Sonntag, 22. März 2015

Generalversammlung

Auch wenn Generalversammlung grundsätzlich nicht sehr spannend klingt, waren 14 motivierte Natrixler und Natrixlerinnen am Treffpunk anzutreffen. Nein, keine langweilige PowerPoint-Textwüsten sollten uns erwarten, sondern eine spannende und kurzweilige GV mit einer anschliessenden Exkursion an den Katzensee, wo in den Vortagen immer mehrere „tanzende“ Rohrdommeln beobachtet werden konnten. Traditionell ging Jonas auf das vergangene sehr erfolgreiche Natrixjahr ein. Nachfolgend einige Highlights:
  • Seggenrohrsänger und Seeregenpfeifer im Fanel
  • zahlreiche Spechte auf der Bioakustikexkursion in Frauenfeld
  • Karmingimpel und Bergvögel im Urserental
  • Erfrischendes Bad im Neuenburgersee während des SVS-Sommerlagers
  • Erfolgreiche Verteidigung des Jugendsiegertitels beim Birdrace
  • Zahlreiche Zugvögel beim Zugvogelweekend auf dem Gurnigel
  • Allerlei Weihnachtsgebäck beim Chlaushöck
  • … und zahlreiche weitere tolle Exkursionen
Danach konnte mit Dominic ein Blick in die Bilanz geworfen werden. Im vergangenen „Geschäftsjahr“ wurde ein Gewinn von knapp 1‘500 Franken erzielt. Aufgrund von Weiterbildungskosten des Leiterteams (ein Erste-Hilfe-Kurs wurde besucht) und zahlreichen Aufwertungsmassnahmen in unserem Naturschutzgebiet, den Hegmatten, wird im Jahr 2015 ein Verlust von 250 Franken budgetiert.

Patrick Mächler ist schon seit über einem Jahrzehnt aktiv bei der Jugendgruppe Natrix. Zuerst als motivierter Exkursionsteilnehmer, danach als langjähriger und erfahrener Leiter. Er kündigte auf die Generalversammlung 2015 seinen Rücktritt an. Als Doktorand, Götti und Onkel sowie Leiter der Jugendgruppe Seen in Winterthur hat er diverse zeitaufwendige Projekte. Wir wünschen dir alles Gute auf dem weiteren Weg und hoffen, dich doch noch einige Male als Gast auf Natrix-Exkursionen begrüssen zu dürfen ;-). Auch Selina Wirth wurde verabschiedet. Nach zwei Jahren als Natrix Leiterin möchte sie wieder mehr Zeit für sich selbst und andere Projekte haben.

Nachdem Meo uns anlässlich seines vorläufig letzten Natrixanlasses noch mit einem spannenden Vortrag über ein tschechisches Forschungsprojekt über verschiedene Dialekte im Goldammerngesang beglückte, wurde der Vorstand in traditioneller Manier einstimmig wiedergewählt.

Damit konnte auch das letzte Traktandum abgeschlossen werden und somit stand der Exkursion an den Chatzensee nichts mehr im Wege. Auch wenn dort abgesehen von einigen Rotdrosseln keine speziellere Vögel mehr beobachtet werden konnten – die Rohrdommeln waren leider nicht kooperativ – liess die Abendexkursionen die Natrix Generalversammlung gemütlich ausklingen. Mit Fortschreiten des Nachmittags blieb auch noch Zeit für ein Gruppenfoto.

Ein nicht statisches Gruppenfoto ;-)

Bericht: Merlin Hochreutener
Foto: Gabriel Maurer.

Samstag, 28. Februar 2015

Bei Bartgeier, Schneefink und Alpenbraunelle auf der Gemmi


Nachdem wir im Vorjahr die Bartgeier-Exkursion auf den Gemmipass absagen mussten, schien uns Petrus heuer besser gesinnt: Für das Wallis war bestes Wetter angesagt und wir machten uns guten Mutes früh auf den langen Weg. Die erste Überraschung des Tages bereitete uns ein adulter Bartgeier, den wir bei einer Felswand auf der Fahrt von Leuk nach Leukerbad beobachten konnten! Er kreiste majestätisch über dem Wald und entlockte uns so manchen Schrei der Begeisterung; diese konnten den Buschauffeur (der den Bartgeier wahrscheinlich Tag für Tag auf dieser Strecke sieht) nicht dazu bringen, den Bus anzuhalten. 
Die zweite Überraschung war das Wetter, denn als wir um 11.30 Uhr oben auf dem Pass ankamen, mussten wir feststellen, dass heute trotz guter Prognose nicht die besten Beobachtungsbedingungen herrschten: Es war sehr windig und vor allem hielt sich hier oben im Kessel ein zäher Nebel. Nichtsdestotrotz stiegen wir motiviert den kurzen Weg zum Grat hoch. Nachdem Jonas uns mit den Sicherheitsregeln vertraut gemacht hatte, ging es zu den bereits zahlreich anwesenden Fotografen. Zwischen deren Füssen spazierten seelenruhig die ersten Besonderheiten des Gemmipasses herum: Viele Schneespatzen und einige wenige Alpenbraunellen! Wir konnten es alle kaum fassen, wie zutraulich diese hochalpinen Vögel hier waren – es herrschten ja richtig „helgoländische Verhältnisse“!

Sie liebt die Kamera, und die Kamera liebt sie:
eine fotogene Alpenbraunelle.
Trotz der genialen Beobachtungen mussten wir uns schnell eingestehen, dass mit dem Wind und der fehlenden Sonne die Verhältnisse ziemlich garstig waren. Aus diesem Grund begab sich eine Kindergruppe mit einem Leiter wieder nach unten, um sich mit Fangis, etc. aufzuwärmen. Genau in diesem Moment gelang uns die erste Beobachtung eines Bartgeiers vom Gemmipass aus: Er flog tief über unsere Köpfe über den Grat und verschwand nach kurzer Zeit im Nebel.

Ein gigantisch-majestätischer Anblick:
ein Bartgeier überfliegt den Grat.
Nach einiger Zeit waren auch die Hartgesottenen ziemlich durchgefroren und wir entschieden uns für einen Restaurantbesuch. Nachdem sich die meisten wieder genügend aufgewärmt hatten, nahmen sie wieder Stellung auf dem Grat – und wurden belohnt: Zweimal in kurzer Zeit liess sich ein adulter Bartgeier wunderschön und extrem nah beobachten! Für die kleine Tichu-Gruppe, die noch im Restaurant weilte, kam jede Benachrichtigung dieser genialen Beobachtung zu spät. Dies sollte nämlich die letzte Beobachtung sein, die uns heute glücken sollte.

Natrixler, hart im Nehmen...
... und sehr hart im Nehmen:
Kein Problem, auf Schnee und Eis zu sitzen!
Brrr: Eine Natrix-Leiter im Schnee.
Glücklich, erschöpft und vor allem steifgefroren machten wir uns um 16.30 Uhr auf den langen Rückweg. Es war ein toller Ausflug, die nächste Bartgeierexkursion wird aber hoffentlich bei stahlblauem Himmel stattfinden! :-)

Bericht: Eric Christen.
Fotos: Jonas Landolt. 

Samstag, 24. Januar 2015

Jungorni-Treffen

Zu zehnt machten wir uns früh an diesem Samstagmorgen auf nach Sempach - es fand nämlich bereits das dritte Jungornitreffen der Vogelwarte Sempach statt. Wir hörten einen äusserst spannenden Vortrag von Mike Schaad über die Vogelmauser und konnnten unsere besten Fotos vom vergangenen Jahr zeigen. Danach schlugen alle Herzen etwas höher, als es um das Mystery Bird Quiz ging. Von Federnbestimmen über Rätselbilder bis hin zu einer Kartierungsfrage war alles dabei. Am Schluss gewann mit Dennis sogar ein Natrixler einen Preis.
Nach dem Mittagessen besuchten wir noch den ersten Teil der Mitarbeitertagung und hörten dort viel über das Atlasprojekt der Vogelwarte. Für uns war aber vor allem Merlins Vortrag spannend: Er erzählte ganz professionell über die Erlebnisse der Kartierer in den ersten zwei Saisons - und dies vor über 200 Leuten! Herzliche Gratulation, Merlin! :-)
Danach gings für uns heimwärts und darüber waren wir spätestens überglücklich, als wir das SBA erhielten, dass die Carolinakrickente nach Steinach zurückgekehrt war. So genossen einige von uns am Sonntag den Anblick dieser nordamerikanischen Ausnahmeerscheinung, während andere weniger glückliche Ornithologen dem zweiten Tag der Tagung beiwohnten.

Die versammelten Jungornithologen hören aufmerksam zu -
in der Mitte vorne die Natrixler.
Foto: Vogelwarte Sempach.

Bericht: Eric Christen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Chlaushöck

Gibt es ein besseres Datum als den 6. Dezember für den traditionellen Chlaushöck? "Nein!", lautet die Antwort, und so traf sich die Jugendgruppe Natrix in der gemütlichen Orni-WG von Jonas und Dominic, um gemeinsam das vergangene Jahr ausklingen zu lassen. Mit Diana Briel fand sogar eine ehemalige Natrix-Leiterin den Weg hierher. Nicht schlecht staunte man, als plötzlich ein gewisser Jemand an der Haustüre klopfte. Mit Stab und Sack ausgerüstet kam tatsächlich der Samichlaus vorbei! Mit lustigen Anekdoten und Sprüchen liess er das vergangene Jahr Revue passieren. Da sich der Chlaus spontan für einen Besuch entschieden und noch weitere Termine in der Agenda stehen hatte, konnte er nicht den gesamten Nachmittag dabei sein. Für Ersatz sorgten dafür die Herren Meo und Merlin, die leider etwas verspätet ankamen und den in rot gekleideten Herrn bedauerlicherweise nicht miterleben durften ;-). Vertrösten konnten sie sich mit den süssen Überraschungen, die uns der Gast in seinem grossen Sack als Verpflegung zurückliess.

Was der Chlaus wohl zu erzählen hat?
Foto: Jonas Landolt.
Weiter ging es mit einem von Jonas gehaltenen Referat über die Altersbestimmung von Limikolen am Beispiel des Alpenstrandläufers. Wir konnten viel Interessantes lernen und waren am Schluss fähig, anhand von Mausergrenzen und weiteren Merkmalen zu erkennen, ob sich ein Individuum im ersten Sommer-, ersten Winter-, Schlicht- oder Prachtkleid befindet.
Sobald jeder seinen persönlichen Guetzlivorrat in Tannenhähers Manier wieder aufgefüllt hatte, konnte es mit einem Vortrag von Merlin über Helgoland weitergehen. Die vielen Fotos waren motivierend, vielleicht in den nächsten Jahren einmal nach Helgoland zu fahren. Wer weiss, vielleicht bietet sich die Gelegenheit dazu ja schon bald. Zum Schluss hatte Dennis noch ein kniffliges Mistery-Bird-Quiz vorbereitet. Da es jedoch nur die Powerpointpräsentation respektive der USB-Stick mit der Datei drauf bis zur Glatttalstrasse schafften - der Verfasser musste den gesamten Tag arbeiten - übernahm Merlin die Durchführung. Während die ersten paar Vögel noch relativ einfach zu bestimmen waren, liessen die letzten Fotos selbst die Köpfe der Älteren rauchen. Da der Nachmittag schon ziemlich weit vorangeschritten war, musste die Auflösung des Quizes im Eiltempo durchgeführt werden, damit der Bus noch zu erreichen war.

Das abschliessende Gruppenfoto.
Foto: Diana Briel.
Später sollte sich noch herausstellen, dass unsere Tannenhäher in freier Wildbahn wohl kaum überleben würden. Nur ein winziger Bruchteil der am Boden, unter dem Teppich und in den Ritzen des Sofas versteckten Nüsse wurden nämlich wiedergefunden - so waren wir doch sehr erstaunt, wo man überall Essensspuren finden kann :-).
Der Anlass war ein toller und gemütlicher Jahresabschluss; ins nächste Jahr starten wir am 24. Januar mit dem Jungornithologentreffen der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Bis bald!

Bericht: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 2. November 2014

Bootstour auf dem Bodensee

Da in den letzten Jahren im September viele spektakuläre Beobachtungen auf dem Bodensee gelungen sind, wollten wir heuer nun endlich herausfinden, ob sich im November ähnlich tolle Arten finden lassen. Auf unserem sehr ambitiösen Wunschzettel befanden sich unter anderem Spatelraubmöwe, Skua, Thorshühnchen und Eistaucher!
Eine erste Herausforderung für unseren Leiter, Merlin, war es, überhaupt ein Boot im November zu organisieren. Der einzige Bootvermieter, der im November noch Boote vermietet, befindet sich auf deutscher Seite, weshalb wir zuerst mit der Fähre von Romanshorn aus nach Friedrichshafen fuhren. Dort angekommen hiess es zuerst einmal geduldig sein: Dicker Nebel hing über dem See und es wurde uns verständlicherweise noch kein Boot ausgeliehen. Die Kinder trotzten der Kälte und vertrieben sich die Zeit mit Fangis und Beobachten. Ca. eine Stunde nach unserer Ankunft in Friedrichshafen hatte sich der Nebel endlich soweit zurückgezogen, dass wir in See stechen konnten. Da wir versicherungstechnisch gesehen ein halbes Kind zu viel waren, mieteten wir zwei Boote: Ein "Pontoon" und ein kleines Elektroboot.

Unsere zwei Boote, kurz bevor wir in See stachen.
Es stellte sich schnell heraus, dass wir mit dem Elektroboot froh sein dürfen, wenn wir es aus eigenem Antrieb wieder in den Hafen zurück schaffen, denn schon nach kurzer Zeit hatten uns die "Pontünler" meilenweit hinter sich gelassen. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Hafen gelang bereits der Nachweis einer spannenderen Art: ein Schwarzhalstaucher; für einmal konnten wir den aus der Nähe bestaunen und nicht wie üblich weit weg durchs Fernrohr. Da wir über Funk rege miteinander kommunizierten, konnten alle diesen "herzigen" Lappentaucher beobachten.
Nach einer halben Stunde Fahrt näherten wir uns mit dem Elektroboot im Schneckentempo einem Prachttaucher. Zumindest fühlte er sich so nicht gestört und wir konnten uns ihm nähern. Alarmiert durch unseren Funkspruch rasten die "Pontünler" herbei; der Seetaucher verschwand hingegen spurlos und von ihnen ungesehen.
In der Mitte des Bodensees waren erstaunlich viele Grossmöwen auf der Jagd nach springenden Fischen. Was es genau mit diesem Verhalten auf sich hatte, konnten wir nicht herausfinden. Beide Boote sahen eine 1.KJ-Silbermöwe, wir vom Elektroboot machten noch eine schöne Beobachtung einer sehr zutraulichen adulten Steppenmöwe.
Der Nebel wurde wieder dichter und es bereits Zeit zurückzukehren. In unserem Tempo mussten wir schon beinahe zwei Stunden für die Rückfahrt einberechnen. Wir waren alle sehr froh, dass wir mit GPS und Handy navigieren konnten, denn in diesem Nebel hatten die meisten bereits die Orientierung verloren.

Ein kleiner Eindruck unserer Nebeltour.
Als wir bereits wieder das Ufer sahen und die Sonne uns wärmte, riss ein "Kraniche über Friedrichshafen!" alle aus ihrer Lethargie. Der Alarm kam vom Elektroboot. Obwohl die zahlreichen "Pontünler" alle angestrengt den Himmel absuchten, konnten sie die Kraniche einfach nicht ausmachen. Enttäuscht hörten sie den Funkspruch "jetzt sind sie fast nicht mehr zu sehen, fliegen Richtung Schweiz". Erst als die sich vor Lachen kugelnden, hämisch winkenden "Elektroböötler" vorbeifuhren, dämmerte den "Pontünlern", dass ihnen hier ein Bär aufgebunden worden war. Glücklicherweise nahmen sie das mit Humor und das war nicht das Ende einer wunderbaren Freundschaft ;-)
Obwohl wir nicht das Erhoffte finden konnten, hatten wir doch alle unsern Spass an diesem nebligen Sonntag; nicht zuletzt dank den "Speck mit Schinke"-Funksprüchen von Vito :-)

Bericht und Fotos: Eric Christen.

Sonntag, 5. Oktober 2014

EuroBirdwatch und Arbeitseinsatz auf den Hegmatten

Seit 1993 findet in den meisten Ländern Europas am ersten Oktoberwochenende der sogenannte EuroBirdwatch statt. An verschiedenen für die Zugvogelbeobachtung besonders geeigneten Standorten werden die durchziehenden Arten von lokalen Vereinen gezählt und der Bevölkerung das Phänomen Vogelzug durch Vogelbeobachtung vor Ort und Infomaterial nähergebracht. Diese Öffentlichkeitsarbeit zielt u.a. darauf ab, auch bei Nicht-Ornithologen ein Bewusstsein dafür zu wecken, wie stark Zugvögel auf ihren Wanderungen durch menschenverursachte Umweltveränderungen beeinträchtigt werden. Diese Veränderungen können sowohl globaler (Klimaerwärmung) als auch lokaler (Zerstörung von Rastgebieten) Natur sein.

Wie schon im Vorjahr hatte sich die Natrix angesichts dieser Zielsetzung des EuroBirdwatch vorgenommen, nicht nur Passanten zu informieren und die genaue Anzahl durchziehender Buchfinken und Mäusebussarde zu ermitteln, sondern auch vor den Augen eben dieser Passanten etwas für den Erhalt eines wertvollen Rastgebiets - nämlich "unseres" Naturschutzgebiets auf den Winterthurer Hegmatten - zu tun. Dort galt es nach dem Mähen an den Vortagen mächtig Hand anzulegen: Jede Menge Schnittgut musste aus der Riedfläche, die sich an einen teils sanft abfallenden, teils etwas abschüssigen Abhang schmiegt und daher mit Gefährten kaum zugänglich ist, zum Abtransport durch die Stadtgärtnerei an die Ränder des Gebiets gerecht, getragen und geschleppt werden.

Nach der Ankunft einer ansehnlichen Gruppe Natrixler am Südwestende des Gebiets begutachteten wir zuerst einmal eingehend den Stand mit allerlei Anschauungsmaterial, den Gebietsbetreuer Dennis schon errichtet hatte. Eine erste Rechengruppe machte sich bald darauf auf zum anderen Ende und begann mit der Arbeit. Beim Stand wurden die ersten durchziehenden Vögel registriert und Flurin mit der ehrenvollen Aufgabe der Logführung betraut. Wie man sieht, brachte er dieser Aufgabe den angebrachten Respekt entgegen:

"... und noch zwei Feldlerchen." - Flurin bei der Arbeit.
Lange konnten die Recher aber nicht wirken und auch mit dem geruhsamen Erfassen der Zugvögel war schon bald Schluss - die Kunde von einer möglichen Wachtel auf einem Acker direkt neben dem Weg lockte nämlich alle vom Schnittgut resp. dem Stand weg. Zuerst liess sich sich der Verdacht aber nicht erhärten:

Ratlos-suchende Gesichter in der morgendlichen Oktoberlandschaft.

Aber wir blieben geduldig und warteten:

Foto: Jonas Landolt.
Und siehe da, was kaum jemand für möglich gehalten hätte, wurde Realität: die Sichtbeobachtung einer Wachtel am Rande der zweitgrössten Stadt des Kantons!

Foto: Jonas Landolt.
Nachdem sie sich anfänglich geziert und nur ihren Kopf zum Vorschein hatte kommen lassen, präsentierte sie sich nach einer Weile völlig frei. Meo gelang in der Folge (in gewohnter digiskopierender Manier!) das folgende prächtige Bild des einzigen Langstreckenziehers unter den europäischen Hühnervögeln:

So schön hatte zuvor noch niemand von uns in der Schweiz eine Wachtel gesehen!
Foto: Meo Sauter.
Mit der Vermutung, dass diese Beobachtung an diesem Tag nur schwer zu überbieten sein dürfte, kehrten wir später an den Stand resp. die Rechenstiele zurück. Obschon wir nicht dieselbe Menge an Zugvögeln wie im Vorjahr feststellen konnten, war die Luft unter- und oberhalb der dicken Hochnebeldecke erfüllt mit allerlei Finken, Piepern und Feldlerchen. 

Im Laufe des Mittags tauchte die Sonne auf, was zwar die Vitamin-D-Produktion anregte, unsere teils etwas klammen Hände erfreute und uns mehr Spaziergänger einbrachte, den Kleinvogelzug aber abzustellen schien. Nach dem Zmittag stellte sich daher bei denjenigen, die den Stand betreuten, etwas Langeweile ein. Dem begegneten wir mit einem "Richtig-oder-falsch"-Spiel (auch bekannt als Wanderfalken-Tauben-Spiel) auf dem Feldweg oberhalb des Gebietes, bei dem man sein Wissen über Zugstrategien und vieles mehr unter Beweis stellen konnte. Dazwischen konnten wir als erfreuliche Abwechslung zu Wiesenpieper und Rabenkrähe zwei Sperber auf unserer Liste eintragen.

Währenddessen begannen sich an den Gebietsrändern dank vieler fleissiger Hände die Schilfhaufen zu türmen:

Bereit für den Abtransport durch die Winterthur Stadtgärtnerei.
Um ca. 15 Uhr tat sich zu unserem Erstaunen nochmals etwas an der Zugfront: Mäusebussarde zogen in grösserer Zahl über die Hegmatten, zuerst nur einzeln oder zu zweit, zum Abschluss aber gleich in einem Trupp von mindestens 19 Individuen!

Als wir um 15.30 Uhr mit dem Auf- und Abräumen begannen und uns für den Marsch zurück an den Bahnhof Oberwinterthur bereitmachten, konnte Dennis nach einem Blick auf die Liste eine erste Bilanz ziehen: Über 700 Vögel konnten im Laufe des Tages festgestellt werden, wobei überraschenderweise der Wiesenpieper mit 85 Individuen zuoberst auf der Liste der häufigsten Arten figurierte. Nach der endgültigen Auszählung am Abend konnte Dennis dem SVS 721 registrierte Vögel melden - ein im Vergleich zum Vorjahr zwar mageres Resultat (1724 Vögel, wovon 672 Buchfinken!), das sich aber mit Blick auf die anderen Standorte 2014 sehen lassen kann. Die diesjährigen Resultate aus der ganzen Schweiz findest du übrigens hier: http://www.birdlife.ch/ebw14/index.php/de/resultate-2014

Wir danken allen Kindern (und natürlich auch Vater Thomas) fürs Anpacken im Ried und Dennis für die gesamte Organisation, die nebst dem Herbeischaffen von Werkzeug auch die Planung und den Aufbau des Standes mit viel Bildmaterial beinhaltete und dementsprechend aufwändig war. 

Nächstes Jahr werden wir voraussichtlich wieder am EuroBirdwatch mitmachen - wie viele Vögel wir wohl dann sehen werden?

Bericht und Bilder ohne Vermerk des Fotografen: Patrick Mächler.

Sonntag, 21. September 2014

Zugvogelwochenende auf dem Gurnigel, 20. bis 21. September 2014

Da das letztjährige Gurnigel-Weekend wegen schlechter Wetterprognose abgesagt wurde – stattdessen ging es ins Kaltbrunner Riet – sollte es dieses Jahr nachgeholt werden. Petrus war uns gut gesinnt und so kamen wir bei strahlendem Sonnenschein auf dem Gurnigel an. Die vorangehende Postautofahrt war auch schon ein Erlebnis, da Alpabzugs-Stimmung herrschte und sich nicht weniger als ungefähr hundert Kühe auf der Strasse tummelten, die selbstverständlich Vortritt hatten. Prächtig geschmückt trotteten die Kühe mit schweren Glocken in Richtung Winterstall, begleitet von nicht minder schön gekleideten Alpsennen in Tracht. 

Stockender Verkehr auf der A1 in Richtung Gurnigel.
Gerade rechtzeitig packten wir unsere Feldstecher und Spektive aus, denn kaum auf der Passhöhe angekommen und ausgestiegen schraubte sich auf kurze Distanz ein Fischadler in die Höhe. Perfekt liess er sich beobachten, bis er nach einer Viertelstunde hoch genug war, um weiterzuziehen.
Der prächtige Fischadler.
Wo ist er denn?
Schlag auf Schlag folgten die nächsten Durchzügler: Birkenzeisig, Wiesen-, Berg- und Baumpieper, Rohrweihe, Wespenbussard, Sperber und vieles mehr. Genüsslich wurde Lunch verzerrt, als plötzlich ein gigantischer Schatten vor uns auftauchte. Ein Steinadler segelte lautlos über unsere Köpfe und brachte alle ins Staunen. Zu Recht trägt der nach dem Bartgeier zweitgrösste Vogel der Alpen den Übernamen „König der Lüfte“. Auch wenn der riesige Parkplatz beim Gurnigel völlig überdimensioniert und inmitten von artenreichen Bergwäldern nicht schön anzusehen ist, taugte er doch noch zu etwas. Kurzerhand ernannten wir ihn zur Spielwiese und machten „Fangis“ in allen Variationen:

Ein etwas anderes Fangis.
Hopp, hopp, hopp!
Als sich alle ausgetobt hatten, konnte es mit Beobachten weitergehen. Gemeinsam mit einigen weiteren Nicht-Natrix-Ornithologen konnten wir Baum- und Wanderfalke, Fichtenkreuzschnäbel, Kolkraben und Tannenhähere beobachten. Doch langsam neigte sich der Tag dem Ende zu und wir wanderten durch angenehm kühle Bergwälder zum Berggasthaus. Auf dem Weg komplettierte uns Jakob, der die Frage, ob schon neue Tierarten in seinem Haar entdeckt worden seien, beruhigend mit „nein“ beantworten konnte. Wenige Meter neben dem Weg konnten wir noch einen geringelten Fichtenstamm entdecken, doch leider ohne Dreizehenspecht. Daneben war eine im traumhaften Abendlicht stehende Sitzbank der perfekte Ort für ein Gruppenfoto.

Gruppenfoto.
Im Berggasthaus angekommen nahmen wir den Massenschlag in Bezug und begaben uns allmählich zum Speisesaal, wo wir ein feines Essen einnehmen konnten. Nach dem letzten vierten Gang hiess es Stifte packen und sich bereitmachen fürs abendliche Stimmenquiz. Die meisten Stimmen wurden erkannt und konnten der richtigen Art zugeordnet werden. Bravo! Beim anschliessenden Quiz für die Leiter, welches die Teilnehmer als „Revanche“ spontan durchführen wollten, wurde allerdings deutlich schlechter abgeschnitten. (Anmerkung: Es wurde uns aber auch sehr schwer gemacht... ;-)) Nach diversen Spielen hiess es Zähneputzen und Schlafen, wollten wir doch am nächsten Morgen dem Gesang von Sperlingskauz und Co. lauschen.

Die geplante Frühexkursion fiel leider ins Wasser, da uns mitten in der Nacht ein heftiges Gewitter aufweckte. Geschützt hinter den Fensterscheiben konnte man dem höllischen Donnern zuhören und die Blitze beobachten. Am Morgen gewitterte es nicht mehr, doch Petrus schien noch immer grosse Wassermengen zu horten und da Vögel bei starkem Regen nicht singen, legten wir uns nochmals hin. Nach dem Morgenessen guckte allmählich wieder die Sonne hinter den Wolken hervor und kündigte einen schönen Tag an. Zu den am Vortag schon beobachteten Vogelarten gesellten sich noch Schafstelzen und ein Rotmilan dazu. Ein Baumpieper setzte ganz nah auf einen Baumzipfel:

Einer der kooperativern Sorte.
Foto: Noah.


Traumhafte Aussicht bis auf den Thunersee ;-)
Gegen Mittag fuhr – als eine von drei Verbindungen pro Tag – auch schon wieder unser Postauto nach Schwarzenburg, diesmal jedoch ohne Stau verursachende Kühe. Gänzlich ungestört konnten wir im Postauto lustige Spiele spielen; insbesondere bei 1, 2, 3, 4, 5, 6, „Hugo“ war höchste Konzentration und Reaktionsschnelligkeit gefordert. In Zürich angekommen stellte sich die Frage, weshalb Natrix-Wochenenden immer so kurz sein müssen...

Bericht und Bilder ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.