden.

Weibliche Überzahl am Bahnhof Pfäffikon. Foto: Jonas Landolt.
Im Zug erklang dann der Bienenfresserruf mit dem Update, es seien mindestens 120 Goldregenpfeifer im Raum Obersee umhergezogen. Etwas frustriert zogen wir uns darauf in die warme Orni-WG zurück. Dort eingetreten erfüllte der Duft leckerer Selina-Muffins die Wohnung. Wir bedanken uns ganz herzlich für ihr kulinarisches Engagement! 

Im Anschluss an den Überblick über das letzte Vereinsjahr und die Finanzen wurde der neue Vorstand gewählt. Neu als ExkursionsleiterIn integriert sind Selina sowie Merlin, den wir bedauerlicherweise nur über Skype zu Gesicht bekamen. Anschliessend wurde der ausgezeichnete, ehemalige Natrix-Präsident, David Marques, aus dem Vorstand offiziell verabschiedet. Darauf präsentierten einige Mitglieder ihre zehn spannendsten, besten und interessantesten Fotos aus dem Jahr 2013. Für den Abschluss hatte Jonas, der passionierte Flügelpräparator der Jugendgruppe, ein Flügelquiz mit vielen Arten wie Bergfink, Kuckuck, Waldschnepfe und Crex crex für uns vorbereitet.

Nach diesem abwechslungs- und lehrreichen, aber auch anstrengenden Tag mussten wir schon wieder den Rückmarsch antreten, um rechtzeitig am HB zu erscheinen.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Meo Sauter.

Sonntag, 19. Januar 2014

Möwenbestimmung - die Praxis! Oder: Exkursion an den Bodensee

Stolze 23 Teilnehmer standen auf der Teilnehmerliste, womit wohl sogar der langjährige Rekord der Unterseeexkursion vom Dezember 2002 gebrochen werden konnte. Ein Grossteil der Gruppe war zudem eine  Woche vorher am Theorienachmittag zur Grossmöwenbestimmung in der Orni-WG von Jonas und Dominic. Ideale Voraussetzungen und höchste Zeit, die gewonnenen Erkenntnisse im Feld anzuwenden. Die Zugfahrt von Zürich nach Staad gestaltete sich allerdings etwas schwierig... Einige wagemutige Personen suchten sich die Geleise als Aufenthaltsort aus und so waren wir ziemlich überrascht ob der Zugdurchsage: „Wegen Personen auf den Geleisen verzögert sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit“. Glücklicherweise setzte sich der Zug nach einer Viertelstunde wieder in Bewegung und schon bald war der Endbahnhof des Intercitys, St. Gallen, erreicht. Als Folge der neuen S-Bahn St. Gallen mit verdichtetem Fahrplan stand auch gleich eine Thurbo-Zugkomposition bereit und wir erreichten Staad mit einer Viertelstunde Verspätung. Die Fraktionen aus Sargans und Gais waren bereits vorher pünktlich eingetrudelt und hatten deshalb etwas Vorsprung auf der Suche nach befiederten Seltenheiten. Nach Auspacken der Feldstecher und Fernrohre war dann aber die gesamte Gruppe start- respektive beobachtungsklar. Auf der Steininsel tummelten sich drei Steppenmöwen, eine adulte Heringsmöwe und 16 Singschwäne, die sich gut beobachten liessen. Allerdings stahl kurz darauf ein Wanderfalke allen anderen Arten die Show. Über Wasser lieferte er sich einen rund zehn Minuten andauernden Kampf mit einer Lachmöwe. Nachdem Worte wie „wow“, „krass“ oder „arme Lachmöwe“ aus unsern Mündern entwichen waren, ging der Wanderfalke als Sieger vom Feld (respektive See) und kam in den Genuss eines hart erarbeiteten Sonntagsbratens. Nach dieser blutigen, aber doch genialen Beobachtung ging es zurück zum Bahnhof, um weiter nach Rorschach zu reisen. Dort kamen vor allem die Möwenliebhaber auf ihre Kosten. Neun Steppenmöwen, zwölf Silbermöwen und eine Heringsmöwen liessen sich in verschiedenen Alterskleidern auf kurze Distanz beim Hafen begutachten. Mehrere Vögel waren beringt, so zum Beispiel eine achtjährige Silbermöwe aus Murmansk (Russland) und eine dreijährige Sturmmöwe aus Polen.

Diese Möwe hat eine lange Reise hinter sich - sie wurde vor acht Jahren in Russland beringt! Foto: Meo Sauter.



Wer zwischenzeitlich etwas Ablenkung von der komplexen Möwenbestimmung brauchte, war mit den zahmen Strassentauben gut bedient ;-)
Foto: Meo Sauter.




Nachher bestiegen wir einmal mehr den Zug, um an die Seetaucherstrecke zu fahren. Dort erhofften wir uns, oh Wunder, Seetaucher ;-). Mindestens zwei Eistaucher wurden die Tage zuvor beobachtet. Dort angekommen konnten wir als erstes die relativ zahlreichen Rothals- und Prachttaucher entdecken. Etwas später präsentierte sich dank Meos geübtem Blick auch der Eistaucher auf ziemlich kurze Distanz. Wir staunten nicht schlecht, als plötzlich ein Car mit mehr als fünfzig weiteren Vogelbeobachtern herangefahren kam. So bekamen wir ungeplant Gesellschaft von den Basler Absolventinnen und Absolventen des Feldornithologenkurses. Als vor lauter Ornithologen die Vögel nicht mehr gesehen werden konnten, zogen wir uns zurück, um nach einem vogel- und erlebnisreichen Beobachtungstag erschöpft die Heimreise anzutreten.

Intergeneratives Beobachten. Gemeinsam sieht man mehr - oder eben auch nicht ;-). 
Foto: Meo Sauter.

Gruppenbild mit der neuen Natrixflagge. 
Foto: Nikolai Orgland.

Bericht: Merlin Hochreutener.

Samstag, 11. Januar 2014

Möwenbestimmung - die Theorie!

38 Ohren lauschten an diesem Nachmittag gespannt den Ausführungen von Jonas: Zuallererst ging es um den Mauserzyklus der häufigsten Möwenarten, dann um die Altersbestimmung und zuletzt auch um die Artbestimmung - eine knifflige Sache also!
Aber der Reihe nach. Da die (Gross-)Möwenbestimmung eine der grössten Herausforderungen in der Vogelbestimmung darstellt, haben wir den ersten Bestimmungstheorienachmittag in der jüngeren Natrixgeschichte dieser Artengruppe gewidmet. Das komplexe Thema hat glücklicherweise niemanden abgeschreckt - ganze 19 Natrixler fanden sich bei Jonas und Dominic in der WG ein. Nach dem obligaten Gruppenfoto (erstmals mit neuer Natrixfahne!) konnte es losgehen.

Roter Teppich für die neuen Fahnen.
Foto: Céline
Dillmann.
Hochkonzentriert folgten nun alle Jonas' Vortrag. Mauserzustand, Altersbestimmung, Artbestimmung und ein kleines Möwenquiz, in dem alle das Gelernte anwenden konnten, bildeten die Etappen des Vortrags. In Kombination mit feinem Sirup, leckeren Minimuffins (danke Selina!) und trockenen Dennerguetsli entstand ein gemütlicher Bestimmungsnachmittag.

Konzentration beim Quiz.
Foto: Jonas Landolt.



Mit vier verschiedenen Winterkleidern (wer hat schon 4 Winterjacken?!) und hoher Variation brauchts echte Experten in der Möwenbestimmung. An diesem Samstag kamen mindestens 10 dazu, Gratulation!

Möwenbestimmung zieht offenbar mehr Natrixler an als unsere GV...
Foto: Jonas Landolt.

Bericht: Dominic Martin.

Samstag, 14. Dezember 2013

Exkursion an den Bodensee

Die letzte Exkursion des Jahrs 2013 führte uns an den Bodensee, wo während den Vortagen jeweils Ohrentaucher, Eistaucher oder Eisente beobachtet werden konnten. Und wer weiss, vielleicht würde dieses Wochenende ja noch eine Eismöwe oder eine andere Mega-Art hinzukommen…

Um die Zeit der einstündigen Intercity-Fahrt nach Romanshorn auszunutzen, führte uns Jonas in die knifflige Bestimmung von Mittelmeer-, Steppen- und Silbermöwe ein. Die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse versuchten wir dann gleich praktisch im Feld anzuwenden. Endlich in Romanshorn angekommen stiess dann auch noch die Gaiser-Fraktion mit Jakob, Kasimir, David und Merlin dazu. Wir begannen sogleich mit dem Beobachten. Der sonst immer so fromme, nicht von der Kirche weichende Wanderfalke sass heute leider nicht auf dem Kirchturm. Als Entschädigung dafür erhaschten wir die Rückansicht eines fliegenden Eisvogels, ehe er auch schon wieder das Weite suchte, ganz nach dem Motto: „Auch ein (blauer) Rücken kann entzücken...“ Beim Osthafen stand das Absuchen von mehr als 1‘000 Enten an. Wir taten es mit Erfolg und fanden zwischen Blässhühner, Reiher-, Tafel-, Schnatter- und Stockenten ein balzendes Mittelsägerpaar sowie ein mauserndes immatures Bergentenmännchen. Weiter draussen auf dem See tauchten Schwarzhalstaucher mit Haubentauchern um die Wette. Wer Wasseramsel, Zaunkönig und Rotkehlchen auf den Steinen und Büschen am Ufer beobachten wollte, benötigte etwas Geduld, da die Singvögel in ständiger Bewegung waren. Beim Yachthafen liessen sich einige weit entfernte Prachttaucher und die ersten Steppenmöwen beobachten. Aber wo blieb der Ohrentaucher? Unter den vielen Schwarzhalstauchern war er nicht auszumachen, bis ihn Szymon plötzlich unweit des Ufers entdeckte. Dort tauchte er nach Nahrung und zog alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der prächtige Ohrentaucher.
Mit einer super Ohrentaucherbeobachtung im Gepäck begaben wir uns wieder zum Bahnhof, um mit dem Zug nach Arbon zu fahren. Die Zugfahrt war für alle hochwillkommen, konnte man doch in der Wärme seine Finger und Zehenspitzen wieder auftauen... In der Steinacher Bucht angekommen begrüssten uns als erstes eine adulte Silbermöwe, Steppenmöwen und Mittelmeermöwen. Unter den vielen Enten konnten wir ein Bergententrio sowie ein Löffelentenquartett ausfindig machen. Etwas weiter in Richtung Seemoosriet auf einem Rasen grasten nicht etwa Kühe, sondern 43 Pfeifenten. Bei der Steinachmündung stocherte ein Dutzend Bekassinen im Schlamm nach Nahrung und zwei Rostgänse waren ebenda. Ansonsten konnten wir keine neuen Arten der Tagesliste hinzufügen.

Typische Natrix-Gespräche in Arbon ;-).
Als sich der Nachmittag allmählich zu Ende neigte, ging es zum Bahnhof zurück, von wo aus wir zurück nach Zürich fuhren. Zu Ende ging ein kalter, energiefressender Tag mit vielen tollen und aussergewöhnlichen Beobachtungen.

Alle waren mit der Ausbeute sichtlich zufrieden.

Bericht und Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Wasservögel auf der Werdinsel - kantonale Exkursion des Zürcher Vogelschutzes unter der Regie der Natrix

Alljährlich führen Sektionen des ZVS/Birdlife Zürich (Zürcher Vogelschutz) für die Bevölkerung im Kanton öffentliche Exkursionen durch, auf denen Wissen über die Natur vermittelt und Beobachtungen der heimischen Flora und Fauna ermöglicht werden sollen. Die letzte Exkursion des Jahres zum Thema Wasservögel durften die Leiter der Jugendgruppe Natrix auf der Werdinsel in der Limmat organisieren. 

Nach den Vorbereitungen (Tisch holen und aufstellen, Bereitstellen von Getränken & Verpflegung für das gesellige Beisammensein nach der Exkursion, Koordination der Leiter und Hilfsleiter, etc. PP) ging es um 13 Uhr los. Jonas, der im Hintergrund für die Planung zuständig war und dem heutigen Anlass in Form von Begrüssung und Verabschiedung einen Rahmen gab, hiess die etwas mehr als 30 Teilnehmer - ein etwa durchschnittliches Besucheraufkommen - herzlich willkommen und informierte die Anwesenden über den Ablauf der Exkursion. Diese war in Form von Posten modular aufgebaut, wobei die Teilnehmer an jedem Posten über einen anderen Aspekt aus dem Leben unserer befiederten Wintergäste etwas erfahren sollten. Damit auf der teils etwas unübersichtlichen Werdinsel zwischen den Posten niemand verloren ging und der zeitliche Ablauf eingehalten wurde, wurden die Teilnehmer auf fünf Hilfleiterteams verteilt. Diese bestanden aus unseren Mitgliedern Andrea, Benjamin, Gian-Luis, Merlin, Nicolas, Noah, Selina I (die Jüngere - Besuch bekamen wir zudem von Selina II, der (ein klein wenig) Älteren ;-)) und Sontje, die die Teilnehmer im Viertelstundentakt von einem Posten zum anderen begleiten sollten.

Jonas stellt die Beteiligten vor und gibt Infos zum Ablauf der Exkursion.
Wer am Wehr startete, bekam die Gelegenheit, die häufigsten Wintergäste an der Limmat auf meist kurze Distanz kennenzulernen. Jakob zeigte den interessierten Teilnehmern die in Erwartung von Weissbrot hündisch emporblickenden Reiher- und Tafelenten, die laut schreienden Lachmöwen und den schwarzen Kormoran. Mit etwas Glück gelangen zudem Beobachtungen von Teichhühnern und Zwergtauchern. Dass das Beobachten von Vögeln Freude macht, beweist dieses Bild:

Jakob mit sichtlich begeisterten Teilnehmern am Wehr.
Weiter ging es auf der eigentlichen Insel am Posten von Dominic, der spannende Fakten der Anpassung von Wasservögeln an ihren aquatischen Lebensraum nicht nur in trockener Theorieform, sondern zum Anfassen und Anfühlen vermittelte:

Dank einer Fettschicht perlt das Wasser ab - bei Wasservögeln, aber auch Kindern mit Vaseline auf den Händen.
Die Teilnehmer erfuhren u.a., weshalb Vögeln die Füsse nie abfrieren und warum das Gefieder (fast) aller Wasservogelarten nie richtig nass wird.

Am dritten Posten bei Eric gab es verschiedene Körperteile von Wasservögeln zu bestaunen. Während der Kopf einer Schwimmente noch einigermassen hübsch anzusehen war, musste der Muskelmagen einer Tauchente doch eher unter "eklige Kuriosa" laufen:

Der Muskelmagen einer Tauchente.
Den Nutzen dieses Organs verstanden die Teilnehmer spätestens, als sie die harte Nahrung der Tauchenten zu sehen bekamen: Die kleinen Wandermuscheln werden nach der "Ernte" von den Enten nicht etwa geknackt, sondern mitsamt der Schale verschluckt. Der Magen hat bei so harter Nahrung folglich einiges zu leisten, damit der Vogel an das proteinreiche Muschelfleisch gelangen kann.

Weiter ging es bei Dennis, der über die Herkunft unserer Wintergäste referierte und dabei mit der Vogelberingung auch auf eine wichtige Methode in der Erforschung des Vogelzuges zu sprechen kam. Dank Ringfunden wissen wir nämlich ziemlich genau, woher unsere Wintergäste kommen (v.a. Nord- und Osteuropa und Russland). Wird ein Vogel innert kurzer Zeit zweimal abgelesen, erfahren wir zudem, mit welch hohen Geschwindigkeit diese Vögel mitunter unterwegs sind. Leider steht bei solchen Ablesungen oft nur hinter der ersten Ablesung ein Ornithologe, hinter der zweiten oft ein Jäger... Weiter gab es Wissenswertes über die Zunahme der überwinternden Wasservögel in der Schweiz seit den 1970er-Jahren zu hören, die im direkten Zusammenhang mit der Einschleppung der Wandermuschel aus Osteuropa steht.

Am letzten und fünften Posten bei Patrick ging es um die Veränderungen in der Nahrungskette um und an der Limmat im Laufe der letzten 150 Jahre. Um dieses theoretische Thema etwas zugänglicher zu machen, erhielten die Teilnehmer je ein Kärtchen, das ihnen eine Art der Nahrungskette in diesem Lebensraum zuwies. Einige durften Vögel wie Graureiher, Kormoran, Reiherente oder Kolbenente sein, andere mussten sich mit der Existenz als Fischart, Wühlmaus oder Regenwurm begnügen. Zuerst galt es, den Wasservögeln mit Schnüren die richtige Nahrung zuzuweisen. Wer frisst Armleuchteralgen, wer Weissfisch? So entstand schnell ein kompliziertes Nahrungsnetz:

Schon mit wenigen Arten ergibt sich ein komplexes Nahrungsnetz, das
durch menschliche Eingriffe in den Lebensraum zerstört werden kann.
Danach wurden verschiedene Szenarien durchgespielt, die allesamt durch Menschenhand verursachte Veränderungen darstellten. Welche Arten verschwinden aus dem Nahrungsnetz, wenn die Limmat begradigt wird? Welche Arten verlassen die Limmat, wenn die Nahrungsquelle ausstirbt? Welchen Einfluss hat die Wasserqualität auf das Nahrungsangebot der Kolbenente? Mit solchen und ähnlichen Fragen konnten die Teilnehmer das an den anderen Posten vermittelte Wissen festigen und ein Verständnis für die Ursachen von Zu- und Abnahmen im Bestand unserer Wintergäste gewinnen.

Nach mehr als eineinhalb Stunden hatten alle Gruppen jeden Posten besucht und konnten an diesem sonnigen, aber eiskalten Adventssonntag nun etwas Wärmendes und Stärkendes gut vertragen. Zurück am Startpunkt schenkten die Leiter Punsch und Tee aus, die wie die von Selina II gebackenen Guetzli auf viel Anklang stiessen.
 
Beim Teetrinken und Guetzliessen gab es auch Flügel zu bestaunen.
Die Exkursion fand mit den Dankesworten von Matthias Griesser und den Abschiedsworten von Jonas nach 15 Uhr ihren Abschluss. Uns Leitern hat diese etwas ungewohnte Art der Exkursionsleitung Spass gemacht und wir hoffen, dass die Teilnehmer einiges von diesem Sonntagnachmittag haben mitnehmen können. Unseren Hilfsleitern Andrea, Benjamin, Gian-Luis, Merlin, Nicolas, Noah, Selina I und Sontje danken wir für ihren Einsatz, der einen reibungslosen Ablauf der Exkursion möglich gemacht hat.

Bericht: Patrick Mächler
Fotos: Matthias Griesser (Regionalkommission ZVS).

Sonntag, 10. November 2013

Dritter und letzter Arbeitseinsatz des Jahres auf den Hegmatten

Nachdem wir am Arbeitseinsatz im Juni die Goldruten gezupft und im November das Mähgut zusammengetragen hatten, machte sich an diesem Sonntag eine mittelgrosse Gruppe Natrixler bestehend aus Andrea, Dennis, Eric, Eva, Noah, Patrick, Selina sowie den "schnuppernden" Schwestern Katla und Noah und ihrem Vater Peter auf zum dritten Streich auf den Hegmatten. Dieses Mal standen die Sträucher und die kleinen Bäume im Fokus, die wir zurückschneiden mussten. Wie jedes Mal in diesem Jahr zeigte sich das Wetter nicht von seiner guten Seite, denn es regnete und stürmte wie wild, was uns die Arbeit nicht gerade erleichterte. Glücklicherweise hatten wir im Vorjahr gut gearbeitet, so dass es heuer nicht mehr so viel zu tun gab.

Eva, Patrick und Noah (m.) waren damit beschäftigt, dem Zaun und der oberen Gebietsgrenze entlang die jungen Sträucher auszuzupfen. Die übrigen Teilnehmer nahmen sich in zwei Gruppen je einer Weide an, die auf Stock gesetzt wurden, damit sich die Bekassinen, die hier überwintern, weiterhin an den Ufern der Teiche sonnen können.
Dennis kämpfte sich durch die grossen, durcheinander gewachsenen Rosen, die er auslichtete und die so länger bestehen bleiben.

Nachdem eine Gruppe mit einer Weide fertig geworden war und Dennis eine sehr dicke Traubenkirsche mit einer Handsäge durchgesägt hatte (uns stand dieses Jahr leider keine Motorsäge zur Verfügung), traf Familie Hochuli samt Jakob mit heissem Punsch, Semmeli und Schokolade ein. Natrix-Leiter Jakob hatte im Sommer für seine Maturarbeit die Libellen- und Heuschreckenarten des Gebietes kartiert und konnte heute seiner Familie zeigen, wo er seine Daten erhoben hatte. Um die wärmenden und nährenden Mitbringsel waren wir mit unseren klammen Händen sehr froh und so richten wir an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Familie Hochuli für die Bewirtung in der Kälte! 

Nach dieser Zwischenverpflegung absolvierten wir noch den Schlussspurt und legten die abgesägten Äste auf einen Haufen. Solche Asthaufen haben sich dieses Jahr übrigens für verschiedene Durchzügler wie Dorngrasmücke, Trauerschnäpper und Neuntöter super bewährt.

Wegen des unwirtlichen Wetters und da die Arbeit schnell erledigt war, beschlossen wir uns nach zweieinhalb Stunden Einsatz wieder auf den Weg Richtung Bahnhof Oberwinterthur zu machen. Ornithologisch war es nicht so ergiebig, wir konnten lediglich einen Sperber und ein paar wenige Wiesenpieper feststellen. Bei Regen und hohen Windgeschwindigkeiten war leider nicht an ein Gruppenfoto zu denken, so dass dieser Eintrag unbebildert enden muss.

Für das kommende Jahr wünschen wir uns angenehmeres Arbeitswetter und freuen uns auf die nächsten Einsätze!

Bericht: Dennis Riederer.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Vogelzug auf dem Albispass

Den Vogelzug live zu erleben ist immer ein faszinierendes Erlebnis und genau das war das Ziel dieser Exkursion auf den Albispass. Der Albispass ist eine Senke in der Albiskette und einer der besten Punkte im Raum Zürich, um Zugvögel zu beobachten. Mit entsprechend hohen Erwartungen stiegen wir auf der Passhöhe aus dem Postauto. Kaum ausgestiegen konnten wir auch schon die erste ziehende Art - einen Schwarm Buchfinken - beobachten. Es sollten nicht die letzten sein, wie sich bald herausstellte. Am Beobachtungspunkt angekommen warteten bereits David, Dennis und Christian auf uns. Sie waren eine Stunde früher angereist und berichteten von durchziehenden Seetauchern (!), von denen einer sicher als Prachttaucher angesprochen werden konnte. Ausserdem hatte David einen durchziehenden Rotkehlpieper gehört.
Schleunigst packten wir - sofern nicht schon im Postauto geschehen - die Feldstecher aus und stellten die Fernrohre auf. Laufend zogen Vögel durch, so dass wir kaum nachkamen mit dem Bestimmen. Da die Bestimmung von durchziehenden Vögeln nicht ganz einfach ist, nahmen wir uns zuerst die häufigen Arten vor und schon bald konnten alle die durchziehenden Stare anhand ihrer typischen Flugweise bestimmen. Die Drosseln zu unterscheiden war etwas schwieriger. Anhand des präparierten Singdrosselflügels konnten wir uns aber schnell merken, dass zur Unterscheidung von Sing- und Misteldrossel die Unterflügelzeichnung entscheidend ist: Erstere weist orange Unterflügel auf, letztere weisse. Noch schwieriger ist die Unterscheidung von Wiesen- und Bergpiepern. Da sie optisch im Flug kaum zu unterscheiden sind, ist der Ruf das entscheidende Kriterium.

Was da wohl gerade durchflog?

Unsere hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Das Highlight war für viele sicherlich der durchziehende Merlin, auch wenn die Beobachtung ziemlich kurz war. Aber auch andere nicht alltägliche Arten konnten wir ausmachen: ziehende Graugänse, eine ziehende Mittelmeermöwe, ziehende Heidelerchen und Hohltauben in den Ringeltaubenschwärmen. Von typischen Flugweisen über Erkennungsmerkmale im Flug zu Flugrufen, es gab für alle etwas zum Lernen und es kam eine stattliche Artenliste zusammen. Insgesamt konnten wir an diesem Morgen 5500 Ind. aus 54 Arten beobachten, wobei die lokalen Vögel miteinbezogen sind. Die häufigste Art war der Star mit knapp 2'000 Individuen, gefolgt vom Buchfink mit ca. 1300 Ind. Alle weiteren Beobachtungen sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen. Vielen Dank an Dennis für’s Erfassen.

Vogelarten
Anzahl
Vogelart
Anzahl
Graugans
2
Misteldrossel
36
Prachttaucher
1
Zilpzalp
3
Kormoran
86
Wintergoldhähnchen
1
Rotmilan
2
Sommergoldhähnchen
3
Sperber
7
Schwanzmeise
4
Mäusebussard
4
Sumpfmeise
4
Turmfalke
1
Haubenmeise
1
Merlin
1
Tannenmeise
10
Lachmöwe
23
Blaumeise
10
Mittelmeermöwe
1
Kohlmeise
10
Strassentaube
3
Kleiber
1
Hohltaube
10
Eichelhäher
2
Ringeltaube
876
Elster
5
Heidelerche
20
Rabenkrähe
10
Feldlerche
284
Kolkrabe
5
Wiesenpieper
33
Star
1962
Bergpieper
35
Buchfink
1300
Rotkehlpieper
1
Bergfink
72
Bergstelze
2
Girlitz
11
Bachstelze
144
Grünfink
6
Zaunkönig
1
Distelfink (Stieglitz)
31
Heckenbraunelle
4
Erlenzeisig
254
Rotkehlchen
1
Hänfling (Bluthänfling)
61
Hausrotschwanz
1
Fichtenkreuzschnabel
40
Amsel
10
Kernbeisser
96
Wacholderdrossel
3
Rohrammer
1
Singdrossel
7
unbest. Seetaucher
4
Rotdrossel
3



Bericht und Foto: Jonas Landolt.