Sonntag, 16. August 2015

Von hohen Bergen und tiefen Seen - zu Besuch auf der Beringungsstation Bretolet und ein Abstecher nach Yverdon-les-Bains, 14.-16. August 2015

Erster Tag - 14. August 
Lange hatten wir diesem Wochenende entgegengefiebert - endlich ging es los! Die einen mussten zwar bereits in der ersten Schulwoche den Jokertag einziehen, aber der Col de Bretolet ist das wohl wert. Diese Exkursion bedeutete früh aufstehen und den ganzen Morgen im Zug verbringen. Anschliessend wurden wir in Champéry bereits von Donnergrollen erwartet. Dies konnte uns aber nicht vom Aufstieg nach Barmaz abhalten. Zügig gings hinauf in unser Nachtlager, wo wir uns einrichteten und danach auf Französisch unser Znacht bestellten - die einen schon ziemlich professionell, bei den anderen reichten die Sprachkünste wenigstens so weit, dass sie bekamen, was sie wollten ;-) Frisch gestärkt gings los auf die Nachtpirsch.
Leider machte sich kein Nachtvogel bemerkbar. Einige Stunden später sollten wir aber selber zu richtigen Nachtvögeln werden...

Text: Selina und Andrea.

Zweiter Tag - 15. August
Nach wenigen Stunden Schlaf klingelte der Wecker um kurz nach 3.00 Uhr. Wir stopften alles Nötige in den Rucksack, zogen uns an und schlichen so leise wie möglich hinunter in den Esssaal, in dem wir, auch nach minutenlanger Suche, keinen (funktionierenden) Lichtschalter finden konnten. Also assen wir im Lichte unserer Stirn- und Taschenlampen einen kleinen, aber stärkenden Zmorgen. Nachdem alle draussen bereitstanden, machten wir uns, ebenfalls im Licht unserer Lampen, auf den Weg… Nach zwei sehr nassen Wanderstunden im Nebel konnten wir vor uns zwei kleine Hütten erahnen: Die Rettung war doch noch gekommen! Das stark erhoffte Dach war jedoch nicht vorzufinden, zumindest war es nicht gross genug, um uns alle ins Trockene zu stellen. So warteten wir um 6.00 Uhr morgens vor der Beringungsstation im Regen… 

Fast so zielstrebig wie die Natrixler: Eine Graureiherpatrouille im Nebel.
Da! Da war jemand der Angestellten vor der Hütte! Dieser beachtete uns jedoch nicht gross und verschwand wieder in seinem trockenen, warmen Zimmer… Anstatt weiterhin im Regen zu warten, zogen wir die Schuhe aus und versuchten, es uns in einem Zimmer, das wahrscheinlich als Werkraum diente, gemütlich zu machen. Viele sassen auf dem Boden und schlossen die Augen. Es war sehr still, bis um ca. 7.00 Uhr jemand ins Zimmer hineinstürzte und erschrak, als er uns dort vorfand! Mit der Zeit wachten immer mehr Leute auf und wir sassen neben ihnen, als diese frühstückten. Wir spielten auch diverse Spiele, blätterten Bücher durch und rätselten an Fotos herum, von denen die meisten von Valentins Fotoapparat stammten. Als es draussen nicht mehr allzu nass und neblig war, nützten wir die Chance und stellten die Japannetze auf. Bei schlechtem Wetter (wie an diesem Tag) werden die Netze jede halbe Stunde kontrolliert, bei schönem Wetter jede volle Stunde. Nach 30 Minuten ging es los und wir konnten schon einige Arten aus den Netzen befreien: Erlenzeisig, Buchfink, Gimpel, Alpenbirkenzeisig und einen Zitronengirlitz! 

Beringer Fabian Schneider begutachtet einen Zitronengirlitz.
Nach dem Beringen durften wir die Schönheit dieses Finkenvogels auch noch aus nächster Nähe bestaunen.
Foto: Selina und Andrea.
Im weiteren Verlauf des Tages durften wir noch zwei Mal bei der Kontrolle dabei sein, weil sich das Wetter wieder verschlechterte. Bei den letzten zwei Kontrollen fingen wir noch ein Rotkehlchen, eine Gartengrasmücke und ein, zwei Arten, welche wir schon einmal gefangen hatten. 

Ein unscheinbarer Zeitgenosse: die Gartengrasmücke.
Es war spannend zuzusehen, wie die Vögel beringt wurden; besonders toll war auch, dass wir die gefangenen Arten freilassen durften!  

Danach machten wir uns auch langsam auf den Weg. Kurz vor unserem Abmarsch überflog uns noch ein recht grosser Trupp von Alpen- und Mauerseglern. Wir marschierten den gleichen Weg wieder hinunter, der nun bei Tageslicht wie ein fremder Weg wirkte. Nach anderthalb bis zwei Stunden kamen wir bei der Unterkunft an. Kurz davor konnten wir jedoch am Bergbach ein Trauerschnäpperweibchen und eine Wasseramsel beobachten. 

In der Unterkunft zogen wir uns um und hängten alles Nasse auf. Da wir noch mehr als genug Energie hatten, ging es mit einer Kissenschlacht und -eroberung weiter ;-). Wir versuchten, alle Decken und Kissen in eine Ecke zu bringen, schliesslich lagen wir alle auf den Decken und Kissen kreuz und quer übereinander; und zuunterst, unter diesem Haufen, lagen Samuel B. und Dennis, denen das scheinbar nicht viel ausmachte. Als wir uns ausgetobt hatten, ging es runter in den Esssaal, in dem sich wieder jeder selbst ein Menü aussuchen konnte.
An diesem Tag gingen wir nicht sehr spät zu Bett - wahrscheinlich konnte jeder von uns schnell tief und fest schlafen… 

Text: Leon.  

Dritter Tag - 16. August 
Weil es regnete, beschlossen wir (anstatt früh aufzustehen und auf den Col de Bretolet zu steigen) ein bisschen auszuschlafen und stattdessen nach Yverdon-les-Bains zu fahren. Nach dem köstlichen Frühstück nahmen wir - zur grossen Erleichterung einiger Teilnehmer - den Bus. Der Bus chauffierte uns nach Champéry, von wo wir die Bahn nehmen konnten. Nach einer angenehmen Zugfahrt hofften wir in Yverdon etwas Spannendes zu entdecken. Vorne am See angekommen legten wir erstmals einen kurzen Stopp ein, um diesen abzusuchen. Dies wurde mit einer überfliegenden Zwergdommel belohnt, die sich auch noch (wenn auch sehr versteckt) sitzend zeigte:

Meister der Tarnung: die Zwergdommel.
Danach spazierten wir an der Promenade Robert Hainard entlang. In der Bucht konnten wir Flussuferläufer, Zwergtaucher und eine Knäkente gut beobachten. Weiter draussen auf dem See liessen sich einige Trauerseeschwalben feststellen. Freude bereiteten aber auch häufigere Arten - sei es nun, weil wir sie in einem besonders putzigen Kleid beobachten durften oder weil sie sich wieder mal lustig verhielten:

Jööö! (Merlin lässt grüssen...): Ein wenige Tage altes Kolbenentenküken.
Ehekrach bei Herr und Frau Haubentaucher? Oder ist das bloss ein Bescheid an diese aufsässigen Paparazzi, sich schnellstens zu verdünnisieren?
Merlin hielt ein Nickerchen und plötzlich rief Leon (?) entzückt: "Eine Zwergseeschwalbe!" Merlin juckte auf und war sofort hellwach, nur leider erwies sich die Zwergseeschwalbe als Erfindung. Doch da es sowieso Zeit zu gehen war, war dieser Scherz nicht weiter schlimm. Am Bahnhof verabschiedeten wir uns von den Teilnehmer der Basler Sektion und stiegen in unseren Zug nach Zürich. Dort angekommen hatten wir trotz schlechten Wetters ein interessantes und unterhaltsames Wochenende erlebt und gingen zufrieden nach Hause. 

Text: Flurin.
Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Samuel Betschart.

Samstag, 25. Juli 2015

SVS-Sommerlager im Grossen Moos, 20. bis 25. Juli 2015

Erster Tag - Montag, 20. Juli
Nachdem wir uns in Bern getroffen hatten, fuhren wir mit dem Zug nach Ins. Dort konnten wir unsere Velos abholen und fuhren zum Fanelhaus, wo wir sofort unsere Zimmer beziehen konnten.
Nach einem feinen Zmittag und einem Kennenlernspiel gingen wir auf eine kurze Erkundungstour zum Berner Turm.

Der Berner Turm - inmitten des Naturschutzgebiets gelegen.
Von oben hat man einen guten Überblick.
Anschliessend fuhren wir in der glühenden Hitze des Tages zum Gemshoger. Dort war eine Weissbartseeschwalbe das Highlight des Tages. Zum Znacht gab es Ratatouille mit Polenta. Dank dieser Stärkung hatten wir viel Energie für den abendlichen Sportblock vor dem Haus.

Diverse tolle Spiele auf dem improvisierten Spielfeld.
Um 10 Uhr war Nachtruhe – wirklich geschlafen haben wir dann allerdings erst später. 

Text: Hermes, Csaba und Noah D.B.


Zweiter Tag - Dienstag, 21. Juli

Morgens um sechs wurden wir alle für eine Frühexkursion zum Berner Turm geweckt. Wir konnten zahlreiche Arten wie den Eisvogel, Bartmeisen und eine Zwergdommel beobachten. 

Selina während der Frühexkursion auf dem Berner Turm.

Nachdem wir ein leckeres Frühstück eingenommen und unseren Lunch gefasst hatten, ging es in Richtung Chablais de Cudrefin. Dort wurden Arten wie beispielsweise Küsten- und Weissbartseeschwalbe und diverse Möwen gezählt. Ein spezielles Highlight war der Rosapelikan, den wir vom Broyedamm aus beim entspannten Segeln zusehen konnten. 
Auf der anderen Seite des Kanals konnten wir einem Pirol erspähen, der eine sehr spezielle Jagdtechnik anwandte. Von einer Warte aus schnappte er sich auf dem Wasser treibende Insekten im eleganten Jagdflug. Nach dem Lunch beim BirdLife-Naturzentrum La Sauge ging es in die „Badi“ von Cudrefin, wo wir uns im Neuenburgersee erfrischen konnten. 

Anscheinend hinterliess das frühe Aufstehen seine Spuren... ;-)

Anschliessend fuhren wir zurück zum Lagerhaus, wo ein feines Abendessen auf uns wartete.  

Text: Noah T. und Lukas.

Dritter Tag - Mittwoch, 22. Juli

Heute mussten wir erst um 7:00 Uhr aufstehen. Nach einem exzellenten Zmorgen fuhren wir ins BirdLife-Naturzentrum La Sauge. Dort empfing uns Carl’Antonio Balzari, der uns viel über die Vögel am Neuenburgesee erzählen konnte.

Gespanntes Lauschen den Ausführungen von Carl'Antonio Balzari.

Er zeigte uns auch einige Vögel, die gerade beringt wurden. Anschliessend entliess er diese in die Freiheit. Zwei Kinder durften dann auch noch je einen Eisvogel freilassen:


Ein Traum wird wahr! Sontje und Csaba beim Freilassen zweier Eisvögel.

Als die Eisvögel davongeflogen waren, durften wir noch beim Beringen zuschauen:


Dem Beringer über die Schultern schauen - das kann man nicht jeden Tag!
Foto: Dominic Martin.
Noah mit einem jungen Buntspecht in der Hand.

Später gingen wir noch zum Vögelbeobachten in die Beobachtungshütten. Dort entdeckten wir Kampfläufer, Flussuferläufer, Kiebitz, Grosse Brachvögel, Knäkenten und Zwergtaucher. Zu unserer grossen Überraschung landeten plötzlich zwei Turteltauben direkt vor dem Hide – eine super Beobachtung! Leider suchten sie zu schnell wieder das Weite, weshalb uns kein Foto gelang ...


Ein Kiebitz beim Grand Étang. Dank den Beobachtungshütten liess er sich ganz nah beobachten.

Nach diesem spannenden Vormittag setzten wir uns in den Schatten und assen unseren eingepackten Zmittag. Nach Abschluss des Mahls machten wir etwas ganz Spezielles: Wir fingen mit Keschern im Teich vom La Sauge Insektenlarven und Käfer.

Die Gruppe beim Keschern.
Merlin wurde von einem giftigen Rückenschwimmer gestochen und kreischte laut auf (hmm, na ja, nun mal nicht übertreiben... ;-)). Einige Rückenschwimmer machten sich auch fliegend aus dem Staub, bevor wir sie richtig anschauen konnten. Selina fing einen Käfer oder eine Wanze, die wir nicht bestimmen konnten. Auch im Internet fanden wir den Namen nicht. In der Zwischenzeit fing Gian Luis einen riesigen Gelbrandkäfer.

Der gigantische Gelbrandkäfer. Auf dem Foto mag er nicht so gross erscheinen,
er war aber mindestens 8 cm lang!
Am Schluss liessen wir alles wieder frei und fuhren wieder in die Badi. Die Wellen im See waren wegen des aufziehenden Gewitters gross und es war sehr lustig. Gerade noch rechtzeitig schafften wir es trocken nach Hause.

Text: Selina, Leon und Elia.

Vierter Tag - Donnerstag, 23. Juli
Nach einem superfeinen Nutella-Aufbackzopfzmorgen ging es heute kulinarisch weiter: Eine Essenssuchstafette stand auf dem Programm. Es galt, Fantasietierchen zu falten, Vogelnester zu bauen, Gedichte zu erfinden, Bäume zu bestimmen und Quizfragen zu beantworten. Das Resultat liess sich jeweils in eine Zutat für das Mittagessen umtauschen. Eine Zutat war Schokolade – Sontje und Lukas bekamen diese allerding nicht, da sie verbotenerweise eine Abkürzung durchs Naturschutzgebiet nahmen.

Ein wahres Kunstwerk.
Am Nachmittag gingen wir wegen des wechselhaften Wetters nicht wie üblich in die Badi, sondern blieben im Fanel. Vom Gemshoger aus beobachteten wir Alpen-, Zwerg- und Sichelstrandläufer. Auch die Bartmeise zeigte sich schön. Nach einem Abendessen mit Kartoffelstock, Sauce und Vegischnitzel machten wir uns noch auf, um das Fanel bei Nacht zu erkunden. In der Dämmerung erspähten wir ein Wildschwein, welches in der Lagune ein Bad nahm. Ein ausserordentlicher Anblick! Mit Fortschreiten der Dunkelheit liessen sich auch noch die Leiter für ein Foto ablichten.

Die drei Leiter: Merlin, Dominic und Julia (von links).
Foto: Andrea.
Danach setzten wir uns in einen Kreis, assen Guetzli und konnten mit einem Fledermausdetektor die Rufe der umherschwirrenden Fledermäuse hörbar machen. 
Nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir erschöpft ins Bett.

Text: Andrea und Dominic Martin.

Fünfter Tag - Freitag, 24. Juli
Am heutigen Vormittag hatten wir Grosses vor: Beim Birdrace galt es, innerhalb von dreieinhalb Stunden möglichst viele Vogelarten zu beobachten. Der erlaubte Bereich war auch klar abgesteckt: See, Broye und Strasse waren die Begrenzungen. Das Siegerteam konnte ganze 71 Arten beobachten, von denen u.a. eine sehr frühe Rohrdommel besondere Beachtung verdient. Das zweitplatzierte Team fand 51 Arten, darunter den Rosapelikan. Das dritte Team folgte fast gleichauf mit 47 Arten. Der Sieg wurde mit tollen Preisen belohnt – von Feldführern über Guetsli und Cola bis zu einem Quartett war alles dabei. Am Nachmittag fuhren wir in die Badi und spielten Fussball.

Schön geordnet auf dem Weg in die Badi.
Wegen des herannahenden Gewitters mussten wir ziemlich abrupt aufbrechen, schafften es aber noch gerade rechtzeitig zum Fanelhaus zurück. Dort erwarteten uns Gschwellti, Erbsen und Käse. Als Dessert gab es leckere Fotzelschnitten. Nach dem Essen unterbrach uns ein spezieller Gast bei diversen Spielen wie beispielsweise dem turbulenten"Se Nuwe" (danke für den Spieltipp, Noah ;-)) - es kratzte an der Haustüre und als Gian Luis die Tür öffnete, stand doch tatsächlich ein Kormoran vor der Türe. Es handelte sich um einen Jungvogel, der von einer heftigen Sturmböe aus dem Nest geweht wurde. Im Pinguin-Style watschelte er danach wieder in die Nacht hinaus. Das Schicksal dieses Vogels bleibt im Dunkeln - jedenfalls konnten wir etwas später noch zwei lauernde Füchse beobachten, die ja auch ihre Jungtiere mit ausreichend Nahrung versorgen müssen. Das ist die Natur...

Text: Noah D. B., Sontje und Gian Luis.

Sechster Tag - Samstag, 25. Juli
Nach der kurzen Nacht rafften sich nur vier Teilnehmer für die freiwillige Frühexkursion auf. Diese wurden jedoch mit tollen Beobachtungen der Rohrammer, des Rohrschwirls und der Gartengrasmücke (Leon ;-)) belohnt.

Eine letzte Exkursion im Fanel.
Der Rohrschwirl - selten so schön frei zu beobachten...
Zudem konnten sie die Gewitterschäden im Fanel als Erste begutachten: Das Gewitter hatte diverse armdicke Äste abgebrochen und an der Broye einen stattlichen Baum gefällt, welchen die Frühaufsteher nur mit Mühe überwinden konnten.
Zurück im Haus genossen alle einen feinen Zmorgen mit einer intensiven heissen Schokolade. Dann ging es ans Putzen. Beim Fanelhaus mit seinen Teppichen, Ritzen und Spalten ist das eine echte Herausforderung. Nach anfänglicher Mühe beteiligten sich alle an der Reinigung und brachten das Haus innerhalb von nur zwei Stunden auf Vordermann.

(Fast) fertig gepackt...

Und schon galt es, vom Fanel Abschied zu nehmen. Wir schwangen uns auf unsere Velos und radelten nach einem unvergesslichen Lager zurück nach Ins, von wo aus wir uns mit dem Zug nach Hause begaben.


Text: Dominic Martin.

Bericht: Lagerteilnehmende, Dominic Martin und Merlin Hochreutener.
Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Samstag, 13. Juni 2015

Arbeitseinsatz auf den Hegmatten

Im Juni führen wir jedes Jahr einen Arbeitseinsatz in unserem Gebiet in Winterthur durch, um nicht einheimische Pflanzen (Neophyten) aus dem Naturschutzgebiet zu entfernen. Dies machen wir nun schon einige Jahre und der Erfolg lässt sich sehen: An diesem Samstag gab es für uns kaum mehr etwas zu tun: Goldruten liessen sich nur noch vereinzelt im dichten Schilf und direkt am Zaun finden. Das Berufskraut war besonders noch an den kiesigen Stellen in der Mitte des Gebiets in kleiner Zahl vorhanden; dies ist hingegen gar kein Vergleich im Gegensatz zu den Vorjahren.
So konnten wir uns schon bald in den kühlen Schatten legen und nahmen unser Mittagessen ein:

Samuel (verdeckt), Sylvain, Jonas, Flurin, Leon und Noah beim Mittagessen (von links). 

Nach der Mittagspause standen die Tiere im Mittelpunkt: Diverse Libellen, Heuschrecken und Frösche konnten wir unserem Gebiet sehen. Speziell war die Beobachtung von einigen Langfühler-Dornschrecken (Tetrix tenuicornis) auf der kiesigen Fläche in der Mitte des Gebiets. Im Rahmen von Jakobs Untersuchung wurde diese Art noch nicht festgestellt.
Mit der guten Arbeit, die wir in den letzten Jahren und an diesem Samstag bei der Bekämpfung der Neophyten geleistet haben, wird es spannend zu sehen sein, ob nächstes Jahr überhaupt noch Goldruten und Berufskraut zu finden sein werden. Ein grosses Dankeschön geht an dieser Stelle noch an die Bebbi Basler Sylvain und Samuel, die uns tatkräftig unterstützt haben!

Bericht und Foto: Eric Christen.

Sonntag, 17. Mai 2015

Auffahrtslager im Wallis, 14. - 17. Mai 2015

Erster Tag – Donnerstag, 14. Mai

Um 08:30 Uhr trafen wir uns am Bahnhof Zürich, um unser Gepäck in Dominics Auto zu laden. Dann traten wir unsere Reise ins Wallis an. Das Spezielle an dieser Reise: Die SBB hat für unsere Gruppe einen Erstklasswaggon reserviert. So reiste die Natrix gemütlich und weich gepolstert ins Wallis.

Die Natrix rüstet auf - 1. Klasse!
In Visp holten wir unsere Velos ab und fuhren dann weiter zum Zeltplatz, wo Dominic uns schon erwartete, und bauten unsere Zelte auf. Während des Zeltaufbauens unterbrachen uns noch zwei Wiedehopfe bei der Arbeit – eine sehr schöne Beobachtung.

Natrixler beim Aufbauen der Zeltlandschaft.
Wie geht das mit dem Aufblasen einer Schlafmatte schon wieder? Lieber zuschauen als helfen... Helfen scheint ein Fremdwort zu sein ;-)
Als sämtliche Zelte aufgebaut waren, fuhren wir ins Leukerfeld. Auf dem Weg beglückten uns ein warnendes Pärchen Schwarzkehlchen, ein Neuntöterweibchen und zwei Bluthänflinge. Doch die Hauptattraktion sollte erst noch kommen. Seit ein paar Jahren existiert bei einem alten renaturierten Seitenkanal der Rohne eine Bienenfresserkolonie. Noch bevor wir ankamen, machten schon die ersten dieser bunt gefärbten Vögel mit ihren typischen Flugrufen auf sich aufmerksam. Wir beobachteten ihre Luftspiele auf der Jagd nach Libellen und anderen Insekten eine Weile, bevor wir zur eigentlichen Kolonie weiterfuhren. Dort wurde ein neues Hide errichtet, von wo aus sich die Bienenfresser und zahlreiche andere Vögel ungestört beobachten lassen.

Ein Bienenfresser an der Bruthöhle.
Foto: Linus.
Wir fotografierten die Bienenfresser und konnten auch noch einen Nachtreiher im zweiten Kalenderjahr entdecken. Kurz vor Abfahrt mussten wir nochmals kurz konzentriert beobachten, um einen relativ weit entfernt kreisenden Bussard zu bestimmen. Nach kurzer Zeit stand die Bestimmung fest: ein Wespenbussard.

Zurück beim Zeltplatz hüpften wir auf dem Trampolin (alte Erinnerungen an Sur En und Claudio wurden wach… :-D) und spielten Pingpong, bis Dominic das Essen brachte, welches er freundlicherweise bei Alice (Freundin von Jonas, Stand Mai 2015 ;-)) zu Hause zubereiten konnte. Es gab Gnocchi mit Tomatensauce und zum Dessert Vanille- und Schokoladenmousse mit Pfirsichen.

Dooooooomiiiiiiii, wann kommt das Essen???
Nach dem Abendessen teilte sich die Gruppe auf. Die einen blieben bei den Zelten, wo während der fortschreitenden Dämmerung gegen die vierzig Bienenfresser auf einer Telefonleitung sassen. Die andere Gruppe ging nochmals zu den Teichen. Valentin (ein Bebbi Babbler und ehemaliger Natrix-Fremdgänger, Milan scheint es ihm nun gleich zu tun ;-)) informierte uns nämlich, dass er dort am späteren Nachmittag einen adulten Kuhreiher im Prachtkleid habe beobachten können. Etwas später gesellte sich ein Nachtreiher zum Kuhreiher und etwas später noch ein zweiter Nachtreiher. Die Krönung bildeten schliesslich ein Grau- und ein Seidenreiher – so konnten vier Reiherarten im selben Fernrohrbild betrachtet werden. Ein nicht alltäglicher Anblick.

Vier Reiherarten auf einem Foto.
Zurück beim Zeltplatz ging es nach einigen Wettrennen mit Sontje, die scheinbar noch immer überschüssige Energie hatte, und Zähneputzen zufrieden ins Bett – genauer gesagt in die Schlafsäcke in den Zelten.

Dummerweise erst, als der letzte Zeltreissverschluss geschlossen war, überflog uns beim letzten Licht noch ein Rotfussfalkenmännchen. Jedoch bekamen nur Dominic und Merlin diesen hübschen Falken zu Gesicht…

Auf dem Weg zur Toilette stolperte ein Natrixler um Mitternacht beinahe noch über einen Igel. Dieser kugelte sich zu einem Stachelknäuel zusammen und hielt uns vorerst noch vom Schlafen ab.

Der stachlige Kerl zog alle Aufmerksamkeit auf sich.
Einige konnten auch noch ganz kurz das monotone „tüüt“ der Zwergohreule hören. Danach hiess es dann wirklich „Schlaf guet“ und ein sehr warmer Tag ging zu Ende.

Text: Milan und Linus


Zweiter Tag – Freitag, 15. Mai

Um 08:00 Uhr sind wir im Regen aufgestanden. Wir frühstückten, zogen unsere Regensachen an und fuhren mit der Hoffnung, dass Petrus uns etwas Seltenes vom Himmel regnete, los ins Leukerfeld. Die ersten erwähnenswerten Beobachtungen waren Steinschmätzer, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Distelfink und Turmfalke. Dann fuhren wir weiter und stellten unsere Velos bei einer kleinen Hütte ab. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Die erste ging direkt zu den Teichen, die zweite machte noch einen kleinen Abstecher zur Rhone, wo sie nebst Nachtigallengesang noch zwei Flussuferläufer ausfindig machte. Bei den Teichen und den Feldern rundum warteten Feldlerchen, Steinschmätzer, drei verschiedene Unterarten der Schafstelze (flava, cinereocapilla und thunbergi), Schwarzkehlchen und der Kuhreiher vom Vorabend auf uns.

Natrixler trotzen dem Regen.
Wegen des immer heftiger werdenden Regens brachen wir die Exkursion ab und radelten zurück zu unseren Zelten, wo wir völlig durchnässt ankamen. Den gesamten Nachmittag verbrachten wir im Schlafsack in den Zelten, wo wir uns entweder mit Büchern oder interessanten Gesprächen die Zeit vertrieben. Nicht schlecht staunten wir, als anstelle des „tropf-tropf-tropf-tropf“ plötzlich ein anderes Geräusch einsetzte. Es war jenes von Schneeflocken, die ganz sanft auf den Aussenzelten landeten. Am Tag zuvor gefühlte 30°C und nun Schnee – und das Mitte Mai! Fürs Abendessen mussten sich nochmals alle aus ihren Schlafsäcken kämpfen.

Geschickt, geschickt, dieser Vito! ;-)
Doch wer die Schritte durch Nass und Schnee zu den überdachten Tischen auf sich nahm, wurde mit einem feinen Risotto belohnt, der wiederum in Alices Küche zubereitet worden war – vielen Dank! Die gutmütigen Zeltplatzbesitzer waren ab unserer Wetterfestigkeit beeindruckt und bereiteten extra für uns eine exklusive und ausserordentlich feine Aprikosenwähe zu. Ebenfalls vielen Dank für das Dessert!

Der Beweis - Schnee bis weit hinab ins Tal!
Nach dem Essen schlüpften alle wieder in ihre Schlafsäcke und legten sich schlafen. Mit einem eigenen Zelt stiess unbemerkt noch Stefan, der Mitbewohner der WG von Dominic und Jonas, dazu. Neidisch auf Stefans Superzelt kam spätabends dann auch wieder Samuel angereist, der den Tag durch arbeiten musste und in Leuk von seinem undichten und durchnässten Zelt in freundlichster Manier empfangen wurde… Zum Glück war am nächsten Tag auch schon wieder früh Tagwache, sodass die Nacht im durchnässten Schlafsack relativ schnell durchgemacht war… ;-)

Text: Sontje und Gian Luis


Dritter Tag – Samstag, 16. Mai

Um 05:30 Uhr wurden wir geweckt. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir zum Bahnhof. Dort erwarteten uns schon Jonas und seine Begleitung Alice. Gemeinsam nahmen wir den Bus bis an die Grenze der Waldbrandfläche. Dort angekommen wurden wir zuerst einmal von Berglaubsänger und Gartenrotschwanz begrüsst, die in der von Schnee überhauchten Landschaft ihren Gesangskünsten freien Lauf liessen.

Gartenrotschwanz und Berglaubsänger in Kombination mit Schnee?
Wie kurios... Die Natrixler auf Vogelpirsch.
Dort, wo Jonas in der Woche zuvor ein prächtiges Steinhuhn beobachten konnte, war diesmal leider keine Spur von dieser Art. Umso mehr erfreuten uns dafür Steinrötel, Kuckuck, Wiedehopf und Zippammer.

Äusserst fotogen, diese Zippammer.
Gartenrotschwanz, Heidelerche, Kuckuck und Steinrötel - ein tolles Quartett!
Im Laufe des Vormittags fand dann auch Eric den Weg ins Wallis und gesellte sich zu uns, was insbesondere Sontje sehr erfreute.

Prächtig, der Blick ins Wallis.
Auf dem Weg in Richtung Brentjong konnten wir flüchtig einen grösseren Schatten ausmachen. Der Blick an den Himmel klärte die Ursache: Ein prrrächtiger Schlangenadler zog über unsere Köpfe hinweg. Bei unserer Mittagsraststelle war nicht nur Platz für ein Gruppenfoto vorhanden, sondern auch noch Schnee für eine Schneeballschlacht. Die Schlacht zu unterbrechen wussten nur ein Bartgeier, drei Wespenbussarde, eine Rohrweihe und ein Wanderfalke. Auch die Zaunammer, die sich dann aber immer wieder als Goldammer herausstellte, sorgte für Aufregung. Als mit der Zeit sämtlicher Schnee aufgebraucht bzw. von der wieder erstarkten Sonne weggeschmolzen war, liefen wir zurück ins Tal, wo wir es uns beim Zeltplatz gemütlich machten und die Sonnenstrahlen genossen.

Gruppenfoto - Natrix pur!
Gold-, Zaun- oder doch Goldammer ...?
Foto: Linus.
Trampolin und Pingpongtisch sorgten für ausreichend Unterhaltung. Insbesondere Eric zeigte schnell, wer hier das Sagen hatte und führte allen vor, wie man mit Pingpongball und -schläger umzugehen hat. Auch der neu dazugekommene Dennis wusste da nichts entgegenzusetzten…

Angriff Eric - Verteidigung Dominic - Punkt Eric...
Die unentwegten Lukas, Enrico, Samuel, Milan und Linus fuhren nochmals ins Leukerfeld, wo Wanderfalke gesehen und Wachtel sowie Sumpfrohrsänger gehört werden konnten. Damit wir unsere Gaskocher nicht vergeblich gepackt hatten, setzten wir diese für das letzte Abendessen dieses Auffahrtslagers doch noch in Betrieb und konnten in einer gemütlichen Runde Couscous mit Tomatensauce kochen und essen. Zum Dessert gab es Schokoladen- und Vanillecrème. Doch mit dem Abendessen ging dieser Tag noch lange nicht zu Ende, sondern kam gerade erst zu seinem Höhepunkt: Die Region Leuk ist eine der wenigen Schweizer Destinationen, wo der Ziegenmelker regelmässig und relativ einfach beobachtet respektive gehört werden kann. In der Dämmerung konnten wir sehr schön die Umrisse eines sitzenden Individuums beobachten und uns dessen schnurrenden Gesang einprägen.

Text: Lukas


Vierter Tag – Sonntag, 17. Mai

Wegen der späten vorabendlichen Exkursion herrschte bis acht Uhr Schlafstimmung. Merlin machte diese Stimmung allerdings zunichte, als er nach einem frühmorgendlichen Egotrip zur Hohen Brücke zurück zu den Zelten kam und alle Teilnehmenden aus ihren Schlafsäcken schüttelte.

Die berüchtigt berühmte Hohe Brücke. Doch an diesem Morgen sollte der Mauerläufer nicht anzutreffen sein.
Nach einem deftigen Morgenessen – zahlreiche Nutella-Schokoladenmäuler lassen grüssen – ging es noch ein letztes Mal ins Leukerfeld. Wir konnten uns von den Bienenfressern verabschieden. Ein kurzes Hallo und Tschüss entlockten uns ein Mandarinentenmännchen und eine Wachtel. Danach hiess es, die Zelte abzubrechen und die Sachen zu packen. Dies gestaltete sich etwas mühsam, da die Temperaturen wieder Höchstwerte erreichten und deshalb einige lieber wie ein lampiges Salatblatt in der Wiese herumlagen anstatt mitanzupacken… Nichtsdestotrotz war schliesslich wieder sämtliches Gepäck in Dominics Auto verstaut und die Heimreise über Visp, wo wir unsere Velos aufgaben, und Bern nach Zürich konnte angetreten werden. Einige Jungornithologen, die ihr Durchhaltevermögen beweisen wollten, beendeten das verlängerte Auffahrtsweekend auf der Röstifarm in Schinznach Dorf, wo seit einigen Tagen der von unserem Präsidenten entdeckte Schlagschwirl lautstark seine „swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi- swi-swi- swi-swi“ Strophe vortrug. Mit diesem Twitch ging auch für die letzten Natrixler ein äusserst erfolgreiches Auffahrtslager zu Ende.

Das Pünktchen auf dem "i" dieses Wochenende: Der von Jonas entdeckte Schlagschwirl.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.