Samstag, 25. Juli 2015

SVS-Sommerlager im Grossen Moos, 20. bis 25. Juli 2015

Erster Tag - Montag, 20. Juli
Nachdem wir uns in Bern getroffen hatten, fuhren wir mit dem Zug nach Ins. Dort konnten wir unsere Velos abholen und fuhren zum Fanelhaus, wo wir sofort unsere Zimmer beziehen konnten.
Nach einem feinen Zmittag und einem Kennenlernspiel gingen wir auf eine kurze Erkundungstour zum Berner Turm.

Der Berner Turm - inmitten des Naturschutzgebiets gelegen.
Von oben hat man einen guten Überblick.
Anschliessend fuhren wir in der glühenden Hitze des Tages zum Gemshoger. Dort war eine Weissbartseeschwalbe das Highlight des Tages. Zum Znacht gab es Ratatouille mit Polenta. Dank dieser Stärkung hatten wir viel Energie für den abendlichen Sportblock vor dem Haus.

Diverse tolle Spiele auf dem improvisierten Spielfeld.
Um 10 Uhr war Nachtruhe – wirklich geschlafen haben wir dann allerdings erst später. 

Text: Hermes, Csaba und Noah D.B.


Zweiter Tag - Dienstag, 21. Juli

Morgens um sechs wurden wir alle für eine Frühexkursion zum Berner Turm geweckt. Wir konnten zahlreiche Arten wie den Eisvogel, Bartmeisen und eine Zwergdommel beobachten. 

Selina während der Frühexkursion auf dem Berner Turm.

Nachdem wir ein leckeres Frühstück eingenommen und unseren Lunch gefasst hatten, ging es in Richtung Chablais de Cudrefin. Dort wurden Arten wie beispielsweise Küsten- und Weissbartseeschwalbe und diverse Möwen gezählt. Ein spezielles Highlight war der Rosapelikan, den wir vom Broyedamm aus beim entspannten Segeln zusehen konnten. 
Auf der anderen Seite des Kanals konnten wir einem Pirol erspähen, der eine sehr spezielle Jagdtechnik anwandte. Von einer Warte aus schnappte er sich auf dem Wasser treibende Insekten im eleganten Jagdflug. Nach dem Lunch beim BirdLife-Naturzentrum La Sauge ging es in die „Badi“ von Cudrefin, wo wir uns im Neuenburgersee erfrischen konnten. 

Anscheinend hinterliess das frühe Aufstehen seine Spuren... ;-)

Anschliessend fuhren wir zurück zum Lagerhaus, wo ein feines Abendessen auf uns wartete.  

Text: Noah T. und Lukas.

Dritter Tag - Mittwoch, 22. Juli

Heute mussten wir erst um 7:00 Uhr aufstehen. Nach einem exzellenten Zmorgen fuhren wir ins BirdLife-Naturzentrum La Sauge. Dort empfing uns Carl’Antonio Balzari, der uns viel über die Vögel am Neuenburgesee erzählen konnte.

Gespanntes Lauschen den Ausführungen von Carl'Antonio Balzari.

Er zeigte uns auch einige Vögel, die gerade beringt wurden. Anschliessend entliess er diese in die Freiheit. Zwei Kinder durften dann auch noch je einen Eisvogel freilassen:


Ein Traum wird wahr! Sontje und Csaba beim Freilassen zweier Eisvögel.

Als die Eisvögel davongeflogen waren, durften wir noch beim Beringen zuschauen:


Dem Beringer über die Schultern schauen - das kann man nicht jeden Tag!
Foto: Dominic Martin.
Noah mit einem jungen Buntspecht in der Hand.

Später gingen wir noch zum Vögelbeobachten in die Beobachtungshütten. Dort entdeckten wir Kampfläufer, Flussuferläufer, Kiebitz, Grosse Brachvögel, Knäkenten und Zwergtaucher. Zu unserer grossen Überraschung landeten plötzlich zwei Turteltauben direkt vor dem Hide – eine super Beobachtung! Leider suchten sie zu schnell wieder das Weite, weshalb uns kein Foto gelang ...


Ein Kiebitz beim Grand Étang. Dank den Beobachtungshütten liess er sich ganz nah beobachten.

Nach diesem spannenden Vormittag setzten wir uns in den Schatten und assen unseren eingepackten Zmittag. Nach Abschluss des Mahls machten wir etwas ganz Spezielles: Wir fingen mit Keschern im Teich vom La Sauge Insektenlarven und Käfer.

Die Gruppe beim Keschern.
Merlin wurde von einem giftigen Rückenschwimmer gestochen und kreischte laut auf (hmm, na ja, nun mal nicht übertreiben... ;-)). Einige Rückenschwimmer machten sich auch fliegend aus dem Staub, bevor wir sie richtig anschauen konnten. Selina fing einen Käfer oder eine Wanze, die wir nicht bestimmen konnten. Auch im Internet fanden wir den Namen nicht. In der Zwischenzeit fing Gian Luis einen riesigen Gelbrandkäfer.

Der gigantische Gelbrandkäfer. Auf dem Foto mag er nicht so gross erscheinen,
er war aber mindestens 8 cm lang!
Am Schluss liessen wir alles wieder frei und fuhren wieder in die Badi. Die Wellen im See waren wegen des aufziehenden Gewitters gross und es war sehr lustig. Gerade noch rechtzeitig schafften wir es trocken nach Hause.

Text: Selina, Leon und Elia.

Vierter Tag - Donnerstag, 23. Juli
Nach einem superfeinen Nutella-Aufbackzopfzmorgen ging es heute kulinarisch weiter: Eine Essenssuchstafette stand auf dem Programm. Es galt, Fantasietierchen zu falten, Vogelnester zu bauen, Gedichte zu erfinden, Bäume zu bestimmen und Quizfragen zu beantworten. Das Resultat liess sich jeweils in eine Zutat für das Mittagessen umtauschen. Eine Zutat war Schokolade – Sontje und Lukas bekamen diese allerding nicht, da sie verbotenerweise eine Abkürzung durchs Naturschutzgebiet nahmen.

Ein wahres Kunstwerk.
Am Nachmittag gingen wir wegen des wechselhaften Wetters nicht wie üblich in die Badi, sondern blieben im Fanel. Vom Gemshoger aus beobachteten wir Alpen-, Zwerg- und Sichelstrandläufer. Auch die Bartmeise zeigte sich schön. Nach einem Abendessen mit Kartoffelstock, Sauce und Vegischnitzel machten wir uns noch auf, um das Fanel bei Nacht zu erkunden. In der Dämmerung erspähten wir ein Wildschwein, welches in der Lagune ein Bad nahm. Ein ausserordentlicher Anblick! Mit Fortschreiten der Dunkelheit liessen sich auch noch die Leiter für ein Foto ablichten.

Die drei Leiter: Merlin, Dominic und Julia (von links).
Foto: Andrea.
Danach setzten wir uns in einen Kreis, assen Guetzli und konnten mit einem Fledermausdetektor die Rufe der umherschwirrenden Fledermäuse hörbar machen. 
Nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir erschöpft ins Bett.

Text: Andrea und Dominic Martin.

Fünfter Tag - Freitag, 24. Juli
Am heutigen Vormittag hatten wir Grosses vor: Beim Birdrace galt es, innerhalb von dreieinhalb Stunden möglichst viele Vogelarten zu beobachten. Der erlaubte Bereich war auch klar abgesteckt: See, Broye und Strasse waren die Begrenzungen. Das Siegerteam konnte ganze 71 Arten beobachten, von denen u.a. eine sehr frühe Rohrdommel besondere Beachtung verdient. Das zweitplatzierte Team fand 51 Arten, darunter den Rosapelikan. Das dritte Team folgte fast gleichauf mit 47 Arten. Der Sieg wurde mit tollen Preisen belohnt – von Feldführern über Guetsli und Cola bis zu einem Quartett war alles dabei. Am Nachmittag fuhren wir in die Badi und spielten Fussball.

Schön geordnet auf dem Weg in die Badi.
Wegen des herannahenden Gewitters mussten wir ziemlich abrupt aufbrechen, schafften es aber noch gerade rechtzeitig zum Fanelhaus zurück. Dort erwarteten uns Gschwellti, Erbsen und Käse. Als Dessert gab es leckere Fotzelschnitten. Nach dem Essen unterbrach uns ein spezieller Gast bei diversen Spielen wie beispielsweise dem turbulenten"Se Nuwe" (danke für den Spieltipp, Noah ;-)) - es kratzte an der Haustüre und als Gian Luis die Tür öffnete, stand doch tatsächlich ein Kormoran vor der Türe. Es handelte sich um einen Jungvogel, der von einer heftigen Sturmböe aus dem Nest geweht wurde. Im Pinguin-Style watschelte er danach wieder in die Nacht hinaus. Das Schicksal dieses Vogels bleibt im Dunkeln - jedenfalls konnten wir etwas später noch zwei lauernde Füchse beobachten, die ja auch ihre Jungtiere mit ausreichend Nahrung versorgen müssen. Das ist die Natur...

Text: Noah D. B., Sontje und Gian Luis.

Sechster Tag - Samstag, 25. Juli
Nach der kurzen Nacht rafften sich nur vier Teilnehmer für die freiwillige Frühexkursion auf. Diese wurden jedoch mit tollen Beobachtungen der Rohrammer, des Rohrschwirls und der Gartengrasmücke (Leon ;-)) belohnt.

Eine letzte Exkursion im Fanel.
Der Rohrschwirl - selten so schön frei zu beobachten...
Zudem konnten sie die Gewitterschäden im Fanel als Erste begutachten: Das Gewitter hatte diverse armdicke Äste abgebrochen und an der Broye einen stattlichen Baum gefällt, welchen die Frühaufsteher nur mit Mühe überwinden konnten.
Zurück im Haus genossen alle einen feinen Zmorgen mit einer intensiven heissen Schokolade. Dann ging es ans Putzen. Beim Fanelhaus mit seinen Teppichen, Ritzen und Spalten ist das eine echte Herausforderung. Nach anfänglicher Mühe beteiligten sich alle an der Reinigung und brachten das Haus innerhalb von nur zwei Stunden auf Vordermann.

(Fast) fertig gepackt...

Und schon galt es, vom Fanel Abschied zu nehmen. Wir schwangen uns auf unsere Velos und radelten nach einem unvergesslichen Lager zurück nach Ins, von wo aus wir uns mit dem Zug nach Hause begaben.


Text: Dominic Martin.

Bericht: Lagerteilnehmende, Dominic Martin und Merlin Hochreutener.
Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Samstag, 13. Juni 2015

Arbeitseinsatz auf den Hegmatten

Im Juni führen wir jedes Jahr einen Arbeitseinsatz in unserem Gebiet in Winterthur durch, um nicht einheimische Pflanzen (Neophyten) aus dem Naturschutzgebiet zu entfernen. Dies machen wir nun schon einige Jahre und der Erfolg lässt sich sehen: An diesem Samstag gab es für uns kaum mehr etwas zu tun: Goldruten liessen sich nur noch vereinzelt im dichten Schilf und direkt am Zaun finden. Das Berufskraut war besonders noch an den kiesigen Stellen in der Mitte des Gebiets in kleiner Zahl vorhanden; dies ist hingegen gar kein Vergleich im Gegensatz zu den Vorjahren.
So konnten wir uns schon bald in den kühlen Schatten legen und nahmen unser Mittagessen ein:

Samuel (verdeckt), Sylvain, Jonas, Flurin, Leon und Noah beim Mittagessen (von links). 

Nach der Mittagspause standen die Tiere im Mittelpunkt: Diverse Libellen, Heuschrecken und Frösche konnten wir unserem Gebiet sehen. Speziell war die Beobachtung von einigen Langfühler-Dornschrecken (Tetrix tenuicornis) auf der kiesigen Fläche in der Mitte des Gebiets. Im Rahmen von Jakobs Untersuchung wurde diese Art noch nicht festgestellt.
Mit der guten Arbeit, die wir in den letzten Jahren und an diesem Samstag bei der Bekämpfung der Neophyten geleistet haben, wird es spannend zu sehen sein, ob nächstes Jahr überhaupt noch Goldruten und Berufskraut zu finden sein werden. Ein grosses Dankeschön geht an dieser Stelle noch an die Bebbi Basler Sylvain und Samuel, die uns tatkräftig unterstützt haben!

Bericht und Foto: Eric Christen.

Sonntag, 17. Mai 2015

Auffahrtslager im Wallis, 14. - 17. Mai 2015

Erster Tag – Donnerstag, 14. Mai

Um 08:30 Uhr trafen wir uns am Bahnhof Zürich, um unser Gepäck in Dominics Auto zu laden. Dann traten wir unsere Reise ins Wallis an. Das Spezielle an dieser Reise: Die SBB hat für unsere Gruppe einen Erstklasswaggon reserviert. So reiste die Natrix gemütlich und weich gepolstert ins Wallis.

Die Natrix rüstet auf - 1. Klasse!
In Visp holten wir unsere Velos ab und fuhren dann weiter zum Zeltplatz, wo Dominic uns schon erwartete, und bauten unsere Zelte auf. Während des Zeltaufbauens unterbrachen uns noch zwei Wiedehopfe bei der Arbeit – eine sehr schöne Beobachtung.

Natrixler beim Aufbauen der Zeltlandschaft.
Wie geht das mit dem Aufblasen einer Schlafmatte schon wieder? Lieber zuschauen als helfen... Helfen scheint ein Fremdwort zu sein ;-)
Als sämtliche Zelte aufgebaut waren, fuhren wir ins Leukerfeld. Auf dem Weg beglückten uns ein warnendes Pärchen Schwarzkehlchen, ein Neuntöterweibchen und zwei Bluthänflinge. Doch die Hauptattraktion sollte erst noch kommen. Seit ein paar Jahren existiert bei einem alten renaturierten Seitenkanal der Rohne eine Bienenfresserkolonie. Noch bevor wir ankamen, machten schon die ersten dieser bunt gefärbten Vögel mit ihren typischen Flugrufen auf sich aufmerksam. Wir beobachteten ihre Luftspiele auf der Jagd nach Libellen und anderen Insekten eine Weile, bevor wir zur eigentlichen Kolonie weiterfuhren. Dort wurde ein neues Hide errichtet, von wo aus sich die Bienenfresser und zahlreiche andere Vögel ungestört beobachten lassen.

Ein Bienenfresser an der Bruthöhle.
Foto: Linus.
Wir fotografierten die Bienenfresser und konnten auch noch einen Nachtreiher im zweiten Kalenderjahr entdecken. Kurz vor Abfahrt mussten wir nochmals kurz konzentriert beobachten, um einen relativ weit entfernt kreisenden Bussard zu bestimmen. Nach kurzer Zeit stand die Bestimmung fest: ein Wespenbussard.

Zurück beim Zeltplatz hüpften wir auf dem Trampolin (alte Erinnerungen an Sur En und Claudio wurden wach… :-D) und spielten Pingpong, bis Dominic das Essen brachte, welches er freundlicherweise bei Alice (Freundin von Jonas, Stand Mai 2015 ;-)) zu Hause zubereiten konnte. Es gab Gnocchi mit Tomatensauce und zum Dessert Vanille- und Schokoladenmousse mit Pfirsichen.

Dooooooomiiiiiiii, wann kommt das Essen???
Nach dem Abendessen teilte sich die Gruppe auf. Die einen blieben bei den Zelten, wo während der fortschreitenden Dämmerung gegen die vierzig Bienenfresser auf einer Telefonleitung sassen. Die andere Gruppe ging nochmals zu den Teichen. Valentin (ein Bebbi Babbler und ehemaliger Natrix-Fremdgänger, Milan scheint es ihm nun gleich zu tun ;-)) informierte uns nämlich, dass er dort am späteren Nachmittag einen adulten Kuhreiher im Prachtkleid habe beobachten können. Etwas später gesellte sich ein Nachtreiher zum Kuhreiher und etwas später noch ein zweiter Nachtreiher. Die Krönung bildeten schliesslich ein Grau- und ein Seidenreiher – so konnten vier Reiherarten im selben Fernrohrbild betrachtet werden. Ein nicht alltäglicher Anblick.

Vier Reiherarten auf einem Foto.
Zurück beim Zeltplatz ging es nach einigen Wettrennen mit Sontje, die scheinbar noch immer überschüssige Energie hatte, und Zähneputzen zufrieden ins Bett – genauer gesagt in die Schlafsäcke in den Zelten.

Dummerweise erst, als der letzte Zeltreissverschluss geschlossen war, überflog uns beim letzten Licht noch ein Rotfussfalkenmännchen. Jedoch bekamen nur Dominic und Merlin diesen hübschen Falken zu Gesicht…

Auf dem Weg zur Toilette stolperte ein Natrixler um Mitternacht beinahe noch über einen Igel. Dieser kugelte sich zu einem Stachelknäuel zusammen und hielt uns vorerst noch vom Schlafen ab.

Der stachlige Kerl zog alle Aufmerksamkeit auf sich.
Einige konnten auch noch ganz kurz das monotone „tüüt“ der Zwergohreule hören. Danach hiess es dann wirklich „Schlaf guet“ und ein sehr warmer Tag ging zu Ende.

Text: Milan und Linus


Zweiter Tag – Freitag, 15. Mai

Um 08:00 Uhr sind wir im Regen aufgestanden. Wir frühstückten, zogen unsere Regensachen an und fuhren mit der Hoffnung, dass Petrus uns etwas Seltenes vom Himmel regnete, los ins Leukerfeld. Die ersten erwähnenswerten Beobachtungen waren Steinschmätzer, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Distelfink und Turmfalke. Dann fuhren wir weiter und stellten unsere Velos bei einer kleinen Hütte ab. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Die erste ging direkt zu den Teichen, die zweite machte noch einen kleinen Abstecher zur Rhone, wo sie nebst Nachtigallengesang noch zwei Flussuferläufer ausfindig machte. Bei den Teichen und den Feldern rundum warteten Feldlerchen, Steinschmätzer, drei verschiedene Unterarten der Schafstelze (flava, cinereocapilla und thunbergi), Schwarzkehlchen und der Kuhreiher vom Vorabend auf uns.

Natrixler trotzen dem Regen.
Wegen des immer heftiger werdenden Regens brachen wir die Exkursion ab und radelten zurück zu unseren Zelten, wo wir völlig durchnässt ankamen. Den gesamten Nachmittag verbrachten wir im Schlafsack in den Zelten, wo wir uns entweder mit Büchern oder interessanten Gesprächen die Zeit vertrieben. Nicht schlecht staunten wir, als anstelle des „tropf-tropf-tropf-tropf“ plötzlich ein anderes Geräusch einsetzte. Es war jenes von Schneeflocken, die ganz sanft auf den Aussenzelten landeten. Am Tag zuvor gefühlte 30°C und nun Schnee – und das Mitte Mai! Fürs Abendessen mussten sich nochmals alle aus ihren Schlafsäcken kämpfen.

Geschickt, geschickt, dieser Vito! ;-)
Doch wer die Schritte durch Nass und Schnee zu den überdachten Tischen auf sich nahm, wurde mit einem feinen Risotto belohnt, der wiederum in Alices Küche zubereitet worden war – vielen Dank! Die gutmütigen Zeltplatzbesitzer waren ab unserer Wetterfestigkeit beeindruckt und bereiteten extra für uns eine exklusive und ausserordentlich feine Aprikosenwähe zu. Ebenfalls vielen Dank für das Dessert!

Der Beweis - Schnee bis weit hinab ins Tal!
Nach dem Essen schlüpften alle wieder in ihre Schlafsäcke und legten sich schlafen. Mit einem eigenen Zelt stiess unbemerkt noch Stefan, der Mitbewohner der WG von Dominic und Jonas, dazu. Neidisch auf Stefans Superzelt kam spätabends dann auch wieder Samuel angereist, der den Tag durch arbeiten musste und in Leuk von seinem undichten und durchnässten Zelt in freundlichster Manier empfangen wurde… Zum Glück war am nächsten Tag auch schon wieder früh Tagwache, sodass die Nacht im durchnässten Schlafsack relativ schnell durchgemacht war… ;-)

Text: Sontje und Gian Luis


Dritter Tag – Samstag, 16. Mai

Um 05:30 Uhr wurden wir geweckt. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir zum Bahnhof. Dort erwarteten uns schon Jonas und seine Begleitung Alice. Gemeinsam nahmen wir den Bus bis an die Grenze der Waldbrandfläche. Dort angekommen wurden wir zuerst einmal von Berglaubsänger und Gartenrotschwanz begrüsst, die in der von Schnee überhauchten Landschaft ihren Gesangskünsten freien Lauf liessen.

Gartenrotschwanz und Berglaubsänger in Kombination mit Schnee?
Wie kurios... Die Natrixler auf Vogelpirsch.
Dort, wo Jonas in der Woche zuvor ein prächtiges Steinhuhn beobachten konnte, war diesmal leider keine Spur von dieser Art. Umso mehr erfreuten uns dafür Steinrötel, Kuckuck, Wiedehopf und Zippammer.

Äusserst fotogen, diese Zippammer.
Gartenrotschwanz, Heidelerche, Kuckuck und Steinrötel - ein tolles Quartett!
Im Laufe des Vormittags fand dann auch Eric den Weg ins Wallis und gesellte sich zu uns, was insbesondere Sontje sehr erfreute.

Prächtig, der Blick ins Wallis.
Auf dem Weg in Richtung Brentjong konnten wir flüchtig einen grösseren Schatten ausmachen. Der Blick an den Himmel klärte die Ursache: Ein prrrächtiger Schlangenadler zog über unsere Köpfe hinweg. Bei unserer Mittagsraststelle war nicht nur Platz für ein Gruppenfoto vorhanden, sondern auch noch Schnee für eine Schneeballschlacht. Die Schlacht zu unterbrechen wussten nur ein Bartgeier, drei Wespenbussarde, eine Rohrweihe und ein Wanderfalke. Auch die Zaunammer, die sich dann aber immer wieder als Goldammer herausstellte, sorgte für Aufregung. Als mit der Zeit sämtlicher Schnee aufgebraucht bzw. von der wieder erstarkten Sonne weggeschmolzen war, liefen wir zurück ins Tal, wo wir es uns beim Zeltplatz gemütlich machten und die Sonnenstrahlen genossen.

Gruppenfoto - Natrix pur!
Gold-, Zaun- oder doch Goldammer ...?
Foto: Linus.
Trampolin und Pingpongtisch sorgten für ausreichend Unterhaltung. Insbesondere Eric zeigte schnell, wer hier das Sagen hatte und führte allen vor, wie man mit Pingpongball und -schläger umzugehen hat. Auch der neu dazugekommene Dennis wusste da nichts entgegenzusetzten…

Angriff Eric - Verteidigung Dominic - Punkt Eric...
Die unentwegten Lukas, Enrico, Samuel, Milan und Linus fuhren nochmals ins Leukerfeld, wo Wanderfalke gesehen und Wachtel sowie Sumpfrohrsänger gehört werden konnten. Damit wir unsere Gaskocher nicht vergeblich gepackt hatten, setzten wir diese für das letzte Abendessen dieses Auffahrtslagers doch noch in Betrieb und konnten in einer gemütlichen Runde Couscous mit Tomatensauce kochen und essen. Zum Dessert gab es Schokoladen- und Vanillecrème. Doch mit dem Abendessen ging dieser Tag noch lange nicht zu Ende, sondern kam gerade erst zu seinem Höhepunkt: Die Region Leuk ist eine der wenigen Schweizer Destinationen, wo der Ziegenmelker regelmässig und relativ einfach beobachtet respektive gehört werden kann. In der Dämmerung konnten wir sehr schön die Umrisse eines sitzenden Individuums beobachten und uns dessen schnurrenden Gesang einprägen.

Text: Lukas


Vierter Tag – Sonntag, 17. Mai

Wegen der späten vorabendlichen Exkursion herrschte bis acht Uhr Schlafstimmung. Merlin machte diese Stimmung allerdings zunichte, als er nach einem frühmorgendlichen Egotrip zur Hohen Brücke zurück zu den Zelten kam und alle Teilnehmenden aus ihren Schlafsäcken schüttelte.

Die berüchtigt berühmte Hohe Brücke. Doch an diesem Morgen sollte der Mauerläufer nicht anzutreffen sein.
Nach einem deftigen Morgenessen – zahlreiche Nutella-Schokoladenmäuler lassen grüssen – ging es noch ein letztes Mal ins Leukerfeld. Wir konnten uns von den Bienenfressern verabschieden. Ein kurzes Hallo und Tschüss entlockten uns ein Mandarinentenmännchen und eine Wachtel. Danach hiess es, die Zelte abzubrechen und die Sachen zu packen. Dies gestaltete sich etwas mühsam, da die Temperaturen wieder Höchstwerte erreichten und deshalb einige lieber wie ein lampiges Salatblatt in der Wiese herumlagen anstatt mitanzupacken… Nichtsdestotrotz war schliesslich wieder sämtliches Gepäck in Dominics Auto verstaut und die Heimreise über Visp, wo wir unsere Velos aufgaben, und Bern nach Zürich konnte angetreten werden. Einige Jungornithologen, die ihr Durchhaltevermögen beweisen wollten, beendeten das verlängerte Auffahrtsweekend auf der Röstifarm in Schinznach Dorf, wo seit einigen Tagen der von unserem Präsidenten entdeckte Schlagschwirl lautstark seine „swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi-swi- swi-swi- swi-swi“ Strophe vortrug. Mit diesem Twitch ging auch für die letzten Natrixler ein äusserst erfolgreiches Auffahrtslager zu Ende.

Das Pünktchen auf dem "i" dieses Wochenende: Der von Jonas entdeckte Schlagschwirl.

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 19. April 2015

Fanelwochenende

Einmal mehr besuchte die Natrix diesen Frühling das altbekannte Fanel, den ornithologischen Hotspot am Ostende des Neuenburgersees. Dieses Jahr allerdings nicht während vier Tagen, sondern nur deren zwei. Dies sollte die Freude aber keineswegs trüben.

Erster Tag – 18. April

Am frühen Morgen traf sich die Jugendgruppe Natrix in Zürich am Treffpunkt, um dann gleich via Bern in Richtung Ins zu fahren. Dort angekommen wurden die im Voraus verschickten Velos entgegengenommen und sogleich in Richtung Fanel losgeradelt. Auf dem Weg liessen sich Grauammer sowie 16 Regenbrachvögel – eine stattliche Anzahl – beobachten. Während die Zimmer in Beschlag genommen wurden, stiess noch Alt-Natrixler David Marques zu uns, mit dem wir einen Kuckuck schön frei auf einer Leitung, einen in rasantem Tempo überfliegenden Baumfalken sowie eine gut im Gebüsch versteckte Klappergrasmücke beobachten konnten. Als alle Mägen mit Lunch gefüllt waren, zog es uns auf den Gemshoger, von wo aus am morgen früh noch ein Seggenrohrsänger sowie ein Stelzenläufer beobachtet respektive gehört werden konnten. Während unserer Visite war es vor allem einmal ausserordentlich windig und dementsprechend gefühlsmässig sehr kalt. Vögel wie Kampfläufer (im wunderbaren Prachtkleid), Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Bartmeisen, Rohrammer und Rohrschwirl waren sehr wohl schöne Beobachtungen, konnten unsere Herzen jedoch nicht nachhaltig erwärmen.

Kampfläufer im Prachtkleid.
Foto: Samuel Betschart.
Zufriedene Gesichter trotzen dem Wind und der Kälte.
Foto: Eva Baier.
Als es definitiv zu kalt wurde, beschlossen wir, ins Naturschutzzentrum La Sauge zu gehen, wo es sich in den Hides windgeschützt deutlich gemütlicher beobachten lassen sollte. Ausserdem mutmassten wir, dass der am Morgen noch auf der Berner Insel beobachtete Stelzenläufer sich an den Grand Étang verzogen haben könnte. Wir sollten Recht behalten. Hochbeinig stolzierte das Stelzenläuferweibchen umher und überragte sowohl Grünschenkel als auch Bruchwasserläufer, welche ebenfalls anwesend waren. Auch das Eisvogelpärchen mit seinem strahlend blauen Rücken wusste zu entzücken. Nach ausgiebiger Fotosession und endlich wieder mehr oder weniger aufgewärmten Körpern zog es uns auf die Felder. Wegen immer noch starken Windes waren Kleinvögel ein rares Gut. Dafür machten wir uns einen Spass daraus, uns bei der Fruchtschür gegenseitig mit Grasbüscheln zu bewerfen, wobei derjenige mit Rückenwind einen erheblichen Vorteil hatte ;-). Als es nichts mehr zu werfen gab, die Schläfrigen ihren Mittagsschlaf gehalten hatten und der Ort auch ornithologisch für ausgekostet erklärt werden konnte, fuhren wir zum Fanelhaus zurück.

Flurin beim Mittagsschläfchen.
Dort gesellten sich Leon, Selina, Andrea und Lionel mit Eva in die Küche, um dort für alle Nudeln mit Pesto und Tomatensauce zu kochen. Der Rest versuchte noch auf dem Berner Turm sein Glück. Nebst zwei Trauerseeschwalben und fünf durchziehenden Weissstörchen konnte nichts sehr Spezielles beobachtet werden...

Trauerseeschwalbe.
Foto: Samuel Betschart.
…bis Samuel plötzlich ganz gemütlich ein Gespräch mit „Es hääät de no a Röötääuuschwaalbee“ begann. Ebenso gemütlich antworteten die andern: „Wo isch si den gmeldet worde?“ – „Si flüügt gad doo voorne mit de Raauuchschwaaalbee umenand“ (streckt uns seine Kamera hin, wo tatsächlich eine Rötelschwalbe das Display zierte) – „Whaaaaat?!?“

Allen schoss das Adrenalin ins Blut und nach kurzer Zeit konnten auch alle den Vogel mindestens einmal im Feldstecher beobachten. Was für eine Entdeckung!

Der Beweis - eine Rötelschwalbe!
Foto: Samuel Betschart.
Leider war dieser hübsche Vogel dem Küchenteam nicht vergönnt, da wir sie nach dem schmackhaften Essen nicht mehr beobachten konnten. Dafür sorgte ein anderer pelziger Kerl für Entzücken – schon seit Oktober 2014 hielt ein Siebenschläfer hinter dem Radio im Speisezimmer seinen Winterschlaf. Er liess sich von unserer doch eher lauten Tischgemeinschaft nicht stören und hielt auch brav allen Fotografen hin.

Lässt selbst die härtesten Herzen erweichen - der Siebenschläfer im Winterschlaf.
Foto: Samuel Betschart.

Mit dieser Beobachtung konnten alle auf einen erlebnisreichen Tag zurückblicken und zufrieden einschlafen.


Zweiter Tag – 19. April
 

Gegen 6 Uhr in der Früh schrillte der Wecker und holte uns aus den Federn. Der Gemshoger sollte unser Ziel sein. Dort erwartete uns eine schöne malerische Morgenstimmung.

Morgenstimmung.
Foto: Eva Baier.
Mit Schilfrohrsänger, Habicht und Wiesenweihe konnten wir drei neue Arten beobachten. Daneben erfreuten uns einmal mehr Bartmeisen, Schwarzkehlchen, Trauerseeschwalbe, Bruch- und Waldwasserläufer, Grünschenkel, Grosser und Regenbrachvogel, Kampfläufer und vier Knäkenten. Ausserdem blieb auch noch Zeit für ein Gruppenfoto:

Die Natrixler streben in die Höhe.
Foto: Selbstauslöser von Evas Kamera ;-).
Als es wieder zu kalt wurde, war es Zeit fürs Frühstücken. Frischer Zopf, Ruchbrot und Müesli beglückten uns. Selbst gesunden Salat gab es, da am Vorabend Salat nicht wirklich hoch im Kurs war… Danach war Frühlingsputz angesagt, der auch speditiv erledigt werden konnte. Den restlichen Tag verbrachten wir nach einem kürzeren ereignislosen Aufenthalt auf dem Berner Turm bei der Fruchtschür, wo uns Grauammer, Dorngrasmücke, als Highlight ein überfliegender Rotkehlpieper sowie verschiedene Spiele zum Zeitvertrieb erwarteten. Zwischendurch spazierten auch noch zwei Rehe über einen Feldweg, die sich super beobachten liessen.

Zwei Rehböcke.
Foto: Samuel Betschart.
Leider hiess es gegen drei Uhr auch schon wieder zum Bahnhof zurück zu radeln, Fahrräder aufzugeben und nach Zürich zu reisen. In Erinnerung bleiben zwei tolle Tage und die Erkenntnis, dass ein Wochenende im Fanel definitiv zu kurz ist.

Bis zum nächsten Mal!

Bericht und Fotos ohne Vermerk des Fotografen: Merlin Hochreutener.

Sonntag, 22. März 2015

Generalversammlung

Auch wenn Generalversammlung grundsätzlich nicht sehr spannend klingt, waren 14 motivierte Natrixler und Natrixlerinnen am Treffpunk anzutreffen. Nein, keine langweilige PowerPoint-Textwüsten sollten uns erwarten, sondern eine spannende und kurzweilige GV mit einer anschliessenden Exkursion an den Katzensee, wo in den Vortagen immer mehrere „tanzende“ Rohrdommeln beobachtet werden konnten. Traditionell ging Jonas auf das vergangene sehr erfolgreiche Natrixjahr ein. Nachfolgend einige Highlights:
  • Seggenrohrsänger und Seeregenpfeifer im Fanel
  • zahlreiche Spechte auf der Bioakustikexkursion in Frauenfeld
  • Karmingimpel und Bergvögel im Urserental
  • Erfrischendes Bad im Neuenburgersee während des SVS-Sommerlagers
  • Erfolgreiche Verteidigung des Jugendsiegertitels beim Birdrace
  • Zahlreiche Zugvögel beim Zugvogelweekend auf dem Gurnigel
  • Allerlei Weihnachtsgebäck beim Chlaushöck
  • … und zahlreiche weitere tolle Exkursionen
Danach konnte mit Dominic ein Blick in die Bilanz geworfen werden. Im vergangenen „Geschäftsjahr“ wurde ein Gewinn von knapp 1‘500 Franken erzielt. Aufgrund von Weiterbildungskosten des Leiterteams (ein Erste-Hilfe-Kurs wurde besucht) und zahlreichen Aufwertungsmassnahmen in unserem Naturschutzgebiet, den Hegmatten, wird im Jahr 2015 ein Verlust von 250 Franken budgetiert.

Patrick Mächler ist schon seit über einem Jahrzehnt aktiv bei der Jugendgruppe Natrix. Zuerst als motivierter Exkursionsteilnehmer, danach als langjähriger und erfahrener Leiter. Er kündigte auf die Generalversammlung 2015 seinen Rücktritt an. Als Doktorand, Götti und Onkel sowie Leiter der Jugendgruppe Seen in Winterthur hat er diverse zeitaufwendige Projekte. Wir wünschen dir alles Gute auf dem weiteren Weg und hoffen, dich doch noch einige Male als Gast auf Natrix-Exkursionen begrüssen zu dürfen ;-). Auch Selina Wirth wurde verabschiedet. Nach zwei Jahren als Natrix Leiterin möchte sie wieder mehr Zeit für sich selbst und andere Projekte haben.

Nachdem Meo uns anlässlich seines vorläufig letzten Natrixanlasses noch mit einem spannenden Vortrag über ein tschechisches Forschungsprojekt über verschiedene Dialekte im Goldammerngesang beglückte, wurde der Vorstand in traditioneller Manier einstimmig wiedergewählt.

Damit konnte auch das letzte Traktandum abgeschlossen werden und somit stand der Exkursion an den Chatzensee nichts mehr im Wege. Auch wenn dort abgesehen von einigen Rotdrosseln keine speziellere Vögel mehr beobachtet werden konnten – die Rohrdommeln waren leider nicht kooperativ – liess die Abendexkursionen die Natrix Generalversammlung gemütlich ausklingen. Mit Fortschreiten des Nachmittags blieb auch noch Zeit für ein Gruppenfoto.

Ein nicht statisches Gruppenfoto ;-)

Bericht: Merlin Hochreutener
Foto: Gabriel Maurer.