Montag, 14. Mai 2018

Auffahrtslager in Leuk, 10.–14. Mai 2018

Erster Tag – 10. Mai
Mit viel Vorfreude trafen wir uns um 8.40 am Zürcher HB und fuhren nach Visp. Dort holten wir unsere Velos ab und nahmen in zwei Gruppen den Zug nach Leuk. Auf dem Campingplatz wurden wir  von zwei Bienenfressern, einem Gartenrotschwanz und später auch noch von einem Wiedehopf herzlich begrüsst. Nachdem wir unsere Zelte aufgestellt hatten, fuhren wir direkt zur Bienenfresser-Kolonie. Auf dem Weg dorthin begegneten wir vielen, wunderschönen Smaragdeidechsen:
 
Egal vor welchem Hintergrund, die Smaragdeidechsen beeindrucken auf dem Boden...
Foto: Andrea Wüst.
... und im Astwerk.
Foto: Elias.

Als wir bei der Kolonie angekommen waren und den Bienenfressern eine Weile zugeschaut hatten, hörten wir noch einen Wendehals, leider sahen wir ihn nicht. Nach ungefähr 10 Schlangenadlern, die sich als Schwarzmilane entpuppten, machten wir eine Runde um die Felder. Wir sahen verschiedene Schafstelzen, Bluthänflinge, Steinschmätzer und eine Feldlerche im Singflug. 

Auch ohne Rot hübsch anzusehen: der Bluthänfling.
Foto: Levi.

Ab und an kamen auch Entomologen auf ihre Rechnung:

Eine kecke Feldgrille.
Foto: Elias.

Ruben, Konstantin und Merlin, die vorhin zu Alice gefahren waren, um unseren Znacht vorzubereiten, riefen uns an und sagten, dass wir um 17.50 Uhr beim Zeltplatz sein sollten. 

Kohldampfend: Die Natrixler warten auf halbvegane Spaghetti cinque pi.
Foto: Ruben Lippuner.

Zum Znacht gab es Spaghetti Cinque Pi, doch da der Rahm den beschwerlichen Weg ins Wallis nicht geschafft hatte, war die Hälfte der Sauce mit Reismilch gemacht worden. Merlin hat diese Herausforderung aber bravourös gemeistert und so war die leckere Reismilch-Cinque-Pi-Sauce zuerst weg. Nach ausgiebigem Ping-Pong-Spielen fuhren wir um circa 21 Uhr los, um den Ziegenmelker zu suchen.
 
Hört jemand ein "Trrrrrrrrrrrrrrrrrr....?
Foto: Ruben Lippuner.

Leider konnten wir ihn weder hören noch sehen. Zurück auf dem Zeltplatz schliefen alle friedlich ein.

Tagesbericht: Noémie & Alina.

Zweiter Tag – 11. Mai

Den zweiten Tag starteten wir um 4.45 Uhr. Bevor wir in die Waldbrandfläche gingen, assen wir etwas Brot. Mit dem Velo und dem Bus fuhren wir in die Waldbrandfläche. 

Wie fast immer gilt: "Im Frühtau zu Berge" ist ein Garant für einmalige Stimmungen.
Foto: Ruben Lippuner.
Blick in die Waldbrandfläche –
15 Jahre nach dem grossen Brand.
Foto: Levi.

Dort suchten wir sofort typische Vögel für dieses Gebiet. Schon nach kurzer Zeit konnten wir Neuntöter, Zippammer und einen Steinrötel beobachten. 

Zipp!
Ein männlicher Steinrötel in seiner ganzen Pracht.
Beide Fotos: Elias.

Erstaunt waren wir auch über die grosse Dichte an Berglaubsängern. Nach dem wir ein Stück hochgelaufen waren, assen wir noch einmal Zmorgen, dieses Mal richtig. Wir beschlossen, dass wir früh zurückgehen wollen, um vom Zeltplatz ziehende Greifvögel zu beobachten. Auf dem Rückweg kamen noch Arten wie Steinhuhn (rufend), Wiedehopf, Heidelerche und Wendehals dazu. Nach dieser gelungenen Morgenexkursion spielten wir auf dem Campingplatz einige Runden Tischtennis. 

Seit jeher die bevorzugte Sportart der Natrixler: Pinp-Pong!
Foto: Ruben Lippuner.

Plötzlich hiess es, dass ein Schlangenadler weit weg vor der Waldbrandfläche fliege. Als er landete, konnten alle den seltenen Greifvogel beobachten. Während einige nun ebenfalls Greifvögel suchten, spielten die anderen nochmals Tischtennis. Die nächsten Greifvögel, die etwas Aufregung auslösten, waren zwei adulte Bartgeier. Sie liessen sich relativ lange beobachten. Kaum wollten einige wieder Tischtennis spielen (wir wurden regelrecht vom Rundlauf-Fieber gepackt!), kam der nächste Alarm: Eine Weihe kreiste über unseren Köpfen! Zuerst wussten wir nicht sicher, welche Art es war. Nachdem wir aber die Bilder nochmals angeschaut hatten, erwies sich der Vogel als Wiesenweihe:
 
Foto: Elias.

Am späteren Nachmittag stiegen wir nochmals aufs Velo, um zu einer Brätelstelle zu radeln. Es gab Vegi-Plätzli, Gemüsespiesse und Kartoffeln. Einige hatten noch nicht genug vom Tischtennisspiel, deshalb wurde ein Tisch kurzerhand zum Tischtennistisch umfunktioniert. Andere vertrieben sich die Wartezeit mit dem «cup song». 

In Form von Schoko-Bananen-Schiffchen gab es sogar einen Dessert!
Foto: Merlin Hochreutener.

Nach dem leckeren Abschluss gingen wir zurück auf den Campingplatz. Dort packten wir unsere Sachen, um ein letztes mal in die Waldbrandfläche zu gehen. Als es eindunkelte, hörten wir den ersehnten Ziegenmelker! Auch er ist eine typische Art für Leuk. Ungefähr zehn Prozent des Schweizer Bestandes lebt in dieser Region. Zusammen mit einer anderen Beobachtergruppe lauschten wir seinem Gesang. Danach gingen wir auf den letzten Bus und kamen spät auf dem Zeltplatz an. Alle gingen nach dem Duschen zufrieden und müde ins Bett. 

Tagesbericht: Levi.

Dritter Tag – 12. Mai

Einige Frühaufsteher machten sich um 5.15 Uhr auf den Weg ins Leukerfeld. Dort konnten sie die Bienenfresser an der Brutwand beobachten, die Morgenstimmung geniessen und einen Nachtreiher beim Sonnenbad entdecken:
 
An den Teichen im Leukerfeld.
Foto: Ruben Lippuner.
Auf der Suche nach Ruhe und innerem Frieden
war wohl auch dieser Nachtreiher. Er konnte ja nicht ahnen,
dass die Natrixler schon so früh auf den Beinen sind!
Foto: Elias.

Auf dem Rückweg wurden sie dann mit der seit einiger Zeit im Gebiet anwesenden Sumpfohreule belohnt:

Spitzt die Öhrchen – eine Sumpfohreule im schönsten Licht!
So schön sieht man sie in der Schweiz selten.
Foto: Andrea Wüst.

Für den Rest der Gruppe begann der Tag ungefähr um 7.00 Uhr. Wir fuhren mit dem Velo an den Bahnhof. Mit dem Zug gelangten wir nach Sion/Sitten, von wo aus es mit dem Bus weiterging. Wir stiegen aus, als wir in der Nähe der Felswand bei Chamoson waren. Nachdem wir durch die Rebberge gelaufen waren, standen wir unterhalb der Felswand, an der die einzige Blaumerle im Wallis brütet. Wir beobachteten die schroffe Steilwand und hielten Ausschau, bis wir plötzlich eine Blaumerle sahen! Einige konnten sie beobachten, ehe sie wieder verschwand. Wir suchten und suchten, doch der Vogel blieb verschollen. Und so sah nur knapp die Hälfte diesen wunderhübschen Vogel, den Elias weit oben in der Felswand entdeckt hatte. 

Steil, steiler, Chamoson. Die Natrix beim einzigen
(bekannten) Brutstandort der Blaumerle im Wallis.
Foto: Ruben Lippuner.

Als wir dann einen Wanderfalken mit einer Taube, die tot in seinen Krallen war, sahen, beobachteten wir, wie sich ein Mäusebussard auf den Wanderfalken stürzte. Zum Glück kam ein männlicher Wanderfalke dem Weibchen zu Hilfe und verjagte den Mäusebussard. Nach diesen Beobachtungen stiegen wir wieder in den Bus und fuhren danach mit dem Zug nach Montreux am Genfersee. 

Einige nutzten die Fahrt für ein wohlverdientes Mittagsschläfchen.
Foto: Ruben Lippuner.

Am See teilten wir uns in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe wollte in Préverenges die gemeldeten Sumpfseeschwalben und den Steinwälzer twitchen, die andere in die Grangettes, um selber etwas entdecken. Als meine Gruppe ankam, fuhren wir ein Stück mit dem Bus und den Rest liefen wir bis zum Genfersee. Wir beobachteten viele Vögel, darunter auch seltene (Sumpfohreule und Steinwälzer!). 

Arenia interpres wälzte sich im Prachtkleid durch die Landschaft
und lief Merlin direkt vor die Kamera.

Nach einer Weile wollten wir gehen, doch unser Leiter Merlin machte noch 200 Fotos von einem Buchfinken. Wenigstens eines davon war auch scharf ;-):

Ein patenter Papa: Buchfink auf Nahrungssuche für die Jungmannschaft.
Foto: Merlin Hochreutener.

Nach einer weiteren Bus- und Zugreise trafen wir bald die andere Hälfte der Gruppe, die die seit langem in den Grangettes anwesende Eisente neben drei Eiderenten und hübschen Schwarzhalstauchern gesehen hatten. Von letzteren hatten sie uns auch ein paar Belege mitgebracht:

Verbreitert das immense Artenspektrum dieses Lagers noch weiter:
ein Schwarzhalstaucher in Schwarz-Rot-Gold.
Foto: Elias.

Zurück in Leuk fuhren wir mit unseren Velos, die wir am Morgen abgestellt hatten, zurück auf den Campingplatz. Dort spielten wir zur Abwechslung mal Frisbee, da der Wind so stark blies. Bald assen wir leckeren Risotto mit Salat und nach dem Abendessen spielten wir wieder Ping-Pong, bis ein SBA eintrudelte, dass 6 Individuen der sehr seltenen Lachseeschwalbe soeben in den Grangettes (wo eine Gruppe heute war!) beobachtet worden sei. Von dieser Neuigkeit etwas aufgewühlt putzten wir unsere Zähne und gingen in unsere Zelte.
 
Tagesbericht: Lara. 

Vierter Tag – 13. Mai 

Die Mehrheit der Gruppe hatte sich gestern entschieden, heute Morgen um 03.45 aufzustehen, um die Lachseeschwalben zu twitchen. Das mitgebrachte Frühstück assen wir im Zug Richtung Villeneuve, wo wir kurz vor Sonnenaufgang ankamen. Wir hetzten schnell in Richtung Turm, wo wir einen Kolben- x Stockenten-Hybrid entdeckten. Da wir die Lachseeschwalben vom Turm aus nicht sahen, versuchten wir unser Glück von Chez Bonnet aus. Doch auch von dort konnten wir sie trotz intensiver Suche nicht finden. Die einzigen beiden nennenswerten Arten waren Habicht und die Eisente. Darum liefen wir weiter zum Damm. Dort verteidigte ein Schwan sein Nest, indem er nach uns schnappte, als wir vorbeigingen.

AnSel 1, Höckerschwan 0!
Foto: Elias.

Da es viel zu fest stürmte, um den See einigermassen deckend abzusuchen, hielten wir es nicht länger vorne auf dem Damm aus und machten uns auf den Rückweg. Als wir nochmals im Chez Bonnet vorbeischauten, konnten wir unter den vielen Lachmöwen mindestens zwei Schwarzkopfmöwen entdecken. Beim Spaziergang zurück an den Bahnhof sahen wir einen männlichen Rotfussfalken wegfliegen. Auf der Rückreise nach Leuk mussten sich einige dem Schlaf ergeben (kein Wunder, wenn man so früh in den Tag startet :-)):
 
Foto: Ruben Lippuner.

In Leuk trafen wir die übrigen Natrixler, die unterdessen die Felder abgesucht und die Bienenfresserkolonie besucht hatten. Dann hiess es Zelteabbauen, Packen und noch eine letzte Runde Tischtennisspielen, währenddessen nochmals einige Bienenfresser durchflogen.
 
Wehmut kommt hoch: Wir müssen an die Heimkehr denken...
Foto: Ruben.

Schon war der Moment gekommen, in dem wir uns von dem schönen Ort verabschieden mussten. Mit dem Zug brachten wir unsere Velos nach Visp, wo wir sie verschickten. Wir assen wir noch ein Glacé und durften dann im für uns reservierten Erstklasswagen zurück nach Zürich fahren. 

Ein erstklassiger Abschluss eines genialen Lagers!
Foto: Merlin Hochreutener.

Uns fiel es sehr schwer, uns von der grossartigen Gruppe zu trennen, mit der wir so viele schöne Momente erlebt hatten.

Tagesbericht: Leon, Andrea & Selina.

Sonntag, 29. April 2018

Die Natrix an der Raritätensuchaktion im Tessin, 27.–29. April 2018

Freitagabend, 27. April 2018

Wer schon letztes Jahr an der vom CHClub300 organisierten Raritätensuchaktion im Tessin mitmachte, konnte sich diesen Anlass natürlich auch heuer nicht entgehen lassen. Letztes Jahr wurden mehrere Weissbartgrasmücken, Rotkopfwürger, Rötelschwalbe, Halsbandschnäpper und viele weiteren seltenen Arten entdeckt – was sollte uns in diesem Jahr erwarten?
Die meisten Natrixler reisten bereits am Freitagabend ins Tessin, um dann am Samstagmorgen so früh wie möglich ins «Feld» stechen zu können. Die Zelte waren ziemlich schnell auf dem Zeltplatz in Tenero aufgebaut und so ging es dann auch sogleich ins Feld. Highlight waren zwei Brachpieper. Die am Nachmittag noch anwesenden zwei Kurzzehenlerchen waren leider nicht mehr da.
Als es langsam eindunkelte, machten wir uns auf die Suche nach Zwergohreulen – und tatsächlich fanden wir dann wirklich nach einigem Suchen drei simultane Sänger in einem kleinen Wäldchen. Unglaublich! Ein paar von uns konnten eine davon sogar noch im Lichtstrahl der Taschenlampe auf einem Ast sitzend beobachten. Nachdem wir diesen Mittelmeerboten ausgiebig gelauscht hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Unterwegs konnten wir an einem weitern Ort nochmals zwei singende Zwergohreulen ausmachen. Das heisst, dass in der gesamten Magadinoeben an diesem Tag mindestens fünf Männchen sangen – eine sehr grosse Zahl! Danach bezogen wir zufrieden unsere Zelte und legten uns schlafen.
 
Samstag, 28. April 2018

Um etwa 5.30 Uhr klingelte schon der erste Wecker. Es war eine kurze Nacht. Wir teilten uns in drei Gruppen auf, die alle ein anderes Gebiet nach Raritäten absuchten. Die ersten Highlights und Lifer für einige Personen waren schon bald gefunden: Je ein singender Wendehals und Feldschwirl.
 
Hält sich bestimmt für besonders gut getarnt:
ein hübscher Wendehals.

Etwas weiter bei Stallone entdeckten wir einen Brachpieper, der auf relativ kurze Distanz gleich bei der Landebahn des Flugfelds nach Nahrung suchte. Ein paar Schritte weiter lenkte ein Rotfussfalkenweibchen die Aufmerksamkeit auf sich. Zuerst flog es ein paar Runden, bevor es sich auf einem Acker niederliess und dort für längere Zeit sitzenblieb, so dass wir es ausgiebig beobachtet konnten.

Ein typischer April-/Mai-Vogel: der Rotfussfalke.
Foto: Elias.

Auch viele Steinschmätzer, Braunkehlchen und Schafstelzen tummelten sich auf den Feldern. Aus den Bäumen entlang den Ufern des Ticinos sangen viele Nachtigallen. Dazu gesellte sich auch ein Pirol sowie mindestens eine Turteltaube, welche wir auch im Fernrohr betrachten konnten.

Die scheue Waldtaube zeigte sich für einmal sehr kooperativ.
Foto: Elias.

Dann ertönte plötzlich ein Sporpieper – aus unseren Smartphones wohlgemerkt. Über SBA wurde eine Weissbartgrasmücke nur wenige hunderte Meter entfernt auf der anderen Flussseite gemeldet. Natürlich rannten wir alle sogleich los. Vor Ort stiessen wir auf einige Ornithologen und es gesellten sich laufend weitere dazu. Es konnte auch die genaue Art bestimmt werden. Es handelte sich um eine Iberiengrasmücke. Bis vor kurzem behandelte man die verschiedenen Weissbartgrasmücken als Vertreter einer einzigen Art. Nun hat man sie alle in den Artstatus erhoben. Die Bestimmung ist aber schwierig und meist nur anhand des Rufs möglich. Man brauchte viel Geduld, da der Vogel sehr heimlich war und sich jeweils immer nur kurz im dichten Buschwerk zeigte. Elias gelang es als einzigem von uns, ein Belegfoto des hübschen Vogels zu machen.
 
Könnte sich in Sachen Kooperation eine Scheibe
bei der Turteltaube abschneiden: die adrette Iberiengrasmücke.
Foto: Elias.

Am Nachmittag nach Abschluss der Raritätensuche gingen wir auch noch in die anderen Sektoren birden. In diesen konnten wir unter anderem mehrere Rotkehlpieper, einen weiteren Brachpieper und zwei Ortolane beobachten.

Ornithologen freuen sich am Kleinvogelreihen in der Ebene – Ortolane, Brachpieper und ...
... hübsche Rotkehlpieper gab es zu sehen.
Beide Fotos: Elias.



Das längere Absuchen eines Uhu-Felsens blieb leider ohne Erfolg. Anscheinend war unser Eulenkontingent mit den 5 Zwergohreulen vom Vorabend schon ausgeschöpft, denn auch der Steinkauz, den wir unbedingt noch zu Gesicht bekommen wollten, liess sich partout nicht blicken. Dafür sollte uns eine andere Megararität beglücken. Direkt nach Erhalt einer Wiesenweihenmeldung in unmittelbarer Nähe konnten wir über den Feldern auch tatsächlich eine weissbürzelige Weihe entdecken. Allerdings machten uns einige nicht ganz zutreffende Merkmale stutzig und nach kurzer Zeit war klar, dass es sich um eine Steppenweihe handelte! Der Vogel war sehr aktiv und flog weit umher, liess sich aber immer wieder blicken und konnte auch fotografiert werden. Diese Beobachtung war wohl eines der grossen Highlights des gesamten Tessinwochenendes.
 
Die junge Steppenweihe durch Elias...
... resp. Merlins Kamera.
Auch Freudenspringen will gelernt sein: Ruben im Lifer-Jubel!

Danach machten wir uns langsam auf den Weg zurück zum Campingplatz, um dann am Abend auch pünktlich zur Pizzeria gehen zu können. In der Pizzeria trafen wir alle anderen Ornithologen, die ebenfalls an der Raritätensuchaktion teilgenommen hatten. In einer gemütlichen Runde liessen wir den Tag ausklingen, machten uns aber schon ziemlich bald wieder auf den Heimweg, da wir doch alle ziemlich müde waren ab diesem langen Tag, den wir fast ohne Pause draussen im Feld zugebracht hatten.

Sonntag, 29. April 2018

Trotz des anstrengenden vorangehenden Tages liessen es sich die unentwegtesten Natrixler nicht entgehen, schon um 6 Uhr in der Früh aufzustehen. Doch wer so früh den warmen Schlafsack verlässt, sollte auch belohnt werden. So konnten die Frühaufsteher in der Bolla Rossa ein Kleines Sumpfhuhn entdecken, das vor dem Hide herumspazierte. Weiter sollte es bei Stallone gehen. Dort stiess auch der später, aber immer noch früh aufgestandene Rest dazu. Dort, wo schon gestern ein Brachpieper war, entdeckten wir heute sogar zwei. Beide liessen sich lange und auf relativ kurze Distanz super beobachten.
 
Il calandro – nein, keine Kalanderlerche,
aber immerhin ein hübscher Brachpieper.

Auf dem grossen Acker, wo am Vortag das Rotfussfalkenweibchen sass, entdeckte Levi noch einen Ortolan. Leider zeigte er sich nur kurz und es konnten ihn nicht alle beobachten. Dennoch war dies ein toller Abschluss und danach ging es zurück zum Zeltplatz, wo wir die Zelte abbauten und die Hartgesottenen noch ein Bad im frischen Lago Maggiore nahmen.
 
Die härteste Jugendgruppe der Schweiz.

Dann fuhren wir zum Bahnhof Locarno, wo wir unsere Fahrräder zurück nach Hause verschickten. Die Zeit, die uns vor der Zugabfahrt noch blieb, wollten wir nutzen, um den Fahlseglern einen Besuch abzustatten. Leider machte uns Petrus hier einen Strich durch die Rechnung, indem er es wie aus dem Nichts aus allen Kübeln regnen liess.
 
Levi lässt sich auch vom Regen nicht davon
abbringen, Locarnos Fahlsegler zu finden.

Statt zur Kirche begaben wir uns jetzt halt zu einer gemütlichen Gelateria, wo wir vorzügliche Gelati geschützt unter Regenschirmen geniessen konnten. Danach ging es auch schon nach Hause. Zu Ende ging ein durchs Band gelungenes Tessinwochenende!

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 22. April 2018

Bergvogelwochenende im Pizol-Gebiet, 21.–22. April 2018

Am Samstagmorgen trafen wir uns am Hauptbahnhof Zürich und fuhren vergnügt nach Bad Ragaz. Dort konnten wir freundlicherweise unsere Rucksäcke ins Auto verladen und dann machten wir uns frohen Mutes zu Fuss auf den Weg. 

Zu Fuss vom Tal ins Mittelsäss, belohnt mit Panorama, 
schönen Vögeln und tollen Erlebnissen.

Im unteren Teil der Strecke ging es durch einen schönen Wald, in dem die Blätter frisch ausgetrieben waren. Wir konnten einen Berglaubsänger beobachten und nur wenige Meter später flog ein Waldlaubsänger minutenlang in vollem Singflug über unseren Köpfen! Zusammen mit dem grünen Blätterdach: eine wunderhübsche Kombination!


Grün in Grün: der Waldlaubsänger im Blätterdach.
Foto: Elias.

Bei unserem Gepäck angekommen, stärkten wir uns, um das letzte Stück in Angriff zu nehmen. Bei der Ankunft im Mittelsäss waren wir alle erschöpft und ruhten uns in der Sonne aus oder spielten am Töggelikasten. Unterdessen wurde fleissig Holz gehackt, um den Herd und das Cheminée einfeuern zu können.

Dann hatten wir die coole Idee, die Natrixflagge vor der Hütte zu hissen: Sie machte sich extrem gut! Im Wald neben der Hütte wollten wir einen Weissrückenspecht entdecken. Da wir aber nichts fanden, machten wir eine ausgiebige Schneeballschlacht, bis wir wieder zur Hütte zurück mussten. 

Die Mädchen erklärten sich freundlicherweise bereit, über dem Feuer zu kochen. Unterdessen begaben sich die anderen auf Ringdrossel-Pirsch oder schlittelten am Hang. Der Znacht, Chääshörnli und Salat, war sehr fein und wurde so bis auf den letzten Rest weggeputzt. 

Ringdrossel auf Frühlingswiesland – und goldenem Schnitt!
Foto: Levi.
Talwärts.
Foto: Elias.
Severin und Béla "helfen" bei der Essenszubereitung.

Danach teilten wir uns in drei Gruppen auf und verteilten uns auf der Lichtung rund um das Mittelsäss. Die mittlere Gruppe entdeckte eine überfliegende Waldschnepfe als erste. Die beiden anderen, per Telefon informierten Gruppen, sahen sie wenig später ebenfalls. Die untere Gruppe konnte sogar ganz kurz zwei ausmachen. Einige aus der oberen Gruppe hörten zudem von sehr weit weg einen singenden Raufusskauz. Als es komplett dunkel war, kehrten wir um und gingen ins Bett. Einige verbrachten die sternenklare Nacht draussen mit Sternschnuppen und sogar einem kleinen Feuerwerk auf der anderen Talseite, leider aber ohne Raufusskauz.


Andere Jugendgruppen verteilen Kleberli die Natrix hisst kurzerhand die Flagge! ;-)

Am Sonntagmorgen standen wir um 4.45 Uhr auf und assen Brot mit Schokolade. Dann zogen wir unsere Schneeschuhe an und wanderten im Dunkeln die Skipiste hinauf bis zur Waldgrenze. Unterwegs hörten wir weder Sperlingskauz noch balzende Birkhühner, so dass wir schon Angst hatten, wir würden auf unserer Morgenexkursion leer ausgehen. 

Aufstieg im Morgengrauen.
Bald kommt die Sonne – steil ist es aber immer noch.

Als wir oben ankamen, ging gerade die Sonne auf und wir konnten den ersten Birkhahn auf einer Tanne entdecken. Es folgten weitere, teilweise auch näher und in sehr schönem Licht. Insgesamt konnten wir mindestens acht Birkhühner beobachten, darunter zwei Weibchen und ein balzendes Männchen auf einer Anhöhe. 

Glänzt und leuchtet in der Morgensonne: der Birkhahn.
Foto: Merlin.
Zum Abschluss der Vorstellung gibt es noch die Hinterseite zu bestaunen.
Foto: Levi.

Während wir die Birkhähne und einen umherfliegenden Kuckuck beobachteten, hörten wir plötzlich die Rufe eines vorbeifliegenden Alpenschneehuhns. Wir machten uns in die Richtung auf, wo wir es hatten landen sehen, als wir plötzlich einen auffallend grossen Raufusshuhn bergauf stolzieren sahen. Im Fernrohr konnten wir sehen, dass er keine gebogenen Schwanzfedern, aber gleichzeitig weisse Unterschwanzdecken hatte und kamen daher zum Schluss, dass es sich um einen Rackelhahn handeln musste. Rackelhähne sind Hybriden zwischen Birk- und Auerhuhn, die vor allem in Gebieten mit abnehmendem Auerhuhnbestand auftreten. Wir freuten uns noch über die Entdeckung dieses seltenen Hybriden, als wir das Alpenschneehuhn erneut hörten. Kurz darauf streckte es den Kopf hinter ein paar Steinen hervor. 


Das Alpenschneehuhn – eine unverhoffte Zugabe.
Foto: Levi.

Überglücklich über die erfolgreiche Morgenexkursion machten wir uns auf Plastiksäcken schlittelnd auf den Rückweg. Merlin, Levi und Béla machten einen Umweg und wurden mit zwei nahe kreisenden Steinadlern belohnt.

Foto: Merlin.

Zurück im Mittelsäss trockneten wir unsere Kleider an der Sonne, assen ein zweites Zmorgen und begannen unsere Sachen zu packen. Nach der Schlüsselübergabe machten wir uns zu Fuss mit unseren Rucksäcken auf nach Bad Ragaz. 

Die Natrix vor Heidiland-Kitschkulisse.
Foto: Andrea.

Unterwegs fanden wir einen toten Eichelhäher, den Merlin mitnahm, um ihn zu präparieren. Am Bahnhof wurde uns wegen des warmen Wetters netterweise von der Natrix ein Glacé spendiert und dann ging es schon wieder heimwärts. Im Zug hingen wir alle den grossartigen Beobachtungen von diesem zwar strengen, aber definitiv sehr gelungenen Wochenende nach.

Frühlingshafte Kontraste im Rheintal.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Ruben Lippuner.

Sonntag, 18. März 2018

Spechtexkursion in Frauenfeld

Am Morgen trafen wir uns am Zürich HB und fuhren mit dem Zug nach Frauenfeld, von wo aus wir mit dem Bus zur Rohrerbrücke fuhren. Dort ausgestiegen packten wir unsere Feldstecher aus und liefen auf dem Damm der Thur entlang. 

Wir waren noch nicht weit gegangen, als wir kurz einen Kleinspecht rufen hörten. Wenig später flogen ein Buntspecht und überraschenderweise einige Bekassinen über unsere Köpfe hinweg. 

Da ist was im Busch – Marsch, halt!

Als plötzlich ein weiterer Specht vorbeiflog, sagten einige, es sei ein Mittelspecht, was mit dem Fernrohr bestätigt werden konnte. Der Vogel zeigte sich sehr schön und lange und sein farbiges Gefieder konnte von allen bewundert werden. 

Dann gingen wir weiter durch den Wald, als Merlin plötzlich rief, dass ein Trupp Goldregenpfeifer durchgeflogen sei. Einige konnten sie sehen, aber leider nicht alle, da das Sichtfeld durch die Baumwipfel ziemlich eingeschränkt war. Als wir weitergingen, hörten wir noch von weit weg einen Grünspecht rufen. 

Die Gruppe im Winter-Frühlingswald...

Auf den Feldern hielten wir leider vergeblich Ausschau nach den überwinternden Raubwürgern. Parallel dazu machten wir ein Storchen-Fangis auf einem Bein hüpfend, da die Kreuzung nicht so gross war. Auf dem Weiterweg konnten wir singende Goldammern, einen Rotmilan auf der Strasse und erneut eine Bekassine beobachten. 

Nach dem Zmittag gingen wir weiter zu den Feldern, auf denen die Goldregenpfeifer hätten gelandet sein können. Leider fanden wir sie nicht mehr, dafür einige Kiebitze und eine Rotdrossel. Als wir uns auf den Rückweg machen wollten, hörten wir noch einen Schwarzspecht, der unsere Mittelland-Spechtliste des Tages bis auf den selteneren Grauspecht komplettierte. 

Bei der Bushaltestelle machte Merlins Selbstauslöser noch ein Gruppenfoto von uns und dann kam auch schon der Bus und wir fuhren wieder zurück zum Treffpunkt. Mit dem fehlenden Grauspecht haben wir den Flachland-Spechte-Slam zwar knapp verpasst. Mit Goldregenpfeifern und Rotdrossel haben wir aber auch zwei überraschende Arten entdecken können!

Zufriedene Gesichter trotz Eiseskälte. :-)

Bericht: Ruben Lippuner.
Fotos: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 4. März 2018

Generalversammlung im Dynamo, Zürich

Fast 20 NatrixlerInnen liessen es sich an diesem Sonntag trotz wunderschönem Frühlingswetter nicht nehmen, unserer GV beizuwohnen. Sie wurden mit einem kurzweiligen Nachmittag belohnt.

Vereinstechnisch stand dieses Jahr einiges auf dem Programm: So konnten wir ganze fünf neue Vorstandsmitglieder aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren. Herzlich willkommen Andrea, Julia, Leon, Ruben und Selina! Dies war auch dringend nötig, sind in letzter Zeit doch viele Urgesteine wie Patrick, Jonas und Dominic (glücklicherweise noch nicht komplett) abgetreten.
Auf diese GV hin gab auch unser wohlverdientes Vorstandsmitglied und wandelndes Lexikon Dennis seinen Austritt aus dem Vorstand. Zwar wird er sich weiterhin als Verantwortlicher der Hegmatten für die Natrix einsetzen, als Exkursionsleiter wird er jedoch ab jetzt weniger in Erscheinung treten. Um diesen traurigen Moment zumindest etwas aufzulockern, haben wir eine kurze Präsentation zusammengestellt, in denen Dennis' allerbeste Momente aus 16 Jahren Natrix alle nochmals auftauchten: Von der wallenden Mähne bis zum Ungarn-Buddha war alles dabei. Als erstes Dankeschön erhielt Dennis ein T-Shirt mit den Unterschriften aller Anwesenden, das zweite, grosse Dankeschön ist noch unterwegs... 

Eine Ära geht zu Ende...
Dafür scheint Flurins Bösewichtphase gerade begonnen zu haben ;-)

An dieser Stelle möchten wir noch einmal unseren Dank aussprechen: Dennis, im Namen aller, ein grosses Merci für dein unermüdliches Engagement in der Natrix!
Nach einer kurzen Stärkung beim grosszügigen Buffet (vielen Dank an alle, die etwas mitgebracht haben!) erzählte uns Samuel von seiner Reise von Schottland nach Spitzbergen. Viele eindrückliche Fotos brachten uns die wunderschöne Arktis näher; nicht wenigen verschlug es bei den "drei grossen arktischen Es" die Sprache: Eisbär, Eismöwe und Elfenbeinmöwe!

Nachdem alle je fünf weitere Laugenbrötchen verdrückt hatten, ging es zum mit Spannung erwarteten Vogelquiz. Es wurde der Natrix-Meister in drei Kategorien erkoren: gesamt, U16 und U14. Wird Dennis seiner Favoritenrolle gerecht und kann den Titel anlässlich seines Abtritts heimnehmen? Oder gelingt einem Underdog die Sensation? Zwar begann das Quiz sehr machbar mit einer fliegenden Ringeltaube, wurde aber je länger, desto schwieriger: Spätestens ab der Mitte, dem 15. Vogel, wurden die Gesichter länger und länger. Am meisten Mühe bereiteten sicher die letzten Fotos: ein junger Neuntöter von hinten, ein wegfliegender Krabbentaucher, der Flügel einer Schwalbenmöwe und der hinterlistig am Anfang versteckte Schopfwespenbussard. Es zeichnete sich ein überraschendes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gesamtsieg ab: Youngster Elias schien tatsächlich Dennis zu übertrumpfen! Letztendlich siegte mit Dennis jedoch die Erfahrung mit 24 von 33 Punkten, ex aequo mit
Merlin, der die gleiche Punktzahl erreichte, und trotz seines jungen Alters aufgrund seiner langjährigen Natrix-Vergangenheit ebenfalls bereits zum alten Eisen gezählt wird.;) Den U16-Sieg holte sich Leon mit 22 Punkten, den für U14 Elias und Levi mit je 21 Punkten. Herzliche Gratulation!

Zuletzt nahmen wir mit der gütigen Hilfe eines Passanten ein Gruppenfoto auf, was zumindest beim zweiten Mal glückte.

Zufriedene Natrixler im Sonnenschein.





Bericht und Bild: Eric Christen.

Samstag, 17. Februar 2018

Regnerische Bodenseeexkursion

Heute Morgen trafen wir uns pünktlich um 8:25 Uhr beim Treffpunkt in Zürich. Eineinhalb Stunden später, nach ausführlichen Gesprächen über vergangene ornithologische Erlebnisse, kamen wir in Staad an und traten aus dem Turbo in einen trüben und nassen Tag hinaus. Unsere Erwartungen, die eine oder andere seltene Art zu sehen, waren daher nicht zu hoch angesetzt. Nichtsdestotrotz begrüßte uns eine Gruppe Schellenten und Jakob entdeckte eine Heringsmöwe in großer Entfernung. Außer einer zu bemitleidenswerten Lachmöwe mit gebrochenem Flügel war aber nichts Ungewöhnliches mehr zu sehen. 

Nach einem Standortwechsel nach Rorschach kamen die Möwencracks auf ihre Rechnung. Nebst einer adulten Silbermöwe und einer Steppenmöwe im 3. Winter gab vor allem eine vermeintliche junge Heringsmöwe zu reden. Auch nach langem Studium und ausführlichen Fotosessions konnte noch keine Einstimmigkeit über die Bestimmung erreicht werden. Es sollte aber eine junge etwas dunkle Mittelmeermöwe sein. Der Regen war bei der Bestimmung nicht gerade hilfreich. Wir versuchten dem Problem mit unterschiedlichen Ansätzen Herr zu werden:

Die Mützen-/Kapuzen-/Schirmlösung.
Die Baumlösung (blöd nur, dass wir unter einem Laubbaum stehen und Winter ist...).

Kurz bevor wir uns wieder mit dem Zug nach Arbon verschoben, entdeckte Merlin noch auf grosse Distanz zwei Mittelsägermännchen.

In Arbon ließen sich insgesamt am meisten Wasservögel beobachten: Besonders Enten waren
zahlreich vertreten. Neben Löffel-, Kolben-, Krick-, Tafel- und Reiherenten konnten wir auch Berg- und zwei Moorenten entdecken.

Moorenten – bei dem trüben Wetter etwas weniger
hübsch kastanienbraun leuchtend als sonst...
Versucht das Männchen rechts, die Weibchen zu beeindrucken?

Auch die Möwenversierten sollten wieder auf ihre Rechnung kommen. Diesmal gabs eine sichere junge Heringsmöwe. Im Vergleich zum Individuum in Rorschach war der Fall klar:

Heringsmöwe im ersten Winter.
Foto: Merlin Hochreutener.

Außerdem gab es sehr viele Steppenmöwen (mehr als Mittelmeermöwen!) und eine Silbermöwe. 

Dominierten die Möwenszen(eri)e in Arbon: adulte Steppenmöwen.
Foto: Merlin Hochreutener.

Da wir doch alle ziemlich ausgekühlt waren, gingen wir noch in ein Restaurant, um eine heisse Schoggi zu trinken. Leider wurde dort geraucht (trotz schweizweitem Verbot!), weshalb es ziemlich stank und ungemütlich war. So tranken wir unsere Schokolade etwas schneller aus und gingen einen Zug früher als geplant zurück nach Zürich. Weißstorch, Silberreiher und viele große Brachvögel sahen wir noch vom Zug aus. Alles in allem eine schöne Exkursion, obschon wir und auch die Billette des einen oder anderen Teilnehmers vom Regen etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden...

Die Kontrolleurin zeigte sich zum Glück kulant...

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Gabriel Maurer.

Sonntag, 4. Februar 2018

OCHA 2018 – Team Natrix

Nachdem es letztes Jahr leider nur knapp nicht geklappt hatte, war dieses Jahr Zeit für die erste Teilnahme einer Natrixdelegation am sogenannten OCHA. Mit von der Partie waren Julia, Benjamin und Merlin. Der Name OCHA kommt von L'Oiseau-Course d'Hiver d'Altitude und es handelt sich um ein Birdrace mit modifizierten Regeln. Es wird von unseren welschen Freunden der Groupe des Jeunes de Nos Oiseaux organisiert und findet im Winter statt. Man darf nur Arten auf einer Höhe von mehr als 1'000 Metern über Meer zählen, die man sich mit eigener Muskelkraft erarbeitet hat – ÖV ist also nicht erlaubt! Des Weiteren steht im Reglement, dass man am Abend vor dem Rennen ein Fondue essen muss, damit am nächsten Tag auch allen Teams das Essen gleich schwer aufliegt und somit gleiche Voraussetzungen herrschen. :-)

Wir trafen uns am Abend des 3. Februars in Madulain im Oberengadin, wo unser erstes OCHA stattfinden sollten. Kaum waren wir aus dem Zug gestiegen, machte ein Bartgeier klar, dass wir auch wirklich in den Bergen sind. Er drehte einige Runden über uns und flog dann das Tal aufwärts davon – dies alles, ohne einmal mit den Flügeln zu schlagen… Eine majestätische und beeindruckende Erscheinung.

Danach stand das obligate Fondue auf dem Programm. Hier müssen wir aber noch etwas üben. Wir haben nämlich das Maizena vergessen und deshalb gab es ein etwas komisches Käse-Flüssigkeitsgemisch, das extrem lange Fäden zog. Dies sorgte aber für Belustigung.
 
 
Auch wenn es kein Vorzeigefondue war, schmeckte es uns dennoch hervorragend und wir gingen gut gesättigt und relativ früh zu Bett, natürlich nicht, ohne zuvor noch Glace zum Dessert gegessen zu haben.

Am nächsten Tag ging es früh los. Im Tal sahen respektive hörten wir schon die ersten Meisen, Buntspecht und Finken. Danach wanderten wir mit Schneeschuhen die Hänge hoch. Leider sahen wir keine der von uns erhofften Arten wie Hühner oder Schneesperling, dafür aber Steinböcke und Gämsen. Und auch der Pulverschnee glitzerte prächtig bei strahlendem Sonnenschein. So wurden wir immerhin in dieser Hinsicht belohnt.
 
Wetter top, Vögel... nun ja! ;-)
Foto: Julia Zahnd.

Nach einigen Stunden Schneeschuhwandern ohne neue Arten stiegen wir wieder ins Tal herab. Plötzlich über- bzw. unterflogen uns zwei Bartgeier und wir konnten von oben auf die Rücken dieser riesigen Vögel gucken. Im Tal versuchten wir noch die letzten Arten herauszuschütteln, bevor wir auf den Bus mussten. Kurz vor Schluss konnten wir mit der Amsel noch unsere letzte und 18. Art feststellen. Wir haben uns wohl selten so sehr über eine Amsel gefreut… ;-)

Wie das Gruppenfoto unten zeigt, hatten wir viel Spass am OCHA und wir werden auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein!
 
Zufriedene OCHA-isten im Wintermärchenland.
Foto: Julia Zahnd.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.